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People | 01.08.2016

"Frauen, glaubt an eure Stärken!"

Ministerin Sabine Oberhauser ist nicht mehr nur für Gesundheit zuständig, die 52-Jährige macht sich als neue Frauenministerin auch für die Anliegen der Frauen stark.

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© Ludwig Schedl

Sie zu treffen, ist Vergüngen und Bereicherung gleichermaßen. Sabine Oberhauser, 52, versprüht Lebensfreude, Elan und Kraft. Ihre offene Art, auch im Umgang mit ihrer Krebserkrankung (Anfang 2015 wurde Unterleibskrebs diagnostizert),  beeindruckt. Die Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde machte ihre Krankheit öffentlich und dokumentierte via Facebook Krankheitsverlauf sowie Chemobehandlungen. Ihren Humor hat die neue Mega-Ministerin nie verloren und die Nähe zu den  Menschen gibt ihr Kraft. Politikerin zu sein, sagt sie,  heißt auch, Menschen zu mögen und auf sie zuzugehen. Umso erfreulicher ist es, dass die ehemalige ÖGB-Vizepräsidentin, zweifache Mutter (Sophie, 29, und Franziska, 25) und frisch gebackene Großmutter nun auch zur Frauenministerin avancierte. 

Erfrischend ehrlich. Dass ihr neuer Aufgabenbereich eine große Herausforderung ist, weiß sie. Vor allem, weil ihr Terminkalender jetzt schon sehr voll ist. Aber sie will auch das anpacken und schaffen. Ganz fit sei sie noch nicht, da sie sich nach wie vor in Therapie befinde, aber doch kraftvoll genug, um diese Verantwortung zu übernehmen.

 

Frau Minister, Sie schauen hervorragend aus! Wie geht es Ihnen gesundheitlich nun wirklich?

Mir geht es gut! Wirklich (lacht). Ich sage immer: Mir soll es nie schlechter gehen als heute. Ich fühle mich stark, voller Energie. Aber ich weiß natürlich, dass ich mir Grenzen setzen muss. Wir haben alle nur dieses eine Leben, leider (lacht).

 

Und wie fühlt es sich an, Oma zu sein? Wollen Sie, als moderne Großmutter, eigentlich Oma genannt werden?

Oma zu sein ist schön! Natürlich haben wir überlegt, wie mein Enkel mich nennen wird. Die Phon-Oma vielleicht, weil ich ja immer das Telefon bei mir hab und es auch eine zweite Oma gibt (lacht). Aber ich denke, er wird sich den Namen selbst aussuchen.

 

Wie aktiv sind Sie als Oma?

Ich fange jetzt wieder zu stricken an. Eine  herrliche Beschäftigung. Bei mir in der Nähe gibt es ein kleines Wollgeschäft, da finde ich alles, um Emil glücklich zu machen.

 

Sie wirken kraftvoll und energiegeladen, sind aber rekonvaleszent. Gestatten Sie die Frage: Warum mutet man sich in Ihrer Situation dann noch ein zweites Ministerium zu?

Ich habe sehr ernsthaft überlegt, ob es mir zu viel werden könnte, und bin zu dem Schluss gekommen: Wir schaffen das. Die Arbeit für Frauen ist mir wichtig, vor allem das Sich-stark-Machen für Frauen – aber mit dem Bewusstsein, dass meine Kräfte limitiert sind … Mein klassisches Beispiel ist: Fragt man einen Mann, ob er einen Job annimmt, sagt er sofort: „Ja, welchen?” Frauen hingegen fragen: „Kann ich das und bin ich qualifiziert dafür?” Also: Ich traue mir zu, eine gute Frauenministerin zu sein. 

 

Wie wollen Sie es schaffen, zwei derart komplexe Ministerien zu leiten?

Mit ein bisschen Bauchweh, weil ich natürlich weiß, dass das viel Zeit kostet, Einsatz und Arbeit. Aber Frauenarbeit ist Vernetzung, d.h. gezieltes Vorgehen. Gestern Abend z.B. war ich bei der Generalversammlung des Österreichischen Frauenrings, wissend, dass ich dort viele Repräsentantinnen vieler großer Frauenvereine treffen werde. Es ist zu schaffen, aber ja: Es ist auch viel zu tun. Die Tage sind durchorganisiert.

 

Das bedeutet für Sie, auch an den Wochenenden zu arbeiten?

Mein Gesundheitszustand ist gut, aber noch nicht so, dass ich jedes Wochenende durcharbeiten kann. Meine Freiräume bzw. einen freien Tag am Wochenende brauche ich schon. Ich versuche, den Samstagmittag immer frei zu halten, weil wir da mit meiner Mutter, den Kindern und ein paar Freunden essen gehen. Das ist ein Ritual, das möchte ich nicht missen.

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Sabine Oberhauser mit Ehemann Gerold, einem Radiologen (© Ludwig Schedl)

Besprechen Sie wichtige Entscheidungen mit Ihrem Mann?

Ja, immer. Weil er viel mitträgt und  mir den Rücken frei hält. Wir tauschen uns über alles aus.

 

Sie gelten als Ministerin ohne Berührungsängste …

Ein Teil des Politikerseins ist es, Menschen zu mögen und auf sie zuzugehen. Das kann man nicht aufsetzen. Entweder man macht es gern oder eben nicht. Ich genieße es sogar, wenn Menschen zu mir kommen und ein Selfie mit mir wollen. 

 

Kehren wir zurück zu Ihren Zielen im Frauenministerium. Was möchten Sie bewirken?

Ein größeres Bewusstsein schaffen zum Thema Frauengesundheit. Ein anderer Punkt ist: Frauen in der Arbeitswelt. Und ein ganz wichtiges Thema ist Gewalt gegen Frauen, besonders in dieser derzeit aufgehetzten Stimmung. Gewalt gegen Frauen passiert in Österreich noch immer im Haushalt, und was wir jetzt erleben, ist Gewalt im öffentlichen Raum, in den unterschiedlichsten Bereichen. Man braucht sich nur im Netz anschauen, was sich an Gewalt gegen Journalistinnen, die sich kritisch äußern, abspielt. Ich denke, es ist an der Zeit, jetzt dagegen aufzustehen.

 

Sehen Sie eine Gefährdung der Stellung von Frauen aufgrund der Zuwanderung?

Fest steht, dass wir ganz klare Grenzen ziehen müssen. Es gibt Spielregeln, an die sich jeder zu halten hat – unabhängig von Hintergrund oder Nationalität. Männer haben Frauen zu akzeptieren. Was mir viel mehr Sorgen macht, sind die neuen Lehrlings- und Jugendberichte, die u.a. belegen, dass ein Teil der jungen Frauen Männer will, die sie erhalten, und sie selbst bekommen Kinder und bleiben zu Hause. Da fragt man sich schon: Was haben wir falsch gemacht?

 

Wie wollen Sie diesen Backlash aufhalten? 

Die jungen Gewerkschafterinnen versuchen gerade, sich um Lehrlinge zu kümmern, sie zu informieren und aufzuklären. Mit 20 denkst du nicht daran, dass der Prinz vielleicht eines Tages verschwindet und du ohne Beruf und ohne Alterssicherung dastehst. Und: Gute ganztägige Kinderbetreuung ist auch ein Punkt. Bei den Kleinstkindern gibt es noch Bedarf, vor allem in den Bundesländern, wo es teils keine Betreuung am Nachmittag gibt. 

 

Was würden Sie Frauen am liebsten zurufen, wenn Sie könnten?

Glaubt an euch selbst! Ihr seid stärker, als ihr vermutet!

 

Haben Sie stets an sich geglaubt?

Aber nein! Es ist ein Auf und Ab, man lernt jedoch, sich selbst zu vertrauen, indem man Herausforderungen annimmt und meistert. Und auch scheitern ist erlaubt. Aber: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.