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People | 05.07.2017

Erste Frau an der Spitze

Fünf Monate früher als geplant bekleidet Doris Hummer seit 21. Juni den Chefsessel der Wirtschaftskammer Oberösterreich. Dass dieser nicht immer bequem sein wird, darauf stellt sich die neue Präsidentin ein.

Bild 1707_O_Doris Hummer_c_Starma.jpg
© Starmayr

Es ist ein absolutes Novum in der über 150-jährigen Geschichte der Wirtschaftskammer Oberösterreich: die erste „Frau Präsidentin“ am Linzer Hessenplatz. Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil sie bestqualifiziert dafür ist. Damit ist die 43-jährige Grieskirchnerin österreichweit die Zweitjüngste in dieser angesehenen Position. Nur Helga Rabl-Stadler, bis 1994 Wirtschaftskammer-Präsidentin in Salzburg, war bei ihrem Amtsantritt erst 40 Jahre alt.

 

Frau Hummer, mit welchem Gefühl treten Sie das Amt der Wirtschaftskammer-Präsidentin an?

Mit großem Respekt und wirklicher Vorfreude. Weil wir viel vorhaben!

 

Eine Ihrer ersten Ansagen: Sie wollen die Kammer-Strukturen schlanker und effizienter gestalten. Warum?

Genau wie jede Firma muss sich auch die WK-Organisation ständig optimieren und neu ausrichten, um den größtmöglichen Kundennutzen bieten zu können. In der WKO Oberösterreich gehen wir hier voran und wollen nationale Benchmarks setzen. Schlanke Strukturen sind wendiger und damit oft effizienter. „Too big to fall“ gibt es nicht mehr, die Schnellen werden die Erfolgreichen sein.

 

Zuletzt gab es Aufregung über eine Kinowerbung der Arbeiterkammer mit dem Vorwurf von „Friss-oder-stirb“-Parolen und der Herabwürdigung von Frauen, was Sie heftig als respektlos und ohne Wertschätzung gegenüber den Unternehmern kritisiert haben. Das hört sich nicht gerade nach einem harmoni­schen Start im Sinne einer Sozialpartnerschaft an?

Mit dieser unerträglichen pau­schalen Verunglimpfung der oberösterreichi­schen  Unternehmerinnen und Unterneh­mer hat sich die AK OÖ selbst als Sozialpartner disqualifiziert. Der Aufschrei – übrigens auch unter den Arbeitnehmern – war zu Recht massiv. Wer heute noch versucht, mit Klassenkampf­parolen Stimmung zu machen, hat nicht verstanden, was Standortpolitik bedeutet.

 

Sie können also auch unbequem werden, wenn es sein muss?

Kurz gesagt: ja, wenn es notwendig ist. Denn wenn wir uns zurücklehnen und es uns bequem machen, werden wir unser Ziel – wieder zu den Spitzenregionen im Standortvergleich aufzurü­cken – niemals erreichen.

 

Welches Verhältnis haben Sie zum scheidenden Präsidenten Rudolf Trau­ner, der leider aufgrund einer Parkinson-Erkrankung gezwungen ist, das Amt vorzeitig zu übergeben?

Rudi Trauner hat sich mehr als 13 Jahre lang unermüdlich für die Anliegen der Unternehmerinnen und Unterneh­mer eingesetzt. Dafür gebührt ihm Dank und höchste Anerkennung. Er ist für mich ein sehr guter Freund und war immer ein wertvoller Mentor, vor allem in meiner Zeit als Landesvorsitzende der Jungen Wirtschaft in Oberösterreich. Ich hoffe sehr, dass es ihm gesundheitlich weiter gut geht.

 

Es häufen sich Cyberattacken auf Unternehmen. Vielen ist noch der millionenschwere Betrugsfall bei der FACC vor zwei Jahren in Erinnerung. Kann und wird die Wirtschaftskammer hier Maßnahmen setzen?

Das haben wir bereits getan. Es gibt seit 9. Juni eine kostenlose Soforthilfe bei Cyberattacken unter der Cyber-Security-Hotline 0800/888 133. Diese Erste Hilfe bei digitalen Attacken aller Art ist sieben Tage die Woche rund um die Uhr erreichbar. Übrigens bereits ein Reformprojekt, da mehrere Wirtschaftskammern diese Hotline gemeinsam anbieten.

 

Lange Amtszeiten sind für Wirtschaftskammer-Präsidenten nicht ungewöhnlich: Rudolf Trauner senior zehn Jahre, Kurt Kaun zehn Jahre, Rudolf Trauner vierzehn Jahre. Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren?

Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, und wenn ich eines gelernt habe in der Politik: dass sich alles schnell ändern kann.

 

Auf Ihrer Facebook-Seite prangt der Leitspruch „Demokratie braucht Engagement“. Was darf man sich in dieser Hinsicht in Zukunft von Ihnen erwarten?

Volles Engagement für den Wirtschaftsstandort Oberösterreich und jene, die den Mut haben, in diesem Land ein Unternehmen zu gründen.

 

Haben Sie als Unternehmerin im Familienbetrieb Domico, zuvor als Landesrätin, danach als Wirtschaftsbund-Landesobfrau, aktuell als Wirtschaftskammerpräsidentin und Mutter eines kleinen Sohnes, eigentlich genug Zeit für Ihre Familie?

Ja, da habe ich mir einen Ratschlag von Kurt Kaun zu Herzen genommen: „Das Hemd ist die Familie, die Weste die Firma, die Jacke die Politik.“ Nur wenn es meiner Familie und meinem Unterneh­men gut geht, kann ich auch vollen Einsatz für die WK leisten.

 

Wird sich in diesem Sommer gemeinsamer Urlaub ausgehen?

Da mein Sohn erst vier Jahre alt ist, richten sich unsere Familienrei­sen ganz nach seinen Wünschen. Meist sind wir auch als Großfamilie unterwegs, mit Großeltern und der Familie meiner Schwester. Aber auch ein verlängertes Damenwochenende mit meinen Patentöchtern gehört zum heurigen Urlaubsplan.