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People | 04.01.2016

Erol Sander liest Oscar Wilde

Im Brucknerhaus in Linz spielt Frauenschwarm Erol Sander nicht – er liest. Und zwar aus Oscar Wildes Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“. Im Interview spricht der Schauspieler über seine türkischen Wurzeln und gesteht, dass auch er mit Gewichtsproblemen zu kämpfen hat.

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© Gulotta, Francesco

Am 16. Dezember kann man Schauspieler Erol Sander (47) im Linzer Brucknerhaus in einer szenischen Lesung von Oscar Wildes Klassiker „Das Bildnis des Dorian Gray“ live erleben. Der Schauspieler entführt das Publikum dabei in die Abgründe der Seele des reichen Schönlings Dorian Gray. Vor seinem gemalten Porträt äußert Dorian einen „wahnsinnigen Wunsch“: Das Bildnis möge altern, er selbst aber ewig jung, schön und genussfähig bleiben. Dorian beginnt ein ausschweifendes Leben und verliert in seinen exzentrischen Abenteuern die letzten moralischen Hemmungen. Sein Bildnis jedoch, der „Spiegel seiner Seele“, zeigt seinen Verfall: seinen Identitätsverlust, der ihn schließlich in die Katastrophe führt. Videosequenzen der Verfilmung unterstreichen diesen faszinierenden Abend.

 

Oscar Wildes Roman erfuhr in den letzten hundert Jahren viele unterschiedliche Interpretationen. Was bedeutet der Roman für Sie persönlich?

Oscar Wilde ist für mich ein zeitloser Schriftsteller der Literaturgeschichte. In meinem Verständnis beschäftigt er sich in diesem Roman in erster Linie mit dem Hang des Menschen zum Narzissmus und Hedonismus. Ich bin sehr glücklich, mich heute als Schauspieler mit Oscar Wilde auseinandersetzen zu dürfen und die Herausforderung seiner Literatur anzunehmen.

 

Hat der Roman in Zeiten von Selfies, Reality-TV und Casting Shows mehr Gültigkeit denn je?

Ich denke, jede Zeit hat ihre Art von Kunst und Bedürfnissen – Kunst ist doch so vielfältig, aber auch von so vielem abhängig. Für Dorian Gray ist dieses Bild, dieses Kunstwerk, sicher ein „Tagebuch des Lebens“, für mich hingegen ist das „Tagebuch des Lebens“ etwas Vergängliches. Natürlich spielt der Roman in einer vergangenen Zeit, aber er spricht von den Gedanken, von der Seele des Menschen, die auch heute noch unverändert existieren. 

 

Bevor Sie Schauspieler wurden, haben Sie als Model für Armani, Dolce & Gabbana und Christian Dior gearbeitet. Was bedeutet Schönheit für Sie persönlich?

Den Begriff „Schönheit“ in seiner Gesamtheit zu definieren, ist wirklich schwierig. Wahre Schönheit ist für mich meine Familie. Schönheit, das beinhaltet auch Glück, Zufriedenheit, Ausstrahlung. Dabei geht es nicht darum, ob ein Mensch symmetrisch gebaut ist oder nicht, ob jemand eine Maske aufsetzt, gut gekleidet ist … Wirkliche Schönheit entsteht aus der Ausstrahlung eines Menschen, die sich – auch aus den schönen – Momenten seines Lebens entwickelt. 

 

Sie sind der Frauenschwarm schlechthin. Was muss eine Frau haben, damit Sie Ihnen gefällt?

Sie muss wie meine Frau Caroline sein (lacht).

 

Sie sind 47 Jahre alt. Wie gehen Sie persönlich mit dem Älterwerden um? Was tun Sie für Ihr Äußeres?

Sie werden lachen, gar nicht viel. Ich liebe es, mit den Hunden und den Kindern an der frischen Luft spazieren zu gehen. Ich versuche – und es gelingt nicht immer – mich gesund zu ernähren, habe auch ab und an mit Gewichtsproblemen zu kämpfen, weil ich einfach zu oft zu gerne esse. 

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Erol Sander ist seit 15 Jahren glücklich verheiratet mit seiner Caroline. (© picturedesk.com)

Sie sind mit fünf Jahren mit Ihrer Mutter von der Türkei nach Bayern gezogen. Warum gerade nach Bayern, und welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit? 

Nun, ich denke, Bayern lag in jeder Hinsicht „nahe“. Meine eigenen Erinnerungen an die erste Zeit sind recht vage. Vermutlich, weil meine Mutter es geschafft hat, mir weiterhin ein geborgenes Zuhause zu geben. Kinder behalten ja meist nur die Situationen in Erinnerung, die aus dem sichereren Alltag herausfallen. 

 

Welche Bedeutung haben Ihre türkischen Wurzeln für Sie?

Für mich sind diese Wurzeln im Laufe des Lebens eigentlich immer spannender geworden. Ich empfinde es als inneren Gewinn, dass sich für mich türkische und deutsche Prägungen gegenseitig relativieren können – mitunter im ganz konkreten Erleben während Dreharbeiten in Istanbul. Und natürlich versuche ich auch, meinen Kindern die doch sehr spezielle His­torie beider Kulturen zu vermitteln, die sich durch die Jahrhunderte immer wieder begegneten.

 

Was geht Ihnen angesichts der derzeitigen Flüchtlingsströme durch den Kopf?

Alles: das ganze emotionale wie rationale Gemisch zwischen Mitgefühl, Hoffnung und Angst, das wohl in den meisten von uns steckt. In mir ist natürlich das Bewusstsein der eigenen Historie. Das Erleben und die Dankbarkeit dafür, dass man sehr wohl in zwei Staaten und Kulturen zu Hause sein kann. Aber mein Lebensweg lässt sich nicht verallgemeinern und die politische wie soziale Stimmung in den 70er-Jahren zum Thema Einwanderung kann man nicht mit dem im Grunde erst beginnenden Flüchtlingsstrom der heutigen Zeit vergleichen. Ich maße mir keine Lösungsmodelle an, dafür haben wir Politiker. Doch ich meine, die Staatengemeinschaft, wie jeder Einzelne von uns, muss darum kämpfen, dass menschliches Mitgefühl und archaisch-emotionale wie rational begründete Ängste sich nicht gegeneinander stellen. In diesen schwierigen Zeiten ist es wichtig, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit zu zeigen. Ich selbst hinterfrage mich immer wieder, wo ich stehe, wo mein Weg ist, was ich verbessern kann: meine Brücke zu anderen Menschen. Um es „Dorian Gray-gemäß“ zu sagen: Ich bemühe mich – nicht nur in diesen Zeiten –, mir mein Portrait wenigstens ab und zu anzusehen.

 

Sie leben ein skandalfreies Leben und sind bereits seit 15 Jahren mit der Französin Caroline Goddet verheiratet. Gibt es ein Geheimnis für eine beständige Beziehung?

Sich gegenseitig zu achten und immer wieder gemeinsame Ruhepunkte miteinander erleben zu dürfen – das gelingt uns, denke ich, ganz gut. 

 

Sie haben zwei Söhne. Wie alt sind die beiden? Wie sind Sie als Vater – kumpelhaft oder eher streng?

Marlon ist 13 und Elyas fünf Jahre alt. Ich verkörpere beides. Wenn es nötig ist, kann ich streng sein, am liebsten aber bin ich kumpelhaft.

 

Sie sind als Schauspieler sehr vielseitig. Was wäre Ihre absolute Traumrolle?

Gute Frage – gern würde ich eine Komödie drehen. 

 

Was steht beruflich in nächster Zukunft an? Worauf dürfen sich Erol Sander-Fans freuen?

Bis Mitte November drehen wir die neuen Folgen der „Mordkommission Istanbul“. 


Erol Sander

lebt seit 1973 in München, wo er BWL und Politikwissenschaften studierte. 1990 begann er in Paris eine Karriere als Model und nahm Schauspielunterricht. Sein Durchbruch im deutschen Fernsehen gelang ihm 2001 in der Titelrolle der Krimiserie „Sinan Toprak ist der Unbestechliche“ . Es folgten zahlreiche Rollen in TV-Filmen. Sein Hollywood-Debüt gab er 2004 an der Seite von Colin Farrell und Angelina Jolie in Oliver Stones Kinospektakel „Alexander“. 2008 war er in der ersten Folge der Krimireihe „Mordkommission Istanbul“ zu sehen.  Zuletzt spielte Erol Sander 2010 in einer Folge von „Mord in bester Gesellschaft “ sowie in „Die Alpenklinik “. Demnächst wird er im Ersten mit zwei neuen Folgen der Krimireihe „Mordkommission Istanbul“ zu sehen sein.