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People | 29.10.2021

Erfolgreich in Down Under

In Indonesien hat sie ihren Master absolviert und als Model gearbeitet. Vor fünf Jahren ist die Mühlviertlerin Eva Buchroithner (31) nach Australien ausgewandert und hat dort ihr eigenes Unternehmen gegründet. Dass sie das Modeln noch immer drauf hat, hat die Expertin für Online-marketing beim Covershooting eindrucksvoll bewiesen.

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© Sarah Katharina Photography

Der Liebe wegen ist Eva Buchroithner vor fünf Jahren nach Australien gezogen und geblieben. Vor eineinhalb Jahren hat sich die Onlinemarketingexpertin in Down Under selbstständig gemacht und ihre Agentur „Strive Digital“ gegründet. Mit Erfolg, denn mittlerweile beschäftigt die sympathische Powerfrau fünf Mitarbeiter, betreut Kunden auf der ganzen Welt und ist gerade dabei, auch den deutschsprachigen Raum ordentlich aufzumischen, denn Onlinemarketing boomt wie nie zuvor.  Bei einem Urlaub in der oberösterreichischen Heimat haben wir die fesche Blondine zum Covershooting samt Interview gebeten. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Buchroithner, was hat Sie dazu motiviert, E-Business an der Fachhochschule Steyr zu studieren?

Eva Buchroithner: Marketing hat mich schon immer interessiert, weil ich dabei meine Kreativität gut ausleben kann. E-Business beinhaltet zusätzlich auch noch die Bereiche IT und Programmieren, diesbezüglich hat mich vor allem die technische Ausbildung fasziniert. 

 

Nach dem Studium in Steyr sind Sie nach Indonesien gegangen und haben als erste internationale Studentin dort einen MBA Studiengang abgeschlossen. Warum ausgerechnet Indonesien? Gab es da einen Bezug?

Den Master im Ausland zu absolvieren, stand auf meiner Prioritätenliste ganz oben. Als mein damaliger Freund von Berufs wegen nach Indonesien übersiedelt ist, bin ich mitgegangen und habe mich sofort in dieses Land verliebt. Wir haben in Purwakarta auf der Insel Java direkt neben den Reisfeldern gewohnt. Im ersten Jahr habe ich Indonesisch gelernt, bin viel herumgereist und habe mich auf das Studium vorbereitet. Danach habe ich in der Stadt Bandung mein Masterstudium Business Administration mit Schwerpunkt Marketing begonnen und auch abgeschlossen. Das letzte halbe Jahr habe ich in Jakarta gelebt. 

 

Wie schwierig ist Indonesisch? 

Es gibt so gut wie keine Grammatik, das ist super (lacht). Aber die Vokabeln sind schon sehr herausfordernd. 

 

Sie waren in Indonesien, Malaysia und Singapur auch als Model unterwegs. Wie ist es dazu gekommen und stehen Sie auch heute noch vor der Kamera?

Ich wurde von einer sehr wohlhabenden Familie in einer Shoppingmall angesprochen, ob ich Lust hätte, die Prinzessin für einen Kindergeburtstag zu spielen. Insgesamt wurden vier Models als Disney-Prinzessinnen für den vierten Geburtstag der Tochter engagiert. Es waren auch professionelle Visagisten und Fotografen dabei, die mich zum Modeln motiviert haben. Als blonde Europäerin, die Indonesisch spricht und sich mit den Fotografen unterhalten kann, war ich sehr gefragt. Heute mache ich nur für mein eigenes Business noch ab und zu Fotos. 

 

 

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© Sarah Katharina Photography

Nach drei Jahren in Indonesien hat es Sie dann doch wieder in die Heimat ins Mühlviertel gezogen.

Ja genau, ich wollte Zeit mit meiner Familie verbringen, aber nach einem Jahr hat mich erneut das Fernweh gepackt und ich bin nach Australien gegangen. Ich habe in Jakarta einen Australier kennengelernt und zu dem hat es mich gezogen (lacht).

 

Vor eineinhalb Jahren haben Sie in Australien Ihre Onlinemarketing-Agentur „Strive Digital“ gegründet. Was genau bieten Sie an?

Wir fokussieren uns auf Onlinewerbung für E-Commerce-Unternehmen (Online Retail) mit Facebook und Google Ads, erstellen die Strategie und schalten auf diesen Plattformen Werbungen für unsere Kunden. 

 

Was hat Sie dazu motiviert, sich selbstständig zu machen?

Nach zehn Jahren Erfahrung im Digitalmarketing habe ich gemerkt, dass es viele Agenturen gibt, die wahnsinnig viele Kunden betreuen und dadurch oft gar nicht die Qualität anbieten können, die möglich wäre und sein sollte. Auch ich war in so einer Agentur tätig. Irgendwann wollte ich nicht mehr in einem Umfeld arbeiten, in dem weder die Kunden noch die Mitarbeiter wirklich zufrieden sind. Daher habe ich mich entschlossen, etwas Eigenes anzubieten. Durch die Coronakrise mussten bzw. müssen sich Unternehmen noch stärker auf Onlinewerbung fokussieren, was ich in meiner Firma deutlich spüre. 

 

Mittlerweile besteht „Strive Digital“ aus einem sechsköpfigen Team und betreut weltweit Kunden im E-Commerce- Bereich.  Australien ist bekannt für seine strikten Coronaregeln. Wie ist es Ihnen während der Lockdowns gegangen?

Ich habe mein Unternehmen von meinem Wohnzimmer aus gestartet. Der große Vorteil ist, dass ich flexibel von überall aus arbeiten kann, was mir vor allem jetzt zugute gekommen ist, weil ich aufgrund der strikten Coronaregeln in Australien länger als geplant in Österreich festgesessen bin. Mein erster Kunde war ein Start-up aus Melbourne. Ich konnte durch meine Strategien und Services diesem Unternehmen zu einer Umsatzsteigerung von anfangs 500 Dollar im Monat zu über 75.000 Dollar in nur vier Monaten verhelfen. 

 

 

 

 

 

 

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© Sarah Katharina Photography

Ist es schwierig, in Australien ein Business zu gründen?

Von den rechtlichen Grundlagen her ist es in Australien viel einfacher als in Österreich. Für eine GmbH in Österreich braucht man ein Startkapital von 35.000 Euro. In Australien ist das Äquivalent dazu eine sogenannte „Pty Ltd“  – dafür braucht man nur 2.000 Dollar Startkapital. 

 

Gibt es in Australien so etwas wie die  Green Card in den USA?

Nein, man braucht entweder ein Business Visum oder „permanent resident“- Visum bzw. die Staatsbürgerschaft. Ich habe ein permanentes Visum. 

 

Wohin geht die Reise mit Ihrem Business, was steht derzeit am Programm?

Ich habe Kunden aus Neuseeland, Australien, den USA, Kanada und Europa. Vor allem im deutschsprachigen Raum ist ein großer Bedarf an unseren Dienstleistungen vorhanden und wir wollen auch hier eine kompetente Anlaufstelle für E-Commerce-Unternehmen sein, deshalb sind wir gerade dabei,  kräftig zu expandieren. 

 

Binnen eineinhalb Jahren wurden Sie Chefin von einem fünfköpfigen Team, wie ist Ihr Führungsstil?

Mir ist ganz wichtig, dass meine Mitarbeiter den gleichen Lifestyle haben können wie ich. Ich möchte aufstehen, wann ich will und arbeiten, wann ich will. Solange alle Kunden happy sind und meine Mitarbeiter ihre Leistung erbringen, können sie arbeiten wo und wann sie wollen. 

 

 

 

 

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© Sarah Katharina Photography

Haben Sie den Schritt in die Selbstständigkeit je bereut?

Nein, bisher noch nicht. Natürlich gibt es viele Ups and Downs. Aber ich habe ein sehr gutes Netzwerk, wo ich mich mit Experten, Kunden und Kollegen austauschen kann, das ist enorm wichtig. Zudem habe ich einen Personal- und auch einen Businesscoach und arbeite laufend an mir selbst. Ein Unternehmen zu führen, ist ganz sicher kein Honiglecken. Um weltweit meine Kunden gut abdecken zu können, arbeite ich oft auch nachts.

 

Wie können Sie am besten vom Job abschalten?

Das ist gar nicht so einfach (lacht).  Als ich im Sommer in Österreich war, hat mir auch meine Familie geholfen, einmal Ruhe zu geben, indem sie mich quasi zum Abschalten gezwungen hat. So frei nach dem Motto: „Computer aus und raus in die Natur.“ In Australien habe ich eine tolle Routine für mich gefunden. Jeden Morgen schreibe ich meine Gedanken nieder, das hilft, vieles zu reflektieren und Ziele zu visualisieren. Aber am besten kann ich mit Sport abschalten.

 

Und auch hier geben Sie ordentlich Gas. Vor einem Jahr haben Sie Ihren ersten Halb-Ironman absolviert und gleich noch einen zweiten draufgelegt. Wie kam es dazu? 

Ich war schon immer sportlich, aber nie fanatisch. Irgendwann habe ich mir einen Halb-Ironman in den Kopf gesetzt. Als jemand meinte, dass ich das nicht schaffen würde, ohne je einen Triathlon absolviert zu haben, habe ich mir gedacht: „Jetzt erst recht!“ Ich habe viel trainiert und letztendlich hat es auch funktioniert (lacht).

 

Sie sind auch Vorsitzende der Charity-Organisation „Seeds Of Hope“, wo jeden Montag Kleidung und ein warmes Abendessen für Obdachlose in Perth verteilt werden. Was bedeutet Ihnen soziales Engagement?

In Indonesien sind Armut und Hunger überall präsent, was mich dazu motiviert hat, mich sozial zu engagieren. Dieses Engagement wollte ich auch in Australien fortsetzen. Durch eine ehemalige Arbeitskollegin bin ich zu „Seeds Of Hope“ gekommen, was mir sehr viel bedeutet, weil man mit Leuten Kontakt hat, mit denen man normalerweise nicht ins Gespräch kommen würde. Die Obdachlosen sind herzlich und es kommt sehr viel von dem, was man gibt, zurück.

 

Was motiviert Sie generell?

Ich bin sehr ehrgeizig und das Arbeiten macht mir großen Spaß. „Komfort ist der Feind des Fortschritts” – wenn ich mich zu wohl fühle, werde ich unruhig und suche nach einer neuen Herausforderung. 

 

Heute haben Sie in Outfits von Bogart 2.0 in Perg ihre Modelqualitäten bewiesen. Was bedeutet Ihnen Mode?

Früher war mir vor allem Markenkleidung sehr wichtig, das hat sich mittlerweile geändert, da die Mode in Australien allgemein viel chilliger ist. Natürlich mag ich es, mich ab und zu aufzubrezeln,  aber ich bin auch gerne im Sportoutfit unterwegs. 

 

Was vermissen Sie aus der Heimat? 

Meine Familie und das Leben am Land. Ich lebe zwar in Perth in einem Haus ganz in der Nähe vom Strand, die Landschaft und vor allem auch die Sonnenaufgänge dort sind wunderschön, aber die oberösterreichischen Wiesen und Wälder fehlen mir schon manchmal. 

 

Können Sie sich vorstellen, wieder einmal ganz nach Oberösterreich zu übersiedeln?

In Indonesien habe ich das traumhaft schöne Wetter und die Offenheit der Menschen geliebt. Allerdings habe ich die Zuverlässigkeit und die Strukturen, die ich aus Österreich kenne, vermisst. In Australien habe ich eine Kombination von beidem. Die Australier sind super offen und herzlich, gleichzeitig gibt es dort ein strukturiertes Leben. Das mag ich. Für immer nach Österreich zurückzugehen, kann ich mir nicht vorstellen. Aber da ich mit meinem Business äußerst flexibel bin, würde ich gerne acht Monate im Jahr in Australien und vier Monate in Österreich oder auch in Kroatien leben. Von dort stammt mein Freund in Australien ab.