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People | 03.02.2020

"Erfolg passiert außerhalb der Komfortzone!"

Als Präsidentin der Wirtschaftskammer OÖ, Wirtschaftsbund- Landesobfrau und Unternehmerin weiß Doris Hummer genau, wo die Unternehmerinnen und Unternehmer im Land der Schuh drückt. Mit Forderungen wie Steuersenkungen und Bürokratieabbau tritt sie am 4. und 5. März bei der Wirtschaftskammerwahl an.

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Foto: Sabine Starmayr

"Wir kämpfen mit Leidenschaft für die Wirtschaft“, lautet der Slogan auf der Homepage des Wirtschaftbundes OÖ, für den Landesobfrau Doris Hummer als Spitzenkandidatin bei den Wirtschafts- kammerwahlen am 4. und 5. März an den Start gehen wird. Dass sie eine mu- tig Kämpferin ist, hat die 46-jährige Unternehmerin und Mutter eines Soh- nes in den vergangenen 20 Jahren im- mer wieder aufs Neue bewiesen. Nach dem Volkswirtschaft-Studium leitet sie die Personal- und Marketingabteilung im Familienbetrieb DOMICO (Metal- lindustrie) mit 150 Mitarbeitern und merkt schnell, wo die Firmenchefs der Schuh drückt. 2002 macht sie sich miteiner Marktforschungsfirma zusätzlich selbstständig.

 

Dinge ändern, statt zu jammern. Statt zu jammern, tritt sie mit dem Ziel, Dinge zu ändern, die sie beim Arbeiten aufhalten, in die Junge Wirtschaft ein. Ihr Durchsetzungvermögen und ihre gute Hand für Interessenspolitik werden bald schon über die Grenzen der Jungen Wirtschaft hinaus bemerkt. Kein Wunder, dass der damalige VP-Landeshauptmann Josef Pühringer die engagierte und sympathische Frau nach der Landtagswahl im Jahr 2009 als erste weibliche Landesrätin in die Landesregierung holt.

Mit Leidenschaft für ein unternehmerisches Oberösterreich. Als Landesrätin für Bildung, Wissenschaft und Forschung, Jugend und Frauen setzt sie ihre Akzente in der Politik und bringt 2012 ihren Sohn Felix zur Welt. Nach der Landtagswahl 2015, bei der die ÖVP einen Regierungssitz verliert, muss Doris Hummer von heute auf morgen ihren Posten räumen. Anstatt in Selbstmitleid zu verfallen, übernimmt sie 2016 als erste Frau in der Geschichte die Nachfolge des damaligen Wirtschaftskammer-Präsidenten Christoph Leitl und wird Wirtschaftsbund-Landesobfrau. 2017 kehrt sie als Geschäftsführerin und Eigentümerin in das elterliche Unternehmen zurück, im selben Jahr folgt sie Rudolf Trauner als Präsidentin der Wirtschaftskammer OÖ. Seither kämpft sie mit einer großen Leidenschaft für ein unternehmerisches Oberösterreich, hat die Kammer neu aufgestallt, alte Systeme aufgebrochen und bürokratische Hürden beseitigt. Mit welchen Forderungen sie Anfang März in die Wirtschaftskammerwahl geht, wie sie das Aufwachsen im Familienunternehmen geprägt hat und warum ihr der Sonntag mit der Familie heilig ist, erzählt Doris Hummer im Interview.

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Gemeinsam mit Ihrem Vater Josef Hummer (r.) leitet Doris Hummer die Geschäfte der Fassadenbaufirma DOMICO KG. Foto: Sabine Starmayr

OBERÖSTERREICHERIN: Seit April 2016 sind Sie Chefin des Wirtschaftsbundes OÖ, seit Sommer 2017 auch die erste Frau an der Spitze der Wirtschaftskammer OÖ. Was konnten Sie in dieser Zeit erreichen? 

Doris Hummer: Wir haben in dieser Zeit die Kammer neu aufgestellt, alte Systeme aufgebrochen, bürokratische Hürden beseitigt und mehr Service für unsere Mitglieder angeboten. Dazu gehören beispielsweise das Rechtsschutzpaket, die duale Akademie, ein Chatbot zur raschen Informationssuche und vieles mehr.

Worin liegt die große Stärke des Wirtschaftsbundes OÖ und warum sollen Unternehmen, egal welcher Größe, Mitglied werden?

Der Wirtschaftsbund OÖ ist ein lebendiges Netzwerk, in dem Unternehmergeist und Gestaltungswille die treibenden Kräfte sind. Unsere 18.000 Mitglieder bilden die stärkste und einzig wirksame Interessensvertretung der oberösterreichischen Unternehmen. Wir unterscheiden nicht zwischen groß und klein – für uns gilt: Wirtschaft ist unteilbar und gemeinsam geht vieles einfacher. Vor allem aber sind wir der Garant dafür, dass unsere Ideen durch unsere politische Kraft umgesetzt werden. Gerade jetzt bei der Aufstellung der neuen Regierung konnte ich persönlich, aber auch viele andere Wirtschaftsbundmitglieder ihre Ideen direkt in die Verhandlungen einbringen. Wir geben den oberösterreichischen Unternehmerinnen und Unternehmern damit eine starke Stimme!

Am 4. und 5. März 2020 findet die Wirtschaftskammerwahl statt. Sie gehen zum ersten Mal mit der Liste „Team Doris Hummer – Wirtschaftsbund OÖ“ an den Start. Was gibt es bis dahin noch zu tun? Wie voll ist Ihr Terminkalender?

Ich bin nicht nur jetzt bei den Betrieben und Unternehmerabenden unterwegs, sondern schon seit fast 20 Jahren, als ich im Zuge meiner Unternehmensgründung in die Junge Wirtschaft eingetreten bin. Besonders intensiv wurde die Interessenspolitik, als ich vor drei Jahren den Wirtschaftsbund in Oberösterreich übernommen habe. Aber natürlich ist mein Kalender bis zur Wahl im März dicht gefüllt. Am Wochenende, vor allem am Sonntag ist aber Familienzeit. 

Woher rührt Ihr unermüdlicher Einsatz für die Unternehmerinnen und Unternehmer, was ist Ihre Motivation?

Aus meinen persönlichen unternehmerischen Erfahrungen als Gründerin, aber auch als Übernehmerin eines Familienunternehmens entstand die Leidenschaft, für Oberösterreichs Unternehmerinnen und Unternehmer zu kämpfen. Vor allem, weil ich es unerträglich empfand, welche unnötigen Hürden uns die Arbeit täglich schwermachen.  Die drei großen Themen Fachkräfte, Entbürokratisierung und Entlastung stehen weit oben auf meiner Prioritätenliste. Wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem sich Unternehmen entwickeln können und international als Standort attraktiv bleiben. Ich habe ein starkes Team – in Summe 1398 Kandidaten, die in 77 Fachgruppen kandidieren –, und gemeinsam wollen wir den Unternehmerinnen und Unternehmern den Rücken stärken. 

 

 

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Gute Gesprächsbasis. Doris Hummer mit Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (l.), Landehauptmann Thomas Stelzer und WKO-Präsident Harald Mahrer (r.) Foto: Matthias Lauringer

Mit 130 Spitzenkandidaten erarbeiteten Sie das Programm für die kommenden WK-Wahlen. Welche Maßnahmen wurden dabei konkret erarbeitet? Wo drückt Oberösterreichs Unternehmen der Schuh?

Wir haben uns hier konkret an den Bedürfnissen unserer heimischen Betriebe orientiert. Was sie brauchen, ist neben Arbeitskräften und Entlastung zum Beispiel die Unterstützung beim digitalen Wandel. Die Digitalisierung zählt zu den größten Herausforderungen und Chancen für unsere Wirtschaft. Eine zusätzliche Förderung von einer Million Euro für die Beratung der Unternehmerinnen und Unternehmer wäre ein erster wichtiger Startpunkt in die richtige Richtung. Im Wettbewerb mit international agierenden Online-Plattformen braucht es eine faire Besteuerung und Rahmenbedingungen, die uns die Freiheit erlauben, uns international zu messen. Ebenso wollen wir die Nahversorgungsförderung auf neue Beine stellen. Wertschätzung und Unterstützung wollen wir mit dem 1.000-Euro-Bonus für alle Meister- und Befähigungsprüfungen bieten. Das sind Maßnahmen, die direkt wirken und dort ansetzen, wo Unternehmen Verbesserungen brauchen. Übrigens stehen Teile dieser Ideen bereits im neuen Regierungsprogramm – das ist kein Zufall. 

Klimawandel, Brexit und Fachkräftemangel hinterlassen ihre Spuren. Österreichs Finanzchefs zeigen sich tendenziell pessimistisch. Wie sehen Sie die wirtschaftliche Lage in Oberösterreich? Wie gut geht es unserer Wirtschaft noch? 

Der Wirtschaftsabschwung ist bereits angekommen, die Konjunktur wird weiter schwächeln. Erste Branchen wie beispielsweise Automotive spüren die Folgen bereits. Dieser Trend wird auch in andere Wirtschaftsbereiche hineinwirken. Es gibt Sparten und Unternehmen, die bereits jetzt ein Minus von 25 bis 50 Prozent im Umsatz verzeichnen, da geht es ans Eingemachte. 

Was muss getan werden, damit man so gut wie möglich durch einen Wirtschaftsabschwung kommt und die Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt?

Österreich ist ein Hochsteuerland – um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben, müssen die Steuern runter! Nichts zu tun wäre Gift für den Standort, die Wirtschaft und die Arbeitsplätze. Wir haben daher ein wirksames Entlastungspaket, um Oberösterreichs Unternehmerinnen und Unternehmer und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten.

Was bedeutet das konkret?

Wir müssen die Lohn- und Einkommensteuer sowie die Lohnnebenkosten senken und auch weitere Steuern optimieren. Die Senkung des KÖSt-Satzes auf 21 Prozent, die Investitions- und Forschungsförderung sowie unkomplizierte Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligung waren unsere Schwerpunkte im neuen Steuerpaket. 

Als Geschäftsführerin der DOMICO KG kennen Sie die Unternehmerinnen-Seite aus eigener Erfahrung. Womit haben unsere Unternehmerinnen und Unternehmer täglich zu kämpfen, was blockiert sie und welche Forderungen haben Sie an die Bundesregierung?

Das Schöne ist: Wir haben nicht nur Forderungen, sondern können als Spitzenfunktionäre im Wirtschaftsbund die Weichen stellen. Ganz vorne steht für mich neben dem Kampf gegen den Arbeitskräftemangel der Bürokratieabbau, hier muss endlich gehandelt werden. Viel zu lange blockiert die Bürokratie unsere dynamischen und innovativen Unternehmen. Denken wir zum Beispiel an die vielen Einzel- und Kleinstunternehmer. Sie sind auf sich alleine gestellt und müssen neben ihrer eigentlichen Tätigkeit dann am Abend oft noch unzählige Formulare, Statistiken, Berichte sowie viele bürokratische Aufgaben erledigen. Das hemmt und hält jeden Unternehmer auf. Hier fordern wir spürbare Erleichterungen. Mit der Pauschalierung für kleine und Einzelunternehmen haben wir im Herbst einen ersten Erfolg verzeichnen können.

80 Prozent der Betriebe in Oberösterreich suchen Arbeitskräfte. Welche Betriebe sind am meisten vom Fachkräftemangel betroffen? Wo muss man ansetzen, um geeignetes Personal zu finden? 

Alle sind betroffen – wir suchen nicht nur Fachkräfte, sondern generell Arbeitskräfte. Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind einer der wichtigsten Faktoren für unternehmerischen Erfolg, speziell im internationalen Wettbewerb.  Wir müssen den Markt aufmachen im Sinne einer funktionierenden Rot-Weiß-Rot-Card, aber auch indem wir die Bildungswege optimieren. Nur dann können wir die Fachkräftelücke schließen. Wir brauchen hier umfassende Maßnahmen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Verstärkt schon bei der Bildung, wo wir uns für den Ausbau der Technisch-Naturwissenschaftlichen Neuen Mittelschule (TNMS) auf zwei Standorte pro Bezirk einsetzen. Zudem treiben wir die Etablierung der Allgemeinbildenden Höheren Schulen mit einem Schwerpunkt „Coding“ voran. Auch die Internationalität der Schulen ist uns ein wichtiges Anliegen. Viel Potenzial sehen wir auch bei 55+.

 

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Auch die nächste Generation ist mit Sohn Felix (links) und Neffe Leo schon am Unternehmen interessiert. Foto: Sabine Starmayr

Mit 130 Spitzenkandidaten erarbeiteten Sie das Programm für die kommenden WK-Wahlen. Welche Maßnahmen wurden dabei konkret erarbeitet? Wo drückt Oberösterreichs Unternehmen der Schuh?

Wir haben uns hier konkret an den Bedürfnissen unserer heimischen Betriebe orientiert. Was sie brauchen, ist neben Arbeitskräften und Entlastung zum Beispiel die Unterstützung beim digitalen Wandel. Die Digitalisierung zählt zu den größten Herausforderungen und Chancen für unsere Wirtschaft. Eine zusätzliche Förderung von einer Million Euro für die Beratung der Unternehmerinnen und Unternehmer wäre ein erster wichtiger Startpunkt in die richtige Richtung. Im Wettbewerb mit international agierenden Online-Plattformen braucht es eine faire Besteuerung und Rahmenbedingungen, die uns die Freiheit erlauben, uns international zu messen. Ebenso wollen wir die Nahversorgungsförderung auf neue Beine stellen. Wertschätzung und Unterstützung wollen wir mit dem 1.000-Euro-Bonus für alle Meister- und Befähigungsprüfungen bieten. Das sind Maßnahmen, die direkt wirken und dort ansetzen, wo Unternehmen Verbesserungen brauchen. Übrigens stehen Teile dieser Ideen bereits im neuen Regierungsprogramm – das ist kein Zufall. 

Klimawandel, Brexit und Fachkräftemangel hinterlassen ihre Spuren. Österreichs Finanzchefs zeigen sich tendenziell pessimistisch. Wie sehen Sie die wirtschaftliche Lage in Oberösterreich? Wie gut geht es unserer Wirtschaft noch? 

Der Wirtschaftsabschwung ist bereits angekommen, die Konjunktur wird weiter schwächeln. Erste Branchen wie beispielsweise Automotive spüren die Folgen bereits. Dieser Trend wird auch in andere Wirtschaftsbereiche hineinwirken. Es gibt Sparten und Unternehmen, die bereits jetzt ein Minus von 25 bis 50 Prozent im Umsatz verzeichnen, da geht es ans Eingemachte. 

Was muss getan werden, damit man so gut wie möglich durch einen Wirtschaftsabschwung kommt und die Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt?

Österreich ist ein Hochsteuerland – um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu bleiben, müssen die Steuern runter! Nichts zu tun wäre Gift für den Standort, die Wirtschaft und die Arbeitsplätze. Wir haben daher ein wirksames Entlastungspaket, um Oberösterreichs Unternehmerinnen und Unternehmer und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten.

Was bedeutet das konkret?

Wir müssen die Lohn- und Einkommensteuer sowie die Lohnnebenkosten senken und auch weitere Steuern optimieren. Die Senkung des KÖSt-Satzes auf 21 Prozent, die Investitions- und Forschungsförderung sowie unkomplizierte Mitarbeiter-Erfolgsbeteiligung waren unsere Schwerpunkte im neuen Steuerpaket. 

Als Geschäftsführerin der DOMICO KG kennen Sie die Unternehmerinnen-Seite aus eigener Erfahrung. Womit haben unsere Unternehmerinnen und Unternehmer täglich zu kämpfen, was blockiert sie und welche Forderungen haben Sie an die Bundesregierung?

Das Schöne ist: Wir haben nicht nur Forderungen, sondern können als Spitzenfunktionäre im Wirtschaftsbund die Weichen stellen. Ganz vorne steht für mich neben dem Kampf gegen den Arbeitskräftemangel der Bürokratieabbau, hier muss endlich gehandelt werden. Viel zu lange blockiert die Bürokratie unsere dynamischen und innovativen Unternehmen. Denken wir zum Beispiel an die vielen Einzel- und Kleinstunternehmer. Sie sind auf sich alleine gestellt und müssen neben ihrer eigentlichen Tätigkeit dann am Abend oft noch unzählige Formulare, Statistiken, Berichte sowie viele bürokratische Aufgaben erledigen. Das hemmt und hält jeden Unternehmer auf. Hier fordern wir spürbare Erleichterungen. Mit der Pauschalierung für kleine und Einzelunternehmen haben wir im Herbst einen ersten Erfolg verzeichnen können.

80 Prozent der Betriebe in Oberösterreich suchen Arbeitskräfte. Welche Betriebe sind am meisten vom Fachkräftemangel betroffen? Wo muss man ansetzen, um geeignetes Personal zu finden? 

Alle sind betroffen – wir suchen nicht nur Fachkräfte, sondern generell Arbeitskräfte. Qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind einer der wichtigsten Faktoren für unternehmerischen Erfolg, speziell im internationalen Wettbewerb.  Wir müssen den Markt aufmachen im Sinne einer funktionierenden Rot-Weiß-Rot-Card, aber auch indem wir die Bildungswege optimieren. Nur dann können wir die Fachkräftelücke schließen. Wir brauchen hier umfassende Maßnahmen, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Verstärkt schon bei der Bildung, wo wir uns für den Ausbau der Technisch-Naturwissenschaftlichen Neuen Mittelschule (TNMS) auf zwei Standorte pro Bezirk einsetzen. Zudem treiben wir die Etablierung der Allgemeinbildenden Höheren Schulen mit einem Schwerpunkt „Coding“ voran. Auch die Internationalität der Schulen ist uns ein wichtiges Anliegen. Viel Potenzial sehen wir auch bei 55+.