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People | 30.08.2022

Energieautark Wohnen im Schloss

In einem ehrgeizigen Projekt errichtet Dr. Georg Spielgelfeld-Schneeburg derzeit gemeinsam mit seinem 30-jährigen Sohn auf Schloss Losensteinleiten in der Gemeinde Wolfern 17 Mietwohnungen und haucht damit den historischen Gemäuern neues Leben ein. Ehrgeiziges Ziel – Schloss Losensteinleiten soll das erste energieautarke Schloss Österreichs werden. Wie der renommierte Denkmalpfleger und Sanierer dabei vorgeht und ob die Wohnungen auch leistbar sind, hat er uns bei einem Lokalaugenschein erzählt.

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Gemeinsam mit seinem Sohn arbeitet Dr. Georg Spielgelfeld-Schneeburg an einem außergewöhnlichen Projekt. © Thom Trauner

Wir treffen Dr. Georg Spiegelfeld-Schneeburg an einem strahlend schönen Sommertag auf Schloss Losensteinleiten und werden zuerst einmal mit der langen Geschichte der historischen Gemäuer vertraut gemacht. Und zwischen der ersten urkundlichen Erwähnung des früher als „Leiten“ bekannten Gutes 1323 bis zum Verkauf an Dr. Georg Spiegelfeld und Holzbauunternehmer Oskar Praßl im Jahr 2015, hat das ehemalige Wasserschloss nicht nur mehrfach die Besitzer gewechselt, es wurde im Laufe der Zeit auch des Öfteren aus- und umgebaut. In den vergangenen sieben Jahrzehnten wurde es unter anderem als Bildungshaus, Gymnasium und zuletzt als privates Wohn- und Pflegeheim geführt, das nach dem Konkurs des Eigentümers geschlossen wurde und mehrere Jahre leer stand.

 

Vater-Sohn-Projekt

„Nachdem Oskar Praßl und ich Schloss Losensteinleiten im Jahr 2015 aus der Konkursmasse gekauft haben, wollten wir es weiterhin humanitär nutzen und gemeinsam mit der Initiative SOS Menschenrechte schwer traumatisierte Jugendliche unterbringen. Da dieses Projekt seitens der Gemeinde Wolfern scheiterte, ist mein Kompagnon ausgestiegen und die Räumlichkeiten standen leer. Ich habe seine Anteile gekauft und machen nun gemeinsam mit meinem Sohn Österreichs erstes energieautarkes Schloss mit 17 Mietwohnungen“, schildert Dr. Georg Spiegelfeld sein Vorhaben und führt uns ins in den ersten Trakt im Erdgeschoß. 

 

17 Mietwohnungen im Schloss

Man braucht kein Profi sein, um zu sehen, dass die Bausubstanz samt Dachstuhl aus dem 17. Jahrhundert gut erhalten ist. Der hufeisenförmige Bau des Schlosses umschließt einen Arkadenhof. Während auf jeder Seite der beiden Flügel in den jeweils zwei Obergeschoßen 17 Mietwohnungen in unterschiedlichen Größen errichtet werden, stehen den Mietern circa 1.000 Quadratmeter Fläche im Untergeschoß als Allgemeinräume zur Verfügung. „Die Idee ist, dass jene Menschen, die auf den 2.000 Quadratmetern in den beiden oberen Etagen wohnen, die 1.000 Quadratmeter unten beleben sollen. Ich denke da an ein Tischtenniszimmer, Büros, Arztpraxen oder ein kleines Kaffeehaus“, schildert Dr. Georg Spiegelfeld seine Idee und führt uns weiter in die wunderschöne Kapelle, in der auch heute noch einmal die Woche ein Gottesdienst abgehalten wird. 

 

Bereits 60 Objekte generalsaniert

 „Die Kapelle und auch die sogenannte Tafelstube werden in ihrem ursprünglichen Zustand erhalten bleiben“, erklärt uns der bekannte Denkmalpfleger und Sanierer, der bereits an die 60 Objekte generalsaniert oder hauptverantwortlich begleitet hat. Über eine breite Treppe geht es rauf zu den zukünftigen Wohnungen, wo wir bei einem Raum halt machen, in dem der einstige Linoleumboden aus Seniorenheimzeiten bereits dem darunterliegenden und noch sehr gut erhaltenem Parkett weichen musste. Die großzügigen hohen und vor allem hellen Räume lassen schon erahnen, was die künftigen Mieter hier zu erwarten haben, nämlich Wohnen mit historischem Charme in einem Schloss mitten in der Natur.  

 

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Schloss Losensteinleiten © Thom Trauner

Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen

Historisches schützen und dennoch mit der Zeit gehen, dieses Ziel haben sich Dr. Georg Spiegelfeld und sein Sohn bei diesem Projekt auf die Fahnen geheftet und machen Schloss Losensteinleiten zum ersten energieautarken Schloss Österreichs. Wie darf man sich das in der Realität vorstellen, wollen wir wissen. „Zum einen werden wir mit Wasserwärmepumpen arbeiten. Da es sich um ein ehemaliges Wasserschloss handelt, ist genug Grundwasser vorhanden und das werden nutzen. Zum anderen kommt am Rand des Schlossgartens Richtung Straße eine Lärmschutzwand hin, an der Photovoltaik-Paneele befestigt werden“, erklärt uns der Schlossherr bzw- Bauherr. Wichtig ist ihm vor allem den Energieverbrauch des ehemaligen Pflegeheimes zu halbieren, was durch Niedertemperatur, erneuerbare Energie und Einsparung gelingen soll. 

 

Denkmalschutz ist kein Hemmschuh

Die Baubehörde hat der Präsentation des Vorprojektes bereits zugestimmt, derzeit ist Spiegelfeld sehr eng mit dem Denkmalschutz in Kontakt, den er nicht, wie so oft angenommen, als Hemmschuh sieht. „Natürlich gibt es Dinge, die im denkmalgeschützten Bereich nicht funktionieren, man kann hier zum Beispiel keinen Vollwärmeschutz auf die Wände pappen“, erklärt Spiegelfeld und weist darauf hin, dass es im gesamten Gebäude Metermauerwerk gibt. „Wenn man diese Flächen vorsichtig mit Bauteilheizungen warmhält, dann lebt man wie in einem Kachelofen“, lacht er. Das bedeutet, dass es im Winter schön warm und im Sommer angenehm kühl ist. „Energieautark heißt für mich, dass wir 19 bis 20 Grad Raumtemperatur anbieten werden und für alle jene, die es wärmer wollen, gibt es die Möglichkeit eines Kachelofens. Immerhin haben wir hier zwölf Kamine, was 24 Anschlüsse bedeutet.“ 

Außerdem steht er auf dem Standpunkt, dass das, was einem die Denkmalämter vorschreiben, dem Haus bzw. dem Gebäude langfristig guttut. „Das Denkmalamt will ja eine Nutzung nicht verhindern, sondern die Substanz eines Gebäudes sichern und dabei ist auch durchaus Veränderung erlaubt. Diese muss halt gewisse Prinzipien wahren. Sie muss reversibel sein, ästhetisch passen und man soll damit leben können“, so der Experte. 

 

Wiederverwertung

Die Arbeit hier im Schloss Losensteinleiten geht er behutsam und sehr solide an. Seit ein paar Wochen ist ein Mitarbeiter mit dem Abbau gewisser Dinge beschäftigt. „Ob Holz, Türen, Lampen oder Mobiliar, wir lagern alles, was wir bergen können und werden es auch wiederverwerten und sei es letztendlich als Brennholz für den Kachelofen. Das ist meiner Meinung nach, der Sinn der handwerklichen Denkmalpflege und auf diese Art und Weise kann man sehr viel recyceln“, gibt Dr. Georg Spiegelfeld einen Einblick in die Vorgangweise. 

 

 

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„Ich habe sogar am Flughafen in Salzburg Rasen gemäht." © Thom Trauner

 4,5 Hektar große Liegenschaft 

Mittlerweile sind wir in einer künftigen Traumwohnung angelangt. Die großzügige Terrasse gibt den Blick auf den riesengroßen Schlossgarten preis und lässt anmuten, welche Wohnqualität man hier vorfinden wird. „Menschen, die aufs Land ziehen, wünschen sich viel Raum“, weiß Dr. Georg Spiegelfeld und erzählt, dass es sich bei Schloss Losensteinleiten um eine 4,5 Hektar große Liegenschaft handelt. „Die Mieter können vom eigenen Gemüsegarten bis hin zum Kleinvieh alles haben. Außerdem wird jede Wohnung mit einem Balkon ausgestattet“. Als er uns von Terrasse aus den Schlossteich zeigt, kommt der xxxjährige Schlüsslberger, richtiggehend ins Schwärmen. „Dort beim Teich möchte ich unbedingt eine Badehütte errichten, wenn das keine Lebensqualität ist,“ schmunzelt er und führt uns weiter im Schloss herum. „Dieser Mieter muss unbedingt ein Koch sein, denn hier sieht man noch die alte ‚Selch‘ und das ist unser Glanzstück, quasi ein Haus im Haus im Schloss“, zeigt er uns stolz die mit 170 Quadratmetern größte Wohnung und wir merken Dr. Georg Spiegelfeld bei unserem Rundgang die große Begeisterung an.  

 

Sind die Wohungen leistbar?

Kommen wir nun zur Frage, die wahrscheinlich jeden am brennendsten interessiert. Wird man sich diese sehr einmaligen Mietwohnung als „Normalsterblicher“ auch leisten können? „Ja natürlich, womöglich wird die Miete etwas höher sein, als im sozialen Wohnbau, die Differenz dazu machen allerdings die ersparten Betriebskosten aus, insofern werden die Wohnungen nicht allzu sehr vom üblichen Marktpreis abweichen“, erklärt Spiegelfeld. Allerdings merkt er an, dass es in inflationären Zeiten schwierig ist, einen genaue Quadratmeterpreis zu nennen. Eines ist allerdings sicher: „Der, der hier einzieht, mietet nicht nur Wohnfläche, sondern Lebensraum. Wir wollen wirklich etwas sehr qualitätsvolles anbieten. Mir geht es darum einen leistbaren Wohn- und Lebensraum zu schaffen. Ein Schloss für den Mittelstand.“ 

 

Fertigstellung spätestens im Frühjahr 2024

Für die Renovierung nimmt Spiegelfeld Gesamtkosten in der Höhe von 3 bis 4 Millionen Euro in die Hand. „Dann muss Schluss sein, diese Finanzierung habe ich“.  Mit dem Vollbau wird er im Frühjahr 2023 beginnen, rund um Weihnachten 2023 oder im Frühjahr 2024 sollen die Wohungen dann bezugsfertig sein. Mit Schloss Losensteinleiten will Dr. Georg Spiegelfeld aber nicht nur einen leistbaren Wohn- und Lebensraum für den Mittelstand schaffen, das Projekt gilt für ihn auch als ein Musterbeispiel für das Renovieren historischer Stadthäuser und Gebäude. „Wir wollen beweisen, dass man auch in historischen Gemäuern gut leben und auch ohne großen Ressourcenverlust zeitgemäß bauen kann“, so Spiegelfeld und erklärt, dass man für einen Neubau auf der Grünen Wiese zwar wenig Arbeitsleistung, dafür aber viel Materialeinsatz braucht. „In der Denkmalpflege hingegen muss man mit 90 Prozent Arbeitsleistung und zehn Prozent Materialeinsatz rechnen, was bei der momentanen Marktsituation, in der sich die Materialpreise verdoppelt haben, während die Löhne noch keine zehn Prozent gestiegen sind, Sinn macht. 

 

Mutmachen fürs Wiederverwenden

„Ich denke wir sind im Zeitalter der Reparatur angelangt. Ich will Mut machen, dass das Wiederverwenden und nachhaltige Bewirtschaften bestehender Objekte vor allem in Zeiten, in denen alle von Klimawandel und Bodenverbrauch reden, zeitgemäß ist und Sinn macht.“ Endlich fangen die Menschen zum Forschen an, es ist eine tolle Zeit und ja, ich glaube an die Menschheit“, sagt er. Seine vorausschauende Denkweise sieht man nicht nur am ersten energieautarken Schloss Österreichs, sondern auch an der Kooperation mit dem Department für Bauen und Umwelt an der Donauuniversität Krems, mit der er StudentInnen die Möglichkeit gibt, praxisnah zu zu lernen und zu arbeiten. 

„Ja genau, das Projekt soll eine musterhafte Denkmalsanierung zeigen, das ist auch meine Profession.”  

 

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Spielgelfeld-Schneeburg setzt nachhaltige Botschaft. © Thom Trauner

Zur Person

Der studierte Jurist Dr. Georg Spiegelfeld-Schneeberg machte sich 1987 als Bauträger mit dem Schwerpunkt Altbauten selbstständig. 1988 kaufte er Schloss Tillysburg bei St. Florian, 2015 Schloss Losensteinleiten. Zudem ist er ist am Schloss Tollet (Bez. Grieskirchen) und mehreren anderen historischen Immobilien beteiligt. Seine Leidenschaft für Denkmalpflege und das Sanieren von Kulturgut entdeckte er beim Renovieren von Schloss Schlüsslberg, wo der Vater zweier Söhne auch lebt. Georg Spiegelfeld-Schneeberg war von 2003 bis 2010 im Bundesrat, zehn Jahre Bezirksobmann der Wirtschaftskammer und ist aktuell Kurator des Wifi.