Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 19.06.2018

Eine Stimme für die Atemlosen

Er ist Redakteur, ehemaliger Radio OÖ-Reporter, Moderator, Buchautor und seit elf Jahren diagnostizierter COPD-Patient. Wolfgang Bankowsky (66) hat über seine chronische Lungenkrankheit ein Buch geschrieben, das Betroffenen helfen soll.

Bild 1806_O_Männer_Bankowsky1.jpg
Heilsame Meeresluft. Autor und COPD-Betroffener Wolfgang Bankowsky an seinem Lieblingsplatz im kroatischen Opatija (© Bankowsky)

Rund 600.000 COPD-Patienten – in Fachjargon gerne auch „COPDler“ genannt – gibt es in Österreich. Die Dunkelziffer spricht sogar von einer Million Menschen, denen regelmäßig und im wahrsten Sinne des Wortes die Luft weg bleibt. COPD ist eine nicht heilbare Lungenerkrankung, die es den Betroffenen erschwert, zu atmen und den übermäßig produzierten Schleim aus den Lungen zu bekommen. Chronisch obstruktive Lungen­erkrankung (engl. chronic obstructive pulmonary disease), dafür steht die Abkürzung COPD, eine Krankheit, von der im Anfangsstadium viele nicht wissen, dass sie davon betroffen sind. Die OBERÖSTERREICHERIN sprach mit Wolfgang Bankowsky, der ein
Buch über diese Krankheit geschrieben hat.

 

Wann wurde COPD bei Ihnen diagnostiziert?

Wolfgang Bankowsky: Obwohl ich im Jahr 2003  zum  Rauchen aufgehört habe, wurden meine Atemprobleme, mit denen ich damals schon zu kämpfen  hatte, nicht besser. Wenn ich von der Tiefgarage meines Arbeitgebers auf Straßenniveau ging, musste ich Pausen einlegen, um wieder zu Atem zu kommen. Als ich vor elf Jahren zum Lungenfacharzt ging, hörte ich zum ersten Mal von COPD – chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Anfangs habe ich das Wort „chronisch“ überhört und gedacht, dann müssen wir halt etwas dagegen unternehmen. Anders als in meinem Beruf, wo ich alles recherchiere, nachforsche und mich peinlich genau für das nächste Interview vorbereite, habe ich COPD von mir weggeschoben.

 

Das klingt nicht nach dem besten Plan.

(Schmunzelt) Die Medikamente haben rasch gegriffen, aber COPD hat mir schnell aufgezeigt, wo der Bartl den Most holt. Erst beim zweiten Arzttermin haben bei mir die Alarmglocken geläutet, und ich habe zu recherchieren begonnen. Dabei musste ich leider feststellen, dass die „Raucherkrankheit“ unheilbar ist. Als sich mein Zustand plötzlich so verschlechtert hat, dass ich auf der Intensivsation gelandet bin, habe ich begonnen umzudenken und mein Leben komplett umgestellt.

 

Was oder wer hat Sie dazu motiviert, ein Buch über diese Krankheit zu schreiben?

Dazu hat mich mein Lungenfacharzt in Linz ermuntert, als er meinte: „Ihr Status ist trotz der höchsten Stufe der Erkrankung gut, zumindest ist er nie schlechter als vor elf Jahren geworden. Schreiben Sie nieder, wie Sie es machen und motivieren Sie Ihre Leidensgenossinnen und -genossen!“

Bild 1806_O_Männer_Bankowsky0.jpg
„Der Schnaubende Wolf“ von Wolfgang Bankowsky, MyMorawa, Paperback, ISBN 978-3-99057-796-7: € 12,99, Hardcover, 978-3-99057-797-4: € 21,99, e-Book, 978-3-99057-798-1: € 2,99

Wir kennen uns schon fast 20 Jahre, Sie sind trotz COPD optimistisch und motiviert. Was ist das Geheimnis?

Als COPDler muss man in Bewegung bleiben, das ist auch eine Botschaft meines Buches. Ich habe über die Krankheit recherchiert und für mich einfache Übungen und Hilfsgeräte gefunden, die mir helfen. Außerdem mache ich regelmäßig eine Ozon-Therapie und Akupunktur auf eigene Kosten, da die Kassen diese für mich wirksamen Behandlungsmethoden nicht bezahlen. Mein FEV1-Wert – vor elf Jahren wurde COPD Stufe 4, die schlechteste Stufe, diagnostiziert – lag damals bei 28 Prozent der normalen Lungenfunktion, heute ist er bei 37 Prozent. 40 Prozent wären mein Ziel. Der Arzt beobachtet manchmal verwundert meine Werte, normalerweise verschlechtern sich diese mit der Zeit. Das motiviert mich zusätzlich und hoffentlich auch die Leser meines Buches.

 

Was hat es mit dem Titel „Der schnaubende Wolf“ auf sich und inwieweit hilft das Buch anderen COPDlern?

Als ich beim Skifahren eine Pause zum Atmen brauchte, gab mir ein Freund diesen Namen. Wie bereits erwähnt, soll das Buch Betroffene motivieren, sich nicht zu verkriechen, sondern aktiv zu bleiben. Ich gebe Infos für den Alltag im Umgang mit der Krankheit. Viele Patienten werden depressiv, weil sie mit der Atemnot kämpfen, aber mit verschiedenen Übungen, gelegentlichen Luftveränderungen und Optimismus kann man die Lebensqualität verbessern. Weiters gebe ich auch Praxistipps in meinem Buch. Ich hoffe, damit meinen Leidensgenossinnen und -genossen ihr Leben zu erleichtern. Frei nach meinem Motto: „Es geht noch immer alles, wenn man es nur will – und dann auch umsetzt.”