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People | 20.02.2017

Eine Blondine gibt Vollgas

Als „Kathy Mile“ ist Katharina Niesner aus Laakirchen mit einem 800 PS starken Auto unterwegs. Mit ihrer weißen Corvette gibt die 22-jährige Blondine europaweit beim Drag Racing Gas und zieht als eine der wenigen weiblichen Rennfahrerinnen die Blicke auf sich.

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Kathy Mile steht auf den Rockabilly-Look. (© Heli Mayr)

Zierlich, blond und unglaublich hübsch – wenn man Katharina Niesner sieht, würde man nie meinen, dass sie beim Drag Racing ihre zumeist männlichen Gegner von den vordersten Plätzen fegt. Mit der Leidenschaft für die Motorsportart, die man hierzulande hauptsächlich von Filmen wie „The Fast and the Furious“, „American Graffiti“ oder vom James Dean-Klassiker „… denn sie wissen nicht was sie tun“ kennt, wurde die 22-jährige Chemielabor-Technikerin von ihrem Papa angesteckt. Beim Drag Racing beschleunigt Katharina ihr Auto auf 200 km/h und fährt in nur zehn Sekunden ins Ziel. Wenn sie nicht gerade mit 800 PS Gas gibt, schraubt sie am Auto herum oder ist hoch zu Ross anzutreffen. Reiten ist nämlich ein weiteres Hobby der schnellen Oberösterreicherin. Ein Talk über viel PS und dem American Way of Life.

 

Katha­rina, wann haben Sie Ihre große Leidenschaft für schnelle Autos entdeckt?

Katharina Niesner: Als ich acht Jahre alt war, hat mein Papa eine Corvette Stingray Bj 1975 aus Amerika importiert, um am Wochenende durch die Gegend zu cruisen. Zufällig hat ihn dann ein Freund zu einem Drag Race mitgenommen und seine Leidenschaft war geboren. Damit hat er mich voll und ganz angesteckt.

 

Wann sind Sie das erste Mal mit der Corvette gefahren?

Das war vor sechs Jahren. Ich war gerade dabei, den L17-Führerschein zu machen, da drückte mir mein Papa  den Autoschlüssel in die Hand und sagte: „Gib Gas!“ Das erste Rennen habe ich übrigens gegen einen recht erfahrenen Gegner gewonnen. Seither bin ich Fahrerin im „MadMile Drag Racing“-Team und fahre jedes Jahr vier bis fünf Rennen.

 

Was genau ist Drag Racing?

Die Motorsportart wurde in den 50er-Jahren in Amerika geboren und hat ihren Ursprung in illegalen Straßenrennen. Die legale Version ist eine amerikanische Erfolgsstory, die mittlerweile auch in Europa viele Anhänger und Fans hat. Im Prinzip fährt man ein Beschleunigungsrennen, bei dem eine gerade Strecke schnellstmöglich zurückzulegen ist. Die traditionellen Renndistanzen sind die Viertelmeile (402 Meter) oder die Achtelmeile (201 Meter). Je nach Klasse fahren die Gegner zeitversetzt oder gleichzeitig.

 

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Jedes Jahr bestreitet Katharina Niesner als Fahrerin im „Mad Mile Drag Racing“-Team vier bis fünf Rennen. (© Heli Mayr)

Gibt es Drag Racing auch in Österreich?

Nein, leider nicht. Wir sind hauptsächlich auf Rennstrecken in Deutschland, Tschechien und Ungarn unterwegs, waren aber auch schon in Italien und Holland. In Ungarn habe ich übrigens mein erstes Rennen gewonnen.

 

Was gefällt Ihnen an dieser Sportart?

Es ist einfach ein Wahnsinnsgefühl, wenn man in zehn Sekunden mit mehr als 210 km/h ins Ziel rauscht. Außerdem ist die gesamte Drag Racing-Szene sehr familiär. Da gibt es weder Neid und noch Star­allüren. Im Prinzip sind wir alle Freunde. Außer am Drag Strip, da sind wir natürlich Konkurrenten. Und bei den Side-Events wird der American Way of Life gelebt. Das taugt mir, ich bin nämlich ein absoluter Fan vom Rockabilly-Look.

 

 

Gibt es viele weibliche Konkurrentinnen?

Nein, Drag Racing machen nur ganz wenige Frauen.

 

Aber Sie fahren nicht nur mit den Boliden, Sie schrauben auch gerne herum. Stimmt das?

Ja, genau. Während der Winterpause bringe ich meinen Motor wieder in Schuss. Es hat mich schon immer interessiert, an Autos herumzuschrauben.

 

Wenn Sie die Wahl haben zwischen Shoppen oder Werkstatt: Wofür entscheiden Sie sich?

Eindeutig für die Werkstatt.

 

Was sagt Ihre Mama zu Ihrer Karriere als Rennfahrerin?

Meine Mama hat immer zu mir gesagt: „Kind, rauch nicht, trink nicht zu viel Alkohol und nimm keine Drogen!“ Ich rauche nicht, ich trinke nicht und ich nehme keine Drogen – ich fahre Drag Race (lacht). Nein, Spaß beiseite: Meine Mama war im Vorjahr das erste Mal bei einem Rennen in Hockenheim dabei. Da ist ihr zwar bei meinem Start kurz das Herz stehengeblieben, aber letztendlich war es für sie ein cooles Erlebnis.

 

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Wenn sie nicht gerade Gas gibt, schraubt Katharina an ihrer Corvette rum. (© Heli Mayr)

Fahren Sie auch in Ihrer Freizeit gerne mit dem Auto?

Ja, klar, und ich habe auch schon einige Strafzettel kassiert.

 

Ist Drag Racing nicht ein sehr teures Hobby?

Ja, zum Glück unterstützen mich meine Eltern. Ich bin aber auch auf der Suche nach Sponsoren.

 

Wann startet die Rennsaison 2017 und was möchten Sie erreichen?

Die Rennsaison startet im Mai und ich möchte natürlich ganz vorne mitmischen. Außerdem wünsche ich mir, dass Drag Race in Europa an Bekanntheit gewinnt. In den USA hat jede kleine Stadt einen eigenen Drag­strip, in Europa ist es leider noch immer eine Randsportart. Ganz besonders freue ich mich aber auf die Rennsaison 2018, da meine Eltern am Autodrom Most in Tschechien das erste Mal selbst ein Rennen organisieren. Einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt es bereits in der Rennsaison 2017. Die Termine und Austragungsorte findet man auf meiner Homepage www.kathymile.com.