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People | 29.12.2015

Ein verheerendes Signal für die Frauen

Nach der Kampfabstimmung im ÖVP-Landesparteivorstand am 21. Oktober verlor Doris Hummer ihren Sitz in der oberösterreichischen Landesregierung. Zwei Tage später räumte Christoph Leitl für die Grieskirchnerin das Feld. Ulli Wright hat die neue Chefin des OÖ Wirtschaftsbundes in ihrem neuen Büro im Mozarthaus der Wirtschaft in der Linzer Altstadt zum Interview getroffen.

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© Andreas Röbl

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es jetzt wieder wirklich gut. Der Wahlkampf, eine Wahl, die nicht so gelaufen ist, wie wir sie uns gewünscht haben, intensive Regierungsverhandlungen und die innerparteiliche Frage: „Wer bleibt Landesrat?“ – Ich bin froh, dass diese turbulenten Tage vorbei sind. Jetzt ist eine Entscheidung getroffen und man kann sich wieder nach vorne ausrichten. Das ist es, worauf es jetzt ankommt. 

 

Gut einen Monat ist es her, dass Sie Ihren Platz als Landesrätin räumen mussten. Was hat sich seither für Sie geändert?

Da man als Regierungsmitglied von der Früh bis am Abend eingeteilt ist, hat sich für mich vom Tagesablauf her viel geändert. Allerdings bin ich durch meine Funktion als Landtagsabgeordnete und im Wirtschaftsbund schon wieder viel mehr im Einsatz, als ich mir das gedacht habe. So eine kleine Auszeit wäre ganz nett gewesen (lacht). Aber ich nehme die Spitzenfunktion im Wirtschaftsbund sehr ernst und bin viel hier im Büro vor Ort, um die Strategie für nächstes Jahr vorzubereiten und Termine wahrzunehmen.

 

Waren Sie überrascht, dass Christoph Leitl seinen Platz als Chef des OÖ Wirtschaftsbundes für Sie räumte?

Ja, das war eine Überraschung, denn es war weder vereinbart noch abgesprochen. Diese Strategie wurde über Nacht entwickelt und ich wurde einstimmig bei einer Vorstandssitzung gewählt. Ich sehe das als großes Kompliment.

 

Wie gehen Sie diese neue Funktion an?

Da ich ja aus der Interessensvertretung der Jungen Wirtschaft komme, ist es für mich ein Zurück zu den Wurzeln. Ich habe im Jahr 2002 ein Unternehmen im Dienstleistungsbereich gegründet und kam dadurch mit der Jungen Wirtschaft in Berührung. Außerdem stamme ich aus einem Familienunternehmen, einem klassischen KMU in der metallverarbeitenden Industrie. Ich kenne also die ganze Spannbreite vom Dienstleister bis hin zum mittelständischen Industriebetrieb mit mehreren Standorten, Auslandsniederlassungen und allen Herausforderungen, die damit verbunden sind. Umso mehr freut es mich, dass ich mich als Chefin des OÖ Wirtschaftsbundes für die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen einsetzen kann. 

 

Wofür werden Sie sich einsetzen?

Die Unternehmer sind zu Recht von vielen Dingen, die in der letzten Zeit passiert sind, enttäuscht. Jetzt braucht es ganz klare Signale, wie wir den Wirtschafts- und Industriestandort Oberösterreich wieder so aufstellen können, dass es noch Spaß macht, Unternehmen zu gründen, dass Familienunternehmen auch weitergeführt werden und dass wieder in Generationen gedacht wird. Das sind meine schönen neuen Aufgaben. 

 

Vor Ihrem Einstieg in die Landesregierung waren Sie im elterlichen Unternehmen tätig und Sie haben mit einer Studienkollegin eine Agentur gegründet. Sind Sie nun in beiden Firmen wieder aktiv?

Geplant ist, dass ich mit Anfang des Jahres im elterlichen Betrieb in die Geschäftsführung eintreten werde. Die Agentur wird von einer Geschäftsführerin geleitet, und das läuft sehr gut. Daher werde ich nur im strategischen Bereich mitarbeiten. 

 

Warum haben Sie das Amt der Klubobfrau der ÖVP nicht angenommen?

Klubobfrau ist ein wichtiger Job, aber für mich war das keine Alternative. Ich bin vor sechs Jahren als Quereinsteigerin in die Politik gegangen, weil ich gestalten wollte. Es war mir wichtig, in den Bereichen Bildung, Forschung, Frauen und Jugend etwas besser zu machen. Das konnte ich in meiner Funktion als Regierungsmitglied. Das hätte ich gerne noch weiter gemacht. Aber es ging mir nie um um Ämter, sondern um Aufgaben. 

 

Eine Regierung ohne Frauen. Was bedeutet das für Sie?

Natürlich bin ich hier befangen, weil es nicht nur um eine Regierung ohne Frauen, sondern auch um eine Regierung ohne Doris Hummer geht. Das Signal an die Frauen ist ein verheerendes und das kann man auch nicht schönreden. Wenn mehr als 50 Prozent der Bevölkerung in Oberösterreich Frauen sind, dann ist es wichtig, dass auch diese Sichtweise in der Regierung vertreten wird und dieser Blick ist verloren gegangen. Dementsprechend braucht es hier schnell eine Änderung, denn nur dann kann man gute Politik machen. 

 

Viele Frauen, auch anderer Couleurs, haben sich nach Ihrem Abgang mit Ihnen solidarisiert. Was bedeutet das für Sie?

Das bedeutet mir sehr viel, weil es zeigt, dass mein Politikstil und meine umsetzungsorientierte fachliche Arbeit geschätzt wurde. Ich habe mich immer bemüht, auch andere Sichtweisen einzubeziehen, und wir haben in den letzten sechs Jahren wirklich viel geschafft. Die Solidarität war in dieser schwierigen Situation – wenn sich über Nacht alles ändert –  sehr aufbauend. Es war schön zu erfahren, dass meine Arbeit quer über alle Couleurs, Generationen und Geschlechter geschätzt wurde und es nicht nur um das Frauenthema ging. Interessant war aber auch, dass für viele Männer eine frauenlose Regierung nicht akzeptabel ist.  

 

Was vermissen Sie an Ihrer Funktion als Landesrätin am meisten? 

Am meisten vermisse ich die Arbeit mit meinem Team. Es ist schön, wenn man in einer Spitzenfunktion Menschen um sich hat, die sich mit voller Begeisterung für die Sache und das Thema einsetzen. Das hat jeden Tag Freude gemacht und das habe ich erleben dürfen. 

 

Was wünschen Sie sich von Ihren männlichen Nachfolgern Thomas Stelzer und Manfred Haimbuchner?

Mit Ratschlägen halte ich mich zurück, nur im Bereich der Frauenpolitik rate ich zu einem Netzwerk an Beraterinnen aus den unterschiedlichsten Bereichen, damit diese Frauen jene Blickwinkel einbringen können, die ein Mann nicht hat.

 

Würden Sie wieder in die Spitzenpolitik zurückgehen?

Ich habe das Rückkehrrecht eingeräumt bekommen. Wie man aber sieht, soll man sich in der Spitzenpolitik nicht auf zu viel verlassen. Mein Weg ist jetzt einmal fix und lautet hauptberuflich zurück in die Privatwirtschaft sowie Interessenspolitik für die oö. Wirtschaft und Mitgestaltung im Landtag in Vertretung für meine Region. Das sind Aufgaben, die sich wunderbar ergänzen. Einen wichtigen Vorteil gibt es noch: Es bleibt mehr Zeit für meine Familie.