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People | 31.08.2021

EIN SPRUNG INS KALTE WASSER

Fantastische Visualisierungen, überdimensional große Bilder und Inszenierungen sowie spektakuläre Sounds sind am 11. September bei der Linzer Klangwolke im Donaupark Linz zu erleben. Für die Inszenierung des großen Open Air- Spektakels unter dem Titel PANTA RHEI konnte kein Geringerer als Starregisseur Robert Dornhelm gewonnen werden, der auf die „guten Schwingungen“ der Donau als Hauptdarstellerin des Abends hofft.

Bild Dornhelm_(c) Liva_Oliver Erenyi (12).jpg
© Oliver Erenyi, aufgemoebelt

In einer kurzen Schaffenspause zwischen den Arbeiten an der Produktion zur diesjährigen Klangwolke erreiche ich Robert Dornhelm am Telefon. Ruhig und ohne jegliche Starallüren erzählt der erfolgreiche Regisseur, wie sich die Arbeiten an einer derart großen Produktion gestalten. Mehrmals betont er die gute Zusammenarbeit mit Co-Regisseur Christoph Engel und Filmkomponist Roman Kariolou. Auch dem Titel PANTA RHEI, was soviel wie alles bewegt sich, alles fließt bedeutet, kann der 73-Jährige einiges abgewinnen, denn auch Robert Dornhelm ist von Berufs wegen immer in Bewegung. Seine steile Karriere führte den gebürtigen Rumänier, der mit seiner Familie 1961 nach Österreich emigrierte, in jungen Jahren von Wien nach Hollywood, wo er mit seiner Frau in Malibu lebt. Noch! Denn im Interview verrät er, dass er bald in einen Vorort von Wien übersiedeln wird. Und er verrät auch, dass er einst an der Wiener Filmakademie im Fach „Regie“ durchgefallen ist, dass er seine Energie aus der Freude an der Arbeit zieht und der Titel PANTA RHEI nicht ihm eingefallen ist.

 

OBERÖSTERREICHER: Herr Dornhelm, bei der Linzer Klangwolke 21 verschmelzen im Donaupark Linz Klang und Film zu einem durchkomponierten Gesamtkunstwerk in sieben Akten samt Ouvertüre, Finale und gigantischem cineastischem Soundtrack. Wie herausfordernd ist so eine Produktion?

Robert Dornhelm: Verglichen mit einem großen Film ist diese Produktion für mich um einiges anstrengender und bereitet mir auch viel mehr Kopfweh. Beim Film weiß ich ganz genau, wie ich gewisse Szenen umsetze. Bei dieser Produktion gibt es einige unsichere Faktoren, wie die Geschwindigkeit des Wassers und der Schiffe. Wenn man diese Faktoren berücksichtigt, bekommt man es mit der Angst zu tun (lacht). Das möchte ich nicht, deshalb lasse ich mich auf den Zufall ein, was ich mag, denn in der Kunst soll nicht alles mathematisch genau berechnet sein. Poesie entsteht manchmal durch Zufälle und da wir diese Produktion von einer poetischen Seite angehen, mögen sich die Unregelmäßigkeiten der Donaugeschwindigkeit zu unserem Vorteil entwickeln.

Wann haben Sie an der Produktion zu arbeiten begonnen?
Wir haben vor zwei Jahren mit der Produktion begonnen, dann kam die Pandemie und wir mussten aufhören. Nun haben wir wieder einige Monate mit Ideen, Zeichnungen und Skizzen verbracht. Christoph Engel ist mein Cutter, mit dem ich schon viele Filme gemacht habe. Er ist ein unglaublich musikalischer Mensch, ein wandelndes Filmmusik-Lexikon, dem ich sehr vertraue. Er arbeitet auch als Regisseur und macht Künstlerporträts und Opernübertragungen. Wir haben gemeinsam den Film „Karajan – Die Schönheit, wie ich sie sehe“ gemacht, der ein großer Erfolg war und bei dem die Zusammenarbeit sehr gut harmoniert hat. Beim „Karajan“-Film war er Cutter, nun möchte er sich regiemäßig weiterentwickeln. Deshalb habe ich ihn für dieses Projekt angefragt. Christoph Engel ist viel jünger als ich und hat auch bessere Nerven. So eine Abendregie ist sehr herausfordernd: Immerhin müssen zehn Zuspielungen, drei Kameras, Schiffe, Projektionen und Liveauftritte technisch inszeniert und abgewickelt werden.

 

KLANGWOLKE 2021

Filmische Illusionskunst erweckt die Donau zum Leben


Illusion oder doch Realität? Die Klangwolken-Besucher sind eingeladen, sich diese Frage am 11. September, um 20:30 Uhr, im Donaupark Linz selbst zu stellen, den fantastisch-musikalischen Unterwasserwelten und bezaubernden Klangerlebnissen von PANTA RHEI hin- zugeben und einzutauchen in den Fluss des Lebens. Bei der Linzer Klangwolke 21, präsentiert von Sparkasse OÖ und LINZ AG, die heuer den altgriechischen Titel PANTA RHEI trägt, wird der Klang zum Bild – und umgekehrt. Klang und Film verschmelzen unter der Gesamtleitung von Starregisseur Robert Dornhelm zu einem durch- komponierten Gesamtkunstwerk in sieben Akten samt Ouvertüre, Finale und gigantischem cineastischem Soundtrack.

LINZER KLANGWOLKE 21

präsentiert von Sparkasse OÖ & LINZ AG Samstag, 11. September 2021, 20:30 Uhr Donaupark Linz

Nachklangwolke mit Russkaja

Im Anschluss an die Linzer Klangwolke wird ab ca. 21:30 Uhr wieder zur LINZ AG Nachklangwolke zum Weiterfeiern im Donaupark eingeladen. Für den richti- gen Sound sorgt diesmal Russkaja.

Haben Sie schon einmal ein ähnliches Projekt gemacht?


Für mich ist es das erste Projekt dieser Art. Ähnlich waren die Operninszenierungen in St. Margarethen. Da habe ich auch mit Projektionen, Videowänden, 3D und Stuntmen gearbeitet. Da hatte ich allerdings keinen unberechenbaren Fluss (lacht).

 

Sie, Co-Regisseur Christoph Engel und Roman Kariolou werden als „cineastisches Dreamteam, das den Glanz von Hollywood nach Linz bringen wird“, gehandelt. Wie hoch ist der Druck? Sind Sie nervös vor so einer großen Inszenierung?

Nervosität habe ich mir abgewöhnt. Wenn wir einen Schiffbruch erleiden, kann ich es nicht ändern (lacht). Herzklopfen ja, Nervosität nicht. Wenn ich selber auftreten würde und singen oder Klavier spielen müsste, wäre ich nervös, aber im Fall der Klangwolke habe ich meine Arbeit im Vorhinein schon erledigt. Sollte das Zusammenspiel nicht funktionieren, kann ich nichts tun, um es zu retten. Wenn die Elemente nicht zueinander finden, nützt das schönste Konzept, das wir erarbeitet haben, nichts. Dann sind wir den Umständen zum Opfer gefallen. Wir können nicht zehn Mal proben, so sind wir auf Glück und die guten Schwingungen der Donau angewiesen, dass sie uns keine Schwierigkeiten macht. Es wird auch eine schöne Überraschung geben, die ich aber noch nicht verraten kann.

 

Die diesjährige Klangwolke trägt den altgriechischen Titel PANTA RHEI , wie kam es dazu, sich inhaltlich diesem Zitat des Philosophen Heraklit zu widmen?

Ich muss gestehen, dass der Titel nicht von mir ist. Wir hatten einige wilde Vorschläge am Tisch und konnten uns nicht einigen. LIVA-Geschäftsführer Dietmar Kerschbaum kam dann mit der Idee PANTA RHEI, die für mich perfekt war.

 

„Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen“ hat Heraklit vor rund 2.500 Jahren gesagt. Alles fließt, alles ist in Bewegung, alles befindet sich in ständiger Verwandlung. Wie wichtig sind Bewegung und ständige Verwandlung in Ihrem Leben, Ihrer Karriere?

Ich glaube, Heraklit hat das etwas anders gemeint, aber ich bin tatsächlich seit meinem dreizehnten Lebensjahr in ständiger Bewegung. Ich habe zwar auch Bäume gepflanzt, die Wurzeln geschlagen haben und nun auch alt genug sind, um gefällt zu werden, aber sesshaft bin ich trotzdem nicht richtig geworden. Ich bin immer in Bewegung – ein Jahr in Marokko, ein Jahr in Bulgarien, drei Jahre in Prag, in den letzten fünf Jahren war ich monatelang in Wien. Aber mein Zuhause ist Los Angeles. Wir haben auch ein Zuhause in Frankreich, wo wir oft hinfahren. Jede Filmproduktion verlangt von mir mindestens sechs Monate an jenem Ort zu sein, wo der Film gedreht wird. Nächstes Jahr werde ich in Ungarn sein.

 

Kommt Ihre Frau mit nach Ungarn?

Das hoffe ich sehr. Ich habe sie jetzt fünf Monate lang nicht gesehen. Zum Teil wegen Covid, aber auch deshalb, weil sie in Los Angeles viel zu tun hat und auch ich ständig unterwegs war. Jede Woche heißt es, jetzt kommt sie. Ich hoffe, sie bald wiederzusehen.

 

Kommen Sie noch öfter nach Rumänien, wo Sie aufgewachsen sind?
Ich bin dort aufgewachsen, doch das Land hat uns wirklich betrogen, kann man sagen. Mein Vater war aus politischen Gründen während meiner gesamten Kindheit im Gefängnis. Wir wurden enteignet und haben unser Haus bis heute nicht zurückbekommen. Diese Ungerechtigkeit empört mich.

 

Roman Kariolou gilt als musikalisches Ausnahmetalent, wurde als Geigen-Wunderkind bekannt und studierte an der Bruckner Universität in Linz. Als musikalischer Leiter der Klangwolke 21 bedeutet PANTA RHEI für ihn das musikalische Erwachen der Donau. Wissen Sie, was ihn dazu inspiriert hat?

Roman Kariolou und ich haben gerade für den fünften Film des Mehrteilers „Maria Theresia“ in Prag intensiv zusammengearbeitet. Ich glaube, dass ihn dort viel inspiriert hat. Die Moldau verwandelt sich nun in die Donau (lacht). Das steht auch für Romans eigenes musikalisches Erwachen – ob sich nun die Moldau oder die Donau bewegt, ist am Ende egal – Hauptsache es bewegt uns und das Publikum.

 

Wie wichtig ist die Musik im Film?

Die Filmmusik ist das Um und Auf. Ich komme aus einer anderen Schule, in der Filmmusik nur live akzeptiert wird. Gefühle zu „besülzen“ war dort nicht gern gesehen. Ich bin da anders. Ich sehe das mehr wie bei einer Oper, die ohne Gesang und Musik nicht funktioniert. Ich sehe nicht ein, warum man zwei so effektive Mittel im Film nicht einsetzen soll, wenn sie vorhanden sind.

 

Wie haben Sie zum Film gefunden?

Im Alter von zehn Jahren habe ich in Rumänien im Sommerkino einen Film gesehen und gesagt, so etwas will ich auch machen. Seither haben mich Fotografie, Film und Musik – alles, was mit Bild und Ton zu tun hat – fasziniert. Als ich dann in Wien war, habe ich mich ständig im Filmmuseum aufgehalten und die Klassiker angesehen: amerikanische und russische Stummfilme. Mit siebzehn Jahren bin ich an die Filmakademie in Wien gegangen. Dort habe ich es aber nur zwei Jahre ausgehalten, da ich im Fach „Regie“ durchgefallen bin und die Klasse nicht wiederholen wollte. Tatsächlich habe ich im selben Jahr, in dem ich durchgefallen bin, meinen ersten Film für den ORF gemacht (lacht).

 

„The Children of Theatre Street”, Ihr Debüt- film als Regisseur, brachte Ihnen 1978 eine Oscarnominierung in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ ein. War es daraufhin ein logischer Schritt, nach Los Angeles zu gehen?

Nein, Los Angeles war eine private Entscheidung. Ich war damals 28 Jahre alt und im österreichischen Fernsehen schon recht erfolgreich. Ich hatte eine amerikanische Freundin, die sich in einen oberösterreichischen Schafhirten ver- liebt hat. Das ist kein Scherz (lacht). Sie ist in Österreich geblieben und ich in Amerika. Das hat sich zufällig so ergeben.

 

Sind Sie während der Arbeiten zur Klangwolke in Linz stationiert? Wie darf man sich das vorstellen?
Nein, ich bin derzeit in Wien. Alles, was auf der filmischen Seite erledigt werden muss, passiert in Wien, weil das einfacher ist. Sobald das gesamte Paket beisammen ist, kommen wir nach Linz. Außerdem können wir in Linz im Vorfeld nicht viel machen. Wir können ja die Donau nicht absperren. Es wird also ein Sprung ins kalte Wasser (lacht). Insgesamt gibt es drei Proben und ich bin neugierig, wie sich alles fügen wird.

Bild PANTA RHEI 2_(c) aufgemoebelt.jpg
© Klangwolke 2021

Lesen Sie das gesamte Interview in unserer aktuellen Ausgabe von DER OBERÖSTERREICHER!