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People | 13.07.2020

Ein Sommer in Ischl

Nur zweieinhalb Monate nachdem sie zur Bürgermeisterin von Bad Ischl gewählt wurde, kam Corona. Wie sie die herausfordernde Zeit meistert, erzählt Stadtchefin Ines Schiller (42) im Interview.

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© Foto Hofer

Am 2. Jänner dieses Jahres wurde Ines Schiller zur Bürgermeisterin von Bad Ischl gewählt. Im Februar hing sie ihren geliebten Job als Volksschullehrerin an den Nagel, um sich voll und ganz ihrer neuen Aufgabe als Stadtchefin zu widmen. Im März kam Corona und stellte die frischgebackene Bürgermeisterin vor  ganz neue Herausforderungen.  Doch Ines Schiller ist keine, die jammert oder sich unterkriegen lässt. Schon in jungen Jahren war die gebürtige Ebenseerin bei den Roten Falken und den Kinderfreunden aktiv. Daran änderte sich auch nichts, als sie nach Bad Ischl übersiedelt ist. Mehr als zehn Jahre lang war die dreifache Mutter für die SPÖ Bad Ischl als Stadträtin tätig, ehe sie im Jänner 2020 zur Bürgermeisterin der Kaiserstadt gewählt wurde. Wie sie mit einer kreativen Veranstaltungsreihe für Einheimische und Gäste im Sommer die Wirtschaft wieder beleben möchte, hat sie uns im Interview erzählt.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Schiller, am 2. Jänner 2020 wurden Sie zur Bürgermeisterin von Bad Ischl gewählt. Wie geht es Ihnen?

Ines Schiller: Danke, es geht mir gut. Nach meiner Wahl im Jänner habe ich noch bis Februar in meinem langjährigen Beruf als Volksschullehrerin in Strobl gearbeitet. Als ich dann genug Zeit hatte, um mich als Bürgermeisterin einzuarbeiten, kam Corona. Plötzlich waren von heute auf morgen viele Entscheidungen zu treffen und ich musste über Nacht einen Krisenstab einberufen. Das war natürlich ein Sprung ins kalte Wasser, aber ich habe am Stadtamt ein ausgezeichnetes Team zur Seite, das mir meinen Start in dieser doch sehr herausfordernden  Zeit um einiges erleichtert hat. 

 

Die Corona-Krise hinterlässt bei fast allen Gemeinden ein großes Loch im Budget. 2024 wird Bad Ischl Kulturhauptstadt Europas. Können alle geplanten Projekte umgesetzt werden?

Natürlich hat Corona auch bei uns in Bad Ischl ein großes Loch im Gemeindebudget hinterlassen. Aber wir dürfen jetzt nicht jammern, sondern müssen die geplanten Projekte, die wir uns für die kommenden Jahre vorgenommen haben, umsetzen. Die Gemeinde ist der Motor der Wirtschaft und wenn wir keine Aufträge vergeben, wer dann? Man muss jetzt langfristig denken, auf die Jahre gesehen wird durch diese Investitionen wieder alles retour kommen. Im Hinblick auf die Kulturhauptstadt soll die Gesellschaftsgründung im Juli abgeschlossen werden. Im Herbst erwarten wir bereits die erste Evaluierung von der Jury. Wir werden die geplanten Themen mit den Förderungen von Bund und Land verfolgen und umsetzen. 

 

Was ist in Bezug auf die Kulturhauptstadt in Sachen Hotellerie geplant?

Es gibt bereits Projektpräsentationen für die Realisierung eines Hotels hinter dem Kongresshaus. Auch in Bezug auf die Revitalisierung von Gebäuden – wie das alte Armenhaus in Lauffen oder das Robinson-Areal – sind wir in Kontakt mit Interessenten aus Österreich und Deutschland, die investieren möchten.

 

Bad Ischl ist kultureller und touristischer Mittelpunkt des Salzkammergutes und gehört zu den stärksten Tourismusregionen Österreichs. Heuer im Sommer  muss die Kaiserstadt corona–bedingt auf viele klassische Veranstaltungen, die normalerweise jedes Jahr viele Besucher anziehen, verzichten. Innerhalb  kurzer Zeit haben Sie eine Initiative ins Leben gerufen und unter dem Titel „ Ein Sommer in Ischl“  ein umfangreiches  Programm auf die Beine gestellt. Was ist zu erwarten?

Wir wollen den  Gästen und Einheimischen auch im Sommer 2020 Aktivitäten bieten und gleichzeitig die Wirtschaft beleben. Daher habe ich mich mit Vertretern vom Tourismusverband, der Wirtschaftskammer, Gastronomie und Hotellerie sowie den Handelsbetrieben zusammengesetzt und gemeinsam haben wir ein tolles Programm erstellt. Durch die Krise sind wir zusammengerückt und wollen beweisen, was in kurzer Zeit –  trotz coronabedingter Vorsicht – alles möglich ist. Herausgekommen ist ein Programm mit kleinen feinen Events für alle Altersgruppen. 

  

Können Sie uns ein paar Highlights verraten?

Gestartet wird am 4. Juli mit einem Fest von Ischlern für Ischler im Kurpark. Bis zum Weinfest Anfang September wird es jeweils von Donnerstag bis Samstag beziehungsweise Sonntag die unterschiedlichsten Veranstaltungen geben. Das reicht vom Picknick im Park über Outdoor-Yoga bis hin zu kleinen Konzerten, Literatur-Kostproben lokaler Schriftsteller, Modeschauen und Freiluftkino. „Ein Sommer in Ischl“ wird für uns ein Weg zurück in die erfolgreiche Zukunft.

 

Sie sind mittlerweile schon lange in der Politik aktiv. Was gefällt Ihnen daran?

Das aktive Gestalten macht mir sehr viel Freude. Ich habe immer schon gerne geplant und Veranstaltungen organisiert. Ich muss gestehen, dass ich ein sehr ungeduldiger Mensch bin, was mir aber auch zugute kommt, denn wenn ich mir ein Ziel stecke, dann wird das auch gleich in Angriff genommen. Natürlich gibt es herausfordernde Tage, aber es kommt sehr viel zurück.

 

Ihr Lebensgefährte und Vorgänger als Bürgermeister, Hannes Heide, ist als Abgeordneter im EU-Parlament tätig. Wie sehr tauschen Sie sich mit ihm in politischen Belangen aus? 

Natürlich tauschen wir uns in Sachen Politik aus, weil das unser beider Herzensthema ist. Es war anfangs nicht unumstritten, dass ich ihm als Bürgermeisterin nachfolge, aber ich war mehr als zehn Jahren als Stadträtin tätig und bereits vor Hannes in dieser Funktion aktiv. Wir haben verschiedene Ansichten und auch unterschiedliche Themenschwerpunkte. Das Soziale, der Bildungsbereich, Familien und Kinder waren für mich immer das Wichtigste und das wird auch weiterhin so bleiben. Er redet mir nicht drein und erfährt vieles aus den Zeitungen und so läuft das auch umgekehrt (lacht).

 

 Haben Sie den Schritt von der Schule ins Stadtamt schon bereut?

Ich war mit Leidenschaft Lehrerin und habe mich oft gefragt, ob die Entscheidung ins Stadtamt zu wechseln, richtig war.  Aber schon nach der kurzen Zeit kann ich sagen: Bürgermeisterin zu sein, ist das, was ich will.