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People | 01.04.2020

Ein Platz für alle Menschen

Das Institut Hartheim betreut und begleitet Menschen mit Beeinträchtigungen. Sowohl die Bewohner als auch die Besucher der Tagesstätten werden immer mehr, während es auf der anderen Seite immer schwieriger wird, Mitarbeiter mit Herz und Verstand zu finden.

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Miteinander lachen: Lebensfreude spielt auch für die Bewohner im Institut Hartheim eine wesentliche Rolle. (© Institut Hartheim)

Sandra Wiesinger hat einen Job, der sie täglich vor neue Herausforderungen stellt: Sie leitet das Institut Hartheim in Alkoven. Diese Einrichtung betreut und begleitet Menschen mit kognitiven und multiplen Beeinträchtigungen. Finanziert wird sie vom Land Oberösterreich, doch die Mittel sind knapp – so wie die Zahl der Mitarbeiter. „Die größte Herausforderung ist im Moment, neue kompetente Mitarbeiter zu finden, die auch das Herz am rechten Fleck haben“, sagt Wiesinger in unserem Interview.  

 

OBERÖSTERREICHERIN: Können Sie uns das Institut Hartheim kurz vorstellen? 

Sandra Wiesinger: Das Institut Hartheim hat als Kompetenzzentrum für die Betreuung von Menschen mit kognitiven und multiplen Beeinträchtigungen eine lange und wechselvolle Geschichte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde 1965 der Grundstein für das neue Institut Hartheim gelegt. Einige unserer Anvertrauten, die unter den ersten waren, die 1968 bei uns ein neues Zuhause gefunden haben, leben noch heute bei uns. Das ist ein Spiegel der Entwicklung unserer Einrichtung als Ganzes. Und es hat natürlich auch unsere Betreuungsleistungen nachhaltig verändert. Während zu Beginn der Schwerpunkt auf der Betreuung von Kindern und Jugendlichen lag, leben heute überwiegend erwachsene und mittlerweile zahlreiche Seniorinnen und Senioren en mit kognitiven und multiplen Beeinträchtigungen bei uns.

 

Was sind im Moment die größten Herausforderungen für Sie?

Eine der größten Herausforderungen, die wir im Moment zu meistern haben, ist es, neue kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Verstärkt wird diese Problematik durch die knapp bemessenen finanziellen Ressourcen – Stichwort Sparpakete im Sozialbereich seitens des Landes – und den Fachkräfteengpass im Pflegebereich. Der Sozialbereich verliert als potenzieller Arbeitgeber an Attraktivität. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Die Betreuungsarbeit ist herausfordernd und verlangt neben fachlichem Know-how auch eine entsprechende Sozialkompetenz. Die Arbeitszeiten vor allem im Wohnbereich weichen von der gängigen Norm ab. Leider werden die positiven Aspekte der Arbeit mit und für Menschen oft zu wenig gesehen. Dabei birgt sie viele schöne Momente: Freude, menschliche Nähe, Spaß und freundschaftliche Begegnung machen die Arbeit in Hartheim erfüllend. Es ist allerdings kein „klassischer“ Beruf, sondern schon auch Berufung.

 

Was macht für Sie persönlich einen guten Mitarbeiter aus?

Im Fachterminus würde ich sagen, mit hoher emotionaler, sozialer und fachlicher Kompetenz – frei heraus meine ich: mit Herz und Verstand! Unerlässlich ist es, dass man unsere Anvertrauten mag, gerne mit ihnen kommuniziert und über Sensibilität und Einfühlungsvermögen verfügt. Verlässlichkeit und Verantwortungsbewusstsein sind ebenso von entscheidender Bedeutung.

 

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Für Menschen mit Beeinträchtigung gibt es in Hartheim auch therapeutisches Angebot. (© Institut Hartheim)

Was motiviert Sie persönlich, diese verantwortungsvolle Funktion zu tragen?

Ich fühle mich als Sprecherin unserer Anvertrauten und setze mich für ein würdevolles Leben für Menschen mit Beeinträchtigungen ein. Ich bin dankbar, einer erfüllenden und sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen zu können. Die besonderen Begegnungen mit Anvertrauten, Mitarbeitern und Angehörigen in unserer Einrichtung und deren Lächeln inspirieren mich.

 

Sie haben vorhin die schwierige finanzielle Situation angesprochen. Wie gehen Sie damit um?

Wir stehen vor der Aufgabe, eine sehr hohe Qualität in der Betreuung und Begleitung unserer Kunden bei schrumpfenden finanziellen Ressourcen zu halten. Angebote, die über die notwendigen Standardleistungen hinausgehen, lassen sich nur mit Hilfe finanzieller Zuwendungen von Unternehmen, Privatpersonen und Vereinen verwirklichen. Für diese wichtige Hilfe möchte ich mich von Herzen bei allen Spendern und Sponsoren bedanken. Deren Hilfe hilft uns beim Helfen! Ebenso wichtig wie die Spenden ist aber auch der ehrenamtliche Einsatz in unserer Einrichtung. Wir freuen uns über jede helfende Hand.

 

Welche Möglichkeiten gibt es, bei Ihnen ehrenamtlich mitzuhelfen?

Die Unterstützung durch ehrenamtlich tätige Menschen ist von zentraler Bedeutung für unsere Arbeit. Vor allem im Freizeitbereich, aber auch in unseren Beschäftigungsangeboten ist uns jede Mithilfe willkommen. Durch das ehrenamtliche Engagement können wir unseren Kunden viele wunderschöne Momente ermöglichen. Diese Momente bereichern aber auch das Leben der Menschen, die unseren Kunden Zeit schenken. Denn wie sagt Leo Tolstoi: „Das Gute, welches du anderen tust, tust du immer auch dir selbst.“

 

Daten & Fakten

Das Institut Hartheim ist ein Kompetenzzentrum für die Betreuung von Menschen mit kognitiven und multiplen Beeinträchtigungen. Es gibt voll- und teilbetreutes Wohnen ebenso wie fähigkeitsorientierte Aktivitäten zum Beispiel in verschiedenen Werkstätten. Außerdem gibt es ein Ambulatorium für medizinisch-therapeutische Angebote sowie einen Kindergarten und einen Hort. Die mobile Begleitung richtet sich an jene Menschen, die im Familienverband oder in einem eigenen Haushalt leben. Insgesamt leben mehr als 300 Menschen mit Beeinträchtigungen im Institut Hartheim, das Angebot in den Werkstätten nehmen mehr als 400 Menschen in Anspruch. Mit mehr als 650 Mitarbeitern ist das Institut Hartheim übrigens auch der größte Arbeitgeber im Bezirk Eferding.

 

Institut Hartheim sucht dringend MitarbeiterInnen

Aufgrund der Corona-Pandemie sucht das Institut Hartheim für Menschen mit kognitiven & mehrfachen Beeinträchtigungen
dringend qualifizierte Mitarbeiter*innen für die Betreuung und Pflege der Kund*innen.
Infos unter:

www.institut-hartheim.at