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People | 14.01.2019

Ein Leben für die Zither

Univ.-Prof. für Zither Wilfried Scharf ist unermüdlich darin, das einst so populäre alpenländische Saiteninstrument mit seinem meisterhaften Spiel sowie viel Engagement für seine Studenten zu reaktivieren.

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Nicht ohne seine Zither: Univ.-Prof. OStR. Wilfried Scharf (© privat)

Wilfried Scharf ist ein Pionier der Zithermusik. Der 1955 in Braunau am Inn geborene Zithersolist und seit 1989 Hochschullehrer an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz widmet sich mit Herzblut der Aufgabe, das einst populäre Saiteninstrument, das in den 1960er-Jahren beinahe in der Versenkung verschwand, wieder „zum Leben“ zu erwecken. Mit Erfolg. Neben seiner Lehrtätigkeit trägt Scharf als Solist und mit seinem Ensemble Salzburger Saitenklang seine Musik in die Welt hinaus. Er trat bereits in großen Konzertsälen in den USA und Kanada auf, spielte mit den Wiener Symphonikern beim Neujahrskonzert 2014 unter der Leitung von Daniel Barenboim und bei den Bregenzer Festspielen, gestaltete mit dem Phoenix Symphony Orches­tra in Phoenix/Arizona eine „Nacht in Wien“, um nur ein paar Höhepunkte zu nennen. Mit seiner CD „Best of Zither“ (zu bestellen unter www.wilfriedscharf.at und www.zitherfreund.com) entstand die Idee, die Zither mit anderen Klängen zu koppeln.

 

Herr Professor Scharf, wann haben Sie mit dem Zitherspielen begonnen?

Meine erste Spielversuche auf der Zither fanden bereits mit sechs oder sieben Jahren quasi als Nachahmung meines Vaters, der ein sehr guter und bekannter Zithersolist war, statt. Er verstarb allerdings ziemlich jung, sodass ich erst mit elf Jahren bei einem Zitherfreund fundiert das Zitherspiel zu erlernen begann. Nach vielen autodidaktischen Jahren begann ich 1982 ein professionelles Zitherstudium am Tiroler Landeskonservatorium, das ich 1985 mit Auszeichnung abschloss.

 

Es gibt nicht mehr viele Menschen, die das Zitherspiel beherrschen, die Zither ist heute nicht gerade ein Trend-Instrument. Was gefällt Ihnen so an dem Instrument?

Die Zither ist in Oberösterreich tatsächlich kein Trendinstrument wie etwa die Gitarre – aber mit etwa 350 Lernenden ist sie auch nicht zu übersehen! (lacht) Durch das Landesmusikschulwerk und auch das mittlerweile erstaunliche Ansehen an der Bruckner­universität hat sich die Zither in Oberösterreich einen sicheren Stellenwert in der Musikwelt zurückerobert.

Wie schon in den letzten Jahren ist die Zither auch in der Musiktheatersaison 2018/19 wieder solistisch in der Operette „Der Vogelhändler“ zu hören – das ist sehr erfreulich!

 

Was genau tun Sie dafür, das einst populäre Instrument zu reaktivieren?

Zur Reaktivierung der Zither gehört ein wahre Multiaktivität: zum einen die Gründung meiner Akademie für Zither in Taufkirchen im Innviertel, die Habilitation (die einzige weltweit) an der Bruckneruniversität, die ständige Präsenz in den Medien, Publikationen (Noten, Kompositionen, Tonträger etc.) und zum anderen – das Wichtigste – die Vorbildwirkung durch meine ständige Auftrittstätigkeit.

 

Lehren Sie selbst noch in der Zitherklasse an der Anton Bruckner Uni?

Die Zitherklasse an der Bruckner­universität ist mit jungen engagierten Studentinnen und Studenten sehr aktiv, mit Auftritten im Musiktheater, im Brucknerhaus, bei den Lehár-Festspielen in Bad Ischl ... Ich werde bis 2020 als leitender Professor tätig sein und hoffe, dass mein Nachfolger oder meine Nachfolgerin dies alles in ähnlicher Manier fortsetzt.

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Die neue CD „Friedensmesse aus Österreich“ hat Wilfried Scharf gemeinsam mit den Florianer Sängerknaben und dem Ensemble da Pace aufgenommen.