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People | 01.07.2015

Ein Leben für die Musik

Die Toten Hosen, Madonna, Greenday: Der Innviertler Günter Unger hat bei „Warner Music Austria“ mit sämtlichen Größen des Musik-Business gearbeitet. Heute ist er mit seiner eigenen Firma für das Exklusiv-Management von Parov Stelar zuständig.

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„Plötzlich hatten wir eine Nachricht von Guy Chambers, dem Mastermind von Robbie Williams, in der Mailbox …“ Musik-Manager Günter Unger (©

Sie sind seit 37 Jahren im internationalen Musikgeschäft tätig, davon mehr als 30 Jahre für Warner Music Austria. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Da muss ich etwas weiter ausholen (lacht). Seit meinem neunten Lebensjahr bin ich Rolling Stones-Fan, nachdem ich im Fernsehen ein Konzert von ihnen im Hyde Park gesehen habe. Das mit dem Gitarrespielen-Lernen hat leider nicht funktioniert, also bin ich auf eine andere Weise ins Musik-Biz gegangen. Mein Bruder hat 1978 ein Inserat in der Zeitung gesehen – für den Job bei Warner Music. Das Unternehmen hieß damals allerdings noch anders. Am Inserat prangte das legendäre Zungen-Logo der Stones. Ich habe im Vertrieb angefangen, hatte im Lauf der Jahre die verschiedensten Funktionen inne und bin so zum Urgestein des Unternehmens geworden.

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FREUNDE. Günter Unger mit den Toten Hosen (©

Dennoch haben Sie sich 2009 mit Ihrer eigenen Firma selbstständig gemacht. Warum war dieser Schritt für Sie notwendig?

Ich habe mit 20 Jahren bei Warner Music begonnen. Es war mein einziger Job, den ich nach der Schule gemacht habe. Darum war ich sehr mit dem Unternehmen verbunden. Es war meine Firma, mein Leben. Aufgrund der massiven Krise in der Musikindustrie war ich als Geschäftsführer dann damit beschäftigt, jene Umstrukturierungen, die uns die Amerikaner aufgedrückt haben, in Österreich umzusetzen. Konkret hieß das: Leute zu kündigen. Das Team wurde halbiert. Mitansehen zu müssen, wie alles zerbröckelt, das war nicht mehr lustig. Außerdem haben wir die Landesfarben verloren. Das Produzieren hat nicht mehr stattgefunden. Aus diesem Grund habe ich eine eigene Gesellschaft gegründet und viele Stars sind mit mir mitgegangen.

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ERFOLGREICH. Günter Unger mit dem Gold-Award für das neue Album von Parov Stelar (©

Welche Stars waren das?

Albano Carrisi zum Beispiel, Hubertus von Hohenlohe und natürlich Parov Stelar. Dadurch hatte ich einen guten Start.

 

Stichwort Parov Stelar. Marcus Füreder, der hinter dem Künstlernamen steckt, kennen Sie ja schon sehr lange …

Das stimmt! Mit Marcus habe ich schon immer Kontakt gehabt. Und ich kann mich noch erinnern, als er mich vor 20 Jahren – damals war er gerade beim Bundesheer – angerufen und nachgefragt hat, weil er das Gefühl hatte, dass nix weiterging. Ich habe ihm gesagt, dass er noch etwas Geduld brauche, ich aber überzeugt sei, dass er der nächste Moby sein wird. Inzwischen ist ein sehr nettes Erfolgskonzept daraus geworden. 

 

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Ob mit Star-Geiger David Garrett ... (©
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... oder mit dem italienischen Sänger Albano Carrisi (©

Das kann man wohl sagen! Stimmt es, dass eine Zusammenarbeit mit Robbie Williams im Raum steht?

Das war eine ganz unglaubliche Geschichte, als ich plötzlich eine Nachricht von Guy Chambers, dem Mastermind von Robbie Williams, in meiner Mailbox hatte. Das ist der Mann, der Welthits wie „Angels“ und „Let me entertain you“ geschrieben hat. Beim Linz-Konzert haben wir uns mit ihm beim Keplingerwirt getroffen und über eine mögliche Zusammenarbeit gesprochen. Marcus hat jetzt mal vier Titel geliefert und wir werden sehen, was daraus wird … (lächelt).

 

Eine dermaßen lange Verbindung wie jene zwischen Marcus Füreder alias Parov Stelar und Ihnen ist im Musikgeschäft eher ungewöhnlich. Was zeichnet Ihre Beziehung aus?

Es ist tatsächlich unheimlich schwierig, so eine Verbindung über die Jahre aufrechtzuerhalten. Weil es nicht immer nur Höhen gibt, sondern auch Tiefen, die man gemeinsam überstehen muss. Das ist das Wichtigste! Und unsere Beziehung ist nicht nur geschäftlich, sondern auch emotional gewachsen.

 

Sie sind seit Ende der 70er-Jahre im Musikgeschäft. Was hat sich in dieser Zeit am gravierendsten verändert?

Der Musikkonsum ist zu einem „One-track“-Konsum geworden. Früher hat man auf ein neues Album von Künstlern wie Pink Floyd oder den Stones gewartet, es war ein Gesamtkonzept und nicht bloß ein einzelner Titel. Heute ist es ein Streaming- und Download-Markt geworden. Diesem Trend wirken wir entgegen, indem wir bei Parov Stelar das Augenmerk bewusst auf das Gesamtkonzept und das Image der Marke gelegt haben. Uns ist wichtig, dass es nicht nur um einen Single-Act geht, sondern um ein ganzes Album und Artwork.