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People | 18.06.2018

Ein Brunnen für Togo

Zwei Power-Frauen vom Rotary Club Wels-Nova packten spontan im westafrikanischen Togo an und sanierten eine Schule.

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700 Kinder konnten sich über eine neue Bildungsstätte freuen. (© Rotary Club Wels-Nova)

Ein Jahr, zwei Frauen, 700 Kinder, 4.500 Kilometer Entfernung: Die Oberösterreicherinnen Michaela Köllensperger und Eva Fischer vom Rotary Club Wels-Nova stellten im westafrikanischen Togo ein Projekt auf die Beine, das nicht nur Kinderaugen strahlen lässt. Durch die geballte Frauenpower wurde eine ganze Schule saniert, ein Brunnen gebaut, und es wurden auch Freundschaften geschlossen. Michaela Köllensperger im Interview.

 

Frau Köllensperger, Sie waren Juristin, arbeiten seit 20 Jahren als Astrologin und sind Präsidentin des Rotary Clubs Wels-Nova. Was sind die Ziele von Rotary und wie kamen Sie zu Wels-Nova?

Frau Köllensperger: Rotary ist eine internationale Vereinigung von Menschen, mit dem Ziel, Freundschaft und Internationalität zu fördern und ein großes Spektrum an Berufsgruppen miteinander zu vernetzen. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der Charity-Ziele verfolgt. Jeder Präsident sucht für sein Jahr ein nationales oder internationales Projekt. Ich bin Gründungsmitglied bei Wels-Nova, der Rotary-Club wurde 2004 ins Leben gerufen und hat einen 50-prozentigen Frauenanteil.

 

Vor einem Jahr starteten Sie mit einem außergewöhnlichen Projekt: der Sanierung einer Schule für 700 Kinder im westafrikanischen Togo. Wie kam es dazu?

Ich war auf der Suche nach einem Projekt in Afrika für mein Präsidentenjahr. Meine Kollegin Eva Fischer, die als internationale Wahlbeobachterin arbeitet und dadurch schon mehrmals in Afrika war, machte mich auf Togo aufmerksam. Sie lernte dort vor Jahren die ausgewanderte Österreicherin Karoline Lekey und ihren Mann Jul kennen, welche in der 80.000-Einwohner-Stadt Kpalimé ein kleines Hotel führen. Auf Facebook entdeckte Eva vor einem Jahr deren Aufruf, neue Schulbänke für eine Schule zu organisieren. Wir flogen spontan nach Togo, um zu sehen, ob diese Schule ein geeignetes Projekt für unseren Club sei. Wir waren so schockiert über den Zustand der Schule, die in der deutschen Kolonialzeit vor ca. 100 Jahren errichtet und inzwischen extrem baufällig geworden ist, dass wir beschlossen, gleich alle Gebäude zu sanieren!

Sanierung der Schule
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Für die Sanierung der alten Schule wurden ansässige Professionisten beauftragt. (© Rotary Club Wels-Nova)
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Zur Feier anlässlich der Übergabe der renovierten Schule kamen Direktoren und Zuständige aus der Politik, die von so viel Frauenpower begeistert waren. (© Rotary Club Wels-Nova)
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Die neu sanierten Räumlichkeiten sind einer Bildungsstätte würdig. (© Rotary Club Wels-Nova)

Was erwartete Sie, angekommen in Togo?

Es war mein erster Besuch in Westafrika – ich war fasziniert: Die Menschen leben zwar unter einfachsten Lebensbedingungen, vermitteln aber große Lebensfreude. Der Süden von Togo ist sehr fruchtbar, ein Paradies an Mango- und Avocadobäumen. Hunger ist kein primäres Problem. Die Wasserversorgung ist aber ein großes Thema, darum beschlossen wir, für das Schulareal einen eigenen Brunnen zu bauen, was sogar den Besuch des Premierministers zur Folge hatte. Zu sehen, was mit Wille und Engagement machbar ist, motivierte uns sehr, denn man hört oft, in Afrika sei es kaum möglich, Projekte zu verwirklichen.

 

Wie begegnete Ihnen die Bevölkerung?

Schon am zweiten Tag haben wir uns zugehörig gefühlt. Die Togolesen unterscheiden nicht sehr zwischen Hautfarben und Religionen, eine schöne Erfahrung. Die Menschen sind meist arm, aber offen und herzlich, man kommt schnell in Kontakt. Natürlich braucht es großes Feingefühl, die Menschen nicht mit unseren Wertvorstellungen zu überrollen. Wir könnten vieles von ihnen lernen, wie Gemeinschaftssinn und Naturverbundenheit.

 

Was konnte dank Ihrer Hilfe verwirklicht werden?

Wir haben das gesamte Schulgelände saniert, das Dach erneuert, einen Brunnen gebaut, Sanitäranlagen renoviert und 200 Schulbänke bauen lassen. Für Kinder, deren Eltern es sich nicht leisten konnten, ließen wir Schuluniformen schneidern. Durch den Brunnen ist freier Zugang zu Wasser während der Schulzeit gewährleistet – auch für Anrainer. Es ist die einzige Schule in Togo mit eigenem Brunnen. Die Bauaufsicht lag bei Karoline und Jul Lekey, die mit großem Engagement an die Sache herangingen. Natürlich beauftragten wir als Tischler, Dachdecker etc. nur ansässige Professionisten, um auch Arbeit zu schaffen.

 

Mit Juni endet nicht nur das Projekt, sondern auch Ihre Präsidentschaft im Rotary Club Wels-Nova. Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Ich kann mich endlich wieder voll und ganz meinem Beruf als Astrologin widmen! (lacht) Das freut mich sehr, auch wenn mir das Amt und vor allem das Projekt große Freude bereitet haben. Als Einzelperson könnte man so ein großes Projekt über 40.000 Euro, welche in die Schule und damit in Bildung geflossen sind, nicht verwirklichen. Das Projekt werden wir weiterhin im Auge behalten, da wir gewährleisten müssen, dass der Brunnen auch in Zukunft funktioniert. Wir freuen uns schon auf die nächste Reise nach Togo!

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Michaela Köllensperger (© Celine Daliot)