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People | 02.09.2019

EAT. CARE. LOVE

Das Schicksal führte die ehemalige IT-­Unternehmerin Carina Pirngruber-Rahimi dazu, vor drei Jahren ihr Start-up NUSSYY zu gründen. Ehrlicher Genuss und soziale Verantwortung sind das Credo der gebürtigen Mühlviertlerin, deren Bio-Snacks unter dem Motto „Eat.Care.Love“ mittlerweile in aller Munde sind.

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Carina Pirngruber-Rahimi (© Chris Singer)

Wir treffen Carina Pirngruber-Rahimi in einem hellen Loft mit Blick auf den Stephansdom in Wien und begegnen einer zierlichen, naturverbundenen Frau mit einem großen Herz für Mensch, Tiere und Umwelt. Mittelpunkt der gemütlichen Wohnung sind eine gut ausgestattete Küche und ein riesengroßer Esstisch. In dieser traumhaft schönen Umgebung ist seit Kurzem das Headquarter von NUSSYY untergebracht, einem Start-up, das vor drei Jahren aus Carinas Lebensmittelunverträglichkeit he­raus entstanden und mittlerweile der Rising-­Star unter den Super-Foods ist.
Kein Wunder, denn bei NUSSYY trifft Ursprünglichkeit auf moderne Ernährungstrends. Egal ob Bio-Riegel, Bio- Kekse, Bio-Toppings ... – alle mittlerweile 30 verschiedenen NUSSYY- Bio-Kompositionen sind zu 100 Prozent pur, vegan, ohne jegliche künstliche Zusätze und auch ohne Zuckerzusatz und Palmöl. Seit 2016 sind Carinas Lieblingsprodukte als „Eat.Care.Love“-Linie in den österreichischen SPAR-Märkten zu haben, wobei ein Teil des Erlöses jeder verkauften Packung direkt an das Jane Goodall Ins­titut Austria geht. 

Aufgrund der großen Nachfrage schafft es die gebürtige Mühlviertlerin nicht mehr, sich alleine um ihr Baby – wie sie NUSSYY liebevoll bezeichnet – zu kümmern. Im neuen Headquarter soll sich ihr Team so richtig wohlfühlen, denn immerhin wird dort an neuen Kompositionen gearbeitet. Beim Covershooting verrät uns die Frau von Teppichhändler und UN-Sonderbotschafter Ali Rahimi, wie aus der Liebe zur Entwicklung von hochwertigen, ursprünglichen und heimischen Bioprodukten ihr Herzensprojekt NUSSYY entstand und warum berühmte Persönlichkeiten von Jane Goodall über Hermann Nitsch bis hin zu Vivienne Westwood den speziellen NUSSYY-Editionen ihre persönliche Note in Hinblick auf Geschmack, visuelles Erscheinungsbild und Namensgebung verleihen.

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Regional & Bio. Carina mit den Bio-Lecker-Keksen von NUSSYY, die im Mühlviertel erzeugt werden. (© Chris Singer)

Carina, Sie sind in Oberneukirchen im Mühlviertel aufgewachsen. Wie hat Sie das geprägt?

Carina Pirngruber-Rahimi: Das Aufwachsen im Oberen Mühlviertel, mitten in der Natur, hat mich sehr stark geprägt. Mein Onkel väterlicherseits hatte Schafe und ich war viel bei Freundinnen auf Bauernhöfen unterwegs. Dabei habe ich den respektvollen Umgang mit Tieren und der Natur gelernt. Meine Mama ist sehr kreativ. Sie hat mir gelernt, Kleider zu schneidern und auch, dass ich an Märchen glauben soll. Mein Vater hingegen ist der Techniker in der Familie; von ihm habe ich eine gewisse Affinität zur Technik mitbekommen.

 

Kreativität und Technik – zwei sehr unterschiedliche Welten. Inwieweit haben diese Ihren Werdegang beeinflusst?

Ich hatte diese zwei Welten in mir und wollte das Schneiderhandwerk erlernen. Dass ich eine gute Ausbildung mache, war meinen Eltern immer sehr wichtig. Sie haben mir ermöglicht, nach Linz ins Gymnasium zu gehen. Nach der Unterstufe im Gymnasium habe ich in die Modefachschule der HBLA Lentia gewechselt und bin dort total aufgegangen. Meinem Vater war es allerdings wichtig, dass ich einen „richtigen“ Brotberuf lerne, so habe ich nach der Modefachschule die Fachhochschule in Hagenberg absolviert. Dort habe ich Medientechnik und Design studiert. Danach bin ich nach Wien gegangen.

 

Was haben Sie dort gemacht?

Gemeinsam mit einem Partner habe ich eine IT-Firma gegründet und aufgebaut. Da mir der wirtschaftliche Background gefehlt hat, habe ich nebenbei über die Donau-Universität in Krems ein MBA- Studium begonnen. Unsere Firma ist recht gut gelaufen, wir hatten zwölf Mitarbeiter und ich habe in dieser Zeit irrsinnig viel gelernt. Nach sechs Jahren haben wir die Firma verkauft. Zum einen hat mir das Kreative gefehlt – und ich habe ein sensationelles Angebot bekommen.

 

Sie sind aber in Wien geblieben?

Ja, genau. Ich hatte damals mehrere Jobangebote, darunter auch eines von Universal Music Austria. Zu dieser Zeit habe ich auch meinen Mann Ali kennengelernt und gemeinsam mit ihm entschieden, dass ich in die Musikbranche gehen werde. Fünf Jahre lang habe ich als Vorstandsassistentin von General Manager Hannes Eder gearbeitet und bei Universal Music Austria andere Dimensionen und Kulturen kennengelernt.

 

Heute sind Sie mit Ihrem Unternehmen NUSSYY sehr erfolgreich unterwegs. Was hat Sie dazu bewogen, in die Lebensmittelbranche zu gehen?

Ich habe immer schon auf gesunde Ernährung geachtet, dennoch bekam ich von einem Tag auf den anderen eine starke Lebensmittelunverträglichkeit. Obwohl ich von medizinischer Seite alles unternommen habe, trat keine Besserung ein. Also habe ich mich auf mein Aufwachsen am Land zurückbesinnt und bin ins Mühlviertel zu meinen Eltern gefahren. Dort, wo ich als Kind im Garten bei der Oma Erdbeeren gepflückt, Unkraut gejätet und Erd­äpfel geklaubt habe, ging es rasch bergauf. Ich habe frische Beeren und Nüsse gegessen und fühlte mich nach und nach besser. Gemeinsam mit meiner Mama bin ich in der Küche gestanden und wir haben gekocht und herum­experimentiert. Meine Schwester und ich haben Küchenmaschinen adaptiert, damit wir uns so richtig austoben konnten. (lacht) Ich war so glücklich und wollte diese Erfahrung und unsere selbst gemachten Produkte meinen Freunden nicht vorenthalten.

 

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© Chris Singer

Was war Ihnen bei der Zubereitung das Wichtigste? Worauf haben Sie besonders geachtet?

Das Wichtigste war, dass die Lebensmittel regional und vegan sind und alles ohne künstliche Zusatzstoffe wie Palmöl oder Zuckerzusatz zubereitet wird. Obwohl ich damals von manchen Menschen belächelt wurde, hat mich mein Mann Ali extrem unterstützt, und auch bei meinen Freunden kamen die Kekse, Bällchen und Riegel ausgesprochen gut an. Sie wollten immer mehr.

 

Wann kam der Durchbruch? Wann sind Sie mit NUSSYY raus auf den Markt gegangen?

In seiner Funktion als UN-Sonderbotschafter hat mein Mann Jane Good­all eingeladen und mich dazu motiviert, eine Charity-Veranstaltung zu machen. Ich wollte einfach, dass alles perfekt ist, und bin stundenlang gesessen, habe für sie eine Box gestaltet, in die ich meine ummantelten Nüsse und Riegel gegeben habe. Mit der U-Bahn bin ich in letzter Minute zum Event gefahren und habe Jane Goodall die Box überreicht. Sie hat mir geraten, an diesem Projekt dranzubleiben, auf die Umwelt zu schauen und an das zu glauben, was ich mache. Sie war so begeistert, dass sie mir erlaubt hat, die Box mit ihrer Signatur zu versehen und zu vervielfältigen. Mittlerweile gibt es viele Boxen, hinter denen Prominente wie Vivienne Westwood oder Nicolas Cage als Paten stehen. Sogar Papst Franziskus durfte ich eine Box überreichen.

 

NUSSYY gibt es mittlerweile auch bei SPAR und Sie erreichen damit viele Menschen ...

Ja, seit drei Jahren sind wir mit NUSSYY auch bei SPAR gelistet, dabei war es ursprünglich nie meine Intention, in den Handel zu gehen. Ich wollte einfach nur Menschen helfen, die genauso wie ich an Lebensmittelunverträglichkeiten leiden. Eines Tages lernte ich Dr. Gerhard Drexel, den Vorstandsvorsitzenden von SPAR, kennen und wurde eingeladen, NUSSYY vor dem gesamten Vorstand zu präsentieren. Mit dem Ergebnis, dass die Chefetage von SPAR von meinen Produkten und auch der Philosophie dahinter vollauf begeistert war und NUSSYY ins Sortiment aufgenommen hat.

 

Was ist die Philosophie hinter NUSSYY?

Das Wichtigste war und ist für mich, ein Bewusstsein für gesunde Ernährung und einen umsichtigen Umgang mit unserer Umwelt zu schaffen. NUSSYY steht für 100 Prozent bio, vegan sowie ohne Zusatz von Zucker und Palmöl. Das sind die Bausteine, die hochwertigen Genuss und reins­te Qualität in sich vereinen – frei nach dem Motto „Eat.Care.Love“ ist NUSSYY eine Lebenseinstellung. Wie Jane Goodall richtig sagt: „Die Zukunft liegt in den Händen unserer Kinder.“ Und genau dieser Ansatz ist auch mir wichtig. Es geht immer darum, wie man mit sich selber, mit der Umwelt und den Mitmenschen umgeht. Somit schließt sich der Kreis des Lebens, den es zu schützen gilt.

 

Wie viele NUSSYY-Produkte gibt es derzeit am Markt?

Derzeit gibt es rund 30 verschiedene Produkte. Wir erzeugen fast eine Million Riegel und unser Erdbeerpulver aus Österreich wird von Köchen in Konditoreien und Patisserien sehr geschätzt. Wir verwenden Erdbeeren aus Niederösterreich, die in Oberösterreich gefriergetrocknet und in Salzburg verpackt werden. Unsere Bio-Kekse werden im Mühlviertel erzeugt, und Anfang Oktober kommen auch verschiedene Teesorten in den Handel. Die Zusammenarbeit mit Betrieben und Bauern aus Österreich in Sachen Rohstoffe ist mir ganz wichtig.

 

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Seit drei Jahren sind meine NUSSYY-Produkte bei SPAR gelistet. Die ersten eineinhalb Jahre habe ich alles alleine gemacht, später gemeinsam mit einer Mitarbeiterin. Mittlerweile beschäftige ich vier Mitarbeiter und muss lernen, Dinge abzugeben. Das Loslassen fällt mir schwer, aber alleine ist es nicht mehr zu schaffen. 

 

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Aussen und innen schön. „Gut denken, gut reden und gut handeln“ ist der Leitsatz von Carina Pirngruber und ihrem Mann Ali Rahimi. (© Chris Singer)

Sie haben mir erzählt, dass sich bei Ihnen an sieben Tagen die Woche alles um NUSSYY dreht. Was motiviert Sie?

Ich bekomme immer wieder Mails von Müttern, die sich bei mir bedanken. Menschen aus Deutschland fahren nach Salzburg, um NUSSYY-Produkte zu kaufen. Spitzensportler greifen zu unseren Riegeln, weil diese ohne Zuckerzusatz, natürlich, proteinreich, heimisch und ehrlich im Geschmack sind. Die Riegel werden übrigens jetzt auch in Wiener Schulen an die Kinder als Nachspeise verteilt, was mich unheimlich freut. All das ist für mich eine riesengroße Motivation.

 

NUSSYY zeichnet sich auch durch ein sehr kreatives, märchenhaftes und sinnstiftendes Produktdesign aus. Wer ist dafür verantwortlich?

Das Produktdesign mache ausschließlich ich, und dabei spielen Märchen eine große Rolle. So gibt es etwa den Bio-Riegel „Königstiger“ oder die Bio-Fruchtpulvermischung „Prinzessin Wunderschön“. Wie schon angesprochen, habe ich es meiner Mutter zu verdanken, dass ich an Märchen glaube. Und von meinem Mann Ali und der persischen Kultur weiß ich, dass von Märchen viele Weisheiten ausgehen. Ali ist im Teppichhandel tätig, wir unterstützen uns auch beruflich gegenseitig. Gut denken, gut reden und gut handeln, das ist unser Leitsatz.

 

Wo soll NUSSYY in ein paar Jahren sein. Wovon träumen Sie?

Ich würde gerne mit meinen Produkten auch international erfolgreich werden, um Menschen bewusstes Essen näherzubringen. Und ich bin am besten Weg dorthin. Das, was ich träumen kann, kann ich auch schaffen. Davon bin ich überzeugt. Natürlich ist auch Demut dabei ganz wichtig.

 

Was inspiriert Sie?

Meine Träume und Reisen. Oft ist es aber auch nur der Apfelstrudel mit Zimt und Rosinen von meiner Oma. 

 

Wie schalten Sie vom Alltag ab?

Ich fahre gerne heim zu meiner Familie ins Mühlviertel. Auch auf meine Yogastunden möchte ich nicht verzichten. Komplett abschalten fällt mir nicht leicht,  aber ich liebe, was ich mache. NUSSYY ist für mich nicht Arbeit, es meine Herzensangelegenheit.