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People | 12.08.2020

Dolce Vita und schlückchenweise Liebe in Oberösterreich

In der Casa Amore wird gelebt, geliebt und geschuftet. Dass die Arbeit von Armin Kienesberger Früchte trägt, sieht man auf den ersten Blick: Sattgrün hängen sie da, die Trauben, aus denen (Genuss-)Träume gemacht sind. Doch hier, im Weingarten in Schlüßlberg, nimmt das Besondere erst seinen Anfang. Eine kleine Reise durchs Weinanbaugebiet Oberösterreich.

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© Dominik Fritz, Philipp Lipiarski

Ein Quereinsteiger: Dieser Begriff ist für Armin Kienesberger quasi gemacht. Ursprünglich im Beruf des Steinhauers tätig, bezieht sich sein „Hand-Werk“ seit 2014 auf Weinlese, Arbeit in den Weinbergen und alles rund um das gesunde Früchtchen. Zum rasanten Wandel kam es, als vor ein paar Jahren seine innere Stimme laut wurde. Die Stimme, die dem Drang, Lebensmittel mit Mehrwert zu erzeugen, genauso viel Platz einräumte, wie den Worten „Bio“ und „Demeter“ in seinen Flaschen. Mit viel Leidenschaft führt er seine Casa Amore in Schlüßlberg vor den Toren Grieskirchens. Die Ausbildung zum Weinbau- und Kellermeister, diverse Praktika und jede Menge Herzblut waren nötig, um dieses Ziel zu erreichen. Es dauerte nicht lange, da wurde sogar der Restaurant- und Weinführer Gault&Millau auf das Weingut aufmerksam und kürte die Casa Amore zur „Entdeckung des Jahres 2020“. Klingt alles so einfach. Armin Kienesbergers Weg? Oft steinig. Doch für die Weinstöcke am Hang ist ihm kein Schweißtropfen zu schade. Wir trafen den sympathischen Neo-Winzer im toskanisch anmutenden Eigenheim – und tauschten uns bei einem Kaffee über Wein in Oberösterreich aus.

 

Herr Kienesberger, Österreich als Weinland ist aller Welt bekannt, dass nun aber auch Oberösterreich mit Anbaugebieten mitzieht, überrascht viele. Was macht „unsere“ Lage hier im Herzen Europas aus?

Oberösterreich unterscheidet sich von der Lage her gar nicht so sehr von anderen typischen Weinbaugegenden in unserem Land. Das größte „Problem“ ist das fehlende bzw. verloren gegangene Wissen der jetzigen Generation. Ein Blick zu unseren niederösterreichischen Nachbarn oder auch ins Burgenland zeigt, dass hier Wein-Wissen schon seit Jahrhunderten innerhalb der Familie weitergegeben wird. In Oberösterreich hingegen werden die alten Wurzeln nur langsam wieder aus dem Dornröschenschlaf geweckt – dürfen sich dafür aber besonders gut entfalten.

 

Wind und Wetter, Nebel, Stürme, Hitze, Regengüsse und Dürreperioden: Alleine vom Studieren der Wetteraussichten wird den Landwirten oftmals ganz anders. Wie ist das bei Ihnen? Mag der Wein unser Wetter?

Wie bei allen Landwirten sorgen die Tücken des Wetters natürlich auch im Weinbau für die größten Probleme. Temperaturmäßig finde ich unsere Gegend allerdings sehr interessant, da die kühlen Nächte für die Ausbildung des Aromas toll sind. Im Winter fällt bei uns viel Niederschlag, der die Böden mit Wasser nährt, das im Frühling, zum Start der Vegetationsphase, an die Reben abgegeben wird.

 

Hier im Weingarten in Schlüßlberg bei Grieskirchen bauen Sie die Rebsorten Müller-Thurgau, Sauvignon Blanc, Weißburgunder, Grüner Veltliner, Blauer Zweigelt und Pinot Noir an. Wie sind die Bodenbeschaffenheiten?

Die Hanglage ist nach Süden ausgerichtet und weist ein Gefälle von 40 Prozent auf, was besonders effektiv für uns und den Wein ist. Bei Regen sickert die Nässe nach unten in den sandigen Verwitterungsboden und löst dort Nährstoffe, während die obere Bodenschicht schnell auftrocknet und Krankheiten somit keine oder weniger Chance haben. Das Grundstück wurde kaum landwirtschaftlich befahren, was mir natürlich auch entgegenkommt: So konnte keine Bodenverdichtung entstehen, Mikroorganismen und Kleinstlebewesen stehen wortwörtlich alle Wege frei, um sich auszubreiten und Luft sowie Hohlraum für die Belüftung der Rebwurzeln zu schaffen.

 

Bild Casa_Amore_06.jpg
© Dominik Fritz, Philipp Lipiarski

Haben Sie eine kleine Geschichte über den oberösterreichischen Weinbau parat?

Die Römer haben den Wein nach Oberösterreich gebracht – und dass auch der Bezirk Grieskirchen und die Umgebung hier ein Zentrum der gelebten Weinkultur waren, davon zeugen noch Namen wie Weinberg oder Weinzierl, die überall aufscheinen. Auch spannend: Die Rebflächen alleine in Oberösterreich waren damals annähernd so groß wie die Flächen der typischen Weinanbaugebiete jetzt in ganz Österreich!

 

Lassen Sie sich inspirieren!

Die ganze Geschichte lesen Sie jetzt im aktuellen OBERÖSTERREICHER.

Text: Denise Derflinger Fotos: Dominik Fritz, Philipp Lipiarski