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People | 29.03.2017

"Diese Chance gibt es nur einmal"

Kreisel – kaum ein anderer Name steht im Moment so sehr für Elektromobilität wie jener dreier Brüder aus Freistadt. Und Johann, Markus und Philipp Kreisel haben noch viel vor. Weil sie von ihren Ideen so überzeugt sind und diese auch selbst leben.

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Drei Brüder, die der Elektromobilität weltweit zum Durchbruch verhelfen wollen: Philipp (26), Johann (40) und Markus Kreisel (38). (© Kreisel Electric)

Um einen Interviewtermin mit Markus Kreisel zu bekommen, muss man hartnäckig sein. Er ist der mittlere jener drei Brüder aus Freistadt, die hochmotiviert am Durchbruch der Elektromobilität tüfteln. Mit einer Technologie, die nicht aus dem amerikanischen Silicon Valley, sondern aus dem Mühlviertel stammt.

Wir waren hartnäckig, haben mit dem 38-Jährigen schließlich gesprochen und dabei erfahren, dass die drei Brüder bis vor fünf Jahren noch gar nicht wussten, dass es Elektroautos überhaupt gibt ...

 

OBERÖSTERREICHERIN: Ihr Name steht im Moment wie kein anderer für Elektromobilität. Woher kommt dieses Interesse, um nicht zu sagen, diese Leidenschaft?

Unser Vater, der selbst einen Elek­trohandel führt, hat sich vor fünf Jahren ein Elektroauto gekauft. Bis zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht einmal, dass es so etwas überhaupt gibt. Aus dem einfachen Grund, weil wir uns nie damit beschäftigt haben. Also haben wir uns dieses Auto etwas näher angesehen und waren positiv überrascht. Die einzige Krux daran war die geringe Reichweite. Das hat unser Interesse geweckt und wir haben uns intensiver damit beschäftigt. Ziemlich rasch ist dann ein erster Industrieauftrag gekommen und unser Hobby wurde tatsächlich kommerziell. Das hat uns motiviert, weiterzumachen.

 

Sie sind drei Brüder. Wie funktioniert die Zusammenarbeit in Ihrem Unternehmen?

Das funktioniert sehr gut, weil wir alle drei für einen anderen Bereich zuständig sind. Johann ist der Elektriker, Philipp unser Maschinenbautechniker und ich habe eine kaufmännische Ausbildung absolviert. Somit haben wir unsere drei Kernkompetenzen gebündelt. Jeder konzentriert sich auf seinen eigenen Bereich und damit ergänzen wir uns sehr gut. Außerdem haben wir eine ähnliche Denkweise und wir verstehen uns gut. Das hilft!

 

Sind Sie auch bereits auf Elektroautos umgestiegen?

Natürlich – und zwar aus vollster Überzeugung.

 

Wie wollen Sie denn das restliche Österreich und noch weiter gedacht Europa davon überzeugen?

Wir wollen und können niemanden überzeugen, aber wir wollen den Menschen zeigen, wie viel Sinn es macht, ein Elektroauto zu fahren. Nehmen wir als Beispiel unsere Heimatstadt Freistadt. Wenn alle 8.500 Einwohner elektrisch fahren würden, müsste der regionale Stromanbieter auch regional investieren, um eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen. Das wiederum würde Arbeitsplätze schaffen und für eine regionale Wertschöpfung sorgen. Österreich investiert im Jahr zwölf Milliarden Euro in Treibstoffe und diese Gelder fließen allesamt ins Ausland. Strom hingegen können wir selbst produzieren, damit wären wir unabhängig von fossilen Brennstoffen. So erklärt, versteht das jeder. Und darum glauben wir an diesen nachhaltigen Gedanken und leben ihn auch.

 

Immer noch ein wesentliches Thema bei Elektroautos ist die Reichweite. Was wird sich da künftig tun?

Die Reichweite wird schon in absehbarer Zeit kein Thema mehr sein, weil wir bereits dabei sind, eine flächendeckende Infrastruktur aufzubauen. Und zwar mit unserer Schnellladetechnologie. Das bedeutet: Man geht zum Beispiel einkaufen und in der Zwischenzeit lädt die Batterie des Wagens wieder auf. Dazu kommt, dass sich die Reichweite von Elektroautos grundsäztlich verbessern wird. 300 kompromisslose Kilometer, ohne zittern zu müssen, ob man es zur nächsten Ladestation schafft, werden Standard sein.

 

Technologie, die nicht aus dem amerikanischen Silicon Valley, sondern aus dem oberösterreichischen Mühlviertel stammt. Hätten Sie das geglaubt, wenn es Ihnen jemand vor ein paar Jahren erzählt hätte?

(Lacht) Nein, das hätte ich nicht. Wie gesagt, wussten wir bis vor ein paar Jahren gar nicht, dass es Elektroautos überhaupt gibt. Allerdings haben wir schnell gesehen, was alles möglich ist, und das motiviert uns. Mitte des Jahres werden wir unsere neue Firmenzentrale in Rainbach offiziell eröffnen. Damit schaffen wir 44 neue Arbeitsplätze. Weitere 100 Arbeitsplätze werden in den nächsten Jahren dazukommen.

 

Sie sind demnach überzeugt davon, dass sich Ihre Ideen auch tatsächlich weltweit umsetzen lassen?

Ja, weil im Bereich der Elektromobilität die Marktsättigung im Moment erst bei 1,5 Prozent liegt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass noch 98,5 Prozent brachliegen. Und darin sehen wir unsere große Chance.

 

Eine Kooperation mit Porsche Österreich gibt es ja bereits ...

Porsche ist ein sehr guter Partner für uns, weil das Unternehmen weltweit tätig ist. In einem ersten Schritt  werden wir 100 Schnellladestationen für Porsche in ganz Österreich aufbauen. Die weiteren Schritte werden dann das restliche Europa, die USA und Asien betreffen.

 

Täuscht der Eindruck oder wollen Sie den erarbeiteten Vorsprung noch weiter ausbauen, bevor Sie möglicherweise von der internationalen Konkurrenz eingeholt werden?

Selbstverständlich wollen wir unseren Vorsprung halten. Darum ist für uns auch sehr wichtig, zu sehen, was der Markt verlangt. Wir machen zum einen eigene Produkte und unterstützen auf der anderen Seite auch die Industrie bei deren Projekten mit unserem Know-how. Die Anfragen werden in den kommenden ein bis zwei Jahren so groß werden, dass wir uns schon jetzt dafür rüsten müssen. Um alles realisieren zu können, müssen wir jetzt schnell wachsen. Denn tatsächlich ist das erst der Anfang!

 

Das klingt nach enorm viel Arbeit. Haben Sie noch so etwas wie Freizeit?

Es kommt darauf an, wie man Freizeit definiert (lacht). Viel zu Hause sind wir im Moment nicht, aber wir machen diese Arbeit einfach sehr gern. Und uns ist bewusst, dass es im Moment für das gesamte Team sehr anstrengend ist. Darum ist uns auch wichtig, dass die Stimmung und das Wohlbefinden bei den Mitarbeitern passt. So eine Chance gibt es nur einmal und wir müssen sie jetzt nützen.

 

Sie haben erst vor Kurzem eine umgebaute Mercedes G-Klasse an Arnold Schwarzenegger übergeben. Was kommt als Nächstes?

Es gibt weitere Gespräche mit Arnold Schwarzenegger, was unseren Weg in die USA betrifft. Eine engere Zusammenarbeit in Kalifornien steht im Raum.

 

Wo sehen Sie „Kreisel Electric“ in fünf oder zehn Jahren?

Das lässt sich nur schwer abschätzen, weil es von vielen Faktoren abhängt. Wir würden uns als großes internationales Unternehmen sehen. Und wenn sich diese Chance ergibt –warum sollten wir sie nicht nützen?

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Im Jänner haben die Kreisel-Brüder eine umgebaute Mercedes G-Klasse an Arnold Schwarzenegger übergeben. (© Kreisel Electric/www.martin-proell.com)

Sie sind demnach überzeugt davon, dass sich Ihre Ideen auch tatsächlich weltweit umsetzen lassen?

Ja, weil im Bereich der Elektromobilität die Marktsättigung im Moment erst bei 1,5 Prozent liegt. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass noch 98,5 Prozent brachliegen. Und darin sehen wir unsere große Chance.

 

Eine Kooperation mit Porsche Österreich gibt es ja bereits ...

Porsche ist ein sehr guter Partner für uns, weil das Unternehmen weltweit tätig ist. In einem ersten Schritt  werden wir 100 Schnellladestationen für Porsche in ganz Österreich aufbauen. Die weiteren Schritte werden dann das restliche Europa, die USA und Asien betreffen.

 

Täuscht der Eindruck oder wollen Sie den erarbeiteten Vorsprung noch weiter ausbauen, bevor Sie möglicherweise von der internationalen Konkurrenz eingeholt werden?

Selbstverständlich wollen wir unseren Vorsprung halten. Darum ist für uns auch sehr wichtig, zu sehen, was der Markt verlangt. Wir machen zum einen eigene Produkte und unterstützen auf der anderen Seite auch die Industrie bei deren Projekten mit unserem Know-how. Die Anfragen werden in den kommenden ein bis zwei Jahren so groß werden, dass wir uns schon jetzt dafür rüsten müssen. Um alles realisieren zu können, müssen wir jetzt schnell wachsen. Denn tatsächlich ist das erst der Anfang!

 

Das klingt nach enorm viel Arbeit. Haben Sie noch so etwas wie Freizeit?

Es kommt darauf an, wie man Freizeit definiert (lacht). Viel zu Hause sind wir im Moment nicht, aber wir machen diese Arbeit einfach sehr gern. Und uns ist bewusst, dass es im Moment für das gesamte Team sehr anstrengend ist. Darum ist uns auch wichtig, dass die Stimmung und das Wohlbefinden bei den Mitarbeitern passt. So eine Chance gibt es nur einmal und wir müssen sie jetzt nützen.

 

Sie haben erst vor Kurzem eine umgebaute Mercedes G-Klasse an Arnold Schwarzenegger übergeben. Was kommt als Nächstes?

Es gibt weitere Gespräche mit Arnold Schwarzenegger, was unseren Weg in die USA betrifft. Eine engere Zusammenarbeit in Kalifornien steht im Raum.

 

Wo sehen Sie „Kreisel Electric“ in fünf oder zehn Jahren?

Das lässt sich nur schwer abschätzen, weil es von vielen Faktoren abhängt. Wir würden uns als großes internationales Unternehmen sehen. Und wenn sich diese Chance ergibt –warum sollten wir sie nicht nützen?