Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 19.03.2018

Die Wachsmalerin

Holz, Wachs, Hitze und eine ganze Palette an Werkzeugen – Bianca Kisos Arbeitsutensilien lesen sich mehr wie die eines Imkers als einer Künstlerin. Enkaustik heißt die Technik, die es der Welserin, deren Werke noch bis 22. April im Museum Angerlehner zu sehen sind, angetan hat. Die Künstlerin mit rumänischen Wurzeln im Gespräch.

Bild 1803_O_Menschen_BiancaKiso_2.jpg
© Stephan Dietinger Fotografie

Bianca Kiso musste früh erkennen, wie wichtig es ist, stark zu sein, zu kämpfen und Vertrauen in sich selbst zu haben. Die Zeit im armen Land ihrer Wurzeln Rumänien war prägend für die 29-jährige Künstlerin, die heute in Wels lebt. Ihr Mut und ihre Neugier haben die Autodidaktin angetrieben, etwas zu erlernen, das ihr niemand beibringen konnte: die Enkaustik. Bianca Kiso hat sich dieser kosten- und zeitaufwendigen Maltechnik verschrieben, die eine deutlich längere Tradition hat als die klassische „Königsdisziplin der Kunst“, die Ölmalerei, bereits den alten Ägyptern bekannt war und ihre Blütezeit in der Kunst der griechisch-römischen Antike hatte. Technisch gesehen handelt es sich bei der Enkaustik um eine Methode, bei der in Bienenwachs gebundene Farb­pigmente verflüssigt in mehreren dünnen Schichten auf den Maluntergrund aufgetragen und mittels großer Hitze miteinander verbunden werden. Die beeindruckenden Ergebnisse ihrer „Burning Art“ – so der Titel von Bianca Kisos Ausstellung – können bis 22. April im Museum Angerlehner in Thalheim bestaunt werden.

Die Autodidaktin Bianca Kiso bei der Arbeit
Bild 1803_O_Menschen_BiancaKiso4.jpg
© Stephan Dietinger Fotografie
Bild 1803_O_Menschen_BiancaKiso5.jpg
© Stephan Dietinger Fotografie
Bild 1803_O_Menschen_BiancaKiso6.jpg
© Stephan Dietinger Fotografie

Auf Ihr­er Webseite (www.biancakiso.com) ist von einer „geballten Ladung unvorstellbarer Erlebnisse“ in Ihrer Vergangenheit zu lesen. Was für Erlebnisse waren das?

Ich wurde in Rumänien geboren und habe einen großen Teil meiner Kindheit dort verbracht. Nach der Scheidung meiner Eltern lebte ich bei meinem leiblichen Vater, bevor mich meine Mutter zu sich nach Österreich holen konnte. Die Ereignisse zu schildern, die mich zu der Person gemacht haben, die ich heute bin, würde den Rahmen sprengen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich sehr viel Leid gesehen und erlebt habe. Aber was mich geprägt hat, ist die Art und Weise, wie unterschiedlich Menschen damit umgegangen sind und wie stark man werden kann, wenn man keine andere Wahl hat. Was am Ende zählt, ist die Frau, die mir dieses Leben, so wie ich es heute führen darf, ermöglicht hat: meine Mutter und zugleich meine Heldin!

 

Wie sind Sie zur Kunst gekommen? 

Ich war schon immer sehr kreativ und habe von klein auf viel ausprobiert. Künstlerisch zu arbeiten war und ist für mich wie das Atmen. Da kommt man nicht dazu, man macht es einfach. Malen ist für mich ein Ventil, um dem, was in mir vorgeht, Luft zu machen. Ich bin kein theoretischer Mensch, ich handle meistens nach der Devise „Learning by Doing“, denn nur so kann ich meinen eigenen Stil finden.

Die Enkaustik habe ich 2013 durch Zufall für mich entdeckt und kann mir seither nicht vorstellen, je wieder ohne Wachs zu arbeiten.

Bild 1803_O_Menschen_BiancaKiso3.jpg
"Lost" – Wachs auf Holz, 120 x 70cm. (© Stephan Dietinger Fotografie)

Apropos: Die Enkaustik ist eine heute kaum noch praktizierte Technik, die extrem zeitaufwendig und kostspielig ist. Was ist das Spannende für Sie an dieser Technik? 

Ganz klar die Vielfältigkeit. Außerdem braucht Wachs keine Schutzschicht, es dunkelt nicht nach und bleibt, wie es die Geschichte gezeigt hat, für Jahrtausende unverändert.

 

Ihre Bilder wirken sehr ausdrucksstark, teils mystisch, asiatische Motive stechen hervor … Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben?

Mein Stil ist unberechenbar! Ich habe in etwa 27 Persönlichkeiten, und jede davon will etwas anderes. Ich versuche, sie nacheinander rauszulassen und sehe dann, was passiert. (lacht) Heute sind es Porträts und morgen ist es Street Art – es kommt immer darauf an, was gerade in mir vorgeht und womit ich mich aktuell beschäftige.

 

Sie malen hauptsächlich auf Holz. Hat dieses Material eine besondere Bedeutung für Sie?

Enkaustik verlangt nach einer starren Fläche. In einer künstlichen Welt ist es schön, mit natürlichen Materialien zu arbeiten, vom Holzboard über Ziegenhaarpinsel und Bienenwachs – alles hat sein Eigenleben.

 

Was bedeutet es für Sie, im einzigartigen Ambiente des Museums Angerlehner, wo nur hochkarätige zeitgenössische Kunst präsentiert wird, auszustellen?

Bis vor mehr als einem Jahr habe ich noch nicht mal an Ausstellungen gedacht. Ich habe für mich gemalt, ohne Plan. Eine Ausstellung in einem Museum war für mich unvorstellbar. Heinz Angerlehner und sein zeitloses Museum sind für mich ein wahr gewordener Traum, der so weit weg war wie der Mond! Nun ist er Realität geworden, und ich habe keine Worte, um zu beschreiben, wie viel mir das bedeutet. 

 

Sie sind dabei, Ihre Berufung zum Beruf zu machen. Was machen Sie derzeit noch als Brotberuf?

Zurzeit verdiene ich meinen Lebensunterhalt als Vertriebsassistentin bei der Firma Calvatis in Wels. Ich fühle mich mit der Bezeichnung „Künstlerin“ nicht sehr wohl, weil ich das Gefühl habe, dem noch nicht gerecht werden zu können. Ich male einfach, weil es meine Leidenschaft ist und ich mich dadurch für andere einsetzen kann. Ursprünglich wollte ich immer UN-Sonderbotschafterin werden.

Bild 1803_O_Menschen_BiancaKiso2.jpg
"Blue Ice Cream" – Wachs auf Holz, 100 x 70cm. (© Stephan Dietinger Fotografie)