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People | 30.08.2018

„Die Schauspielerei ist ein Glücksspiel“

Ein Linzer im Wiener Scheinwerferlicht: Maximilian A. Ortner spielt ab 27. September im Musical „Bodyguard“ auf der Bühne des Ronacher Theaters. Obwohl er in große Fußstapfen tritt, schafft er es, seinen eigenen Weg zu gehen.

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Schauspieler Maximilian A. Ortner (© Paul V. Schütz)

Ab 27. September sind Sie auf der Bühne des Wiener Ronacher Theaters zu sehen. Die Schauspielerei und Sie – ging das schon immer Hand in Hand?
Auch wenn ich es lange nicht glauben wollte – im Nachhinein gesehen schon. Dadurch, dass mein Vater und Großvater beide Schauspieler sind, hatte ich schon immer viele Berührungspunkte mit der Schauspielerei. Dass ich selbst Teil davon werden möchte, wurde mir erst später klar.

Sind Sie auch als Kind schon auf der Bühne gestanden?
Mein Großvater Prof. Helmut Ortner führte lange Zeit beim Adventsingen im Brucknerhaus Regie. Ich hatte als (Klein-)Kind die ehrenvolle Aufgabe, erst den Hirten zu spielen, bevor ich dann eine Rolle als Engel bekam und mich schließlich zum Wirten mauserte (lacht). Mit 13 Jahren spielte ich im Märchenensemble des Kellertheaters, das war eine spannende Zeit.

Allerdings haben Sie zuerst einen anderen Weg eingeschlagen und probierten sich über drei Jahre als Immobilienmakler in Wien. Wie kam es zum Umschwung?
Die Stelle als Immobilienmakler war ein Versuch, aus der Schauspielerei auszubrechen, mich auf neue Bahnen zu wagen und mich dort zu beweisen. Nach einem Unfall bin ich zwei Wochen lang im Bett gelegen und musste mich somit zwangsweise mit mir selbst auseinandersetzen. Schlussendlich hat sich eine Stimme in mir geregt und mich zum Theater gerufen. Dann ging alles ganz schnell: Ich kündigte meinen Job in Wien, kam zurück nach Linz und spielte beim „Freispiel“ von Nora Dirisamer, einer Laienproduktion am Landestheater. Dort hat mich auch John F. Kutil vom Theater Helfenberg gesehen und engagiert. Irgendwo dazwischen liegt auch die Aufnahmeprüfung bei der Anton Bruckner Privatuniversität für den Studiengang Schauspiel. Es ging Schlag auf Schlag – und ich hatte erstmals das Gefühl, mich gefunden zu haben.

Wo konnten Sie sonst noch Schauspielerfahrung sammeln?
Während der Uni habe ich im Landestheater gespielt, mein erstes Stück war „Die Schöne und das Tier“. Außerdem war ich beim Theater an der Rott in Eggenfelden und beim Theater Phönix in Linz. Dazwischen ging es für mich kurz mal „nach Hause“ zu meinen Wurzeln ins Kellertheater.

Sie wurden in die dritte Generation der Linzer Kellertheater-Dynastie hineingeboren. Was sagt Ihre Familie zu Ihrer steilen Karriere?
Meine Familie freut sich sehr für mich! Das Business ist hart, es gibt viele richtig gute Schauspieler, die jahrelang auf eine Rolle in einer tollen Produktion warten. Schon in der Schauspielschule wurden wir darauf vorbereitet, dass es schwer werden wird, Fuß zu fassen. Umso schöner ist es natürlich, wenn es funktioniert. Besonders mein Vater und mein Großvater verstehen es als Schauspieler, wie schön es ist, auf der Bühne zu stehen und seinen Beruf ausüben zu können.

Haben Sie einen gewissen Druck verspürt, in die Fußstapfen Ihres Vaters bzw. Großvaters zu treten? 
Ich glaube, meine „Reise“ ins Immobiliengeschäft war ein Versuch, das Theater abzustreifen. Man ist jung, möchte sich ausprobieren, stellt sich bei vielen Dingen gegen die Eltern ... Jetzt habe ich mich allerdings frei gemacht von dem Druck, den ich anfangs verspürt habe. Unsere Karrieren sind nicht miteinander vergleichbar, darum ist es eher ein Miteinander als ein Nacheinander. Das Wissen, dass ich eine hundertprozentige Rückendeckung von meiner Familie bekomme, hat mir den Druck genommen.

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(© Fabian F. Fallend)

Von Linz nach Wien: Wie kamen Sie zu der Rolle des Stalkers im Musical „Bodyguard“?
Ich ging zum Casting, wo ich mich eigentlich für eine andere Rolle bewarb. Beim Vorsprechen bekam ich einen Zettel mit Text, den ich lernen sollte und setzte mich damit ins Einsprechzimmer. Die Atmosphäre war sehr entspannt. Noch am selben Abend erfuhr ich, dass ich eine Runde weiter bin und am nächsten Tag wieder kommen soll. Dann wurde es ruhig, ich spielte beim Stück Peter Pan im Landestheater mit, bis irgendwann im November der erlösende Anruf aus Wien kam. Ich werde den Moment nie vergessen, als mir die Stimme am Telefon sagte: „Herr Ortner, wir hätten Sie gerne als Erstbesetzung für die Rolle des Stalkers.“ Das war der Wahnsinn!

Was für eine Rolle ist das genau?
Der Film, den ich vor dem Casting übrigens gar nicht kannte, handelt von der Soul-Diva Rachel Marron, die wegen zwei Personen unter Druck gerät. Das ist einerseits der irre Stalker, andererseits ein Auftragskiller. Im Musical wurde aus den beiden Rollen eine gemacht, damit der Film auch auf der Bühne funktioniert. In meiner Rolle entwickle ich mich von einem harmlosen Stalker zu einem Attentäter, von dem im ganzen Stück große Gefahr ausgeht und der bis zum Schluss viel Spannung bietet.

Ein Stalker, der zum Attentäter wird ... Wie „leben“ Sie sich in diese Rolle ein?
Es ist wichtig, sich gut vorzubereiten. Die Figur kommt so ja im Film nicht vor, hat aber eine Vorgeschichte: Sie war zehn Jahre lang beim Militär, wurde unehrenhaft entlassen.  Da bekommt man schon ein gutes Bild von ihr und kann mit ihr wachsen. Ich habe viel zum Thema Stalking recherchiert, das macht das Hineinfinden in die Rolle  einfacher.

Sind Sie selber schon mit dem Thema Stalking in Berührung gekommen?
Gott sei Dank noch nicht. Stalking ist ein super schwieriges Thema, das viele Facetten hat und keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden darf. Wenn du gestalkt wirst, wehr‘ dich! Es gibt viele gute Präventivstellen. Ich denke, die größten Probleme sind jene, die entstehen, wenn man das Thema zu lange schleifen lässt. Wenn man sich nicht wehrt, kann Stalking Auswüchse annehmen, deren unschönes Ende dann in den Medien steht. Das macht ja auch das Musical so spannend für die Zuschauer: Da ist etwas, das nicht greifbar ist, etwas Verborgenes.

Ein Stalker würde sich wohl doppelt überlegen, sich mit Ihnen anzulegen – Sie scheinen viel Zeit beim Krafttraining zu verbringen. Gehört das zu den Vorbereitungen  für
„Bodyguard“?
Bis vor ein paar Jahren war ich ziemlich dick. Zurück in Linz, als ich auch mit der Schauspielerei begann, hab ich einen Lebenswandel vollzogen. Ich startete mit moderatem Sport und konnte schon bald erste Erfolge sehen. Später ging ich Laufen, machte Yoga ... Seit vier Jahren betreibe ich Kraftsport und bin im Kampfsport aktiv. Die Rolle beim Musical spornt mich natürlich noch mehr an – immerhin werde ich auch oben ohne auf den Bühne stehen. Der Körper ist neben der Sprache das wichtigste Ausdrucksmittel eines Schauspielers. Deswegen mache ich Sport nun noch professioneller und arbeite eng mit dem Sportarzt Dr. Pfau und dem Ernährungsguru Mag. Christian Putscher zusammen. Ich trainiere täglich – meist sogar zweimal – und esse sehr optimiert, aufs Gramm genau. Es war harte Arbeit, aber nun kann ich sagen: So wie es jetzt ist, passt es.

Ziehen Sie für das Musical zurück nach Wien?
Auf jeden Fall! In Linz habe ich eine gemeinsame Wohnung mit meiner Freundin, die wir auch behalten. Aber mit bis zu sieben Vorstellungen pro Woche wäre es unmöglich, zu pendeln. Meine Freizeit werde ich dann großteils mit meiner Freundin verbringen. Es wäre schon möglich, jeden Tag zu pendeln, aber ich als junger Schauspieler möchte alles, was ich an Kraft habe, in die Produktion stecken und mir keine Gedanken um den Transfer machen.

Das ganze Interview findest du im neuen OBERÖSTERREICHER!

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(© Fabian F. Fallend)