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People | 26.08.2020

„Die Politik fehlt mir nicht“

Seit Anfang 2019 ist Michael Strugl die Nummer zwei im Energiekonzern VERBUND AG. Mit Jänner 2021 wird der ehemalige oberösterreichische Landespolitiker Verbund-Vorstandschef und damit einer der mächtigsten Energiemanager des Landes. Wir haben mit dem 56-jährigen gebürtigen Steyrer über das Krisenmanagement während Corona, die Vorteile von Wasserkraft und die Zukunft von Wasserstoff gesprochen.

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© Dominik Derflinger

Am bisher heißesten Tag des Jahres besuchen wir Michael Strugl in seinem Büro bei Verbund, dem größten heimischen Stromkonzern. Mitten im ersten Wiener Gemeindebezirk hat der ehemalige oberösterreichische Landespolitiker eine neue berufliche Heimat gefunden und erzählt, dass er den Schritt in die Wirtschaft zu wechseln an keinem Tag bereut hat. Schon jetzt ist Strugl im börsennotierten Konzern unter anderem für Innovation zuständig und in Innovation sieht er auch einen der wichtigen Treiber für die erneuerbare Energiezukunft.

 

Herr Dr. Strugl, am 1. Jänner 2019 kamen Sie in den Vorstand des Stromkonzerns Verbund AG, zu Jahresbeginn 2021 folgen Sie dem gebürtigen Steyrer Wolfgang Anzengruber als Vorstandsvorsitzender. Haben Sie sich in Wien schon eingelebt?

Ja, das ist sehr schnell gegangen. Wien ist eine großartige Stadt, Verbund ein tolles Unternehmen. Es ist wirklich etwas Besonderes hier zu arbeiten und macht mir viel Freude.

 

Gibt es Zeiten, in denen Sie Ihre Tätigkeit in der Politik vermissen?

Ich möchte die Zeit in der Politik nicht missen. Es war schön, aber ich wollte es nicht ewig machen, sondern auch eine Verantwortung in der Wirtschaft übernehmen. Ich bin mit dem Wechsel zu Verbund sehr zufrieden, weil es eine spannende Herausforderung ist, die gerade in den nächsten Jahren sehr viel Veränderungsdynamik bringen wird.

 

Was ist für Sie der gravierendste Unterschied zwischen einer Tätigkeit in der Politik und in der Wirtschaft?

Verbund ist das führende Stromunternehmen in Österreich und wir haben ein sehr zukunftstaugliches Geschäftsmodell. Alles, was hier passiert, ist hochprofessionell, mit viel Expertise hinterlegt und sehr rational sowie zahlengetrieben. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum politischen Geschäft. Politik funktioniert in Echtzeit, sicher plant man auch in diesem Bereich längerfristig, aber in der Wirtschaft ist alles in Zahlen messbar und man muss sich auch selber messen lassen. Das ist in dieser Trennschärfe in der Politik nicht der Fall. Politik ist viel allgemeiner, mehr Prosa und weniger präzise. Noch dazu ist Verbund ein ATX Konzern, ein börsennotiertes Unternehmen. Bei uns gelten die Spielregeln des Kapitalmarktes und diese sind sehr streng. Es ist eine völlig andere Art zu arbeiten als in der Politik. In der oberösterreichischen Landespolitik war ich für ein sehr großes Standort- und Wirtschaftsressort verantwortlich und natürlich geht es da auch um wirtschaftlichen Erfolg, aber der wird ganz anders definiert.

 

Gehen Ihnen die Öffentlichkeit und das große Medieninteresse ab?

Ich war lange genug in der Politik und habe diese Medienöffentlichkeit viele Jahre selbst erlebt. Ganz ehrlich, sie fehlt mir nicht! Auch an dem, was Verbund macht, ist ein großes mediales Interesse vorhanden. Das halte ich für viel wichtiger als die Fokussierung auf einzelne Personen. Der Star bei Verbund sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Konzern und was er leistet, das befriedigt mich mindestens genauso.

 

Sie waren zehn Jahre lang im Aufsichtsrat der Energie AG Oberösterreich, sind Sie schon immer – sagen wir mal – „unter Strom“ gestanden? Gab es einen Plan Ihre jetzige Karriere betreffend?

Das Engagement bei Verbund habe ich nicht langfristig geplant, das war eine Opportunität, die sich durch die Ausschreibung der Vorstands-
posten ergeben hat und da habe ich mich ganz klassisch beworben. Die Energiebranche wurde mir aber schon ein bisschen in die Wiege gelegt. Mein Vater kommt aus dem Baugeschäft und hat bei Kraftwerksbauten mitgearbeitet. Als Schüler habe ich in den Ferien auf Baustellen gearbeitet und dabei zum ersten Mal gesehen, wie ein Kraftwerk gebaut wird. Diese Verbindung von Technik und Natur hat mich schon damals fasziniert. Wasserkraftwerke sind immer ein Umgang mit natürlichen Ressourcen. So gesehen war das sehr früh angetriggert. Und auch in meiner letzten Funktion in der OÖ Landesregierung war ich für die Energiepolitik zuständig. Zehn Jahre war ich im Aufsichtsrat der Energie AG, zuletzt als Aufsichtsratsvorsitzender und ich war Obmann des Trägervereins des Energieinstituts an der Johannes Kepler Universität in Linz.  Dort bekam ich Einblicke in die Forschung, in die Unternehmensseite und in die Regulatorik in der Regierung. Von daher ist es eine gute Voraussetzung für meine jetzige Aufgabe.

 

Gut ein Jahr nachdem Sie in den Vorstand des größten österreichischen Stromkonzerns bestellt wurden, kam Corona. Wie hat Verbund diese Krise, vor allem auch den Shutdown, gemeistert?

Unser wichtigstes Ziel war die Stromversorgung aufrechtzuerhalten und das ist uns bestens gelungen. Der sichere Betrieb unserer Anlagen, Kraftwerke und Netze hat gut funktioniert, unsere Mitarbeiter haben einen großartigen Job gemacht. Damit im Fall von positiven Corona-Fällen eine Back-up-Kapazität vorhanden ist, haben wir die Teams gesplittet. Im administrativen Bereich waren 1.500 Mitarbeiter im Home-
office. Auch hier wurden die technischen Voraussetzungen rasch hergestellt.

 

Wurde in dieser Zeit des Shutdowns weniger Strom verbraucht?

Ja, natürlich haben wir gespürt, dass praktisch die gesamte Wirtschaft und Industrie runtergefahren wurde. In der Industrie wurde am tiefsten Punkt bis zu 30 Prozent weniger Strom verbraucht, bei den Haushalten hingegen ist der Stromverbrauch um zehn Prozent gestiegen. Wir sind immer noch nicht am Niveau des vergangenen Jahres. Von der Nachfrageseite und auch im Preis gab es einen Einbruch. 

 

 

Bild Michael Strugl-15.jpg
© Dominik Derflinger

Inwieweit trifft die aktuelle Krise die Energiewirtschaft?

Die konjunkturelle Entwicklung hat natürlich eine unmittelbare Rückkoppelung auf die Energiewirtschaft und hier vor allem auch auf die Strombranche. Wir haben zwei Risiken – ein Mengenrisiko und ein Preisrisiko. Wird weniger Strom verbraucht, verkaufen wir auch weniger. Geht der Preis nach unten, erzielen wir auch weniger Erlöse. In Zeiten schlechter Konjunktur kann beides passieren und das wirkt sich auch wirtschaftlich aus.

 

Dennoch will die E-Wirtschaft bis 2030 43 Milliarden Euro in Wasser, Wind, Sonne und Netze investieren und somit zum Konjunkturmotor werden. Welche Rahmenbedingungen braucht es dazu?

Um den Stromverbrauch bis 2030 zu 100 Prozent mit sauberem Strom aus Österreich zu decken, sieht das Regierungsprogramm 27 Terawattstunden mehr heimische Erzeugung aus Wasser, Wind und Sonne vor als heute. Das Investvolumen von 43 Milliarden Euro ist auf diese Ausbauziele gerechnet. Um sie zu erreichen, braucht man Erzeugungsanlagen und Infrastruktur –  also Netze. Dazu müssen einerseits die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen so gestaltet sein, dass sich diese Investitionen rechnen und wirtschaftlich darstellen lassen. Bei den Erzeugungsanlagen von Photovoltaik, Wind und Wasserkraft muss man sich überlegen, wie ein Fördersystem aussieht, damit Unternehmen wie Verbund Projekte umsetzen und investieren. Denn kein Unternehmen wird investieren, wenn es sich nicht rechnet. Auch nicht, wenn die Republik mehrheitlich der Eigentümer ist. Daher sind wirtschaftliche Rahmenbedingungen und mögliche Förderkulissen eine wichtige Voraussetzung. Der zweite Punkt sind die Regulatorik bzw. die rechtlichen Rahmenbedingungen in den Genehmigungsverfahren. Wenn wir Verfahren haben, die viel zu lange dauern oder manche Projekte verunmöglichen, wird es sich ein Investor auch überlegen.

 

Lassen Sie sich inspirieren!

Die ganze Geschichte lesen Sie jetzt in der aktuellen Ausgabe.

Text: Ulli Wright Fotos: Dominik Derflinger, Verbund