Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 09.11.2016

Die Pferdeflüsterin

Kerstin Brein und ihre Welsh-Ponys sind international gefragte Showstars. Die 33-Jährige zählt zu den wenigen Frauen weltweit, die eine freie Pferdedressur zeigen kann. Wir haben sie auf ihrem Hof in Stroheim besucht.

Bild IMG_4754.jpg
INNIG. Kerstin Brein und ihre Pferde sind ein liebevoll eingespieltes Team. (© Celine Daliot)

Wenn Kerstin Brein in Stroheim die Koppel betritt, spitzen ihre fünf Welsh-Ponys sofort die Ohren und schenken ihrer Trainerin volle Aufmerksamkeit. Alle kommen ihr entgegen – gespannt darauf, was nun passieren wird. Man sieht und spürt, dass die sechs ein eingespieltes Team sind.

Und sie sind international gefragte Showstars, denn die 33-Jährige ist eine der wenigen Frauen weltweit, die eine qualitative Freiheitsdressur mit so vielen Pferden zeigen kann. Das bedeutet: Sie arbeitet ohne Halfter, Zaumzeug und Sattel. Ihre Pferde folgen ihr tatsächlich aufs Wort, denn sie arbeitet lediglich mit ihrer Stimme und einer Gerte als Armverlängerung. „Das ist notwendig, wenn man mit mehreren Tieren arbeitet, weil man nicht alle mit der Hand erreichen kann", erklärt sie, während sie „Chico", dem Ältesten in der Runde, die Decke abnimmt. „Geschlagen wird bei mir kein Tier."

Beginn einer Leidenschaft. „Chico" war es übrigens auch, mit dem Kerstin Brein vor elf Jahren ihre Leidenschaft zur Freiheitsdressur entdeckt hat. Damals hat sie einen ganzen Winter lang mit dem schwarzen Pony trainiert. „Allerdings auf keine Show hin“, erinnert sie sich lachend. „Mich hat einfach gereizt, zu sehen, was alles möglich ist." Ihr damaliger Lebensgefährte Lorenzo, selbst berühmter Showreiter, hat ihr daraufhin vorgeschlagen, das Ganze vor Publikum zu präsentieren. Der Erfolg gab ihnen recht, sie wurden auf Anhieb für eine weitere Show in Paris gebucht.

Natur als Vorbild. Bedenken, sie würde ihre Pferde zu unnatürlichen Bewegungen zwingen, kann Kerstin Brein mit einer einfachen Erklärung zerstreuen. „Meine Tiere machen nichts, was sie nicht auch in der Natur machen würden“, betont sie. „Steigen und ein paar Schritte gehen – das kann man in freier Wildbahn sehen, wenn sich zwei Pferde nicht vertragen. Oder wenn sie auf die Knie gehen, um das Gras auf der anderen Seite der Weide zu erwischen." Außerdem teilt sie ihre Pferde je nach individuellen Fähigkeiten und Charakteristika ein, weil jedes Tier etwas anderes am besten kann. Das sei wichtig, damit sie es gern machen und die Übungen nicht zum Muss werden.

Bild IMG_4801.jpg
Ihre Pferde lieben Kerstin Brein mit Haut und Haaren. (© Celine Daliot)

Heuer war die 33-Jährige acht Monate lang mit „Apassionata", der wohl bekanntesten Pferdeshow der Welt, in ganz Europa unterwegs. „Wir haben insgesamt 108 Shows gespielt", erzählt Brein. „Für mich war es übrigens eine besondere Herausforderung, weil ich kurz vor Tournee-Beginn Mama geworden bin. Meine Tochter war bei der ersten Show zwei Monate alt."

Vertrauen und Respekt. Beim Umgang mit ihren Tieren – sie hat noch zehn weitere Pferde – sind ihr gegenseitiges Vertrauen und Respekt besonders wichtig. „Ich bilde sie auf sehr einfache und natürliche Art aus", sagt sie. „Zu Beginn ist grundsätzlich das Schwierigste, zu erkennen, ob ein Pferd etwas nicht tun will oder nicht verstanden hat, was es tun soll. Wenn man einmal gelernt hat, das Pferd zu lesen und ihm zuzuhören, steht einem lustigen und einfachen Training nichts im Weg."

Neben ihren Shows arbeitet Kerstin Brein auch mit so genannten Problempferden und deren Besitzern. „Das geht immer nur gemeinsam", erklärt sie. „Wobei es vor allem eine Arbeit am Menschen ist, weil das Pferd lediglich meist dessen Verhalten spiegelt.“

Ihre Lieben zu den Vierbeinern hat sie übrigens schon sehr früh entdeckt. Ihre Mutter hat mit dem Reiten begonnen, als Kerstin Brein fünf Jahre alt war. „Ich durfte das Pferd am Ende der Stunde abreiten, weil ich damals noch zu jung zum Reiten war", erinnert sie sich. „Ich konnte es gar nicht erwarten, sieben Jahre alt  zu werden und endlich selbst reiten zu dürfen. Es hat nicht lange gedauert, bis ich ein eigenes Pony bekommen habe." Und lachend fügt sie hinzu: „Ihm habe ich damals schon Zirkustricks beigebracht – wenig überraschend, oder?"