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People | 04.09.2019

Die Nonne als Managerin

Als Generaloberin hat Schwester Barbara Lehner die geistliche Geschäftsführung der Elisabethinen-Holding Linz-Wien über. Dass sich ihr Berufsalltag in keinster Weise von jenem einer Managerin in der freien Wirtschaft unterscheidet, hat uns die 62-Jährige im Interview verraten.

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Generaloberin Schwester Barbara (© Volker Weihbold)

Wir treffen Schwester Barbara Lehner nicht im Kloster, sondern in ihrem modernen Büro im Ordensklinikum Linz Elisabethinen. Als General­oberin managt die gebürtige Mühlviertlerin gemeinsam mit Geschäftsführer Raimund Kaplinger die Geschäfte der Elisabethinen-Holding Linz-Wien. Schwester Barbara ist der beste Beweis, dass man auch in einem Orden eine steile Karriere hinlegen kann. 

 

Frau Lehner, 1974 traten Sie in den Orden der Elisabethinen ein. Was hat Sie dazu bewogen?

Schwester Barbara: Ich habe nie im Leben vorgehabt, in einen Orden einzutreten, meine Lebensvision war eine andere. Ich stamme aus Kollerschlag im Oberen Mühlviertel ab und bin zu den Elisabethinen nach Linz gekommen, um Krankenschwester zu werden. Da anfangs keine Stelle frei war und dort dringend eine Küchenhilfe gebraucht wurde, habe ich, um die Zeit zu überbrücken, vorübergehend in der Großküche gearbeitet. Der Umgang der geistlichen Schwestern mit uns jungen Leuten und auch die Art und Weise, wie sie gelebt haben, so natürlich und normal, hat mir gefallen und Neugierde in mir geweckt. Diese Art zu leben hat mich überzeugt, und meine Entscheidung, in den Orden zu gehen, ist relativ schnell gefallen. 

 

Wie haben Ihre Eltern, die Familie und Freunde darauf reagiert?

Ich wurde zwar religiös erzogen, aber dass ich in den Orden eintreten werde, habe ich im Vorfeld zu Hause verschwiegen. Ich habe meine Eltern vor vollendete Tatsachen gestellt. Sie brauchten schon eine Weile, bis sie es akzeptiert haben.

 

1992 übertrug Ihnen der Orden die Leitung der Gesundheits- und Krankenpflegeschule der Elisabethinen. Wie hat sich das ergeben?

Nachdem ich in der Küche gearbeitet hatte, absolvierte ich die Ausbildung zur Diplomkrankenschwester und arbeitete auf der Urologie. Weiters machte ich Ausbildungen zur Stationsleiterin und OP-Schwester und war sieben Jahre lang im OP tätig. Als die Gesundheits- und Krankenpflegeschule eröffnet wurde, schlug man mir vor, deren Leitung zu übernehmen – und ich habe zugesagt. Dazu habe ich einen viersemestrigen Universitätslehrgang gemacht und die Schule mit einem kleinen Team aufgebaut. Es war ein wunderschönes Metier zum Arbeiten.

 

Ihr Karriereweg war damit aber nicht beendet. Nachdem Sie sechs Jahre lang Generalvikarin und Stellvertreterin der Generaloberin gewesen waren, wurden Sie im Jahr 2012 zur General­oberin der Elisabethinen bestellt. Welche Aufgaben gilt es da zu bewerkstelligen?

Mir obliegt die Leitung der Gemeinschaft unseres Hauses mit den Werken, die zum Orden dazugehören. Ich bin für die Standorte der Elisabethinen in Linz und Wien verantwortlich. In Linz sind wir 36 Schwestern und in Wien sieben. Als Generaloberin habe ich die Letztverantwortung, was unsere Werke betrifft. Einmal die Woche bin ich in Wien.

 

Inwieweit können Sie mitgestalten?

Die Tätigkeit der Generaloberin hat sich insofern verändert, als dass wir nicht mehr nur in der Eigentümerrolle vertreten sind, sondern auch mitgestalten können. Und dazu braucht es eine Geschäftsführung, die auch etwas zu sagen hat und mit einer gewissen Machtfunktion ausgestattet ist. Neben mir ist Raimund Kaplinger der weltliche Geschäftsführer der Elisabethinen-Holding Linz-Wien. Unsere Zusammenarbeit funktioniert sehr gut, und ich kann in der Entwicklung und Gestaltung sehr viel vom Orden miteinbringen. Ich bin bei sämtlichen Besprechungen und Entscheidungen eingebunden, somit ist unser Orden mit Fug und Recht dabei.

 

Was zeichnet das Ordensspital gegenüber einem weltlichen Spital aus?

Wir betreiben nicht nur ein Krankenhaus, sondern gestalten unser Angebot auch entlang von wichtigen Themen des Lebens. Diese sind Glaube, Gesundheit, Lernen und Wohnen. Wir nennen sie unsere vier Wirkfelder, weil sie nicht nur Angebote sind, sondern vor allem Wirkung zeigen. Ein gutes Beispiel ist unser aktuelles Wohnprojekt in Linz, das im nächsten Jahr fertiggestellt sein wird. Es handelt sich um genationsübergreifendes Wohnen für ältere Menschen, Studenten und Familien. Es geht uns nicht darum, die Liegenschaft zu verwerten, nur um Mieteinnahmen zu kassieren. Wir wollen daraus etwas Sinnvolles machen und für die Menschen da sein, um dem Ganzen eine Wirkkraft zu geben.

Was waren auf Ihrem Weg zur Generaloberin die größten Herausforderungen?

Wenn man von einem bestehenden Team in die Geschäftsführung kommt und von einem Tag auf den anderen die Chefin ist, gehört man stückweise nicht mehr so ganz dazu. Das ist wahrscheinlich in jedem anderen Unternehmen das Gleiche. Das war anfangs ein bisschen eigenartig, ist aber ein ganz normaler Prozess. Die Luft wird oben dünner; ich habe eine Weile gebraucht, das zu akzeptieren.

 

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Sympathisch & weltoffen. Generaloberin Schwester Barbara Lehner in der alten Apotheke bei den Elisabethinen Wien Mitte. (© Stanislav Kogiku)

Wie ist Ihr Führungsstil?

(lacht) Sehr kollegial und teambezogen. Das war schon so, als ich die Schulleitung innehatte, und hat immer sehr gut funktioniert. Wir haben eine Idee, legen diese auf den Tisch und reden darüber. So entsteht ein Wir-Gefühl, das mir ganz wichtig ist.

 

Wie haben Sie sich auf Ihre Tätigkeit als Managerin vorbereitet? Haben Sie spezielle Aus- und Weiterbildungen gemacht?

Ja, selbstverständlich. Es gibt für die Ordensleitung eine eigene zweijährige Ausbildung. Und ich habe auch eine Mediatoren- und Kommunikationsausbildung gemacht. 

 

Haben Sie je damit gerechnet, es ganz nach oben zu schaffen?

Im Prinzip nicht, das hat sich im Lauf der Zeit entwickelt. Der pädagogische Bereich hat mich schon immer interessiert, aber alles andere war Zufall, Geschenk oder Gnade. Dass mir die Ordensleitung und Geschäftsführung übertragen wurde, war für mich das Schönste, was ich je im Leben bekommen habe. Etwas aufbauen zu dürfen, wo keine Fährte da war, wo man zum Betrieb gehört und gestalten kann, ist wunderbar. Wir Ordensfrauen waren immer ins Krankenhaus eingebunden. Ich habe mich nie abgeschottet, sondern die Ausbildung gekoppelt mit dem Krankenhaus forciert. Ich habe das immer als großes Ganzes gesehen. Im Gesamten zu denken ist sicher eine meiner Stärken. 

 

Das Kloster der Elisabethinen wurde 1745 in Linz gegründet. Was ist seither gleich geblieben?

Schon damals wurde der erste Kranke gepflegt. Das war auch ganz klar der Grundauftrag des Ordens, daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir sind ein Spital, und darauf bauen wir auf und entwickeln uns weiter. Unsere Schwestern sind immer gut mit der Zeit gegangen und waren auf Menschen, die eine Heilungschance haben, ausgerichtet. Da war man sehr klar in der Positionierung.

 

Mit Jänner 2017 haben die Spitäler Barmherzige Schwestern (Vinzenz Gruppe) und Elisabethinen zum Ordensklinikum Linz fusioniert. Wie läuft es?

Es ist ständig alles im Umbruch. Nächstes Jahr betreiben wir dann zum Krankenhaus unser Wohnprojekt in Linz. Auch durch das Universitätsklinikum gab es viele Veränderungen, und man suchte nach Modellen, wie man unsere Häuser gut in die Zukunft führen kann. Das hat uns dazu bewogen, eine klare Entscheidung zu treffen und zu fusionieren. Wir haben eine 50:50 Beteiligung mit einem Austausch von Ärzten und Abteilungen. Es läuft gut und war der richtige Schritt.

 

Gibt es noch junge Frauen, die in den Orden eintreten möchten?

Wir stellen fest, dass es wieder mehr Interessierte gibt. Man muss sehr genau hinschauen und den jungen Frauen Zeit geben. Wenn Interesse da ist, können sie eine Zeit lang mit uns leben und sich alles anschauen. Schwester Luzia, unsere jüngste Schwester, ist 28 Jahre alt, arbeitet als Krankenschwester und macht gerade die Ausbildung zur Pastoralassistentin. Im September kommt eine junge Schwester aus der Schweiz zu uns. 

 

Sie haben Ihr Leben dem Orden verschrieben. Haben Sie das je bereut?

Ich würde das mit einer langjährigen Ehe vergleichen. Denn auch zu dieser Lebensform muss man sich wahrscheinlich immer wieder neu bekennen. Man verändert sich, und auch das Leben um einen herum verändert sich. Und natürlich gab es auch in meinem Leben intensive Krisenzeiten. Ich habe fünf Geschwister, die alle verheiratet sind, auch das ist eine große Herausforderung. Entweder man schafft es oder man muss gehen. Aber ich bereue meinen Weg nicht.

 

Managerinnen oder Führungskräfte schwören häufig auf Seilschaften und sind in Sachen Networking unterwegs. Wie schaut das bei Ihnen aus?

Natürlich besuchen wir Freundinnen und gehen auch zu Einladungen, aber in Sachen Netzwerken wird es für geistliche Schwestern schwierig; das gibt es in unserer Lebensform nicht. Dafür ist unser weltlicher Geschäftsführer Raimund Kaplinger zuständig.

 

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Ich gehe gerne wandern, Rad fahren und faulenze auch ab und zu ganz gerne. (lacht)

 

 


Orden der Elisabethinen

Die erste Gemeinschaft der Elisabethinen wurde im Jahre 1622 von Apollonia Radermecher in Aachen gegründet. 1745 wurde das Elisabethinenkloster in Linz gegründet. In den Jahren 1745 bis 1749 wurden in der Bethlehemgasse Kloster und Krankenhaus der Linzer Elisabethinen errichtet.

Hauptintention des Ordens ist die Krankenpflege.

36 Schwestern gehören zur Ordensgemeinschaft in Linz. Im Jahr 2007 erfolgte der Zusammenschluss mit den Elisabethinen Wien, wo aktuell sieben Schwestern im Konvent leben.

Die Klausur ist der Wohn- und Lebensraum von den Ordensschwestern. Dort leben sie ähnlich einer Großfamilie. Dreimal täglich treffen sie sich zum gemeinsamen Gebet.

Im Ordensklinikum Linz Elisabethinen arbeiten die Schwestern in den verschiedensten Aufgabenbereichen, z.B. in der Pflege, Seelsorge und Verwaltung.

Ihre Aufgabenbereiche teilen sie in 4 Wirkfelder: glauben & leben, Gesundheit & leben, lernen & leben, wohnen & leben.