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People | 17.07.2018

"Die neue Buhlschaft geht über Leichen"

Leistung, Karriere, Erfolg: moderne „Jedermann“-Inszenierung beim Theater­festival Freistadt

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Verkörpert eine moderne und unabhängige Buhlschaft: Susanna Wurm. (© Theaterzeit / TVK Fotografie Tessa Kutsam)

Die Proben laufen auf Hochtouren. Für die OBERÖSTERREICHERIN lüftet „Buhlschaft“ Susanna Wurm (35) aus Linz, die viele im realen Leben als Medienunternehmerin, Journalistin und leidenschaftliche Schauspielerin kennen, vorab den Vorhang. 

Das Theater Freistadt, bekannt dafür, zeitgemäße Themen sehr emotional aufzubereiten, bringt eine moderne Neufassung des prominenten Stücks „Jedermann“ auf die Bühne. Werden die Besucher sehr überrascht sein?

Ja, sie werden überrascht sein. Ich glaube, Autor und Regisseur Ulf Dückelmann hat generell den Anspruch, das Publikum in den Bann zu ziehen. Und nach den ersten Proben trau ich mir zu versprechen: Das wird ihm auch dieses Mal gelingen.

 

Beim berühmten Salzburger „Jedermann“ wird die Buhlschaft jedes Jahr mit Spannung erwartet und aufsehenerregend inszeniert. Schauspielgrößen wie Veronika Ferres oder Birgit Minichmayr brillierten bereits in der Rolle des Vollweibs, das um die Gunst des reichen Mannes buhlt. Welcher Typ Frau wird die Buhlschaft im Freistädter „Jedermann“ sein?

Aufsehenerregend wird weder das Kostüm noch das Dekolleté der Buhlschaft sein (schmunzelt), was schon mal ahnen lässt, dass die Buhlschaft in Dückelmanns Fassung ein komplett anderer Typ Frau ist. Sie ist eine erfolgreiche Politikerin, die Jedermann sowohl finanziell als auch intellektuell ebenbürtig ist. Sehr zeitgemäß also.

 

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Das „Jedermann“-Ensemble. (© Theaterzeit / TVK Fotografie Tessa Kutsam)

Was bedeutet es Ihnen, die Buhlschaft zu spielen?

Sehr viel. Vor allem deshalb, weil meine Figur eine sehr moderne, starke Frau ist, die sich durch nichts von ihrem Weg abbringen lässt. Da gibt es schon einige Parallelen zu mir als Privatperson. Der große Unterschied: Sie geht dabei über Leichen. Aber zu zeigen, dass es nicht das Böse ist, das sie leitet, sondern ihre Leidenschaft, sehe ich als spannende Herausforderung.

 

Der zentrale Protagonist Jedermann ist diesmal ein erfolgreicher Invest­mentbanker, der auf seinem Lebensweg unerwartet ins Straucheln kommt, plötzlich unter Panikattacken leidet und von Visionen von Tod und Teufel heimgesucht wird. Das klingt nach Parallelen zum heutigen Wirtschaftsleben?

Absolut. Leistung, Karriere, Erfolg – das ist es, was unsere Gesellschaft prägt. Wir funktionieren über Jahre, bis wir trotz der materiellen Fülle eine innere Leere spüren, die uns zu Suchenden macht – wir fangen an, uns existenzielle Fragen zu stellen. Nicht selten ausgelöst durch Krankheit oder Burn-out.

 

Der Berliner Schauspieler Till Bauer, auf deutschen Bühnen oder in TV- und Kinoproduktionen zu sehen, tritt in der Figur des Jedermann auf. Wie ist es, mit einem Profi wie ihm auf der Bühne zu stehen?

Es ist wunderbar – so wie mit all den anderen Schauspielern im Ensemble! Wir sind ein echt cooler Haufen, die einzigen Barrieren, die wir manchmal haben, sind sprachlicher Natur – wenn wir in den oberösterreichischen Dialekt fallen. (lacht)