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People | 10.04.2019

Die Marie Kondo aus Oberösterreich

Andere hassen es – sie liebt es: Aufräumexpertin Andrea Auer aus Haag über Ordnung, Chaos und warum es wichtig ist, regelmäßig unnützem Kram ade zu sagen.

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Andrea Auer hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und ist seit zwei Jahren als Aufräumcoach im östlichen Oberösterreich unterwegs. (© privat)

Der Frühling ist die beste Zeit für einen ausgiebigen Frühjahrsputz, um Platz für Neues zu schaffen und um alten Ballast abzuwerfen. Doch oft ist das gar nicht so einfach! Andrea Auer, die „oberösterreichische Marie Kondo“, kann dabei helfen: Unter
www.ordungsservice.com bietet sie professionelles Ordnungscoaching an, das es in Oberösterreich in dieser Form noch kein zweites Mal gibt. Andrea Auer weiß, worauf es beim Aufräumen und Ordnunghalten wirklich ankommt.

 

Seit 2017 bieten Sie professionelles Ordnungscoaching an. Wie kamen Sie auf diese Geschäftsidee?

Andrea Auer: Es war schon immer ein Steckenpferd von mir, anderen Menschen bei der Ordnung und der Neuorganisation im privaten und beruflichen Bereich zu helfen. Als ich dann vor zwei Jahren zum ersten Mal im Fernsehen einen Bericht über professionelles Aufräumcoaching sah, wusste ich sofort, dass auch ich in diesem abwechslungsreichen Feld arbeiten möchte. Daraufhin habe ich das Gewerbe angemeldet.

 

Wie sieht die Teamkonstellation in Ihrem Unternehmens aus?

Ich bin Teil der Plattform ordnungsservice.com, welche vor rund  zehn Jahren gegründet wurde. Diese Plattform ist ein Zusammenschluss von etwa 40 selbstständig arbeitenden Ordnungscoaches aus Deutschland, Österreich und der Schweiz und dient zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung. Ich bin für den Bereich östliches Oberösterreich zuständig und meines Wissens nach der bis jetzt einzige Aufräumcoach in dieser Gegend.

 

Was genau umfasst Ihr Ordnungsservice?

Es umfasst Aufräumen und Aussortieren von einzelnen Bereichen, wie Küche, Garage und Dachboden oder der gesamten Wohnung sowie des ganzen Hauses. Das Service beinhaltet auch das Sortieren und Ablegen von privaten Papieren und Dokumenten sowie die Neusortierung und Organisation des Kleiderschrankes. Auch Vor- und Nachbetreuung von Umzügen
sowie die Betreuung von Wohungsauflösungen und Wohnungsverkleinerungen mache ich.

 

Wann ist der perfekte Zeitpunkt dafür, einen Ordungscoach ins Haus zu holen?

Sobald man sich in seinen eigenen Wänden nicht mehr wohl fühlt. Wenn man beim Nachhausekommen nur mehr Arbeit und Unordnung sieht und dieser nicht mehr Herr werden kann, ist der Zeitpunkt gekommen, sich Hilfe zu holen. Alle Kunden, die ich betreut habe, hatten zum Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit mir bereits einen massiven Leidensdruck und das Gefühl, es alleine nicht mehr schaffen zu können. Nach dem Aufräumen und Ausmisten ergab sich bei allen eine positive Veränderung im Leben.

 

Ist Ordnung nicht ein sehr individuelles Thema?

Absolut! Wichtig ist immer der eigene Wohlfühlfaktor. Dabei kann ein übertriebenes Ordnungsbedürfnis genau so belastend sein wie ein absolut chaotisches Zuhause.

 

Die Aufräumqueen und Bestsellerautorin Marie Kondo – bekannt aus Netflix – ist erfolgreich wie noch nie. Orientieren Sie sich an den Aufräummethoden der Japanerin?

Für den Bereich Ordnung gibt es unzählige Ratgeber. Die Tipps aus diesen Büchern sind nie 1:1 am Kunden anwendbar, da jeder andere Bedürfnisse und Wünsche hat. An der Aufräummethode von Marie Kondo gefällt mir, dass man sich genau überlegen soll, ob einem die Dinge, die man besitzt, auch wirklich noch Freude bereiten. Dieser Rat ist sehr hilfreich, wenn es um die Frage „behalten oder vielleicht doch weggeben?“ geht.

 

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Heißer Tipp: Kästen und Regale immer komplett ausräumen und reinigen. Dadurch wird das Gefühl des Neuanfangs verstärkt. (© privat)

Wie sehr boomt der Hype um Ordnungsberater hierzulande?

Die Zahl an Ordnungsberatern ist in Österreich noch sehr klein. Aber der Hype um Marie Kondo und auch das allgemeine Frühlings-Aufbruchgefühl verleiht unserer Arbeit Rückenwind.

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Einen typischen Arbeitsalltag gibt es bei mir nicht, da er je nach Kunden immer anders aussieht. Zu Beginn steht ein gratis Erstgespräch an, in dem wir eine Bestandsaufnahme machen und in dem der Kunde erzählt, welche Veränderungen gewünscht sind. Besteht etwa der Wunsch, den Kleiderschrank neu zu organisieren, arbeite ich mich mit dem Kunden Schritt für Schritt voran. Wir überlegen unter anderem, wie am sinnvollsten eingeräumt wird, damit die Ordnung möglichst lange beibehalten wird. Zum Schluss wird entschieden, was mit den Dingen passiert, die nicht mehr benötigt werden. Das Besondere an meinem Job ist definitiv, dass sich mein Wissen durch jeden einzelnen Kunden erweitert und ich so immer wieder Neues dazulerne.

 

Mit welchen Herausforderungen sind Sie im Arbeitsalltag konfrontiert?

Eine Herausforderung ist ganz klar, dass Ordnungscoaching nie gleich abläuft und man sich immer wieder neu einstellen muss. Doch gerade das ist das Schöne an meinem Beruf.

 

Laut ihrer Webseite bieten Sie Aufräumcoaching für verschiedenste Bedürfnisse an. Verraten Sie uns, welcher Ihrer Kunden die größte Herausforderung war?

Richtige Messies sind immer schwierig, durch Aufräumen allein kann ihnen nicht geholfen werden. Hier ist psychologische Betreuung erforderlich, nach eigener Erfahrung wirkt Ordnungscoaching nur unterstützend.   

 


Andreas Top-5-Aufräum­­−Tipps

Je weniger Dinge ich habe, desto leichter kann ich Ordnung halten.

Aussortieren gelingt immer besser, wenn man alle Dinge einer Kategorie vor sich sieht.

Während dem Aufräumen bei einem Bereich bleiben und sich nicht verleiten lassen, woanders weiterzumachen.

Schränke, Regale und Kästen immer komplett ausräumen und reinigen, dadurch wird das Gefühl des Neuanfangs verstärkt.

Sich ganz bewusst und intensiv an der neuen Ordnung erfreuen und sie genießen – das motiviert zum Weitermachen!