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People | 12.02.2018

"Die Liebe hat uns gerettet"

Huberta Gabalier hat nach dem Selbstmord ihres Mannes und der Tochter eine neue Liebe gefunden. Gert Rücker ist ihr Seelenpartner. Auch er kennt den Verlust. Ein Talk über die „absolute Liebe“.

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Als sie einander die Liebe bekannten, ging es ganz schnell. Der Weg dorthin war lang und  für beide voller Schmerzen. Tiefer Schmerzen. Für Huberta Gabalier (60), Mutter des berühmten „Alpen-Elvis“ Andreas, so sehr, dass sie nach dem Suizid des Ehemannes und kurz darauf auch der Tochter manchmal selbst daran dachte, diese Welt frühzeitig zu verlassen. Und auch Gert Rücker, den sie 2016 „im engsten Familienkreis“ geheiratet hat, war nach dem Tod seiner Frau („Nach der Diagnose hat es nur drei unbeschreibliche Monate gedauert.“) zutiefst verletzt.

Der entscheidende Moment. Seit 20 Jahren kennen sich Huberta Gabalier und Gert Rücker. Beide sind gläubig, haben nach dem Erlebten lange Gespräche beim sonntäglichen Pfarrkaffee in Graz geführt. Bis sie sich aus der Deckung ihrer jeweiligen Lebenstragödie gewagt haben und Gert Rücker zum selbstgekochten Abendessen („Thunfisch-Spaghetti“) einlud. „Es gab den Moment, da habe ich Huberta meine Hand entgegengestreckt.“ Sie legte ihre hinein. Seither sind sie mehr als ein Liebespaar und Eheleute – sie sind „Seelenpartner“.

 

Sie kennen einander über 20 Jahre. Zuerst waren es die Gespräche, die Sie verbunden haben. Wann haben Sie gespürt, dass Sie ineinander verliebt sind?

Huberta Gabalier: Also, ich habe sehr rasch gewusst: Wenn noch einmal ein Mann in meinem Leben, dann sicherlich der Gert. Aber ich habe mich lang nicht getraut, etwas zu sagen. Es hat gedauert.

Gert Rücker: Ich war ja auch noch sehr gefangen in meinen Ängsten. Der Tod meiner ersten Frau war noch nicht so lange her. Aber Liebe spürt man irgendwann einmal. Die Liebe meiner Huberta habe ich gespürt, und ich habe mir selbst gesagt: „Gert, jetzt musst du dich entscheiden.“ Ich war ja noch voller Ängste. Ich habe Huberta dann zum Essen eingeladen und ihr dann meine Hand entgegengestreckt. Sie hat ihre Hand in meine gelegt, und da hat es „zoom“ gemacht. Auf einmal waren alle Ängste weg.

Gabalier: Ich habe nach dem Tod meines Mannes und meiner Tochter mein Herz zugemacht. Anders wäre es nicht gegangen. Ich habe das gebraucht und bin durch tiefste Tiefen gegangen. Manchmal habe ich auch an Selbstmord gedacht, aber ich hatte ja meine beiden Buben, und ich wusste: Wenn noch einmal ein Mann in mein Leben tritt, dann muss ich das ganz tief drin in mir spüren. Und wenn ich mich dann auf jemanden einlasse, dann ganz. Gert ist mein Seelenpartner.

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Im Gleichklang. Nach nur einem Jahr haben Huberta Gabalier und Gert Rücker geheiratet. „Wir sagen uns jeden Tag, dass wir uns lieben.“ (© Stefan Joham)

Wie ist das mit den Schmetterlingen im Bauch?

Gabalier: Das ist immer noch so, weil die Seele ja nicht altert. Sie ist immer jung. Warum soll das anders sein? Aber durch unsere Erfahrung und Verletzungen haben wir ausgemacht: Sollte es mal Misstöne geben, reden wir sofort darüber. Das ist unsere Entscheidung. Wir sagen jeden Tag, dass wir uns lieben.

Rücker: Ich kann zum ersten Mal spüren, wie großartig es ist, von jemandem geliebt zu werden. Das ging in meiner ersten Beziehung nicht so.

 

Wie schnell haben Sie den Kindern von der Liebe erzählt? Wie war die Reaktion?

Gabalier: Meine Kinder kennen mich gut, und vor allem der Willi hat das früh gespürt. Auch der Andi hat sich sehr gefreut. Beim ersten Familientreffen haben wir gesagt, dass wir heiraten wollen.

 

Wie gehen Sie in Ihrer Beziehung mit den verstorbenen Ex-Partnern um?

Gabalier: Ich habe ein sehr gutes spirituelles Verhältnis zur Ex-Frau von Gert und er umgekehrt auch. Wir sprechen auch oft über unsere Toten. Sie sind ja nicht weg. Sie sind um uns, bei uns, gehörten zu unserem Leben. Ich glaube, es ist mit dem Einverständnis von allen dreien passiert. Die sind da oben glücklich, dass wir zueinandergefunden haben. Das spüre ich, und ich glaube nicht, dass wir uns da täuschen.

Rücker: Liebe ist etwas Absolutes. Wenn man einen Menschen liebt und der stirbt, dann stirbt die Liebe ja nicht. Sie ist nur körperlich nicht mehr da. Das ist das, was uns verbindet.

 

Ihr Wunsch für die Zukunft?

Rücker: Wir hoffen noch auf ein paar schöne Jahrzehnte gemeinsam.

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„Von Herz zu Herz“, so der Gedichtband von Huberta Gabalier. Viele Zeilen für ihren Gert ... (Infos unter: [email protected]). (© Stefan Joham)