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People | 22.05.2017

"Die Kunst war immer schon da"

Seit Mai leitet Hemma Schmutz die Linzer Museen LENTOS und Nordico. Mit uns sprach die gebürtige Kärntnerin mit dem „Kunst-Gen“ über die He­rausforderungen ihres neuen Jobs und verrät, woher ihre Affinität zu Kunst stammt.

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Hemma Schmutz leitet seit Mai das LENTOS Kunstmuseum. (© LENTOS Kunstmuseum Linz)

Nachdem Stella Rollig im Jänner dieses Jahres ins Wiener Belvedere gewechselt hat, heißt die neue Direktorin des LENTOS Kunstmuseums seit Mai Hemma Schmutz. Zusätzlich hat die 50-jährige gebürtige Kärntnerin auch die wissenschaftlich-künstlerische Leitung des Stadtmuseums NORDICO inne. Zu ihren Aufgaben zählen die Gestaltung der Ausstellungsprogramme sowie die Konzipierung und Umsetzung von Ausstellungen und museumsbezogenen Projekten. Nach dem Motto „Die Kunst gehört den Menschen“ will die im internationalen Kunstbetrieb profilierte Kunsthistorikerin ein breiteres Publikum ins Museum locken. Wie das gelingen soll, verriet sie uns im Interview.

 

Frau Schmutz, unter 37 BewerberInnen – acht davon in der engeren Auswahl – wurden Sie als neue Direktorin des LENTOS und NORDICO gewählt. Was, glauben Sie, war neben Ihrer fachlichen Expertise ausschlaggebend?

Da kann ich natürlich nur spekulieren, aber neben Museums- und Führungserfahrung war es vielleicht die Tatsache, dass es mir auch in anderen Arbeitszusammenhängen gelungen ist, in meinem Programm die Wertschätzung für lokale Szenen mit internationaler Strahlkraft zu verbinden.

 

Sie sind mit fünf Geschwistern in St. Georgen am Längsee, einem Dorf in Kärnten, aufgewachsen. Wie kamen Sie zur Kunst? Liegt das „Kunst-Gen“ in Ihrer Familie?

Ja, die Kunst war immer schon da! Man darf sich ja nicht vorstellen, dass die Kunst nur in der Stadt vorhanden wäre – im Gegenteil. Ich zum Beispiel bin in meinen ersten sechs Lebensjahren in einem ehemaligen Benedikti­ne­rinnenkloster aufgewachsen, das damals als Schule und Bildungshaus geführt wurde. Auf Schritt und Tritt gab es Gemälde, Skulpturen und antike Spolien, die in das Gebäude eingebaut waren. Mit 17 Jahren habe ich in Nîmes in der Provence meine erste Picasso-Ausstellung gesehen. Ich kann mich gut erinnern, dass ich die Bilder erstmal nicht einordnen konnte, aber sie haben mich interessiert und motiviert, mich eingehender auch mit der Kunst des 20. Jahrhunderts zu beschäftigen. Zusätzlich beeinflusst – und da gibt es schon so etwas wie ein „Kunst-Gen“ in der Familie – wurde ich durch die Begeisterung meiner Mutter für Gegenwartsliteratur, besonders für Lyrik. Sie hatte alle Bücher von Christine Lavant und Ingeborg Bachmann zu Hause, und so war es nur verständlich, dass auch ich sehr früh begonnen habe, diese Bücher zu lesen.

Wenn ich darüber nachdenke, wie sich meine Beziehung zur Kunst vertieft hat, dann waren es oft Erlebnisse, die Gemeinschaftserlebnisse waren. Das gemeinsame Sprechen über Kunst, das gemeinsame Betrachten von Bildern in Ausstellungen und Museen, das sind eigentlich die Momente, wo man von anderen lernen durfte und sich weiterentwickelt hat.

 

Wie war Ihr beruflicher Werdegang?

In Bezug auf meinen Werdegang waren eine Reihe von Kunstinstitutionen relevant, in denen ich im Laufe meiner beruflichen Karriere arbeiten durfte. Als wichtigste zu nennen wären die Generali Foundation in Wien und der Salzburger Kunstverein. In den letzten Jahren habe ich auch verstärkt unterrichtet, nämlich an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, und war als Kuratorin für den Kunstraum Lakeside in Klagenfurt tätig.

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Das LENTOS Kunstmuseum (© Gortana Photography)

Bleibt in Ihrem (derzeit sicher besonders) vollen Terminkalender noch Zeit für ein Familienleben – und um Linz und Oberösterreich kennenzulernen? Haben Sie Kinder?

Wie Sie bereits erwähnt haben, darf ich mich glücklich schätzen, aus einer großen Familie zu stammen, mit der ich auch Ostern verbracht habe, in Kärnten. Linz ist mir vertraut – ich habe hier bereits mehrere Semester an der Universität für Kunst unterrichtet und auch Ausstellungen z.B. an der Oberösterreichischen Landesgalerie mitkuratiert. Und ja, ich habe einen Sohn, der in Wien Umwelt- und Bioressourcenmanagement an der Universität für Bodenkultur studiert.

 

Nun zu Ihrer Arbeit als frisch ernannte LENTOS-Direktorin: Worin sehen Sie die Herausforderung in Ihrem neuen Job?

Ich denke, man ist gut beraten, wenn man an eine Aufgabe dieser Dimension mit der gehörigen Demut herangeht. Mit dieser Arbeit ist eine große Verantwortung für Personal und Budgets verbunden – ich möchte in fünf Jahren sagen können, dass es mir gelungen ist, gut mit meinem Team zusammenzuarbeiten und die öffentlichen Gelder sinnvoll und fruchtbar genutzt zu haben.

 

Die Kunstszene hat den Ruf, durch Abgehobenheit und verschraubte akademische Sprache nur für eine kleine Elite von Menschen zugänglich zu sein – obwohl Kunst doch für alle Menschen da sein sollte. Wie wollen Sie Kunst einem breiteren Publikum interessant machen?

In diesem Zusammenhang ist es immer wichtig, sich zu vergegenwärtigen, wie man selbst zur Kunst gekommen ist. Den Zugang zur Gegenwartskunst muss man sich erarbeiten, und es ist natürlich perfekt, wenn man da behutsam und professionell herangeführt wird. Dies verstehe ich als eine der Aufgaben eines Museums.

Ich glaube, dass es heute stark von der Herkunft und der Familie abhängt, ob es möglich ist, einen Zugang zur bildenden Kunst zu finden. Deshalb sind Museen gefordert, auch jenen Menschen, die nicht das Privileg haben, aus einer kunstaffinen Familie zu kommen, Verständnis und Freude an Kunst zu vermitteln.

 

Sie haben einen Fünfjahresvertrag. Was sind Ihre Ziele für das kommende halbe Jahrzehnt?

Die gute Einbindung der Museen der Stadt Linz hier vor Ort zu verstärken und an der internationalen Strahlkraft und Attraktivität zu arbeiten.