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People | 31.05.2017

Die Kunst des Erzählens und Zuhörens

Von 25. Mai bis 18. Juni findet das 30. Internationale Storytelling Festival an vier Standorten in Österreich statt – einer davon ist das Brucknerhaus Linz. Wir haben mit der Organisatorin und Tochter des Festival-Gründers, Tessa Tegetthoff, vorab geplaudert.

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Tessa Tegetthoff mit Babybauch – Geburtstermin ist zum Festivalbeginn. (© privat)

Eine eigene Welt – zum Zuhören, Entschleunigen und Genießen!“ – was 1988 mit einer Idee begann, ist heute eines der weltweit bedeutendsten Festivals seiner Art und Europas größtes „Festival der erzählenden Künste“, bei dem das Publikum neben klassischen Erzählern aus aller Welt auch ungewöhnliche Formen des Storytellings wie Pantomime, Tanz, Figurentheater oder Clownerie erwarten. Organisa­torin ist Tessa Tegett­hoff, die Tochter von Erzähler und Märchendichter Folke Tegetthoff, der das Storytelling Festival vor 30 Jahren ins Leben gerufen hat. Die Liebe zum Erzählen wurde ihr in die Wiege gelegt. Apropos Wiege: Zum Festivalbeginn erwartet Tessa Tegett­hoff ihr erstes Kind...

 

Frau Tegetthoff, Sie haben das Festival organisiert – was war die größte Herausforderung?

Die größte Herausforderung war wie jedes Jahr die Aufstellung des Budgets – da geht es wahrscheinlich jedem Kulturbetrieb gleich. Es wird immer schwieriger, Sponsoren und Förderungen der öffentlichen Hand zu finden. Umso stolzer sind wir, dass wir es schaffen, knapp 60 Prozent durch Sponsorengelder zu finanzieren. Die Organisation an sich ist bei einem so kleinen Team – das Kernteam besteht aus fünf Frauen, und wir stellen ein Festival mit fünf Standorten und 82 Programmpunkten auf die Beine – schon eine Herausforderung.

 

Sie sind in Graz aufgewachsen, leben seit 2012 in Berlin. Was hat Sie dorthin verschlagen?

Die Antwort, ein Klassiker – wie sollte es auch anders sein – die Liebe! Mein Partner ist 2011 beruflich bedingt nach Berlin gezogen, ich bin zuerst gependelt und dann nachgezogen. Mich hat es schon immer „raus“ aus Österreich gezogen, ich habe schon in Amsterdam, Buenos Aires, USA, Singapur gelebt, bin aber sehr glücklich, dass ich durch meine Arbeit immer wieder in die Heimat „muss“.

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Tessa mit ihrem Vater Folke Tegetthoff, der einst das Storytelling Festival ins Leben gerufen hat. (© Oliver Wolf)

Wird es ein spezielles Programm zum 30. Geburtstag des Festivals geben?

Das Festival hat 1988 als „Die Lange Nacht der Märchen­erzähler“ mit ausschließlich jüdischen Erzählern und Musik begonnen, im zweiten Jahr waren es dann afrikanische Erzähler. Uns war es dieses Jahr sehr wichtig, dass wir wieder „zurück zum Ursprung“ gehen. In Linz, im Brucknerhaus, wird es eine Lange Nacht mit Erzählern aus den Weltreligionen geben. Das Motto des Festivals ist wie jedes Jahr: die weltbesten Erzählkünstler nach Österreich zu bringen und Bewusstsein für die Kunst des Erzählens und Zuhörens zu schaffen. Das Besondere an unserem Festival ist die Vielfalt der Künste, die wir präsentieren, und die Internationalität.

 

Genau zum Festivalbeginn erwarten Sie Ihr erstes Kind. Vor der Geburt kürzer treten, das wird es bei Ihnen also nicht spielen. Wie schaffen Sie das?

So, als wäre es geplant gewesen, bekomme ich ehemaliges „Festivalbaby“ – ich bin mit dem Festival aufgewachsen, 1985 geboren – genau zur Festivalzeit mein erstes Baby. Ein späterer Zeitpunkt wäre natürlich einfacher gewesen, denn die Planung des Festivals und vor allem die letzten Wochen, die immer etwas intensiver sind, sind natürlich eine doppelte Herausforderung. Aber die Dinge im Leben kommen so, wie sie kommen, und alles ist machbar – ich arbeite mittlerweile von zu Hause, kann mir also meine Ruhepausen einteilen und habe das Glück, eine angenehme und problemlose Schwangerschaft zu durchleben. Und nicht zu vergessen mein tolles Team, das mich ganz wunderbar unterstützt und versucht, mir möglichst viel Arbeit abzunehmen.

 

Für welches Publikum ist das Festival ausgelegt?

Das Internationale Storytelling Festival ist ein Festival für JEDEN Menschen! Für Kinder ab 6 Jahren haben wir Schulmatineen, für Familien unsere Familienfeste („Geschichtenjagd im Brucknerhaus“ am 28. Mai), für Erwachsene unsere Abendprogramme (z.B. „Erzählkunst: Ohne Worte“ am 27. Mai). Wir versuchen, klarzumachen, dass Storytelling nicht die Oma im Schaukelstuhl ist, die dasitzt und etwas vorliest, sondern eine außergewöhnliche und durchaus „coole“ Kunstform.

 

Alle Infos zum Festival und das ganze Programm unter: www.storytellingfestival.at