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People | 16.05.2017

"Die Jagd erdet mich"

Tiere, Natur und Jagd sind die Leidenschaft von Christopher Böck, dem Geschäftsführer des Oberösterreichischen Landesjagdverbandes. Im Interview erklärt der 45-jährige Wildbiologe, warum die Jagd für unsere Umwelt und den Naturschutz so wichtig ist.

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Christopher Böck mit Jagdhündin "Zilli" vor Schloss Hohenbrunn, wo der Oberösterreichische Landesjagdverband seinen Sitz hat. (© Andreas Röbl)

Wir besuchen Christopher Böck in seinem Büro in den historischen Gemäuern von Schloss Hohenbrunn, dem einstigen Jagdschloss von Stift St. Florian. Neben einem Jagdmuseum befindet sich heute dort auch der Sitz des Oberösterreichischen Landesjagdverbandes und dessen Bildungs- und Informationszentrum. „Die Räumlichkeiten können auch für Festlichkeiten, Familienfeste und Tagungen gemietet werden“, rührt Christopher Böck die Werbetrommel. Immer an seiner Seite ist Jagdhündin „Zilli“, die ihrem Herrl aufs Wort folgt. Der Vater einer Tochter ist mit einer Tierärztin verheiratet und lebt in Linz. Neben seinem Job als Geschäftsführer des Landesjagdverbandes ist Christopher Böck auch Redaktionsleiter der Zeitung „Der OÖ Jäger“.

 

Herr Mag. Böck, wie sind Sie zur Jagd gekommen?

Dazu muss ich gleich einmal anmerken, dass ich nicht familiär vorbelastet bin. Weder mein Großvater noch mein Vater waren Jäger (lacht). Allerdings wollte ich schon zu Schulzeiten beruflich immer etwas mit Tieren machen, und so habe ich mich entschlossen, in Wien Zoologie zu studieren. Im zweiten Studienabschnitt habe ich mich für den Schwerpunkt Wildbiologie entschieden. Damals hatte ich einen Irish Setter. Durch diesen Hund bin ich in das „Jagdliche“ hineingekommen und habe die Jagdprüfung abgelegt. Das war ideal, denn Teile der Jagdprüfung wurden mir für mein Studium angerechnet. Die Jagdkarte habe ich seit 1998.

 

Seit wann arbeiten Sie für den OÖ Landesjagdverband?

Seit 16 Jahren. Ich wollte nach meinem Studium wieder von Wien nach Oberösterreich zurückgehen und habe mich im Jahr 2000 einfach einmal beim OÖ Landesjagdverband als Wildbiologe beworben. Anfangs bekam ich eine Absage. Einige Zeit später hat mich allerdings der damalige Landesjägermeister Hans Reisetbauer zu einem Gespräch eingeladen und ich habe den Job bekommen.

 

Was genau macht der OÖ Landesjagdverband?

In Österreich ist die Jagd „Landessache“. Es gibt neun Landesjagdverbände, die im Prinzip wie eine Kammer aufgebaut sind. Alle Jagdkarteninhaber sind auch Mitglieder in mindestens einem Landesjagdverband. In Oberösterreich gibt es etwas mehr als 19.000 Jäger; für sie ist der Landesjagdverband eine starke Interessenvertretung. Wir vertreten zum einen die Interessen der Jäger und treten andererseits als Anwälte der Wildtiere in Erscheinung.

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Der Wildbiologe ist ein leidenschaftlicher Jäger und liebt die Natur (© Privat)

Jäger müssen den Wildbestand regeln. Was bedeutet das?

Jäger engagieren sich dafür, Wildeinfluss an den Jungbäumen und -pflanzen so gering wie möglich zu halten, und haben die gesetzliche Aufgabe, den Wildbestand zu regeln. Die Haftung für diverse Schäden an den Jungpflanzen müssen die Jäger übernehmen und auch bezahlen. Nur durch ein Miteinander von Jägern, Landwirten, Forstwirtschaftern und Waldbesitzern kann man nachhaltig agieren und die Lebensräume Wald, Feld und Wiese sowie das dort lebende heimische Wild schützen. Dazu müssen Abschusspläne für Rehe, Hirsche und Gämsen eingehalten werden.

 

Es ist also streng geregelt, wann welches Wild erlegt werden darf?

Der Abschussplan wird von der Bezirksverwaltungsbehörde festgelegt. Nach diesem haben sich die Jäger zu richten. Darin ist geregelt, wie viel Wild nach Alter und Geschlecht in den verschiedenen Jagdgebieten erlegt werden darf. Nur so kann man einen gesunden und artenreichen Wildbestand erhalten. Jedes geschossene Tier muss gezählt und auch gemeldet werden.

 

Der Landesjagdverband ist auch für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Wie stehen die Oberösterreicher zur Jagd?

Im Prinzip kann man sagen, dass 20 Prozent der Oberösterreicher voll und ganz hinter der Jagd stehen. 60 Prozent sind weder für noch gegen die Jagd. Bei diesen 60 Prozent wollen wir in der Öffentlichkeitsarbeit ansetzen und anhand einer Infokampagne aufklären. Wir wollen auch vermitteln, wie gesund und nachhaltig Wildbret als Lebensmittel ist und was es in Sachen Naturschutz zu beachten gibt. Natürlich wollen wir die Menschen nicht davon abhalten, in die Natur zu gehen, es ist allerdings wichtig, dass sie die dafür vorgesehenen Wege fürs Wandern, Moutainbiken und Skitourengehen benützen, alleine schon, um dem Wild die nötige Ruhe zu gönnen, damit es stressfrei leben kann.

 

Was gefällt Ihnen an der Jagd?

Leider komme ich selber viel zu selten zum Jagen, aber ich esse leidenschaftlich gerne Wildbret – das ist für mich mit Sicherheit ein Antriebsfaktor. Außerdem bin ich irrsinnig gerne in der Natur, und natürlich spielt auch der Beutetrieb eine Rolle. Ein spanischer Philosoph hat einmal gesagt: „Ich jage, um gejagt zu haben.“ Dem kann ich viel abgewinnen. Wenn man allerdings noch nie gejagt hat, kann man das wahrscheinlich nur sehr schwer nachvollziehen. Die Jagd erdet mich.

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© Andreas Röbl

Warum sollten wir mehr Wildbret essen?

Es ist sehr gesund und zu hundert Prozent ein regionales Lebensmittel, denn das Tier wird dort erlegt, wo es lebt. Selbst der Tod des Wildtieres ist meist ein stress- und schmerzloser, da es keine leidvollen Tiertransporte gibt und die Kugel, die schneller als der Schall ist, das Tier im vertrauten Lebensraum rasch tötet. Obwohl es so gesund ist, verzehrt jeder Österreicher pro Jahr nur 60 dag Wildbret, im Gegensatz insgesamt 60 Kilogramm Schweinefleisch.

 

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Jäger in Oberösterreich von 17.000 auf 19.000 gestiegen. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Viele Menschen, auch junge und vermehrt Frauen, machen die Jagdprüfung. Es geht ihnen dabei in erster Linie um die intensive Auseinandersetzung mit der Natur und natürlich auch um die Beschaffung von Wildbret.

 

Wie erklären Sie einem Volksschulkind, warum Sie Tiere töten?

Wir erlegen nicht nur kranke und alte Tiere, sondern auch gesunde, weil wir ja gesundes, wertvolles Fleisch essen wollen. Dazu gibt es Schuss- und Schonzeiten. Während der Schonzeiten setze ich mich für die Tiere ein. Denn nur wenn es den Wildtieren gut geht, kann ich sie auch nachhaltig nutzen. Um bereits früh mit dem Erlären des Weidwerks zu beginnen, gibt es das Projekt „Schule und Jagd“. Dazu gehen die Jäger mit den Schülern raus in die Natur.

 

Wie ist es, wenn man ein Tier erlegt?

Nachdem man ein Tier erlegt hat, kommt das so genannte „Jagdfieber“ und man beginnt zu zittern. Wenn das Jagdfieber einmal aufhört und man ein Tier kaltblütig erschießt, dann sollte man mit dem Jagen aufhören.

 

Warum wird die Jagdprüfung als „Grüne Matura“ bezeichnet?

Die Jagdprüfung ist sehr umfangreich, es gilt vieles zu lernen. Man muss nicht nur in der Praxis schießen können, sondern sich auch intensiv mit der Natur beschäftigen. Mehr als 150 Stunden Theorie und Praxis müssen zum Teil mehrmals wöchentlich über einen Zeitraum von vier bis sechs Monaten absolviert werden, da die Anforderungen und notwendigen Kenntnisse bei der Prüfung sehr hoch sind.

 

Eine abschließende Frage noch: Wenn Sie nicht auf die Jagt gehen, wie verbringen Sie dann Ihre Freizeit?

Ich liebe es zu fotografieren. Fotos von Tieren und von der Natur kann ich auch für die Webseite des Landesjagdverbandes und für die Tätigkeit als Redaktionsleiter der Zeitung „Der OÖ Jäger“ gut gebrauchen. Außerdem verbringe ich gerne Zeit mit meiner Familie und genieße ab und zu einen guten Wein und eine Zigarre auf der Terrasse.