Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 05.09.2016

Die Fäden in der Hand

Das Maßschneiderhandwerk hat Margit Angerlehner von der Pike auf gelernt, seit nunmehr 15 Jahren macht sie erfolgreich Mode. Seit Jahresbeginn hält die 43-jährige Powerfrau aus Oftering als Vorsitzende die Fäden von Frau in der Wirtschaft Oberösterreich in der Hand.

Bild Margit Angerlehner
© Heli Mayr | Assistenz: Julia Traxler | Haare & Make-up: Marlies Pinsker, Cambio Beautyacademy

Für das Covershooting empfängt uns Margit Angerlehner top-gestylt in einem selbstgemachten Kleid mit trendigem Lederoberteil in ihrem Haus in Oftering. Im Jahr 2001 hat die Mutter von zwei Söhnen dort ihre Maßschneiderei „Mode im Maß der Zeit“ eröffnet. Arbeiten und Wohnen unter einem Dach hatte vor allem jenen Vorteil, dass sie immer für ihre Kinder da sein konnte. 15 Jahre später hat sich ihr kleines, aber feines Unternehmen als Fixstern in Oberösterreichs Modeszene etabliert und Margit Angerlehners Werke können auf Hochzeiten und Bällen des Landes bewundert werden. Nachdem Gregor (21) und Paul (19) nun beginnen, ihre eigenen Wege zu gehen, könnte sich die attraktive 43-Jährige nun zurücklehnen und mit ihrem Mann, der bereits in Pension ist, ihren Erfolg genießen. Die Betonung liegt allerdings auf „könnte“, denn mit Jahresbeginn holte Frau in der Wirtschaft Margit Angerlehner als Landesvorsitzende an die Spitze des oberösterreichischen Netzwerkes. Dort setzt sich die Powerfrau mutig und hochmotiviert dafür ein, dass Unternehmerinnen die passenden Rahmenbedingungen erhalten, um in ihrem Beruf erfolgreich sein zu können.

Bild Margit Angerlehner 3
Mode im Maß der Zeit. In den letzten 15 Jahren hat sich Margit Angerlehner in ihrem Haus in Oftering ihre Maßschneiderei aufgebaut. ( © Heli Mayr)

Wann stand es für Sie fest, dass Sie Maßschneiderin werden wollen?

Handarbeiten war von Kindesbeinen an meine große Leidenschaft. Meine Nachbarin war eine Maßschneiderin und ich habe ihr schon in sehr jungen Jahren gerne beim Arbeiten zugeschaut. Außerdem habe ich schon sehr früh maßgeschneiderte Kleider bekommen.

Was hat Sie im Jahr 2001 dazu bewogen, Ihre Damen-Maßschneiderei  „Mode im Maß der Zeit“ zu gründen?

Das Hauptargument für meine Selbstständigkeit waren meine zwei Buben. Vor 20 Jahren war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch nicht ganz so einfach wie heute. Indem ich meine Maßschneiderei im eigenen Haus eröffnet habe, konnte ich einerseits die Firma aufbauen und mich andererseits um die Kinder kümmern. Eine flexible Zeiteinteilung war damals für mich das Um und Auf. Außerdem hatte ich auch meine Schwiegereltern und Eltern in der Nähe, die mir bei der Kinderbetreuung unter die Arme gegriffen haben. 

Haben Sie Ihre Selbstständigkeit je als Belastung empfunden?

Nein, weil ich meinen Beruf einfach irrsinnig gerne ausübe. Es war mir immer wichtig, dranzubleiben – im schnelllebigen Modebusiness ist man ja ziemlich schnell weg vom Fenster. „Mode im Maß der Zeit“ bedeutet für mich Mode zu machen, die mit der Zeit geht. Das hat auch heute noch absolute Priorität für mich.

Welche Kundin lässt sich Mode an den Leib schneidern?

Mein Kundenstock ist bunt gemischt und reicht vom jungen Mädchen, das ein Kleid für den Maturaball schneidern lässt, bis zur älteren Dame, die sich für die goldene Hochzeit einkleidet. Obwohl ich auch sehr viele Business-Kundinnen betreue, liegt mein Hauptgeschäft im Bereich der Hochzeiten. Dabei kleide ich nicht nur Bräute ein, sondern auch Brautmütter und Hochzeitsgäste, die für diesen speziellen Anlass auf ganz besondere Mode setzen.

Mit welchen Vorstellungen kommen die Kundinnen?

Einerseits gibt es Damen, die ganz spezielle Vorstellungen haben und mit einem Bild von ihrem Traumkleid, das sie zum Beispiel bei Prominenten gesehen haben, zu mir kommen. Dann gibt es Kundinnen, die überhaupt nicht wissen, was sie wollen. Für mich ist es ganz wichtig, auf die jeweilige Figur und den Typ der Dame Rücksicht zu nehmen. Außerdem spielt es eine große Rolle, für welchen Anlass das Kleidungsstück sein soll.

Woher holen Sie Ihre Inspiration?

Ich investiere sehr viel Geld in Modemagazine und schaue mir die gängigen Fashion-Shows an. Das ist heutzutage überhaupt nicht schwierig, da sämtliche internationale  Haute Couture- und Pret-à-Porter-Schauen auf Youtube gezeigt werden. Ich orientiere mich gerne an den großen Designern. Man kann die Modelle zwar selten eins zu eins übernehmen, weil sie im Alltag kaum tragbar sind, man kann sich aber an die jeweiligen Stilrichtungen anlehnen.

Gibt es ein Vorbild unter den Modeschöpfern?

Bei den Abendkleidern ist Elie Saab derzeit mein absoluter Lieblingsdesigner. Im Vorjahr hat mir auch die Mode von Dolce & Gabanna sehr gut gefallen. Neben Valentino bewundere ich auch die Arbeit von Karl Lagerfeld. Er designt für Chanel, Fendi und so weiter und muss jedes halbe Jahr mehrere verschiedene Kollektionen entwerfen, das ist eine Wahnsinnsleistung. Auch Coco Chanel imponiert mir sehr. Sie hat die Damen mit ihren losen Oberteilen wie die Chanel-Jacke vom einengenden Korsett befreit. 

Was ist die größte Herausforderung in Ihrer Arbeit?

Das sind vor allem jene Kleider, die ausschließlich von Hand genäht werden und Abendkleider, die man besticken muss. Da spricht man dann von Haute Couture.

Bild Margit Angerlehner 2
Trendsetter. In ihrem Garten in Oferting zeigt Margit Angerlehner, was im Herbst und Winter modemäßig angesagt ist. ( © Heli Mayr)

Wie ist Ihr eigener Modestil?

Ich bin eher der geradlinige Typ und mag es schlicht mit hochwertigen, schönen Materialien. Es muss allerdings immer etwas dabei sein, das hervorsticht. Das gewisse Etwas, das man bei Kleidung von der Stange nicht bekommt.

Was ist für Sie ein absolut modisches No-Go?

Das sind nach wie vor Leggins. Die passen nur für die Couch, ausgehtauglich sind sie auf keinen Fall. Zudem sollte man der Jugend wieder beibringen, dass es für gewisse Anlässe die richtige Kleidung gibt.

Das Oktoberfest naht, schneidern Sie auch Dirndl?

Ich mache seit jeher ganz viel Tracht und Dirndl – das war auch schon vor dem Trachtenboom so. Ich finde sowieso, dass Frauen in keinem anderen Kleid so feminin aussehen wie im Dirndl.

Ist maßgeschneiderte Mode leistbar?

Auf jeden Fall. Zum einen hat man die Kleidungsstücke lange Zeit und kann ganz einfach Änderungen durchführen. Viele Kleider werden auch weitervererbt. Sie haben einen gewissen Wert und darauf schaut man sich.

Woher beziehen Sie Ihre Stoffe?

Bei den regionalen Stoffanbietern arbeite ich intensiv mit der Firma Baumgartner in Linz zusammen. Ich habe auch die Designer-Kollektion von Ungaro und Elegance im Haus. Trachtenstoffe kaufe ich in Eferding, Salzburg und im OÖ. Heimatwerk.

Seit 2009 engagieren Sie sich für Frau in der Wirtschaft. Was waren Ihre Beweggründe?

Bei einer Modenschau habe ich einige Funktionärinnen kennengelernt, die mich spontan eingeladen haben, bei Frau in der Wirtschaft mitzuwirken. Die Begeisterung, dass sich Frauen für andere Frauen derart großartig einsetzen, hat mich angesteckt. Noch dazu sind das alles Frauen, die beruflich voll eingeteilt sind und sich ehrenamtlich engagieren, damit die Rahmenbedingungen für Unternehmerinnen besser werden. Ich habe mich in diesem Netz-werk sofort zuhause gefühlt.

Und seit Jänner sind Sie Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft Oberösterreich …

Das ist für mich sehr überraschend gekommen. Eines Tages saß ich im Nähzimmer, da kam ein Anruf von Ulrike Rabmer-Koller, die mich gefragt  hat, ihre Nachfolgerin als Vorsitzende zu werden. Das war zwar nicht in meinem Lebensplan, aber da ich zu allen Funktionärinnen einen guten Draht habe und gut mit ihnen zusammenarbeite, fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Auch das Team im Büro von Frau in der Wirtschaft steht voll hinter mir.

Was konnten Sie in den vergangenen acht Monaten bewegen?

Wir haben heuer unsere Regionalkampagne gestartet, denn es ist wichtig, dass man die Unternehmerinnen und ihre Leistungen noch viel mehr vor den Vorhang holt und auch in der Region das Bewusstsein für das Unternehmertum stärker verankert. Dazu sind wir in allen Bezirken unterwegs. Die Kampagne läuft sehr erfolgreich.

Was sind die größten Herausforderungen für uns Frauen?

Es ist immer noch eine große Herausforderung, Familie und Beruf zu vereinbaren. Es gibt noch nicht genug Kinderbetreuungsplätze für unter Dreijährige in Oberösterreich. Vor allem in den ländlichen Gegenden hinken wir da nach. Zudem brauchen wir auch flexiblere Arbeitszeiten. Vor allem in Sachen Homeoffice, wo es immer noch vorgeschriebene Ruhezeiten gibt, brauchen wir andere Rahmenbedingungen.

Immer wieder hört man (vor allem auch von Männern), dass Frauen ohne schlechtes Gewissen einfach nur Hausfrau und Mutter sein können sollen. Wie stehen Sie dazu?

Frauen sollen meiner Meinung nach die Wahl haben, das zu tun, was sie gerne möchten, und dazu muss es ordentliche Rahmenbedingungen geben. Eine Frau, die ihr Leben lang teilzeitbeschäftigt war, bekommt, wenn sie in Pension geht, nicht viel Geld heraus. Die Zeiten haben sich geändert und es ist wichtig, dass Frauen finanziell abgesichert sind.

Wie stehen Sie zur Frauenquote?

Ich bin für ein ausgeglichenes Miteinander. Frau und Mann sollen ordentlich zusammenarbeiten können, und zwar auf allen Ebenen, egal ob in der Politik oder in einem Unternehmen. Es ist erwiesen, dass es dort, wo Frauen und Männer zusammenarbeiten, eine bessere Performance gibt. Gemeinsam mit den Männern auf Augenhöhe zu arbeiten, ist unser oberstes Ziel.

Wie lassen sich Ihre Tätigkeit als Vorsitzende von Frau in der Wirtschaft und Ihre Firma vereinbaren?

Langweilig wird mir nicht (lacht). Ich brauche ein ganz striktes Zeitmanagement. Es ist mir wichtig, dass ich in allen Bezirken unterwegs bin und durch die Betriebe toure. Nur so kann ich herausfinden, was die Unternehmerinnen wollen und brauchen. Frei nach dem Motto: „Wenn ich etwas mache, dann mache ich es gescheit, oder ich lasse es.“

Was machen Sie gerne in Ihrer Freizeit?

Die wenige Freizeit, die ich habe, verbringe ich am liebsten mit meiner Familie und Freunden, und es ist mir ganz wichtig, in der Natur zu sein. Ich gehe gerne in die Berge und arbeite mit Leidenschaft im Garten.

Wo soll es in der Zukunft hingehen?

Ich möchte immer am Ball der Zeit bleiben, mich weiterentwickeln, das Ganze aber mit Qualität und Tradition vereinen.