Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 03.06.2019

„DIE EISEN BLEIBEN HEISS!“

Vor einem Jahr überraschte Cesár Sampson beim Eurovision Song Contest mit einer Top-Platzierung für Österreich. Im Februar brachte er seine neue Single „Stone Cold“ auf den Markt. Uns hat der sympathische Musiker aus Linz verraten, warum er einige Jahre als Sozialarbeiter und Fitnesscoach gearbeitet hat und weshalb seine Lieder keinesfalls autobiografisch sind. Text: Ulli Wright Fotos: Samir Novotny, Universal Music Austria

Bild CS_2019_005_Samir Novotny.jpg

Beim Interview im Office von “Universal Music Austria” in Wien lässt Cesár Sampson tief blicken. Seit er 2018 mit seinem Song „Nobody But You“ beim Eurovision Song Contest den sensationellen dritten Platz für Österreich geholt hat, blieb für den sympathischen 35-Jährigen kein Stein auf dem anderen. Aufgewachsen als Sohn einer Musikerin in Linz, wagte er schon sehr früh die ersten Schritte ins Showbusiness und spielte als kleiner Bub sogar eine Rolle in einem Musikvideo von La Toya Jackson. Nachdem er im Alter von 17 Jahren begann, mit klingenden Namen der Wiener Alternative-Szene (Kruder & Dorfmeister, Sofa Surfers, Louie Austen) die Welt zu bereisen, zog es ihn vorwiegend hinter die Kulissen des Musikbusiness – als Songwriter, Texter und Produzent bei internationalen Produktionen. Daneben arbeitete er auch als Sozialarbeiter und Vocal Coach. Mit seiner neuen Single „Stone Cold“ brachte das Multitalent erneut einen Hit heraus. Mit smart aufeinander abgestimmten Einflüssen aus R&B, klassischen Pop-Welten und Gospel-Ideen ist mit „Stone Cold“ ein höchst dynamischer Song entstanden, der sich textlich mit den gefährlichen Seiten der zwischenmenschlichen Leidenschaft beschäftigt. Ein weiterer großer Schritt auf der Reise in die musikalische Zukunft von Cesár Sampson.

Was hat sich seit dem Song Contest für Sie verändert?
Es hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen und meine Schwerpunkte haben sich ganz schön verschoben. Ich mache im Endeffekt zwar immer noch dasselbe wie früher, nur dass ich jetzt halt selber vorne auf der Bühne stehe.

Wann ist Ihre Liebe zur Musik entstanden?
Meine Mutter ist Sängerin, Pianistin und Komponistin und lebt heute in Spanien. Als Sohn einer Musikerin bin ich natürlich mit Musik aufgewachsen.

Sie sind in Linz aufgewachsen, Ihre Großeltern leben immer noch dort. Wie oft kommen Sie noch nach Linz?
Ich war bis zu meinem achten Lebensjahr in Linz. Im Moment bin ich allerdings so viel unterwegs, dass ich zu überhaupt nichts komme. Mein beruflicher Weg führt mich aber immer wieder durch die Bundesländer und wenn ich dann nach Oberösterreich komme, mache ich natürlich gerne einen Abstecher zu den Großeltern.

 

Bild CS_2019_001_Samir Novotny.jpg
„Ich will nicht Tausende Cover­ songs machen, sondern mit einer eigenen Tour durchstarten.“

Lange Zeit arbeiteten Sie als Songwriter, Texter und Produzent bei internationalen Produktionen eher hinter den Kulissen des Showbusiness. Mit dem Song Contest 2018 ging es wieder ins Rampenlicht. Was ist das für ein Gefühl?
Dass ich mich eine Zeitlang von der Bühne zurückgezogen habe, war ein ganz bewusster Schritt. Dadurch ist es mir gelungen, auch andere Bereiche zu verstehen, und ich habe es sehr genossen, einmal mit anderen Menschen – abseits der Musikbranche – zusammen zu sein. Das Rampenlicht ist im Prinzip eine Rückkehr zu meinen Wurzeln. Jetzt komme ich wieder zu meinen Leisten zurück.

Schreiben Sie noch Lieder für andere Interpreten?
Nur mehr ganz peripher, dazu fehlt mir im Moment einfach die Zeit.

Am 22. Februar ist Ihre neue Single „Stone Cold“ erschienen. Worum geht es in dem Song?
Es geht um die persönliche Krise eines Mannes, der mehr will, als die Frau ihm geben möchte. Die Frau gibt ihm zwar Leidenschaft, aber nicht die Liebe, die er sich wünscht. Das ist ihm aber zu wenig. Das gibt es umgekehrt auch, dass die Frau an den Mann herankommen möchte, er sie aber auf Armeslänge hält. In meinem Song ist es der Mann, der darunter leidet.

Im Video zu „Stone Cold“ fahren Sie in einem Auto mit drei Frauen, die sich nach Ihnen ver- zehren. Der Traum aller Männer?
Das ist eher ein Alptraum. (lacht)

Wie viel Autobiografisches bringen Sie in Ihre Songs?
Ich bin sehr wenig autobiografisch, bringe aber viel von dem, was ich beobachte ein. Sonst wäre ich ja irgendwann an dem Punkt, an dem ich mein Leben dramatisieren muss, damit ich was zum Schreiben habe.

Sie schreiben Ihre Songs selber. Wann wissen Sie für sich, dass ein Song fertig ist?
Fertig ist der Song an dem Punkt, wo ich nichts mehr damit zu tun habe. Ich bin fürs Komponieren, Texten und Arrangieren zuständig, aber irgendwann kommt dann die Produktion und das ist nicht mein Spezialgebiet. Dabei werden der Klang und die Struktur eines Liedes erst richtig veredelt und es wird vor meinen Augen fertiggemacht. Das ist wie ein Pullover, der noch nicht geendelt wurde.

14 Jahre lang haben Sie sich aus dem Musikbusiness verabschiedet und ihr Leben komplett geändert. Anfangs haben Sie als Sozialarbeiter in der Behindertenbetreuung gearbeitet, später als Fitnesstrainer. Was hat Ihnen diese „Pause“ gebracht?
Die Pause war notwendig für mich. Ich war mit 20 Jahren noch nicht soweit, um als Solokünstler durchzustarten. Ich fange nicht gerne Dinge an, die ich nicht erfasst habe. Das ist mein Charakter. Jedes Angebot, das damals auf mich zukam, hat mich eher zurückschrecken lassen. Das hat mich am Anfang selber überrascht. Also habe ich andere Sachen gemacht und viel Glück dabei gehabt. Die Behindertenarbeit ist etwas, wo man als Mensch extrem viel lernt, das hat mein Erwachsenwerden beschleunigt. Der klassische Künstler hat in seinem Alltag nicht viele Inhalte, die ihn dazu zwingen, erwachsen zu werden. Als Musiker kann man die spielerische Seite ausleben, und wenn man da nicht aufpasst, wird man schnell zum unreifen, kindischen, älteren Herrn.

Bild CS_2019_002_Samir Novotny.jpg
Bis zu seinem achten Lebensjahr wohnte Cesár Sampson in Linz. Heute ist er in Wien zu Hause.

Was hat Sie dazu motiviert mit 26 Jahren Fitnesstrainer zu werden?
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich sehr krankheitsanfällig war. Das hat sich schließlich so zugespitzt, dass ich irgendwann nur noch krank war. Diese Umstände haben mich letztendlich dazu gebracht, mich intensiv mit Gesundheit und Fitness auseinanderzusetzen. Dieses Wissen hat mich so sehr motiviert, dass ich dahingehend eine Ausbildung gemacht habe.

Wie schaut es heute aus? Gibt es statt dem so klischeehaften „Sex, Drugs and Rock'n'Roll“ für Cesár Sampson immer noch Fitness?
Ja natürlich! Mittlerweile habe ich meine Routine gefunden, die mir Halt gibt und mich auch gesund hält. Mit 20 Jahren war es reiner Zufall, wann ich gesund war, wann meine Stimme gut klang und so weiter. Jetzt habe ich Tools, auf die ich mich verlassen kann. Ich könnte es mir nicht mehr ohne diese Tools vorstellen. Als Personal Trainer arbeite ich aber nur mehr ganz selten für langjährige Stammkunden.

Wie oft schaffen Sie es zu Trainieren?
Im Idealfall würde ich gerne fünf Tage die Woche trainieren, aber meistens ist mein Tagesplan so ausgefüllt, dass es sich zeitlich nicht ausgeht. Drei Mal in der Woche gehe ich aber in jedem Fall ins Gym.

Wie haben Sie es geschafft, so konsequent dranzubleiben?
Damit sich eine Gewohnheit gut verankern kann, müssen mehrere Faktoren zusammenpassen. Das Know-how ist zum Beispiel ein riesengroßer Faktor. Wenn man an dem Punkt ankommt, wo man zutiefst weiß, was man macht und die Hintergründe versteht, gibt einem das einen Halt, den man nicht mehr verliert. Man muss im Vorfeld ganz klar wissen und definieren, warum man etwas macht. Oft fangen wir irgendetwas an, meistens aufgrund von Schuldgefühlen, definieren aber nie genau, warum wir etwas machen wollen. Ich weiß, warum ich es mache und was zu tun ist – und es tut mir gut.

Haben Sie noch Kontakt zu Ihren Klienten aus der Zeit als Behindertenbetreuer?
Ich bekomme manchmal recht liebe Nachrichten, aber direkt in Kontakt stehe ich mit ehemaligen Klienten nicht. Als professioneller Betreuer gehört es zur Arbeitsethik, dass man die Arbeit nicht mit nach Hause nimmt. Man macht abseits der Arbeit nicht auf„best friends“.Nur wenn man Beruf und Privatleben trennt, kann man im Sozialbereich seine Arbeit gut machen.

 

Bild CS_2019_004_Samir Novotny.jpg
„Die Behinderten­arbeit ist etwas, wo man als Mensch extrem viel lernt. Das hat mein Erwachsen­werden be­einflusst.“

Mit „Nobody But You“ erzielten Sie im Vorjahr beim Eurovision Song Contest den drit- ten Platz. Wie wichtig ist es Ihnen ganz vorn mitzumischen?
Als Künstler musst du autonom sein. Es muss dir im Prinzip egal sein, was jemand anderer zu deiner Arbeit sagt. Natürlich ist es ein gutes Gefühl, wenn man Zuspruch bekommt, aber man braucht den Zuspruch nicht, um gute Musik zu machen. Klar freue ich mich, wenn ich höre dass „Stone Cold“ super angelaufen ist. Wäre das nicht so, würde ich aber trotzdem an das Lied glauben. Denn letztendlich muss man von dem, was mach macht, selbst überzeugt sein. Es ist schön, wenn Selbst- und Fremdeinschätzung zusammenspielen.

Hat sich Ihre internationale Fanbase durch den Erfolg beim Song Contest erweitert?
Ich habe ein Fan-Following in ganz vielen Ländern. Die meisten Fans habe ich in Spanien, England und in Österreich. Daher ist es wichtig, dass ich so viele Lieder wie möglich schreibe und herausbringe. Damit es sich auch auszahlt, eine eigene Tour zu machen. Ich will nicht Tausende Coversongs wiedergeben. Ich weiß, dass in vielen Ländern sehr viele Leute darauf warten, dass ich mit einer eigenen Tour durch- starte.

Wie schaut Ihr Leben, Ihr Alltag aus?
In meinem Leben nehmen im Moment sehr viele Sachen einen Platz ein. Ich bin eine öffentliche Person und das möchte ich auch für verschiedene Anliegen nützen. Es gibt viele interessante Initiativen, bei denen ich mich einbringen möchte. Allen voran natürlich die Urheberrechtsrichtlinie, bei der es darum geht, wie unser Urheberrecht online gewahrt wird. Denn das Urheberrecht wird über kurz oder lang offline nicht mehr wichtig sein. Dahingehend verwende ich viel Energie.

Was inspiriert Sie?
Lustig ist, dass sich meine Art Musik zu machen, sehr stark verändert hat. Früher habe ich zu Hause Songgerüste zusammengelegt und diese unfertig liegen gelassen. Jetzt kann ich es sehr gut annehmen, dass ich tolle Leute um mich herum habe, mit denen es Spaß macht, etwas vom Anfang bis zum Ende aus einem Guss entstehen zu lassen. Das ist wie Schmieden – die Eisen bleiben also heiß.

Welche Art von Musik konsumieren Sie?
Ich konsumiere im Prinzip keine Musik, da ich kein Musikhörer im klassischen Sinn bin. Ich höre mir Lieder immer nur ganz bewusst an. So nebenbei beim Frühstücken oder Autofahren geht bei mir nicht.

Wie sehen Sie Ihrer Zukunft entgegen?
Die Zukunft ist ein Feld voll von spannenden Möglichkeiten. Es ist alles sehr exciting, was in meinem Leben momentan passiert. „Stone Cold“ kommt sehr gut an. Jetzt heißt es einfach einmal machen.

 

Bild image004.jpg
Mit smart aufeinander abgestimmten Einflüssen aus R&B, klassischen Pop-Welten und Gospel-Ideen ist mit „Stone Cold“ ein dynamischer Song entstanden.