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People | 02.07.2021

Die Überfliegerin

Den Flugschein hatte Iris Brditschka zwei Jahre vor dem Pkw-Führerschein in der Tasche. Heute fliegt die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin mit dem „ORF-Überflieger“ und informiert die Hörer von Radio Oberösterreich frühmorgens über das Verkehrsaufkommen.

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© Sarah Katharina

Um acht Uhr morgens treffen wir Iris Brditschka am Flugplatz der HB-Flugtechnik in Hofkichen im Traunkreis. Voll Elan steigt die fesche Ansfeldnerin aus einem Motorsegler, der soeben gelandet ist. Es handelt sich aber nicht um irgendeinen Flieger, sondern um den „ORF-Überflieger“, der die Hörer von Radio Oberösterreich immer morgens über das aktuelle Verkehrsaufkommen im Großraum Linz informiert. Während der Pilot in der Luft seine Kreise zieht, übermittelt Co-Pilotin Iris via Liveschaltung die aktuellen Staus.    

Flieger-Familie. Das Fliegen wurde der studierten Wirtschaftswissenschaftlerin in die Wiege gelegt. Großvater Heinz W. Brditschka hat als Amateurbauer zwei Exemplare der legendären „Motorkrähe“ gebaut und im familieneigenen Schmuckwarenbetrieb Flugteile für Amateure gefertigt. Ihr Vater Heino hat bereits 1973 das erste manntragende Elektroflugzeug entwickelt und es damit sogar ins Guinness Buch der Rekorde geschafft. Vor mehr als 50 Jahren hat er in Hofkirchen im Traunkreis die Firma HB-Flugtechnik sowie einen Flugplatz gegründet, wo auch Iris beschäftigt ist. Beim Covershooting beweist die 31-jährige Privatpilotin in Outfits von SELENDI GANGART, dass sie nicht nur im Cockpit,  sondern auch vor der Kamera eine Top-figur macht und erzählt, dass sie quasi im Flieger aufgewachsen ist. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Brditschka, Sie stammen aus einer eingefleischten „Flieger-Familie“ ab. War es selbstverständlich, dass Sie noch vor dem Führerschein den Pilotenschein in der Tasche hatten?

Iris Brditschka: Ich denke schon, ich habe Fliegen gelernt wie andere Rad fahren oder Schwimmen. Das hat bei uns in der Familie einfach dazugehört. Mein Papa, meine Mama, mein Bruder – alle haben den Flugschein, die ganze Familie fliegt. Schon als Baby bin ich im Tragetuch hinten angeschnallt im Motorsegler mitgeflogen (lacht).

 

Nach Ihrem Studium an der JKU in Linz hat es Sie sechs Jahre lang als Flugbegleiterin in die Schweiz, statt ins Big Business gezogen. Warum das?

Flugbegleiterin zu werden, war schon immer ein Kindheitstraum von mir. Es hat mich fasziniert, auf der Welt herumzukommen, verschiedene Kulturen kennenzulernen und zu fliegen. Im Nachhinein betrachtet war mein Job als Kabinenchefin bei der SWISS das Beste, was ich machen konnte. Es war fast wie ein bezahlter Urlaub. Ich habe Gegenden in Indien, Afrika oder China gesehen, wo ich normalerweise wahrscheinlich nie hingekommen wäre und die mich persönlich sehr bereichert haben. 

 

Was hat Sie nach sechs Jahren in Zürich wieder zurück nach Oberösterreich gezogen?

Trotz der vielen schönen Seiten ist der Job doch ziemlich anstrengend und die Jetlags machen sich nach sechs Jahren bemerkbar. Ich wusste immer, dass ich wieder einmal nach Hause zurückkehren werde. Immerhin ist da unser Unternehmen, das ich einmal mit meinem Bruder übernehmen werde. Dahingehend kommt mir mein Wirtschaftsstudium sehr zugute. 

 

 

 

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© Sarah Katharina

Sie sind aber nicht nur im elterlichen Betrieb aktiv, sondern informieren als „Überfliegerin“ die Menschen frühmorgens im ORF Radio Oberösterreich über das tägliche Verkehrsaufkommen. Wie kam es dazu?

Ich habe bereits während meiner Schul- und Studienzeit beim ORF Landesstudio Oberösterreich gejobbt und Führungen gemacht. Da unser Unternehmen den Überflieger betreut, hat sich das vor fast zwei Jahren so ergeben. Seither bin ich frühmorgens mit einem Piloten unterwegs und dafür zuständig, die Hörer über das aktuelle Verkehrsaufkommen zu informieren.

 

Wie darf man sich das vorstellen, wann müssen Sie in der Früh raus?

Um sechs Uhr früh ruft mich der Pilot an und gibt mir Bescheid, ob wir von den Wetterbedingungen her fliegen können. Gerade im Winter geht es ab und zu nicht. Wenn alles passt, heißt es schnell raus aus den Federn und zum Flugplatz nach Hofkirchen fahren. Um sieben Uhr wird gestartet, wir fliegen zwei Runden über Linz und schauen uns die Stau-Hotspots an. Im Halbstundentakt berichte ich dann live vom Flieger aus. Ich bin Co-Pilotin, habe an einem Ohr das Radioprogramm und am anderen den jeweiligen Moderator. Die Live-Einstiege sind jedes Mal wieder aufregend für mich.

 

Die Firma HB-Flugtechnik ist Eigentümerin des Flugplatzes Hofkirchen und Entwickler, Hersteller sowie Wartungsbetrieb für Leichtflugzeuge. Sie betreiben aber auch eine Flugschule für Segelflieger und Privatpiloten. Wie viele Mitarbeiter beschäftigt HB-Flugtechnik und was ist Ihr Aufgabengebiet im Unternehmen?

Mit unseren Teilzeitkräften beschäftigen wir in Summe 18 Personen. Ich leite gemeinsam mit meiner Mama die kaufmännischen Agenden der Firma, bin aber auch für die gesamte Avionik zuständig. Das ist ein Begriff aus der Luft- und Raumfahrttechnik und bezeichnet die Gesamtheit der elektrischen und elektronischen Geräte an Bord eines Fluggerätes, wie etwa den Autopiloten. Darauf habe ich mich spezialisiert.

 

 

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© Sarah Katharina

Was macht die HB-Flugtechnik so besonders?

Es gibt viele Flugplätze in Österreich, aber Werften, wo auch Reparaturen und Flugzeugbau durchgeführt werden, gibt es wenige. Servicierung und Reparaturen von Flugzeugen sind seitens der Behörde aufgrund der Sicherheitsauflagen sehr stark reglementiert. Man darf sich das nicht wie eine Autowerkstätte vorstellen, sondern braucht immens viele Ausbildungen und Berechtigungen, um diese Arbeit überhaupt machen zu dürfen. Das wird auch immer mehr.

 

Wie viel fliegen Sie eigentlich selber?

Im Durchschnitt sitze ich sicher vier bis fünf Stunden in der Woche im Flugzeug, im Winter natürlich weniger. 

 

Was war Ihr weitester Flug als Pilotin im Motorsegler bisher?

Das war eine Urlaubsreise nach Kroatien. Die Herausforderung als Frau ist, dass man vom Gewicht her sehr sparsam packen muss. Das ist wirklich ein Problem (lacht) .

 

Gibt es viele Frauen, die den Privatpilotenschein besitzen oder ist das eine Männerdomäne?

Leider ist es immer noch eine Männerdomäne. Bei uns am Flugplatz in Hofkirchen gibt es neben mir nur drei andere Frauen mit Privatpilotenschein. 

 

 

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© Sarah Katharina

Warum ist das so?

Ich denke, dass die Technik viele Frauen abschreckt. Man kann den Privatpilotenschein nicht mit dem PKW-Führerschein vergleichen. Themen wie Aerodynamik, Navigation und Meteorologie machen den Flugschein viel komplexer. Es gilt viel zu lernen, aber es ist machbar. 

 

Ihr Vater hat unter der Marke „HB“ Motorsegelflugzeuge entwickelt und gebaut. Macht er das noch immer und wie viele derartige Flugzeuge, die seine Initialen (Heino Brditschka) tragen, wurden erzeugt?

Sicher mehr als 100 Modelle, einige wurden sogar nach Amerika geliefert und für Waldbrandüberwachungen eingesetzt, weil man aufgrund der großen Kuppel sehr gut nach unten sieht. Heute werden bei uns im Unternehmen keine Flugzeuge mehr gebaut, wir haben uns auf die Reparatur und Instandhaltung spezialisiert.

 

Ist Ihr Vater noch im Unternehmen tätig?

Er ist zwar schon in Pension, unterstützt uns aber immer noch tatkräftig. Mein Bruder Thomas hat bereits den gesamten technischen Bereich über. Er ist auch Kunstflugpilot, was extrem anstrengend und fordernd ist. Außerdem fährt er mit Begeisterung Autorennen. Ich glaube, unsere Familie hat ohnehin Kerosin im Blut, denn auch ich fahre irrsinnig gerne mit dem Auto (lacht).

 

 

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© Sarah Katharina

Sie sind aber auch sehr sportlich, habe ich gehört.

Sport ist eine riesengroße Leidenschaft von mir. Schon in meiner Jugend bin ich Skirennen gefahren, habe Boden geturnt und war drei Mal die Woche tanzen. Mit 17 Jahren entdeckte ich dann das Krafttraining und seitdem ich in der Schweiz war, mache ich auch sehr intensiv CrossFit. Ich treibe sicher fünf Mal die Woche Sport. Neuerdings probiere ich mich auch im Golfspielen. Sport war für meine Entwicklung extrem wichtig. Man lernt diszipliniert zu sein, mit Rückschlägen umzugehen, sich durchzubeißen und immer an sich zu arbeiten.

 

Wenn Sie nicht im Flieger, am Flugplatz oder beim Sporteln sind, was machen Sie dann gerne in Ihrer Freizeit?

Im Prinzip bleibt nicht viel Freizeit übrig. Aber auch am Wochenende geht es meistens ab in den Flieger und wir machen einen Städtetrip nach Prag oder fliegen in der Früh nach Graz und abends wieder retour. Unsere gesamte Familie ist also auch in der Freizeit viel im Flieger. 

 

Apropos Familie, wie funktioniert es, wenn alle Mitglieder in einem Unternehmen arbeiten?

Das funktioniert bei uns sehr gut. Man spricht mit Familienmitgliedern sicher direkter als mit Kollegen. Dafür weiß man aber auch, wenn es hart auf hart kommt, ist der Zusammenhalt definitiv da. Natürlich kommen wir auch privat immer wieder auf die Firma zu sprechen. Wir sehen uns tagtäglich, teilen uns ein Büro und wir fahren alle gemeinsam einmal im Jahr an den Gardasee auf Urlaub. Ich denke, das spricht für uns. 

 

Was gefällt Ihnen am Fliegen?

Da ich damit aufgewachsen bin, ist das Fliegen ziemlich normal für mich, aber trotzdem immer wieder wunderschön. Die Stimmung, das Wetter und die Begleitung sind fast immer unterschiedlich. Es ist der Perspektivenwechsel, der mir gefällt. 

 

 

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© Sarah Katharina

Sind Sie als Pilotin schon einmal in eine gefährliche Situation gekommen?

Nein, ich brauche die Sicherheit. Wenn ich weiß, dass das Wetter nicht unbedingt auf meiner Seite ist, dann fliege ich nicht. Ich gehe kein Risiko ein. 

 

Beim Shooting haben Sie in Outfits von SELENDI GANGART in Wels posiert. Was bedeutet Ihnen Mode generell?

Mode ist mir grundsätzlich sehr wichtig. Das hat sich aber ein bisschen geändert, weil ich in erster Linie Outfits brauche, die flugplatztauglich sind. Meine High Heels habe ich gegen Turnschuhe eingetauscht (lacht). Aber ab und zu brezle ich mich privat schon gerne auf. 

 

Mit Beginn der nächsten Amtsperiode werden sie Aufsichtsrätin der Raiffeisenbank Linz-Kleinmünchen sein.  Wie sehen Sie der Zukunft entgegen?

Ich werde auf jeden Fall alle Herausforderungen, die mir das Leben stellt, annehmen und bin auch froh über Ereignisse, die plötzlich auftauchen und mich aus meiner Komfortzone holen. Ich bin für alles offen.