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People | 02.10.2018

Diagnose Brustkrebs

Als Christina Grill vor zwei Jahren erfährt, dass sie Brustkrebs hat, ist ihre Tochter gerade einmal 13 Monate alt. Heute geht es der 34-jährigen Liedermacherin und Sängerin wieder gut. Mit dem Verein „Musik für Leben“ unterstützt sie Menschen mit einem ähnlichen Schicksal.

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(© Mara Pilz, privat)

Christina Grill (mit Künstlernamen Bruckner) ist eine absolute Powerfrau. Als Visagistin war sie jahrelang selbstständige Unternehmerin – sehr ehrgeizig und  zielorientiert. Die Geburt ihrer Tochter sollte eigentlich das schönste Erlebnis sein, doch sie konnte diese aufgrund des beruflichen Drucks anfangs gar nicht so genießen, wie sie das wollte. Deshalb legte sie ihre Selbstständigkeit auf Eis. Eines Tages spürt sie einen Knoten in der Brust. Was sie aufgrund des Abstillens für einen Milchstau hält, stellt sich Wochen später als Brustkrebs heraus. Drei Operationen, sechs Chemotherapien und 33 Bestrahlungen folgen. Wochenlang lebt Christina Grill in einem Albtraum, aus dem sie erst während ihres Reha-Aufenthaltes in St. Veit langsam wieder erwacht. Dort findet sie zu sich selbst und auch wieder zu ihrer großen Leidenschaft, der Musik. Inmitten der Berge schreibt sie nicht nur berührende Songs, sie hat auch die Idee, den Verein „Musik für Leben“ zu gründen, um damit anderen Betroffenen zu helfen. 

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Grill, im August 2016, ihre kleine Tochter war gerade einmal 13 Monate alt,  erhielten Sie die Diagnose Brustkrebs. Was ging Ihnen damals durch den Kopf?
Christina Grill: Als ich die Diagnose erhielt, dachte ich mir, da muss etwas vertauscht worden sein, das kann es nicht geben. Ich war im Schockzustand und fühlte eine irrsinnige Leere. 

Wie haben Sie gemerkt, dass etwas nicht stimmt?
Ich habe meine Tochter fast zehn Monate lang gestillt, als sie plötzlich nicht mehr von der Brust trinken wollte. Bereits während dem Abstillen verspürte ich einen Knoten in der Brust, dachte allerdings, dass es sich um einen Milchstau handeln würde. Da der Knoten nicht wegging, suchte ich meinen Frauenarzt auf, und der schickte mich zum Radiologen. Dort wurde ein gutartiger Tumor, auch Fibroadenom, festgestellt. Um auf Nummer sicher zu gehen, schickte mich der Radiologe zur Untersuchung ins Krankenhaus. Obwohl dort die Diagnose – gutartiger Tumor – bestätigt wurde, hatte ich ständig das Gefühl, dass etwas nicht passt. Schließlich habe ich darauf bestanden, eine Mammografie zu machen. Auch dabei kam heraus, dass der Knoten nicht bösartig ist. Das war im Frühling 2016. Dennoch habe ich mich entschlossen, den Knoten nach dem Sommer entfernen zu lassen. Im August spürte ich allerdings, dass er größer geworden war. Ich habe sofort das Krankenhaus kontaktiert, wo man festgestellt hat, dass der Tumor innerhalb von zwei Monaten doppelt so groß geworden war. Die Ärzte entschlossen sich, den Knoten so schnell wie möglich zu entfernen. Damals war ich noch guter Dinge, da man meinte, dass er zu 99,5 Prozent harmlos sei. 

 

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„Lebe den Moment“ lautet seit ihrer Brustkrebserkrankung Christinas Devise. Viel Kraft und Inspiration holt sich die 34-Jährige aus der Natur, bei ihrer Tochter und der engsten Familie. (© Mara Pilz, privat)

Wann haben Sie dann definitiv erfahren, dass Sie Brustkrebs haben?
Drei Stunden nach der Operation bei der Visite. Ich habe die behandelnde Ärztin angeschaut und sofort gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Als sie mir mitgeteilt hat, dass ich Brustkrebs habe und eine Chemotherapie brauche, hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Das Erste, was mir in den Sinn kam, war, ob ich meine Tochter noch aufwachsen sehen werde. Ich habe zwei Tage lang nur geweint, es war ein Gefühl, als würde man jemanden verlieren. Und ja, in so einer Situation verliert man sich irgendwie selbst. 

Ihre Brust konnte erhalten werden?
Ja, das war ein Riesenglück. Während der Operation wurde der Wächterlymphknoten entfernt und alles,
was krebsig war, ausgeschabt. Danach folgten Chemotherapien und Bestrahlungen. 

Insgesamt hatten Sie drei Operationen, sechs Chemotherapien und 33 Bestrahlungen. Wie geht es Ihnen heute. Gelten Sie als geheilt?
Erst, wenn man fünf Jahre lang krebsfrei ist, gilt man als geheilt. Seit meiner letzten Chemo sind jetzt eineinhalb Jahre vergangen und es geht mir wieder gut. Man lernt, damit zu leben. Wenn ich allerdings zu Kontrolluntersuchungen muss, kommt schon wieder vieles hoch. Die Angst zieht einen dann momentan wieder runter. 

Hatte schon jemand innerhalb Ihrer Familie Brustkrebs?
Nein.

Was hat Ihnen in dieser schwierigen Zeit am meisten geholfen?
Nach der niederschmetternden Dia­gnose habe ich mich eingehend mit dem Thema Krebs auseinandergesetzt. Ich habe mich informiert und alle möglichen Bekannten angerufen, von denen ich wusste, dass sie im Gesundheitsbereich tätig sind. Im Prinzip habe ich durch die schwere Krankheit zu mir selber gefunden und mich ganz intensiv mit mir selber auseinandergesetzt. Es ist ganz wichtig, dass jeder Krebspatient in sich hineinhorcht und herausfindet, was ihm guttut. Begleitend zur Schulmedizin habe ich auf Komplementär- und Alternativmedizin gesetzt. So habe ich zum Beispiel während der Chemo Vitamin C-Infusionen und Fiebertherapien gemacht, um das Immunsystem zu stärken. Auch energetische Behandlungen haben mir sehr geholfen. Und ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt und mit dem Reiten begonnen. Es war ganz wichtig für mich, etwas zu finden, das mich wieder ins Leben holt. 

Dabei hat auch die Musik eine große Rolle gespielt ...
Ja, genau. Ich war schon als Kind extrem musikbegeistert, die Musik hat mich eigentlich nie richtig losgelassen. Ich ging acht Jahre lang ins Ballett, tanzte mich durch Jazz und Pop – und ich sang einfach gerne. Nachdem ich professionellen Gesangsunterricht genommen hatte, ging ich im Jahr 2010 bei der Österreichischen Karaoke-Staatsmeisterschaft an den Start. Ich habe gewonnen und unser Land bei der Karaoke-WM in Moskau vertreten. Danach habe ich bei verschiedenen Bands gesungen und unter dem Namen „Reine Gefühlssoch“ meine eigene Band gegründet. 

Auf Ihrer Reha in St. Veit im Mai 2017 hatten Sie die Idee, den Verein „Musik für Leben“ zu gründen. Wie ist es dazu gekommen?
Ich habe damals nicht vorgehabt, etwas Neues zu machen, weil ich eigentlich zur Ruhe kommen wollte. Die Reha hat mir sehr gutgetan, auch meine kleine Tochter konnte zum Glück tageweise bei mir bleiben. In den Bergen und in der Natur spürte ich wieder Leben in mir. Damals habe ich auch meinen Song „Drah di aussa“ geschrieben. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken, und es wurde immer klarer, dass ich etwas mit Musik und Gesundheit machen möchte. Ich wollte etwas von dem, was mir geholfen hat, weitergeben. Dann ist alles blitzschnell gegangen. Der Name „Musik für Leben“ war plötzlich da und ich habe ein Konzept erstellt. So ist unser Verein entstanden. 

 

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Ihre Songs schreibt Christina am liebsten inmitten der Natur in ihrem goldenen Songbook nieder. Die Feder hat sie als Symbol für die Leichtigkeit des Lebens von einer Freundin bekommen. (© Mara Pilz, privat)

Den Verein „Musik für Leben“ gibt es nun über ein Jahr. Was ist seither alles passiert?
Mittlerweile besteht der Verein aus 29 Mitgliedern und einigen ganz tollen Partnern aus dem Gesundheitsbereich. Wir sehen uns als Anlaufstelle für Betroffene, Interessierte und Unterstützer. Drei-  bis viermal im Jahr veranstalten wir ein Benefizkonzert. Mit den Spendengeldern unterstützen wir Betroffene bei Genesungstherapien, die nicht von der Kasse gezahlt werden. Ganz aktuell haben wir einen neunjährigen Buben mit Gehirntumor unterstützt. Er hat in Deutschland Therapien in Anspruch genommen, die es bei uns noch nicht gibt. Wir sind immer noch auf der Suche nach Mitgliedern und Partnern, die uns unterstützen, vor allem jemanden fürs Marketing und die Betreuung unserer Webseite. 

Welche Visionen verfolgen Sie mit „Musik für Leben“? Wohin soll die Reise gehen?
Ich möchte unter dem Motto „Musik für Leben“ große und auch nicht bandgebundene Veranstaltungen machen. Jeder Musiker, jede Musikerin ist herzlich eingeladen, mitzumachen.  Ich habe große Visionen, vielleicht geht es ja mal in Richtung Life-Ball. (lacht) Im Moment sind wir noch klein, aber es entstehen bereits tolle Kooperationen, Betroffene melden sich und viel passiert durch Mundpropaganda.  

Von heute auf morgen waren Sie mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert. Sie haben sehr schwierige Zeiten durchgemacht. Was hat sich seither für Sie persönlich verändert?
Ich bin viel gelassener geworden und habe gelernt, im Hier und Jetzt zu leben. Man muss die Vergangenheit hinter sich lassen und darf sich nicht zu viele Sorgen über die Zukunft machen. Denn die Angst ist der schlimmste Tod für das Leben im Hier und Jetzt. „Lebe den Moment“ lautet mein Motto. 

Erlauben Sie mir trotzdem einen Blick in die Zukunft. Wie geht es musikalisch und beruflich weiter?
Für nächstes Jahr ist ein Album geplant, nach und nach werde ich meine Singles veröffentlichen. Außerdem veranstalten wir am 26. Jänner 2019 in der Nähe von München ein großes Charity-Event mit der Lebenskonzepte Budjarek GmbH, die Menschen in schweren Lebenssituationen unterstützt. Seit April arbeite ich in der Atrium Apotheke in Schwanenstadt. Dort kann ich meine Visagistik ausüben und Schmink-Workshops anbieten. Die Arbeit mit Menschen gefällt mir total gut. In Sachen Musik werde ich abwarten, was sich ergibt. Das Ganze soll ohne Druck ablaufen, es soll mir einfach Spaß machen. Mal schauen, was entsteht. 

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Nach der schweren Erkrankung haben Christina und Michael Grill am 28. Juli geheiratet. Als Künstlerin tritt sie unter ihrem Mädchennamen Bruckner auf. (© Zopf Photography)