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People | 12.04.2016

Der Super-Springer

Nachdem die Vorbereitung nicht nach Wunsch verlaufen ist, hat sich der Oberösterreicher Michael Hayböck (25) umso mehr gefreut, die Saison als bester österreichischer Skispringer zu beenden. Wir haben ihn zum großen Interview gebeten – über Wünsche, Angst und darüber, was ein Skispringer im Sommer macht.

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© Tadeusz Mieczynski/EXPA/picturedesk.com

Sie beenden die heurige Saison als bester österreichischer Skispringer. Hätten Sie damit beim ersten Springen in Klingenthal im November gerechnet? 

Nein, ehrlich gesagt nicht. Bei mir ist der Sommer leider gar nicht nach Wunsch verlaufen, deshalb war für mich das große Ziel, mich wieder ganz nach vorne zu arbeiten. Außerdem sind Stefan Kraft und Gregor Schlierenzauer im Herbst doch einiges besser und konstanter gewesen als ich. 

 

Dann sind Sie mit dieser Saison wohl sehr zufrieden? 

Mehr als zufrieden. Wie vorher schon erwähnt, war ich mir vor dem Winter nicht ganz sicher, wo ich landen werde. Deshalb ist es umso cooler, dass ich jetzt so eine geniale Saison hingelegt und es auch wieder geschafft habe, alle meine Ziele zu erreichen. Dafür bin ich sehr dankbar.

 

Sie sind im Dezember und Jänner einige Male auf dem Stockerl gelandet, aber erst im Februar ganz oben. Und dann gleich dreimal hintereinander. Was war das für ein Gefühl für Sie? 

Natürlich ein geniales Gefühl! Dass ich schon einige Male Zweiter geworden bin und nicht ganz oben stehen konnte, hat mich eigentlich gar nicht gestört. Und dass mir die Schanzen in Finnland ganz gut liegen und ich dort auch sehr gern hinfahre, habe ich natürlich schon gewusst. Aber mit drei Siegen in Folge habe ich – ehrlich gesagt – nicht gerechnet! 

 

Als Kind waren Sie begeisterter Fußballer. Wie sind Sie dann zum Skispringen gekommen? 

Das stimmt. Bis ich mit 14 Jahren nach Stams ins Skigymnasium gegangen bin, habe ich auch parallel zum Skispringen noch Fußball gespielt – und ich spiele nach wie vor sehr, sehr gerne. Wobei mein Bruder Stefan und ich immer schon große Fans von Andi Goldberger waren. Als Stefan dann herausgefunden hat, dass es in Hinzenbach bei Eferding eine Sprungschanze und einen Verein dazu gibt, ist eines zum anderen gekommen. 

 

Was ist für Sie das Faszinierende an dieser Sportart? 

Faszinierend für mich ist das geniale Gefühl, wenn ein Sprung richtig gut ist und man dann den mehrere Sekunden andauernden Flug richtig genießen kann. Dieses Gefühl kann man wirklich nur erleben, wenn man den Sport professionell ausübt. Auch das finde ich sehr besonders.

Hatten Sie jemals Angst bei einem Springen? Etwa weil Ihnen die Schanze nicht so liegt oder die Windverhältnisse nicht optimal waren ... 

Nein, wirklich Angst hatte ich noch nie. Wenn ich das jemals gehabt hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht so weit gekommen. Aber hin und wieder kann es schon vorkommen, dass die Anspannung etwas größer ist oder man einfach etwas mehr Respekt hat. Grund dafür kann der wechselnde Wind sein oder einfach, wenn man auf eine neue Schanze kommt, die man noch nicht kennt. 

 

Lukas Müller ist in diesem Winter sehr schwer gestürzt. Sind das Momente, in denen Sie vielleicht auch mal zweifeln? 

Der Sturz von Luki hat mich schon sehr geschockt. Vor allem, weil ich Luki sehr gut kenne, wir einige Erfolge gemeinsam gefeiert haben und bis heuer zusammen in Rif bei Salzburg trainiert haben. Aber zum Zweifeln bringt mich das nicht, mehr dazu, zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Deshalb bin ich umso dankbarer, bis jetzt von Verletzungen verschont worden zu sein. 

 

Die Saison ist für Sie gerade zu Ende gegangen. Was macht ein Profi-Skispringer eigentlich im Sommer? 

Direkt nach der Saison sind schon einmal ein paar Tage – bei mir sind es zwei Wochen –, an denen es kein Training gibt. Über den Sommer wird dann wieder hart trainiert und es werden die Weichen für die neue Saison gestellt. Aber man ist selbstverständlich mehr zu Hause als im Winter. Ich genieße die Zeit mit meiner Familie und meiner Freundin, spiele sehr gern Golf und seit 2013 habe ich den Privatpilotenschein, den ich hin und wieder ausnütze, um eine Runde zu drehen. 

 

Sie haben Anfang März Ihren 25. Geburtstag gefeiert. Was wünschen Sie sich für Ihr neues Lebensjahr? 

Ich bin sehr froh darüber, wie es mir im Moment geht, und wünsche mir daher nichts mehr, als gesund zu bleiben, denn dann werde ich sicher noch viel Spaß mit dem Skispringen haben. 

 

Was machen Sie gern, wenn Sie nicht gerade die Skier angeschnallt haben? Wobei können Sie gut Kraft tanken? 

Zu Hause. Ich bin sonst so viel unterwegs, daher sind die Zeit daheim und die leckeren Essen meiner Mama immer perfekt, um wieder Kraft zu tanken (lacht).

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Michael Hayböck mit seinem Zimmerkollegen Stefan Kraft (© Tadeusz Mieczynski/EXPA/picturedesk.com)