Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 18.02.2021

Der Stadionbauer

Harald Fux ist Architekt und verwirklicht ein Projekt, um das ihn viele beneiden werden: Nach seinen Plänen wird das neue LASK Stadion gebaut.

Bild 03_RAIFFEISEN ARENA_TRIBÜNE.jpg

"Die  traditionsreiche Gugl anzugreifen, war auch für mich bewegend. Das macht man nicht einfach so nebenbei", sagt Harald Fux während unserem Interview, zu dem wir ihn Anfang Jänner via Skype getroffen haben. Der gebürtige Freistädter ist 49 Jahre alt, Architekt in Wien und hat ein Projekt für sich entschieden, das wohl viele Architekten gern realisiert hätten. Er durfte das neue LASK-Stadion auf der Linzer Gugl planen.

Sie sind der Architekt des neuen LASK-Stadions. Was bedeutet dieses Projekt für Sie?

Es bedeutet mir wirklich viel! Vor Kurzem hat mir ein Kindergartenfreund auf Facebook geschrieben, dass er es interessant findet, dass ein Mühlviertler das neue Linzer Wahrzeichen baut (lacht). Darüber hätte man im Kindergarten gelacht, aber wenn man sich das so auf der Zunge zergehen lässt, ist es natürlich schon ein bisschen so.

Die Linzer Gugl ist noch dazu sehr traditionsreich. So etwas „anzugreifen“ ist eine besondere Herausforderung, oder?

Natürlich, das ist auch für mich bewegend. Das macht man nicht einfach so nebenbei. Es waren sehr intensive Phasen des Nachdenkens, wie man mit diesem historischen Ort umgehen soll. Die Gugl ist als ehemaliges Leichtathletik-Stadion über die Jahrzehnte gewachsen. Es war eine Ziegelgrube wie so viele Stadien, weil dort ebene Flächen übriggeblieben sind. Immer hat eines das andere ergeben und daraus ist die traditionsreiche Gugl entstanden. Das jetzt anzugreifen, dazu die Frage, ob man sie überhaupt angreifen oder vielleicht sogar abreißen muss – das hat heißes und intensives Nachdenken erfordert. Wir haben uns auch eine Zeit lang damit beschäftigt, ob man die Substanz und die bestehenden Tribünen belassen könnte. Im Zuge des Wettbewerbs war das ja offen. Wir haben dann aber gesehen, dass wir das nicht schaffen werden. Darum haben wir uns entschieden, ein vollumfänglich modernes Stadion zu machen, das auch den maximalen Abstand aus Respekt zu den Nachbarn bietet. Es ist ein tolles Gefühl, aber man muss sich natürlich auch der Verantwortung bewusst sein.

Wie haben Sie diesen Abstand zu den Anrainern geschafft?

Wir rücken leicht aus der Achse. Damit erreichen wir eine leichte Verschiebung, wir haben das vor Ort gesehen. Das Stadion rückt so unfassbar weit weg von den Anrainern. Dort, wo jetzt der Rasen war, kommt bei uns zum Beispiel eine Außenkante hin. Das war auch für die Nachbarn ein Aha-Erlebnis. Sie wohnen zum Teil schon 50 Jahre neben dem Stadion und uns war wichtig, sie im Boot zu haben. Wir konnten nachweisen, dass sich die Situation für sie durch den Neubau massiv verbessern wird. Vielleicht war das die Königsidee, mit der wir überzeugen konnten. 

Bild 01_RAIFFEISEN ARENA_VORPLATZ AXO.jpg
Harald Fux wollte beim neuen LASK-Stadion nicht die x-te Donut-Form bauen. Darum bekommt es eine völlig eigenständige und unverwechselbare Form

War der Standort mitten in der Stadt mitsamt den Anrainern auch die größte Herausforderung bei der Planung?

Durchaus, aber wir haben eine Möglichkeit gefunden, die Abstände zu maximieren. Außerdem haben wir ein geschlossenes Teil entworfen. Das heißt, wir erreichen die Geschlossenheit eines modernen Stadions. Weil natürlich jeder will, dass der Lärm und das Licht drinnenbleiben. Dort soll es Stimmung machen. Die Konzeption ist so, dass wir die Lichtemissionen um 95 Prozent reduzieren. Diese hohen Masten, wie man sie oft aus Stadien kennt, gibt es nicht mehr. Beim Lärm erreichen wir diesen hohen Wert klarerweise nicht, weil dabei auch der Zugang bzw. Abgang der Zuschauer mitsimuliert wird. Aber auch da wissen wir, dass es viel besser für die Anrainer wird.

Was ist aus architektonischer Sicht das Besondere am neuen Stadion?

Ich bin nicht extrem eitel, aber ich denke schon, dass wir eine eigenständige, neue Form für das Stadion entwickelt haben. Ich habe schon viele Stadien bauen dürfen – darunter Innsbruck, Salzburg und Klagenfurt. St. Pölten habe ich beraten. Wenn ich über Österreich fliege, kenne ich alle Stadien (lacht). Jedes ist so gebaut, dass man es sofort erkennen kann. Und auch für Linz war für mich klar, dass man es aus der Luft eindeutig erkennen muss. Eine unverwechselbare Form war für mich Grundvoraussetzung. Darum haben wir eine eigene, sehr weiche Form entwickelt. Hell und wie ein geschliffener Diamant, bewusst nicht eckig oder grob. Wir haben uns auch ganz bewusst gegen diese Donut-Form entschieden, die es ohnehin schon so oft gibt. Wir wollten eine eigenständige Form kreieren und das hat es letztendlich auch gebracht, denke ich. Wir wissen relativ gut, wie ein Stadion funktioniert, darum hatten wir die Zeit, uns ausgiebig mit der Form auseinanderzusetzen. Im Süden ist es höher und dort, wo wir die Fläche brauchen, wird es höher und breiter. Dort, wo wir das Volumen nicht brauchen und zu den Nachbarn kommen, duckt es sich auf das unbedingt Notwendige. Das war eine Idee, die zugegebenermaßen gut aufgegangen ist. Die Form und die Außenhülle sind also sicher der USP.

Was macht die Außenhülle so speziell?

Die Hülle ist sehr eigenständig und im Umkreis so noch nicht vorhanden. Das war mir wichtig. Stadion-Architektur muss auch ein bisschen modisch sein. Darum haben wir uns für diese Lamellenstruktur entschieden, die auch den LASK-Nadelstreif wieder aufgreift. Das war eine gute Fügung, weil es perfekt zum Logo passt. Ich wollte immer eine mög- lichst konsistente Form. Eine Form, die nach außen wenig Brüche hat. Ohne brutale Stufen, möglichst weich und dezent. Das finde ich an manchen Stadien etwas plump, auch wenn es gut gemacht ist. Innen haben wir eine rundumgehende Promenade. Einfache Linien, wenig Brüche. Weil die Höhen gleich bleiben, wirkt alles sehr harmonisch und im Maßstab sehr menschlich. Es gibt keine gigantomanisch hohen Tribünen. Diese Extreme haben wir bewusst vermieden. Für die Linzer wird es ein geschlossener Kessel, wie sie ihn bis jetzt nie hatten.

Bild 151405Fux_Reportage030.JPG
Harald Fux führt gemeinsam mit seiner Frau ein Architekturbüro in Wien.

Für wann ist die Eröffnung aus heutiger Sicht geplant?

Das wird im Juli 2022 sein. Es sind 15 bis 16 Monate Bauzeit. Das ist natürlich sehr sportlich, aber wir wissen definitiv, dass es geht – auch wenn es ein Kraftakt werden wird. Allerdings kennen wir uns Oberösterreicher. Wir sind leistungsorientiert und die LASKler sind natürlich sehr dahinter, dass sich das ausgehen wird. Sie lassen zur Zeit nichts liegen, sind streng, aber zielgerichtet und somit extrem gut im Plan. Da steckt unheimlich viel Professionalität, aber auch Herzblut dahinter. Für den LASK wird es seine Heimstätte. Und bei dem, was der LASK an Leistung geliefert hat, hat er sich das Stadion mehr als verdient.

Als Architekt so vieler Stadien: Sind Sie selbst Sport- bzw. Fußballfan?

Ich bin totaler Stadien-Fußballfan. Die Veranstaltung als solche, das Zusammenkommen mit den Leuten, das war immer mein Antrieb. Selbst gut Fußball gespielt, habe ich aber nicht (lacht). Mein Vater war Biathlet, ich war auch immer eher Leistungs- und Ausdauersportler und nie ein Ballsportler. Aber ich habe wahnsinnige Freude an diesen Veranstaltungen. Das wird laut einer amerikanischen Studie übrigens auch die Zukunft sein. Immer mehr Menschen werden ins Stadion gehen, weil man dort ein gewisses soziales Umfeld hat, sich amüsieren und auch abreagieren kann. Darum haben wir auch das neue LASK-Stadion so geplant, dass dort künftig die ganze Familie hingehen und einen schönen Nachmittag oder Abend erleben kann.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie sich auf Sportarchitektur spezialisiert haben?

Es war ein Zufall. Ich habe nach meiner Diplomarbeit in einem Architekturbüro gearbeitet, das just zu diesem Zeitpunkt das Stadion in Innsbruck gewonnen hat. Sie haben mich mit dieser Aufgabe betraut, danach folgte die Planung des Salzburger Stadions. Im Anschluss daran habe ich in Kooperation mit dem ÖFB die Entwürfe für die Stadien-Erweiterungen für die Euro-Bewerbung gemacht. In dem Moment, in dem diese Projekte auf Schiene waren, habe ich mich selbstständig gemacht und bin von Klagenfurt geholt worden. Irgendwann habe ich begonnen, mich auch sehr stark mit Trendsportarten wie Bouldern und Sporthallen zu befassen. Wir haben uns also immer mit dem Bau von kleinen und großen Sportstätten befasst und uns weiterentwickelt, darum ist in diesem Bereich sehr viel Know-how bei uns da.

Sie sind gebürtiger Mühlviertler, leben und arbeiten aber schon viele Jahre in Wien. Was verbindet Sie noch mit Ihrer Heimat?

Meine Mutter wohnt mittlerweile in Gmunden, darum sind wir nicht mehr ganz so oft in Freistadt, wo ich aufgewachsen bin. Meine Frau und ich haben uns einen Zweitwohnsitz im Waldviertel gebaut. Das ist fast wie im Mühlviertel, aber wir sind halt viel schneller dort und ich liebe es! Ich bin aber nach wie vor sehr stark mit Oberösterreich verbunden, besonders mit meinen Freunden aus Freistadt. Ich bin auch wahnsinnig gern in Linz, weil ich diese Stadt einfach sehr mag. Wie sich Linz verändert hat, ist unglaublich. Ich habe den Anschluss an Linz und an die Menschen nie verloren. Und vielleicht war das auch etwas, das mir beim LASK- Stadion geholfen hat. Dieses Vertrauen, das man bei einem so großen Projekt braucht, das war sehr wichtig. Nachdem der LASK als Verein das Stadion selbst baut und nicht etwa das Land oder die Stadt Bauträger ist, muss das Vertrauen zum Planer umso höher sein. Da habe ich mir als Oberösterreicher vielleicht ein bisschen leichter getan. Ich merke, dass ich die Leute gut verstehe. Wir reden uns einfach leichter. Sonst wären wir vermutlich auch nicht so schnell mit diesem Projekt.

Bild 08_RAIFFEISEN ARENA_TUNNEL CLUB+LEUTE.jpg
Der Stadion-Besuch soll künftig ein Erlebnis für die ganze Familie werden.

Wann war für Sie klar, dass Sie Architekt werden wollen?

Das habe ich schon mit 18 Jahren gewusst. Aber ich glaube, damals war mir noch nicht klar, was die Arbeit des Architekten wirklich ist (lacht). Ich bin ganz früh neben dem Studium arbeiten gegangen. Dort habe ich schnell gesehen, dass das genau mein Job ist. Ich habe ja ein Gymnasium besucht und musste vieles aufholen, was andere zum Beispiel in der HTL schon gelernt haben. Teilweise wusste ich nicht, wie man ein Fenster zeichnet (lacht). Das räumliche Verständnis, das Gestalterische und das Gespür für Ästhetik waren zwar da, aber ich musste das Handwerk erst erlernen und viel nachholen. Ich hatte immer Glück mit meinen Jobs, weil ich schon als Student in großen, namhaften Büros gearbeitet habe. Dort habe ich sehr viel gelernt. Das war toll!

Sie führen Ihr Architekturbüro gemeinsam mit Ihrer Frau. Wie funktioniert das?

Ja, meine Frau ist für mich die beste Architektin. Sie ist auch Oberösterreicherin und war schon immer unheimlich zielstrebig. Sie wusste genau, was sie will. Das hat mich sehr fasziniert und beeindruckt. Das war auch ein Glücksfall für mich, weil wir uns gegenseitig immer fördern konnten. Irgendwann sind wir auch beruflich zusammengegangen und haben unser Architekturbüro „Raumkunst“ gegründet. Wir haben uns gemeinsam ein gutes Level erarbeitet. Das war harte Arbeit, aber immer lustvoll und mit viel Spaß verbunden, weil uns beiden die Architektur große Freude macht. Ich habe immer gesagt, dass ich damit aufhören würde, wenn es mir keinen Spaß mehr macht.

Aber wenn man sich das neue LASK- Stadion ansieht, scheint es Ihnen noch großen Spaß zu machen ...

Definitiv! Es taugt mir auch, wenn die Leute sagen, dass das jetzt das schönste Stadion in Österreich wird. Und das wird es definitiv (lacht).