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People | 22.11.2021

Der Kapitän und Ruhepol

Brian Lebler trägt bei den Black Wings die Rückennummer 7 und ist seit mehr als zehn Jahren der Superstar und Topscorer bei den Linzer Eishockeyspielern. Die aktuelle Saison verläuft enttäuschend, der 33-Jährige bleibt trotzdem optimistisch.

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© Thom Trauner

Wir treffen Brian Lebler nach dessen Vormittagstraining in der Umkleidekabine der Black Wings. Es ist eine Ehre für unsere Redakteurin, denn sie ist die erste Frau, die diese „heiligen“ Räume betreten darf. Es riecht nach Schweiß und Testosteron. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft ist gut, obwohl die Saison alles andere als nach Plan verläuft. Zu Redaktionsschluss ist es der vorletzte Platz in der Tabelle, 13 Niederlagen stehen nur vier Siege gegenüber.

 

Wie geht es Ihnen im Moment? Nach dem verpatzten Start in die neue Saison …

Brian Lebler: Es ist frustrierend! Wir haben den Sommer damit verbracht, zu trainieren und fit für die Saison zu werden. Außerdem sind einige neue Spieler zu uns gekommen – mit hohen Erwartungen. Und dann verläuft der Start so enttäuschend. Aber das ist im Sport so. Es kann immer alles passieren. Allerdings arbeiten wir jeden Tag daran, wieder an jenen Punkt zu kommen, wo wir das beste Team sind, das wir sein können. Im Moment sind wir noch nicht dort. Wir wissen das. Aber auch das gibt uns Kraft und Energie, um weiterzumachen. Wir haben ein gutes Führungsteam und wissen, wo wir hinwollen, und werden hart dafür arbeiten. Wir werden nicht zufrieden sein, bis wir dort sind.

 

Sie sagen, dass im Sport immer alles passieren kann. Wie schaffen Sie es, weiter an sich selbst zu glauben und motiviert zu bleiben?

Ich nehme das Gute aus jedem Spiel und das Schlechte – und daraus versuche ich zu lernen, zu verbessern und zu schauen, dass Fehler, die gemacht wurden, nicht mehr passieren. Man lernt immer aus beidem – dem, was gut gelaufen ist, das motiviert, und dem, was schlecht gelaufen ist. Man muss auch immer kritisch sich selbst gegenüber bleiben. Wenn wir Fehler machen, müssen wir dazu stehen – im Wissen, dass es im Moment noch nicht genug ist. Es kann jetzt nur besser werden!

 

Einige der Spiele sind nur knapp verloren gegangen …

Das stimmt, aber am Ende der Saison zu sagen, dass wir ein paar Spiele fast gewonnen haben und es damit in die Play-offs hätten schaffen können – so funktioniert es einfach nicht! Wir können uns nur das Positive aus diesen Spielen mitnehmen, in denen wir wirklich gut gespielt und dann unglücklich verloren haben. Am Ende des Tages geht es allerdings um Siege und Niederlagen. 

 

Kommt Ihnen als Kapitän eine besondere Rolle und Verantwortung zu, die Mannschaft zusammenzuhalten und weiter zu motivieren?

Ich bin kein großer Redner, ich gehe lieber selbst mit gutem Beispiel voran. Man kann viel reden, das Tun sagt für mich aber mehr als Worte. Ich versuche deshalb, jeden Tag hierherzukommen, hart zu arbeiten, die richtigen Dinge auch im Kleinen zu machen und in jedem Spiel mein Bestes zu geben. Aber es ist natürlich schwierig, wenn du der Anführer in einem Team bist – und dieses Team verliert. Im Moment müssen wir nicht sehr viel sagen … Shut the f*** up und machen wir unseren Job!

 

Es kann ja tatsächlich nur aufwärtsgehen …

Exakt! Es ist nichts Mysteriöses oder Kompliziertes, so ist das Spiel nun mal. Und um erfolgreich zu sein, muss man hart trainieren und an all den kleinen Dingen arbeiten, die vielleicht auch etwas unbequem sind, aber die es braucht, um zu gewinnen. 

 

Wie haben Sie die Zeit während der Pandemie erlebt? 

Für mich hat die Familie einen wesentlichen Part ausgemacht. Unsere Kinder sind sechs und acht Jahre alt und hatten Homeschooling. Das war schwierig und ein enormer Stress abseits vom Hockey, aber wir haben die gemeinsame Zeit während der vergangenen zwei Jahre auch sehr genossen. Auf der anderen Seite war es eine harte Zeit und ich habe schon damit gekämpft. Dabei hatten wir noch großes Glück, während viele andere wesentlich mehr zu kämpfen hatten und härtere Umstände als wir erlebten. Einfach auf das Eis zu gehen, um den Sport zu spielen, den du liebst, bietet wirklich eine großartige Flucht. Mit den Jungs zusammen zu sein, gemeinsam durch alle Höhen und Tiefen zu gehen, gemeinsam zu gewinnen, aber auch zu verlieren – das macht diesen Sport so großartig. Ich kann das gar nicht erklären, es ist fast wie eine Droge. Erfolgreich zu sein, Spiele zu gewinnen – das ist ein Gefühl, das mit keinem anderen zu vergleichen ist.

 

Was war für die Spieler bzw. die Mannschaft besonders schwierig? Die Spiele ohne Unterstützung der Fans absolvieren zu müssen?

Es nimmt einem Match einfach viel, wenn die Fans fehlen, weil sie die Halle richtig rocken. In Linz haben wir die besten Fans der ganzen Liga! Die Stimmung ist unfassbar. Uns Spielern gibt das zusätzlich Energie. Die Fans reagieren auf alle Hochs und Tiefs in einem Spiel, das spürt man und kann ein Spiel sogar mitbestimmen. Es war für uns alle das erste Mal, dass wir uns auf ein Spiel ohne Fans vorbereiten mussten. Die Vorbereitung ist natürlich die gleiche, aber da ist dieser wichtige Teil, der fehlt – die Fans mit all ihren Emotionen! Mal lieben sie dich, dann hassen sie dich, aber sie sind einfach immer da und Teil des Spiels. Letzte Saison habe ich deutlich gespürt, dass etwas fehlt, wenn die Fans nicht dabei sein können. 

 

Sie sind der einzige Spieler in Linz, der mit „Walking in a Lebler-Wonderland“ sogar einen eigenen Fan-Song hat …

(lacht) Ich wusste gar nicht, dass ich einen eigenen Song habe (Anm. d. Red.: Pressesprecher Christian Baumberger stimmt das Lied an, das die Fans immer dann singen, wenn Brian Lebler ein Tor geschossen hat). Ich habe bisher geglaubt, dass sie meinen Namen singen, aber den ganzen Song habe ich nicht verstanden. Das ist sehr cool! Hoffentlich können sie beim nächsten Spiel wieder singen ... 

 

Wollten Sie schon immer Profi-Eishockeyspieler werden? 

Absolut! Ich wurde sozusagen in eine Hockey-Familie geboren, mein Vater war auch schon Eishockey-Profi in Österreich. Ich bin auf der Eisbahn aufgewachsen und als wir nach Kanada zurückgegangen sind, habe ich weitergespielt – immer mit meinem Dad als Coach. Ich habe drei Brüder und alle spielen Hockey. Es ist Teil unseres Lebens und es war nie eine Frage, ob ich Eishockeyspieler werden würde. Die Möglichkeit, diesen Sport als Profi auszuüben, ist toll und nicht selbstverständlich für mich. Ich bin sehr dankbar dafür!

 

Sie haben zwei Kinder, eine Tochter und einen Sohn. Möchte eines der beiden in Ihre Fußstapfen treten?

Vor allem mein Sohn ist ganz sportfanatisch. Er liebt Fußball und Eishockey. Möglicherweise wird er sich mal zwischen diesen beiden Sportarten entscheiden müssen (lacht). 

 

 

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© Thom Trauner

Sie sind seit der Saison 2011/12 in Linz und haben heuer für weitere drei Jahre unterschrieben. Wie schwer ist Ihnen diese Entscheidung nach den Turbulenzen im Verein gefallen?

Es ist kein Geheimnis, dass es in den vergangenen drei Jahren Querelen gegeben hat. Aber Linz ist mein Zuhause, es ist mein Team, für das ich spiele, und hier möchte ich später mal in den „Ruhestand“ gehen. Natürlich war es schwierig, mitanzusehen, was passiert ist, aber am Ende des Tages könnte ich mir nicht vorstellen, nicht dabei zu sein, um diesen Platz wieder großartig zu machen und neu aufzubauen. Linz hat mir in den vergangenen zehn Jahren so viel gegeben, es wäre egoistisch für mich gewesen, ausgerechnet jetzt wegzugehen, wenn ich helfen kann. Außerdem ist Linz auch das Zuhause für meine Familie. Wir haben die Entscheidung natürlich daheim diskutiert und meine Frau hätte mich dabei unterstützt, wenn ich lieber gegangen wäre. Auf der anderen Seite haben auch unsere Kinder ihre Freunde hier, sie gehen hier in die Schule und wir haben natürlich hier auch unser Netzwerk, das uns unterstützt. Wir wären bereit gewesen, zu gehen, wenn es die richtige Entscheidung gewesen wäre. Für uns war es allerdings die richtige Entscheidung, in Linz zu bleiben. 

 

Was hat sich seit Corona für Sie verändert? Nimmt man das alles nicht mehr für selbstverständlich hin?

Definitiv! Vor Corona war Linz immer ein toller Platz, wo die Spieler spielen wollten. Wir hatten eine Gruppe von Kern-Sponsoren und Kern-Fans und einige haben wir verloren.  Groß oder Klein – wir spüren die Auswirkungen. Wir wissen, was diesen Sport für Sponsoren so attraktiv macht, aber auch wie viel es sowohl für die Spieler als auch für die Fans bedeutet. Wir wissen, was in der Vergangenheit passiert ist und dass wir das Vertrauen der Fans wiedergewinnen müssen. Wir müssen uns das Recht verdienen, zu sagen, dass wir zu den besten Teams zählen. Das wird uns nicht geschenkt. Ich jedenfalls fühle mich großartig, obwohl unser Start so enttäuschend verlaufen ist. Manchmal liege ich nachts wach, weil es nicht so läuft, wie wir uns das zu Beginn der Saison und während der Vorbereitung vorgenommen haben. Im Moment sind wir in einer schwierigen Phase und wir müssen für den Rest der Saison unseren Charakter zeigen. Ich hoffe, dass die Leute und unsere Community sehen, dass wir den Turnaround schaffen. Ich will nicht, dass die Leute zurückkommen, weil sie einfach zurückkommen. Ich will vielmehr, dass sie kommen, weil sie es wirklich wollen. Und weil sie sehen, dass wir es verdienen!

 

Sie sind seit April Präsident der Black Wings, Herr Nader. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?

Peter Nader (lacht): Tatsächlich ist es mehr Arbeit als erwartet, aber meine Bilanz ist sehr positiv – abgesehen natürlich von den sportlichen Leistungen im Moment. Wir bekommen von vielen Seiten gutes Feedback. Die Stadt Linz steht hinter uns, Sponsoren kommen zurück. Die Stimmung ist trotz der vielen Niederlagen sehr positiv. Es ist mir eine Ehre, diesen Verein führen zu dürfen. 

 

Die Wogen sind im Verein vor Ihrem Amtsantritt ja aus vielerlei Gründen hochgegangen. Würden Sie sagen, dass die Führungskrise endgültig ausgestanden ist?

Nader: Ja, diese Krise ist überstanden. Natürlich haben wir erst das Vertrauen in die Arbeit, die wir machen, schaffen müssen. Wir haben schon viele Gespräche geführt und sind nach wie vor dabei. Wir müssen zeigen, dass wir nachhaltig und ordentlich arbeiten. Wenn wir gut arbeiten, brauchen wir niemanden zu überzeugen – die Leute wollen den Sport und uns unterstützen. Wichtig ist es, den Sport wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Die Spieler sind das Kapital! Es gibt ein gutes Zusammenspiel aller Mitarbeiter, es ist wie in einer Familie. Wir wollen das Beste für die Spieler. Und mit den sportlichen Erfolgen werden wir auch die Fans wieder zurückgewinnen.

 

Die sportlichen Erfolge sind bisher leider noch ausgeblieben …

Gregor Baumgartner: Ja, es ist wirklich schon zäh für die Spieler und auch für uns, aber ich bin überzeugt davon, dass es wieder bergauf gehen wird. Ich kenne das Potenzial der Spieler und das wird sich zeigen! Langfristige Erfolge muss man sich erarbeiten. Außerdem waren einige sehr knappe Niederlagen dabei, wir hatten immer Chancen. Wir haben auf Augenhöhe gespielt, aber der Abschluss vor dem Tor war ineffizient. Mit Brian Lebler haben wir den Topscorer der Liga, es ist also nur eine Frage der Zeit. Und die Jungs wollen wirklich zeigen, dass sie besser sind.