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People | 11.11.2019

Der geile Scheiß vom Glücklichsein

Die Volksweisheit „Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied“ enthält eine elementare Wahrheit über das Glücklichsein. Was die Podcasterin und Autorin Andrea Weidlich zum Thema zu sagen hat, erfahren Sie in ihrem neuen Buch – und im Gespräch mit der OBERÖSTERREICHERIN.

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Autorin und Podcasterin Andrea Weidlich (© www.guschbaby.com)

Ihr Podcast „gusch, baby“, den sie gemeinsam mit ihrer Cousine Anna Maria Rubas seit Februar 2018 betreibt, zählt zu den beliebtesten Pod­casts auf Spotify und iTunes. Thema des Podcasts: das Glück und wie man es findet. Nun hat Andrea Weidlich ein Buch darüber geschrieben: „Der geile Scheiß vom Glücklichsein“, in dem sie unter anderem verrät, wie man das „Brave-Mädchen-Syndrom“ hinter sich lässt, warum man aus dem „Opferland“ schnellstens emigrieren sollte und wie man selektive Wahrnehmung dazu nutzen kann, sein Glück zu finden. Wir haben mit ihr über das neue Buch gesprochen.

 

Frau Weidlich, war es immer schon Ihr Ziel, einmal ein Buch zu schreiben? Sie sagen ja über sich selbst, dass Sie das Schreiben lieben.

Andrea Weidlich: Ja, das ist tatsächlich so. Seit ich denken kann, schreibe ich. Genauer genommen: Seit ich schreiben kann, schreibe ich. Schon als Kind saß ich stundenlang da und habe geschrieben. Nur für mich. Es gab kein Ziel, keinen Anfang und kein Ende. Wenn ich schrieb, war ich glücklich. Und so ist es immer noch. Es zeigt, dass es Sinn macht, dem inneren Motor und Gefühl zu folgen. Ich habe dafür sogar irgendwann meinen Job gekündigt, um das zu tun, was mich richtig erfüllt.

Immer wenn wir etwas tun, was uns wirklich erfüllt, ist die Chance groß, dass wir andere damit berühren und daran erinnern, dass es möglich ist, einen anderen Weg zu wählen: einen, der uns glücklich macht. Man muss dafür nicht immer seinen Beruf wechseln. Es kann auch ein Hobby sein, ein Kurs, den wir belegen oder endlich mit etwas zu beginnen, was wir immer schon mal tun wollten. Wichtig ist, dass wir es tun.

 

Warum haben Sie sich gerade dem Thema „Glück“ verschrieben – im Podcast „gusch, baby“ und im neuen Buch?

„In einer Welt, in der wir alles sein können, sollten wir vor allem glücklich sein.“ Es hat mich immer schon inte­ressiert, was uns inspiriert, begeistert und von innen erfüllt. Ich habe Menschen beobachtet, die ihr Glück selbst in die Hand genommen haben, an sich und ihre Träume geglaubt haben und so mutig waren, dafür einzustehen. Irgendwann war ich selbst dieser Mensch, und es hat mein Leben verändert. Es geht nicht um die großen Schritte, sondern um die kleinen. Jeden Tag.

 

Euch (im Podcast) und Ihnen (im Buch) geht es darum, das Glück zu finden, ohne danach zu suchen. Wie darf man das verstehen? Das Buch ist also kein weiterer Ratgeber zum Glücklichsein?

Nein, es soll bewusst kein Ratgeber mit erhobenem Zeigefinger sein, der sagt, wie es richtig ist. Es geht vielmehr darum, seinen eigenen Weg darin zu entdecken und all die Möglichkeiten, die sich auftun, wenn wir aufhören, uns selbst im Weg zu stehen. Das beinhaltet, die Suche aufzugeben. Wir Menschen sind so oft auf der Suche und verpassen dabei all das, was gerade passiert. In meinem Buch geht es um das Finden, deshalb auch der Untertitel: Wie man das Glück nicht sucht und trotzdem findet.

Ich zeige mich im Buch bewusst sehr ehrlich und „nackt“, was meine Erfahrungen im Leben und die Entwicklung am Weg anbelangt. Umso mehr berührt es mich, dass täglich so viele Leserinnen und Leser schreiben, wie sehr sie die Geschichten bewegen und was sie in ihnen bewirken.

 

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Andrea Weidlich betreibt mit ihrer Cousine Anna Maria Rubas den Podcast „gusch, baby“ (© www.guschbaby.com)

Schaut man sich viele junge Leute an, so hat man das Gefühl, sie leben vor allem auf und für Instagram: in dieser heilen, perfekten (Schein-)Welt der Filter und Künstlichkeit, einem parallelen Universum, in dem alle schön, makellos – und glücklich sind. Doch der Schein trügt. Man würde meinen, das Glück sollte man im echten Leben finden. Wie sehen Sie das?

Genau das war der Anlass, warum wir den Podcast „gusch, baby“ gestartet haben und auch, warum ich das Buch geschrieben habe. In einer Welt, die sich durch so viele Filter präsentiert, wollte ich mit dem Buch daran erinnern, dass das Leben aus Licht und Schatten besteht und wir genau da, mitten im Alltag, mit all unseren großen und kleinen Problemen unser Glück finden können. Es ist schon ein großer Druck, die perfekte Version seiner selbst zu sein. Also hören wir doch damit auf. Die Welt ist nicht perfekt, also müssen wir es auch nicht sein. Das Buch ist eine Liebeserklärung an das echte Leben.

 

Die Philosophie beschäftigt sich seit ihren Anfängen mit dem Thema Glück.  „Glück“ ist ein abstrakter Begriff, ambivalent und nicht objektiv zu definieren. Gibt es nicht genauso viele Definitionen von „Glück“, wie es Menschen gibt?

Ich denke: ja. Glück ist etwas Subjektives. Es lässt sich nicht angreifen, oder festhalten. Wir können es nicht ablichten oder konservieren. Es ist ein Gefühl, und es ist möglich, es wieder zu entdecken. Wir können uns sogar aktiv dafür entscheiden. Wir sehen die Welt nicht, wie sie ist, sondern wie wir sind. Durch selektive Wahrnehmung können wir unsere Sichtweise aber auch ändern und haben unser Glück weitgehend selbst in der Hand. Glücklichsein ist eine Entscheidung, die wir jeden Tag treffen können, und dazu gibt es ein paar Möglichkeiten und Wege, die ich im Buch beschreibe.

 

Woran merkt man, dass man glücklich ist – oder unglücklich?

Am Gefühl. Wenn wir mit uns und der Welt im Reinen sind, dann fühlt sich das gut an. Dafür müssen wir uns nicht auf die Suche machen. Das Glück ist bereits da und wir können es wieder in uns finden. Im Buch schreibe ich davon, dass es einfacher sein kann, unglücklich zu sein als glücklich. Wir Menschen beklagen uns gerne über dies und das, nicht selten über alles. So können wir uns beschweren, darin kennen wir uns aus und ziehen ein ins Opferland (ein Kapitel aus dem Buch). Ich beschreibe aber auch, wie wir den Weg da wieder herausfinden. 

 

An wen richtet sich Ihr Buch und was bezwecken Sie damit?

An alle Menschen. Frauen wie Männer. Eine Lehrerin hat letztens geschrieben, dass sie immer wieder da­raus in ihrer Schule vorliest, um ihren Schülerinnen und Schülern etwas mit auf den Weg zu geben. Das hat mich sehr berührt. Ich bekomme unglaublich viele schöne Nachrichten. Die jüngste Leserin, von der ich weiß, ist 13 Jahre alt, der älteste Leser 83. Sie beide haben sich in dem Buch wiedergefunden. Das Glück scheint kein Alter zu kennen und zeitlos zu sein. Täglich schreiben Menschen, dass sie das Buch inspiriert, zum Lachen bringt, zu Tränen rührt und sie begonnen haben, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. Das ist das größte Geschenk für mich. Genau dafür habe ich es geschrieben.

 

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BUCHTIPP: „Der geile Scheiß vom Glücklichsein“ von Andrea Weidlich; mvg Verlag, ISBN: 978-3-7474-0053-1, € 17,50