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People | 15.03.2022

Der Archivar

Erinnern Sie sich? Im März 2012 war der Archivar zum ersten Mal bei „Oberösterreich heute“ zu sehen. Dargestellt wird diese Figur, deren Markenzeichen der weiße Kittel ist, vom beliebten Moderator Otmar Schrott. Dass die Sendereihe ein dermaßen großer Erfolg und Fixbestandteil des Programmes werden würde, hat er sich damals nicht vorstellen können.

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Vom Suchen und Finden. Otmar Schrott verbringt viel Zeit im Archiv des ORF-Landesstudio Oberösterreich für seine Beiträge als Archivar. © ORF Oberösterreich

Von der Theaterbühne ins Sendestudio: Otmar Schrott war als Schauspieler in einer Kultursendung des ORF Oberösterreich zu Gast und wurde danach vom Fleck weg als Moderator engagiert. Das war vor 25 Jahren. Heute ist der 63-Jährige, der am Attersee lebt, sowohl regelmäßig im Radio zu hören als auch im Fernsehen zu sehen. Er leiht dem Archivar Gesicht und Stimme. Und die Zuschauer lieben ihn! Wir haben mit Schrott darüber gesprochen, was diese Figur so besonders macht und warum er seinen Job auch nach so vielen Jahren noch genauso liebt wie am ersten Tag. 

 

Sie sind der „Archivar“ des ORF Oberösterreich und regelmäßig Teil der Sendung „Oberösterreich heute“. Wie ist diese Beitragsreihe entstanden? War das Ihre Idee?

Nein, war es nicht (lächelt). Ich wurde vom damaligen Landesdirektor Kurt Rammerstorfer in dessen Büro gerufen und seit meiner Schulzeit habe kein gutes Gefühl, wenn ich zum Direktor „zitiert“ werde. Das ist immer noch mit Bauchweh verbunden (lacht). Er hat mir seine Idee des Archivars vorgestellt. Die einzigen Vorgaben waren, dass ich einen weißen Mantel tragen und einmal pro Woche einen Beitrag liefern müsse. Für diese Freiheiten und den Vertrauensvorschuss bin ich ihm heute noch dankbar. Damals bin ich ihm schon nach wenigen Sätzen ins Wort gefallen und habe gesagt: Ja, das mache! Das war vor mehr als zehn Jahren und keiner hätte wohl gedacht, dass sich der Archivar zu einem Fixbestandteil des Programmes entwickeln würde. 

Das ist er aber in der Tat geworden! Kinder sind ebenso Ihre Fans wie Senioren. Was macht für Sie diese Sendung so besonders?

Ich frage mich immer wieder, warum wir damit so viele Menschen ansprechen. Das ist wirklich erstaunlich. Es stimmt tatsächlich, dass es nicht ausschließlich ältere Menschen interessiert, sondern auch Kinder. Ich bekomme zum Beispiel auch Post und Zeichnungen von Volksschülern. Bei den Älteren ist es so, dass sie sich an viele Begebenheiten sogar noch erinnern können, weil sie sie in ihrer Kindheit oder Jugend selbst miterlebt haben. Für sie sind es Erinnerungen. Von den Jüngeren weiß ich, dass sie die Sendung oft mit Oma und Opa schauen und das, was wir zeigen, so etwas wie ein Film aus einer fernen Galaxie für sie ist. Sie sind vollkommen fasziniert, wie zum Beispiel Autos damals ausgesehen haben, welche Kleidung man getragen hat und dass es keine Handys, sondern Festnetztelefone gegeben hat.

Können Sie sich eigentlich noch an Ihren ersten Beitrag als Archivar erinnern?

(überlegt kurz) Die erste Sendung ist im März 2012 gelaufen und darin ist es um den Brand der Linzer Pöstling-
bergkirche gegangen, wenn ich mich richtig erinnere.

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Beiträge aus? Wann schafft es ein Beitrag in die Sendung?

Das Wichtigste ist für mich, gute Filme zu finden. Zum einen natürlich, was die Qualität von Bild und Ton betrifft. Auf der anderen Seite müssen die Beiträge etwas über die Zeit von damals erzählen, es muss eine gewisse Stimmung zu spüren sein. Man sollte die Zeit nachempfinden können. Darum suche ich wirklich intensiv. Außerdem versuche ich immer, die Jahreszeiten einfließen zu lassen und thematisch an aktuelle Themen anzudocken. Im Moment sind das zum Beispiel Fasching, Bälle und Skifahren. Wir haben aber auch schon aufgrund der aktuellen Diskussionen einen Beitrag über das Impfen gebracht. Was mir sehr leid tut, ist, dass es nichts über Telefonzellen im Archiv gibt. Ich würde so gern einen Beitrag über dieses Kulturgut bringen, aber leider waren sie in der Vergangenheit offenbar etwas so Selbstverständliches, dass es keine Filme dazu gibt.  

Gibt es ein Ereignis aus den unzähligen Beiträgen, das Ihnen persönlich besonders in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt viele Sachen, die mich beeindruckt haben. Ganz besonders hängen geblieben ist bei mir aber das historische Hochwasser im Jahr 1954. Die Aufnahmen von den Rettungsaktionen sind unglaublich. In Erinnerung geblieben sind mir auch Beiträge aus der Arbeitswelt von damals. Wenn ohne Helme, Schutzbekleidung und Sicherung, sondern mit nacktem Oberkörper gearbeitet wurde – da verwundert es nicht, dass es so viele Arbeitsunfälle gegeben hat.

Als Archivar stehen Sie im weißen Kittel in einem Archiv mit unzähligen Filmrollen und grünen Filmkassetten. Gibt es dieses Archiv im Landesstudio tatsächlich?

Ja, es ist das Originalarchiv im Landesstudio in Linz, das man in den Beiträgen sieht. Allerdings ist es seit einigen Jahren so, dass eine Digitalisierung stattfindet und das Archiv somit immer leerer wird. 

Sind diese Geschichten aus dem Archiv auch etwas, das Sie persönlich sehr interessiert?

Mittlerweile ja, aber das hat sich erst über die Jahre entwickelt. Am Beginn war es die Idee, die mir spontan so gut gefallen hat. Ich habe mich hineingearbeitet und jetzt begeistert es mich auch. Viele Menschen glauben ja tatsächlich, dass ich der ORF-Archivar sei. Darum bekomme ich auch immer wieder Anfragen, die Geschichten aus dem Archiv betreffen. Mittlerweile kenne ich mich schon sehr gut aus und kann durchaus mit Stolz sagen, dass ich sehr viel finde (schmunzelt). 

Sie waren als Schauspieler tätig, bevor Sie zum ORF Oberösterreich als Moderator gekommen sind. Was hat Sie zu diesem Wechsel veranlasst?

Ich habe am Linzer Landestheater in dem Stück „Talk Radio“ einen Radiomoderator gespielt, der Anrufe entgegennimmt. Aus diesem Grund wurde ich in meiner Funktion als Schauspieler in die Kultursendung von Regina Patsch eingeladen, wo ich – wie im Stück – Anrufe entgegennehmen sollte. Das haben wir dann eine halbe Stunde lang getan. Der damalige ORF-Landeschef Hannes Leopoldseder hat es gehört und wollte mich auf der Stelle als Moderator haben. Umgekehrt hatte ich genauso viel Spaß dabei und konnte mir sehr gut vorstellen, beim Radio zu arbeiten. So bin ich zum ORF Oberösterreich gekommen und ich bin auch nach so vielen Jahren noch leidenschaftlicher ORFler (lacht).

Genau genommen sind Sie seit 1997 beim ORF Oberösterreich. Was macht diesen Beruf auch nach so vielen Jahren noch spannend und interessant für Sie?

Es ist diese Eigenverantwortung, die mir immer noch so gut gefällt wie damals. Anders als beim Theater, wo der Regisseur über jeden deiner Schritte wacht, gibt es hier eine andere Freiheit. Ich habe das Glück, dass ich sowohl für Radio als auch Fernsehen arbeiten kann. Besonders gern mag ich die Sendung „Linzer Torte“, in der wir jeden Sonntag interessante Persönlichkeiten interviewen. Es ist ein Privileg, mit diesen Menschen so ausführlich sprechen zu können, die ich sonst nicht kennenlernen würde. Darum empfinde ich jedes dieser Gespräche als Geschenk – zumal ich ein unfassbar großes Interesse an Menschen und deren Leben habe.  

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Nur interessante Filme aus der Vergangenheit, in denen die damalige Zeit zu spüren ist, schaffen es in die Beiträge von Otmar Schrott. © ORF Oberösterreich
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Seit mittlerweile zehn Jahren leiht der 63-Jährige dem Archivar Gesicht und Stimme. © ORF Oberösterreich
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"Es gibt viele Sachen, die mich beeindruckt haben. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber das historische Hoch- wasser im Jahr 1954" - Otmar Schrott