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People | 08.10.2018

Das Baby hat laufen gelernt

Mit Runtastic ist Florian Gschwandtner (35) das Aushängeschild der jungen Start-up-Szene. Bevor er mit 1. Jänner 2019 den Chefsessel als CEO von Runtastic räumt, bringt er sein erstes Buch auf den Markt.

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Florian Gschwandtner (© Runtastic)

Wenn jemand weiß, wie Start-up läuft, dann ist das Florian Gschwandtner. Kein Wunder also, dass sein eben erschienenes Buch den Titel „So läuft Start-up“ trägt. Mit unbändigem Ehrgeiz, Mut, unkonventionellem Denken, smarter Studienwahl und einer feinen Nase fürs Geschäft und für digitale Trends schuf der gebürtige Niederösterreicher die Grundlagen seines späteren Erfolgs als Mitgründer von Runtastic. Im Talk verrät er sein Erfolgsgeheimnis, erklärt, warum Nerds die Rockstars unserer Zeit sind und was er sich während seiner Auszeit alles vorgenommen hat. 

 

Herr Gschwandtner, mit 1. Jänner 2019 treten Sie als CEO von Runtastic zurück. War dieser Schritt schwierig und haben Sie Angst davor, Ansehen zu verlieren?
Florian Gschwandtner: Nein, ich habe keine Angst, ich habe Respekt. Es ist eine große Veränderung für mich und wahrscheinlich auch für unser Team. Veränderung ist aber auch immer eine Chance, und ich hoffe, dass ich Mitte 2019 sagen kann, dass es eine sehr gute Entscheidung war. 

Was werden Sie in dieser Schaffenspause machen?
Wie ich auch im Buch beschrieben habe, hat das Baby das Laufen gelernt, und wir haben ein tolles Team aufgebaut. Ich wollte immer selbstständig sein, aber auch die Zeit haben, ein paar Dinge mehr, wie etwa Reisen, zu machen. Da ich das nicht ganz unter einen Hut bekommen habe, ist jetzt eine gute Zeit, um diese Dinge zu erledigen. Somit stehen ab Jänner vorerst einmal Pausieren, Reisen und ein paar andere verrückte Dinge am Programm. 

Sie haben Ihr Buch Ihrem Großvater Karl Freynschlag gewidmet. Warum war er immer ein Vorbild?
Es gibt sicher wenige Menschen, die im Leben so viel gearbeitet und so viel gegeben haben wie mein Großvater. Seine Hilfe, auch finanziell während Schule und Studium, war wirklich ein Game­Changer für mich. Er hat auch nie gejammert, und dafür schätze ich ihn heute noch. 

Ihr Buch heißt „So läuft Start-up – Mein Leben, meine Erfolgsgeheimnisse“. Was sind Ihre Erfolgsgeheimnisse?
Ein Unterkapitel im Buch heißt „Der härtere Weg“. Ich bin damals absichtlich oft den härteren Weg gegangen, weil ich mir dachte, dass mir dieser mittelfristig mehr bringt – und genau so war es. Der Benefit kommt nicht immer gleich zurück, aber er kommt zurück. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass jeder Mensch ein guter Verkäufer sein muss. Denn alles im Leben spielt quasi ein bisschen mit dem Verkaufen zusammen, egal, ob es eine Bewerbung ist oder ob man sein altes Smartphone verkaufen will. 

Das Kapitel Hagenberg im Buch trägt den Untertitel „Unter Nerds“. Waren Sie ein Nerd?
Ich würde meinen: Nein! Aber ich habe gelernt, die Sprache und den Mehrwert zu verstehen. Der Begriff „Nerd“ hat einen negativen Touch, das gefällt mir nicht. Es gibt viele coole Nerds – und hey, sie sind die Rockstars, ihre Software verändert jetzt gerade unser aller Leben. 

Das App-Business war bei der  Gründung von Runtastic vor zehn Jahren so gut wie inexistent. Im Buch schreiben Sie von vielen Absagen bei Krediten bzw. Menschen, die nicht an euch geglaubt haben. Wie schwierig war der Anfang?
Für mich und für uns war es okay. Wir haben gelernt, damit umzugehen, und jedes Nein war eine Motivation, es noch härter zu versuchen. Wenn A nicht funktioniert, dann probieren wir halt B, lautete unsere Devise. Ich kannte damals noch keine Phrasen wie „Fail-Fast“, aber intuitiv haben wir das wohl schon gemacht. 

Nicht einmal zwei Jahre nachdem das Berliner Verlagshaus Axel Springer bei euch eingestiegen ist, hat adidas für die 100 Prozent an Runtastic 220 Millionen Euro bezahlt. Wie geht es einem, wenn am Konto eine Überweisung über mehrere Millionen Euro eingeht?
Wir haben schon beim Axel Springer-Deal ganz gut verdient und bei adidas dann noch einmal ein bisschen. Natürlich erleichtert die finanzielle Unab­hängigkeit Dinge, und man muss sich über ein paar Sachen keine Gedanken mehr machen, ich bin aber jetzt gefühlt nicht mehr oder weniger glücklich als vor diesen Deals. Wir hatten im Start-up immer viel Spaß, auch in der Zeit, als es noch das Wurstweckerl vom Diskonter um die Ecke gab. So blöd es klingen mag, Gesundheit steht da viel weiter vorne, und darum investiert bitte in euren Körper, ihr habt nur einen. 

Gab es eine Situation, in der Sie an sich und Runtastic gezweifelt haben?
Ja, als es mich in einem Winter mit dem Rad „zerlegt“ hat, mein Auto Motorschaden hatte und ich kein Geld für einen neuen Motor hatte. Mehr dazu im
Buch – das war hart! 

Der wichtigste Tipp, den Sie Gründern auf ihren Weg mitgeben können? 
Das Wichtigste ist das Gründerteam. Die „Idee“ klingt zwar wichtig, das ist sie aber nur bedingt.