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People | 28.06.2016

Das Auge hört mit

Unser Auge ist sogar beim Musikhören das dominanteste Sinnesorgan. Wie wichtig die richtige Kleidung auf der Bühne ist, hat uns die international erfolgreiche Flötistin Johanna Dömötör bei einem Einkauf im Modehaus Kutsam erklärt.

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Johanna Dömötör in einem Kleid vom Modehaus Kutsam. (© Mathias Lauringer)

Sie ist nicht nur schön, sondern auch ausgesprochen intelligent und talentiert. Die Rede ist von Johanna Dömötör. Die mit vielen Preisen ausgezeichnete Flötistin spielte bereits unter Dirigenten wie Zubin Mehta, Daniel Barenboim und Kurt Masur. Mit nur 27 Jahren wurde die gebürtige Deutsche mit ungarischen Wurzeln im Jahr 2012 Professorin für Flöte an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz und sie ist auch heute noch die jüngste Flötenprofessorin im deutschsprachigen Raum. 

Beim Shooting mit der Oberösterreicherin spricht sie von ihrer Liebe zur Musik, der Leidenschaft fürs Unterrichten, und sie erklärt, wie wichtig die richtige Konzertkleidung für Musiker ist. Wir haben die fesche 30-jährige Professorin ins Modehaus Kutsam nach St. Valentin begleitet und ihr bei der Auswahl von Konzertkleidung über die Schultern geblickt. An der nagelneuen Bruckneruniversität am Fuße des Pöstlingbergs bewies die sympathische Flötistin absolute Modelqualitäten. 

 

Frau Dömötör, wie sind Sie zur Musik gekommen?

Musik liegt bei uns in der Familie. Bereits als Kind bin ich mit meinen zwei älteren Schwestern immer zum Flötenunterricht gegangen und war von diesem Instrument vollauf begeistert. Meine Eltern nahmen uns Kinder oft mit zu Konzerten. Einmal waren wir in Konstanz in einem Konzert und da hat mich die Flötistin Irena Grafenauer mit einem wunderschönen roten Kleid und ihrer gesamten Erscheinung total beeindruckt. Damals habe ich meinen Eltern mitgeteilt, dass ich unbedingt einmal Flöte spielen möchte.

 

Seit vier Jahren haben Sie eine Professur an der Anton Bruckneruni. Wie sind Sie zu diesem Job gekommen?

Ich hatte damals im Sinfonieorchester Basel eine Festanstellung als Soloflötistin und sah, dass die Professur für Linz ausgeschrieben war. Zu unterrichten war immer mein großer Traum, weil ich die Stärken und Schwächen von Studenten schnell erkennen kann und eine sehr motivierende Art zu unterrichten habe. Also habe ich mich in Linz beworben und habe die Stelle nach einem Hearing, Vorspielen und Probeunterrichten tatsächlich bekommen. 

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Im schwarzen langen Maxi-Kleid Modehaus Kutsam macht die Flötenprofessorin der Bruckner­uni eine gute Figur. (© Mathias Lauringer)

Damals waren Sie 27 Jahre alt ...

Ja, genau. Und ich glaube, ich bin sogar  heute noch die jüngste Flötenprofessorin im deutschsprachigen Raum (lacht). Es passiert mir immer wieder, dass Studenten vor mir stehen, die nur zwei Jahre jünger sind als ich, oder dass ich selbst für eine Studentin gehalten werde. Speziell am Anfang meiner Professur war ich mit dieser Situation ein bisschen überfordert und es hat eine Weile gedauert, bis ich in meine Rolle hineingewachsen bin. 

 

Ihre Eltern sind aus Ungarn, Sie sind in Deutschland aufgewachsen. Haben Sie Linz gekannt?

Ich kannte die Stadt Linz aufgrund ihrer Stellung als Kulturhauptstadt 2009 und auch über das Brucknerorchester. Ein lustiger Zufall war, dass Chefdirigent Dennis Russell Davis damals mein Chefdirigent in Basel war. 

 

Sie haben einen Sohn mit eineinhalb Jahren, unterrichten an der Bruckneruni und spielen nach wie vor Konzerte. Wie lässt sich das vereinbaren?

Spätestens mit Kind lernt man, sich sehr gut zu organisieren (lacht). Klar muss ich beruflich etwas kürzertreten und auch einige Konzerte absagen, aber der Kleine geht in die Krabbelstube in Linz und sein Papa, meine Eltern und die Babysitterin geben ihm auch eine liebevolle Betreuung. Das funktioniert alles sehr gut. Manchmal nehme ich ihn auch zu Konzerten mit. Ich kann aber nicht leugnen, dass ich hin und wieder mein Kräftelimit erreiche. Da ich aber gläubig bin, gilt für mich der Bibelvers: „Alles vermag ich durch den, der mich kräftigt, Christus“.

 

Welche Rolle spielt Mode bei Musikern, die auf der Bühne stehen?

Als Musiker sollte man sich nicht nur mit der Musik auseinandersetzen, man muss sich auch über das Äußere Gedanken machen. Wenn man bedenkt, dass die Konzertbesucher einen Musiker auf der Bühne ein ganzes Konzert lang ansehen, dann sollte man ihnen mit Wertschätzung gegenübertreten. Man ist es den Konzertbesuchern schuldig, ihnen etwas Schönes für Ohren und Augen zu bieten.  Nicht umsonst haben viele Studien der Performance-Forschung ergeben, dass unser Auge sogar beim Musikhören das dominanteste Sinnesorgan ist. 

 

Das heißt also, das Auge des Konzertbesuchers „hört“ mit?

Ja, genau. Daher ist es sehr wichtig, dass die Konzertrobe dem jeweiligen Anlass angemessen ist. Aber die Kleidung sollte nicht nur optisch entsprechen, sie sollte auch eine optimale Passform und Qualität haben, die den Bedingungen auf der Bühne (Auf- und Abgang, Bewegung des ganzen Körpers beim Spielen, Licht- und Temperaturverhältnisse, Aspiration des Musikers) entspricht. Man könnte das mit der Sportbekleidung bei Sportlern vergleichen.

 

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Im trendigen roten Kleid vom Modehaus Kutsam bekennt Johanna Farbe. (© Mathias Lauringer)

Welches Outfit zieht man als Musikerin für welches Konzert an?

Bei einem Gala-Abend trägt man zum Beispiel eine sehr schicke lange Robe. Für eine Vernissage oder eine Matinee in kleinerem Rahmen kann man auch ein elegantes Kleid oder einen Overall anziehen. 

 

Und beim Unterrichten?

Da kann man in jedem Fall auch legerer in Erscheinung treten, mit Jeans und Bluse. 

 

Worauf legen Sie beim Einkauf wert?

Ich persönlich lasse mich gerne von Fachleuten beraten und freue mich immer, etwas Neues auszuprobieren, was ein wenig vom Klischee der Musikerin auf der Bühne mit langem, einfarbigem Abendkleid abweicht. 

 

Ist Ihnen schon einmal bei einem Konzert in Sachen Kleid ein Fauxpas passiert?

Ja, ich habe mir für ein Konzert ein knielanges Kleid ein bisschen kürzen lassen. Dabei habe ich nicht bedacht, dass das Kleid durch die Bewegung der Arme beim Flötenspielen circa 20 Zentimeter nach oben rutscht. Fazit war, dass die Schneiderin noch mal alles auftrennen und ändern musste. 

 

Welchen Kleidungsstil bevorzugen Sie privat?

Privat bin ich leger-elegant gekleidet, diese Mischung gefällt mir sehr gut. Von den Farben her liebe ich Dunkelblau und Schwarz, ich versuche aber immer öfter, bunte Farben zu wählen. 

 

Stehen Sie bei Konzerten in High Heels auf der Bühne?

Ich finde Absätze bis zu zehn Zentimeter in Ordnung, da dies meiner Haltung und Atmung zugute kommt. Zu hoch geht natürlich nicht. 

 

Ihr wichtigster Tipp, den Sie Studenten auf die Bühne mitgeben?

Ich sage immer, ihr steht auf der Bühne, um andere Menschen mit eurer Musik zu erreichen, glücklich zu machen. Seid freundlich, positiv, kommuniziert mit dem Publikum und habt Freude an der Musik. Letztendlich ist das mehr wert als jedes Glitzerkleid.