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People | 22.12.2020

„Da steckt mein Herzblut drin“

Dort, wo einst in Mauthausen Tennis gespielt wurde, hat Dr. Leonhard Helbich-Poschacher vor 30 Jahren den Donaupark Mauthausen errichtet. Die Idee dazu hat er sich in einer „Mall“ in Amerika geholt. Wie sich das beliebte Einkaufszentrum entwickelt hat und weshalb das Konzept von damals aufgegangen ist, hat uns der visionäre Unternehmer im Interview verraten.

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©: Ulli Wright

Dr. Leonhard Helbich-Poschacher führt mich bei meinem Besuch persönlich durch den Donaupark und es ist ganz schön viel los an diesem Montagvormittag. Sieht er ein Papierstück am Boden liegen, bückt er sich, hebt es auf und wirft es in den Papierkorb. „Ich bin nicht pingelig, aber die Besucher sollen sich wohlfühlen bei uns und dazu gehört auch, dass es gepflegt ist. Aber mein Schwiegersohn, der die Centerleitung innehat, macht das mit seiner Mannschaft recht gut“, erzählt mir der Unternehmer. 1990 wurde der Donaupark mit 15 Geschäften eröffnet, heute bieten 59 Mieter mit ihren Geschäften einen optimalen Branchenmix und sorgen dafür, dass sich das charmante Einkaufszentrum als beliebter Treffpunkt für Jung und Alt etabliert hat. Waren es 1990 noch ca. 650.000 Kunden im Jahr, zählte man 2019 bereits 2,5 Millionen. In den letzten 30 Jahren haben rund 40 Millionen Kunden den Donaupark besucht.

 

Herr Dr. Helbich-Poschacher, jährlich kommen 2,5 Millionen Besucher in den Donaupark Mauthausen und man erwirtschaftet 62,5 Millionen Umsatz. Was ist das Geheimnis dieses Erfolges, nicht alle Einkaufszentren laufen bekanntlich so gut?

Der Donaupark ist ein natürlich gewachsenes Einkaufszentrum und es war mir als Betreiber immer wichtig, eine Symbiose zwischen dem Bedürfnis der Region und dem, was man mit den Gegebenheiten machen kann, herzustellen. Die grundsätzliche Idee hatte ich in Phoenix/Arizona, im Jahr 1983. Ich bin ursprünglich Jurist und habe in Amerika meinen MBA gemacht. Alle 14 Tage bin ich in ein Einkaufszentrum gefahren, das in einem Halbkreis angelegt war. Vom Grocery Store bis hin zum Friseur gab es viele Geschäfte und dazwischen 500 Parkplätze. Das Konzept hat mir so gut gefallen, dass ich es zu Hause in Oberösterreich umsetzen wollte. Der Standort für ein Einkaufszentrum am Brückenkopf in Mauthausen schien mir wegen des guten Anschlusses an das Verkehrsnetz ideal. 1990 habe ich den Donaupark mit 15 Geschäften eröffnet und dort, wo einst die Tennisplätze von Mauthausen waren, entwickelte sich der Marktplatz der Zukunft, von dem ich geträumt hatte. Der Donaupark wurde über die Jahre in vier Bauphasen erweitert – immer mit dem Grundgedanken: nur so viel bauen, wie es der Markt erlaubt. Ich wollte keine Gigantomanie, sondern ein der Region entsprechendes Einkaufszentrum.

 

Gäbe es noch Platz für weitere Kapazitäten?

Gegenüber von Hofer und Bellaflora gibt es noch eine Restfläche in der Größe von 15.000 Quadratmetern, da könnte man noch rund 4.000 Quadratmeter Verkaufsfläche unterbringen. Dazu müsste aber zuerst einmal die Verkehrslösung rund um die Donaubrücke Mauthausen geklärt sein. Außerdem soll der Donaupark eine Größe haben, die für die Region passt und nicht zu groß ist. Mir ist wichtig, dass der Branchenmix, die Größe, die Optik und die Architektur an das Umfeld und an die Region angepasst sind. 

 

Haben Sie eigentlich nicht damit geliebäugelt, in Amerika zu bleiben? 

Es hätte für mich durchaus Möglichkeiten gegeben, in Amerika zu bleiben, aber ich bin im Herzen ein richtiger Mühlviertler und hatte in der Heimat gute Chancen. Ich stamme aus der Familie Helbich-Poschacher von den Poschacher Natursteinwerken und dem Baustoffhandel und hatte die Möglichkeit in die Firma einzusteigen. Mein Lebensziel war es immer, unternehmerisch tätig und selbstständig zu sein. Das war auch der Grund, warum ich zurückgekommen bin. Außerdem gab es damals in Oberösterreich noch keine Einkaufszentren. Das Einzige, was es gab, war die Shopping City Süd in Vösendorf und dort habe ich ein Jahr lang gearbeitet. 

 

Was haben Sie dort gemacht?

Ich war im Verkauf bei der Firma Kleiderbauer, habe aber sehr gute Kontakte zu den Eigentümern der SCS gehabt und konnte mir von ihnen vieles abschauen. Schon damals habe ich mir gedacht, die Shopping City Süd im Kleinformat – auf die Region Mauthausen und den Bezirk Perg heruntergebrochen – könnte ein gutes Erfolgsmodell sein. 

 

Wie hat sich in den letzten 30 Jahren das Einkaufsverhalten der Kunden geändert? 

Am Anfang stand bei den Menschen eindeutig der Einkauf im Vordergrund. Das hat sich geändert. Einkaufen ist zwar auch heute noch ein wichtiger Punkt, aber Aspekte wie Wohlfühlatmosphäre und Kommunikation sind sehr stark in den Mittelpunkt gerückt. Heute sind wir ein echter Marktplatz, der Treffpunkt von Jung und Alt. 

 

Was war Ihnen vom Konzept her wichtig?

Ich bin von der ersten Stunde an Betreiber des Donauparks Mauthausen und habe von den 59 Mietverträgen mit den Geschäften und Lokalitäten alle 59 selber akquiriert. Ich bin eine One-Man-Show, kenne jeden Kanaldeckel und weiß genau, was los ist.  Ich bin kein Vermieter von Quadratmetern, sondern möchte den Geschäftsbetreibern das geben, was sie brauchen. In diesen 30 Jahren habe ich oftmals auch Mieter nicht unter Vertrag genommen, weil sie nicht ins Konzept gepasst haben, auch wenn sie eine gute Miete gezahlt hätten.

 

Was muss ein Mieter haben, damit Sie mit ihm zusammenarbeiten? 

Er muss in den Branchenmix passen, der für mich ein großer Erfolgsgarant ist.  Eine Besonderheit im Donaupark ist, dass wir viele regionale Geschäftsinhaber haben. Von den 59 Geschäften sind circa 23 eigentümergeführt. Mir war es immer wichtig, eine Symbiose aus regionalen Geschäften, notwendigen Filialisten und bekannten Marken zu bieten.  Diese Individualität macht den Donaupark einzigartig und deshalb kommen auch die Leute aus der Umgebung zu uns. Der Donaupark Mauthausen ist das größte Einkaufszentrum zwischen Linz und Amstetten und erreicht 45.000 Haushalte innerhalb von 15 Autominuten.

 

Sie sind erfolgreicher Unternehmer. Zu Ihrer Firmengruppe gehören der Poschacher Baustoffhandel, die Dachdeckerei und Spenglerei, die AustroDach und das Natur-
steinwerk in Langenstein. Wie wurde es eigentlich von den Menschen in der Umgebung angenommen, als Sie vor 30 Jahren den Donaupark eröffnet haben? 

Ich war damals knapp 35 Jahre alt und natürlich bin ich belächelt worden. Ich war der Sohn der Familie Poschacher, mein Vater war Unternehmer und Nationalratsabgeordneter. Und die Leute in der Region haben sich gefragt: „Braucht man das wirklich, was der Leonhard da macht?“ Als ich die Eröffnungsrede gehalten habe, hat eine Persönlichkeit aus Mauthausen leise zu seiner Frau gesagt: „Na, da wird es den Leonhard aber gehörig auf die Gosch´n haun“. Ganz klar, dass da auch ein gewisser Neid da war. Mein Vater hat mich unterstützt, aber der Donaupark war finanziell immer mein eigenes Projekt. 

Heuer feiert der Donaupark seinen 30. Geburtstag. Gab es eigentlich ein großes Fest?  Wir wollten Festivitäten und Kundenevents machen, diese mussten wir leider alle absagen. Wir sind sehr vorsichtig und dankbar, dass die Kunden die geforderten Sicherheitsmaßnahmen einhalten. Natürlich hat uns der Shutdown im Frühling nicht gutgetan und ich habe den Mietern die Miete nachgelassen, um ihnen eine Chance zu geben. 

 

Das ist äußerst großzügig von Ihnen.

Ich bin der Meinung, man muss den Leuten dann helfen, wenn sie es brauchen und wenn in einem Einkaufszentrum einmal einige Geschäfte leer sind, bringt man diese die nächsten Jahre nicht mehr voll, daher habe ich meine Mieter auch unterstützt. Was mich sehr freut ist, dass wir trotz Corona mit der Buchhandlung VERITAS by Melanie Hofinger eine neue Mieterin gewinnen konnten. 

 

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Zukunft?

Ich habe keine Angst vor der Zukunft. Der Donaupark wird nicht nur als Nahversorger gesehen, sondern ist zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Natürlich müssen wir laufend investieren. In den vergangenen Jahren haben wir alleine 3,1 Millionen Euro in das äußere Erscheinungsbild investiert. Letztes Jahr haben wir eine WC-Anlage um fast 300.000 Euro errichtet, so eine gibt es sicher im ganzen Mühlviertel nicht (lacht). Derzeit arbeiten wir an einem gastronomischen Konzept, weil die Gastronomie die Verweildauer erhöht und die Fläche auch am Abend und am Wochenende bespielbar ist. 

 

Was bedeutet der Donaupark Mauthausen für Sie?

Der Donaupark ist mein Herzerl! Ich bin Baustoffhändler und Unternehmer mit Leib und Seele. Baustoffe zu verkaufen, ist allerdings nicht sehr sexy (lacht). Der Donaupark ist das, wo ich meine kreative Ader ausleben und meine Emotionalität spielen lassen kann. 

 

Wenn Sie jetzt Resümee ziehen, was ist die schönste Auszeichnung für Sie?

Wenn Menschen aus der Region sagen: „Fahren wir in den Donaupark Mauthausen, treffen wir uns zum Essen oder Kaffee und gehen wir ein bisschen shoppen“. Das ist für mich die schönste Anerkennung und beweist, dass die Grundidee, die ich hatte, stimmt. Der Donaupark ist der Marktplatz der neuen Zeit.