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People | 13.07.2020

COOLER BIG PLAYER

Wenn Sie das nächste Mal in einen kühlen Schokoriegel von Mika und Oreo beißen, sollten Sie wissen, dass dahinter das Welser Unternehmen TSC „The Chilled Snack Company“ steht. Wir haben Firmengründer und CEO Dietmar Malli (50) besucht und erfahren, wie er es vom Unternehmensberater zur ganz großen Nummer in der internationalen Kühlsnack-Branche geschafft hat.

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© Dominik Derflinger

Wir besuchen Dietmar Malli im TSC-Headquater in der Bahnhofcity in Wels und tauchen ein in die Welt
der gekühlten Michlriegel.Zum Kaffee können wir zwischen Milka Schoko Snack und OREO Fresh Snack wählen. So genussvoll könnte jeder Interviewtermin beginnen! Während er uns durch das loftartige zweistöckige Bürogebäude führt, erzählt er uns der gebürtige Kärntner, der in Bad Hall aufgewachsen ist, von seinen Anfängen in der Lebensmittelbranche. Vor 16 Jahren hat Dietmar Malli mit einem italienischen Partner seinen ersten gekühlten Milchriegel produziert und damit eine Marktlücke entdeckt. Was folgt ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Heute erzeugt das oberösterreichische Unternehmen in zwei Produktionsstandorten in Italien mehr als 350 Millionen Snacks im Jahr, beliefert 40 verschiedene Länder und verzeichnet eine Wachstumsrate von mehr als 30 Prozent jährlich. 

Der große Coup ist dem smarten Businessmann allerdings vor zwei Jahren gelungen: Für den international tätigen Lebensmittelriesen Mondelez produziert als Lizenznehmer kühle Snacks für Topmarken wie Milka und OREO, was die TSC nun endgültig zum Big Player in der internationalen Kühlsnack- Branche gemacht hat. Trotz der Rückgänge beim Außer-Haus-Snacken während der Corona-Krise, lässt sich Dietmar Malli nicht aus der Ruhe bringen, denn die Umsätze ziehen langsam aber sicher wieder an und das rund 400-köpfige TSC-Team (40 davon in Wels) steht schon mit neuen Ideen für kreative Snacks in den Startlöchern und ist dabei den Osten der USA zu erobern.

 

Herr Malli, wann genau haben Sie Ihre Firma gegründet?

Die TSC in dieser Form wurde vor mittlerweile 22 Jahren gegründet. Zunächst mit den Schwerpunkten Unternehmensberatung, Marketing- und Vertriebsleistungen sowie Handelsgeschäfte. Das war der Ursprung. Darum auch der Name TSC – Trade, Service, Consulting. Wenn mich heute einer fragt, wofür die Abkürzung steht, sage ich: The Chilled Snack Company (lacht).

 

Von der Unternehmensberatung zu gekühlten Riegeln. Wie ist es dazu gekommen?

Irgendwann bin ich dann in der Lebensmittelbranche auf die Kategorie der gekühlten Riegel gestoßen. Damals hat Ferrero als einziger Süßwarenhersteller gekühlte Snacks auf den Markt gebracht. Da muss man etwas machen, ein einziger Anbieter ist doch etwas fad, habe ich mir gedacht. (lacht) Also habe ich mir einen Partner gesucht, um diese Produkte auch produzieren zu können. So ist das Ganze entstanden.

 

2004 haben Sie sich dann auf deren Entwicklung und Vermarktung der gekühlten Riegel spezialisiert. Wie ist der erste Riegel entstanden?

Wir haben den Riegel nach meinen Vorstellungen entwickelt und unser gesamtes Knowhow und die Technologien ausschließlich auf gekühlte Snacks ausgerichtet. Seitens der Handelsketten war ein großes Interesse an Handelsmarken, dem so genannten „Private Label“-Geschäft, vorhanden. Meinen ersten gekühlten Milchriegel habe ich übrigens der Handelskette Hofer angeboten. Dann folgten sukzessive unsere eigenen Marken Milino, Dancing Cow und Bakery D’Oro.

 

2018 ist Ihnen dann der ganz große Coup gelungen und Sie arbeiten seither mit dem international tätigen Lebensmittelkonzern Mondelez zusammen und produzieren den gekühlten MILKA Schoko Snack sowie den OREO Fresh Milk-Snack. War dieser Einstieg in die Markenwelt ein logischer Folgeschritt für Sie?

Ja, in jedem Fall. Mittlerweile kauft jede Handelskette in Europa von Aldi bis Lidl die Handelsmarken bei uns und wir können in diesem Segment nicht mehr so stark wachsen, wie ich es mir vorstelle. Da wir auch für Industriekunden unter deren Marken produzieren, kamen wir irgendwann in Kontakt mit Mondelez. Natürlich ist es für uns eine große Herausforderung, für weltweit bekannte Brands wie Milka und OREO zu produzieren, weil es ein völlig anderes Geschäft ist, als das Private Label-Geschäft.

 

 

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© Dominik Derflinger

Sind weitere Markenprodukte geplant?

Ja, wir werden weitere Lizenzmarken produzieren. Vor kurzem haben wir einen Vertrag mit „Universal“ in den USA abgeschlossen und bekommen die Rechte für die „Minions“. Es wird also bald gekühlte Minions-Snacks geben. Und auch mit Baileys haben wir einen Vertrag abgeschlossen, schließlich brauchen ja auch die Erwachsenen etwas zum Snacken. (lacht).

 

Mittlerweile erzeugt die TSC 350 Millionen Snacks im Jahr und verzeichnet eine Wachstumsquote von mehr als 30 Prozent jährlich. Was waren für Sie die Meilensteine in dieser Erfolgsgeschichte?

Unser Wachstum rührt daher, dass wir es immer verstanden haben, neue Märkte zu erschließen und neue Produkte einzuführen. Wir wollten nicht nur ähnliche Produkte erzeugen, wie jene, die es am Markt schon gegeben hat, sondern auch neue Snacks entwickeln. Dabei haben wir erfolgreich auf Innovationen und Internationalisierung gesetzt. Das waren die zwei Haupttreiber in dieser Entwicklung.

 

Apropos Internationalisierung, inwieweit waren Sie von der Corona-Krise betroffen? Kann man sagen, dass die Lebensmittelproduktion mit einem blauen Auge davongekommen ist?

Ja, das kann man durchaus sagen. Wir haben in unseren zwei Produktionsbetrieben in Italien alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen und hatten unter den 350 Mitarbeitern glücklicherweise keinen einzigen positiven Fall. Daher konnten wir auch während des gesamten Shutdowns produzieren. Aber klar hat der Absatz gelitten, weil das Außer-Haus-Snacken komplett weggefallen ist und da unsere Vertriebsarbeit sehr international aufgestellt ist, konnten wir auch keine Auslandsmessen machen. Wir sind in diesen sechs Wochen nicht gewachsen, mittlerweile ziehen die Umsätze aber wieder an.

 

Sie beliefern 40 Länder in Europa, Russland, den GUS-Staaten, USA, Kanada, im Mittleren Osten, Nordafrika und in Südostasien – wo geht die Reise hin?

Wir wollen mittelfristig 30 Prozent unseres Geschäftes in Übersee-Märkten machen. Russland, wo wir seit 15 Jahren aktiv sind und eine eigene Niederlassung haben, zählen wir zu Europa. In den USA, Asien und Nordafrika wollen wir mittelfristig 30 Prozent des Umsatzes generieren. Auch für Singapur haben wir dieses Jahr eine Niederlassung geplant, um Märkte in Asien zu bedienen. China sehen wir jedoch aktuell nicht als relevanten Markt für uns. 

 

Hat das auch mit der Corona-Krise zu tun?

Durch Corona sind wir im Moment was Asien und die USA betrifft, ganz klar unter den Erwartungen. Aber wir geben Gas und sind guter Dinge. In den USA haben wir mit Prairie Farms bereits einen langjährigen Kunden, mit dem wir sehr gut zusammenarbeiten. Unser Ziel ist es, noch weitere Kunden gewinnen zu können. Da wir in New York eine Niederlassung haben, hat für uns der Osten im Moment Priorität. Das Potenzial ist riesig und die große Herausforderung liegt darin, dass es die Kategorie der gekühlten Milchriegel in den USA quasi noch nicht gibt. Mit der richtigen Marketingstrategie müssen wir den Konsumenten erklären, was ein Milch-Snack ist. (lacht)

 

 

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© Dominik Derflinger

In welchen Ländern sind Sie am besten unterwegs?

Nummer eins ist nach wie vor Deutschland, gefolgt von Russland und Italien. Das sind unsere drei wichtigsten Märkte. Wir sind in Europa überall gut vertreten und brauchen für das weitere Wachstum vor allem auch die Märkte außerhalb von Europa wie die USA und Südostasien. Wir verzeichnen durchschnittliche Wachstumsraten von für bis zehn Prozent und das Schöne ist, dass unsere Kategorie immer noch wächst. Wir schaffen mit neuen Produkten Innovationen. Sowohl der Handel als auch die Kunden sind bereit dafür. Mit den neuen Konzepten können wir auch in den bestehenden Märkten noch wachsen.

 

Wie viel sind Sie bei Ihren Kunden und Partnern im Ausland unterwegs?

Normalerweise bin ich ein bis zwei Mal die Woche unterwegs. Ich gestalte meine Reisen grundsätzlich recht kurz, es sind meist  Trips von ein bis zwei Tagen. Ich möchte die Lehren aus Corona ziehen, ob wirklich jedes Meeting vor Ort und jeder persönliche Kontakt notwendig ist. In Zukunft werden wir unsere Arbeitsmethodik und unser Reiseverhalten bestimmt ein bisschen umstellen.

 

Wie darf man sich die Entstehung eines Riegels für Milka oder Oreo vorstellen?

Mit unserer R&D-Abteilung in Italien entwickeln wir die Rezeptur für die Riegel. Dann müssen wir unseren Kunden – in diesem Fall Mondelez – überzeugen, dass das neue Produkt zur Marke passt. Für die Herstellung des Milka-Riegels verwenden wir original Milka Schokolade, für die OREO-Snacks, die Oreo- Crumbs. Bevor wir einen Artikel launchen, machen wir viele Konsumententests, um zu sehen, ob das Produkt auch gekauft wird. Ist das der Fall, geht es ins Marketing. Wir übernehmen für diese Produkte auch den kompletten Marktauftritt und Vertrieb.

 

Schmecken Ihre Snacks überall auf der Welt gleich oder gibt es lokale Unterschiede wie etwa bei manchen anderen Lebensmitteln?

Nein, die gibt es nicht. Wir verwenden für die unterschiedlichen Produkte überall dieselben Rezepturen. 

 

Wie geht es Ihnen, wenn Sie das erste Mal in einen neu-entwickelten Riegel beißen?

Das ist natürlich immer ein spannender Moment, auf den wir uns alle riesig freuen. Ich habe fast jeden Tag einen neuen Snack am Tisch und das ist auch wichtig so. 

 

Jeden Tag einen neuen Riegel, das sieht man Ihnen figurtechnisch nicht an. 

(lacht) Als Ausgleich zum Snacken gehe ich leidenschaftlich gerne Radfahren. Während meiner Schul- und Jugendzeit bin ich sogar aktiv bei Radrennen mitgefahren. Das ist sicher mitunter ein Grund, warum ich so gerne in der Scharten im Bezirk Eferding lebe. Das sanfte Obst-Hügelland ist perfekt zum Biken und mit dem Kirschblütenrennen gibt es dort auch eines der ältesten Radrennen.

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© Dominik Derflinger

Wie viele Stunden arbeiten Sie in einer Woche durchschnittlich?

Ich zähle die Stunden nicht, aber meine Arbeit strengt mich nicht an und ich bin auch nicht der große Urlaubsfreak. Ich liebe meinen Job, weil man ganz schön viel bewegen kann – aber natürlich fließen viele Stunden hinein.

 

Warum sind Ihre beiden Produktionsstandorte in Italien?

Mein Produktionspartner, mit dem ich das Unternehmen aufgebaut habe, stammt aus Italien. Außerdem ist Italien ein guter Boden, was Lebensmittelproduktion betrifft.

 

Ist Ihr Gründungspartner noch im Unternehmen?

Nein, er ist nicht mehr mit an Bord. Seit vier Jahren habe ich einen neuen Partner aus Frankreich. Das ist ein großer, familiengeführter Konzern aus Lyon und die Zusammenarbeit funktioniert recht gut. Die Franzosen bringen viel Produktions-Know-how mit ein, weil sie eigene Produktionsstätten auf der ganzen Welt haben. Das ist sehr wichtig, denn so kann ich mich voll und ganz auf die Entwicklung der gekühlten Snacks sowie auf Marketing und Vertrieb konzentrieren.

 

Mit ihren gekühlten Snacks haben Sie bereits mehrere Preise gewonnen. Wo soll es in Zukunft hingehen?

Die Auszeichnungen freuen uns natürlich sehr. Mit Milka und Oreo haben wir zum Beispiel die Produkteinführung des Jahres geschafft und in den USA ist uns mit einem Produkt die beste Neueinführung des Jahres gelungen. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Reise erfolgreich weiter geht, weil wir echte Innovationen einführen. Wir sind stolz darauf, dass wir starke Marken wie Milka und Oreo ins Kühlregal gebracht haben und mit den „Minis“ haben wir nun auch den ersten gekühlten Snack zum Teilen eingeführt.

 

Wie schaffen Sie es, kreativ und innovativ zu bleiben?

Wir beschäftigen uns ständig mit Entwicklungen und Innovationen im Lebensmittelbereich und überlegen, was wir anbieten können. Einer unserer Mitarbeiter ist im Entwicklungsteam in Italien für New Business zuständig und wir laden immer wieder Top-Customer ein, sich einzubringen. Viele Neuheiten entwickeln wir auch gemeinsam mit unseren Partnern. 

 

Apropos Neuheiten, mit welchen gekühlten Snacks werden Sie uns demnächst überraschen? Wo liegen die Trends?

Vegane Snacks, Zuckerreduktion und Protein-Snacks liegen absolut im Trend und sind natürlich ein großes Thema für uns. Wir werden aber auch bald einen pikanten Snack mit Frischkäsefüllung machen. Das sind große Themen, die uns im Moment beschäftige und es gibt bereits viele Entwicklungen dahingehend. Damit wollen wir auch den nächsten Wachstumsschritt gehen.

 

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Unser Ziel ist es, unseren Umsatz zu verdreifachen. Wir wollen 30 Prozent unseres Umsatzes außerhalb von Europa generieren –mit einem Gutteil aus Asien und Amerika. Es macht mir nach wie vor Spaß und es ist auch interessant, wenn man sieht, dass Dinge, die man sich überlegt, auch aufgehen.