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People | 29.05.2018

Chefin über 1.000 Tiere

Röhrende Hirsche, blökende Schafe und grunzende Wildschweine begleiten ihren Arbeitsalltag: Barbara Laher über ihren Job als Tierpark-Chefin, seltene Privatsphäre und ihren Liebling „Günther Marder“.

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Ein Herz für Tiere und Nerven wie Drahtseile: Barbara Laher (32) bringt die besten Voraussetzungen für den Beruf mit. Auch Töchterchen Isabella hält sie zurzeit auf Trab. (© Tierpark Altenfelden)

Mehr als 1.000 Tiere. Über 200 verschiedene Arten. 365 Tage im Jahr sind die Pforten geöffnet. Der Tierpark Altenfelden erstreckt sich über ein Gelände von 80 Hektar und ist der größte privat betriebene Tierpark Österreichs. Die Vielfalt reicht von Kauz, Wolf, Zebra, Puma oder Berberaffe bis hin zum Gepard (von Mai bis Oktober mit einer täglichen Fütterung des Raubtiers um 15 Uhr). Die tierischen Bewohner sind an viel Besuch gewöhnt. Wenn das Wetter mitspielt, werden um die 45.000 im Jahr gezählt. Im persönlichen Gespräch gewährt die junge Tierpark-Chefin Einblicke in den abwechslungsreichen Familienbetrieb, der unter tatkräftiger Unterstützung von zehn Hauptangestellten, zusätzlichen Aushilfen sowie den helfenden Händen von Vater, Mutter und Schwester unaufhörlich angekurbelt wird.

 

Vor drei Jahren haben Sie die Leitung des Tierparks Altenfelden von Ihrem Vater übernommen. War es immer schon Ihr Wunsch, in die vorhandenen Fußstapfen zu treten?

Barbara Laher: Eigentlich schon. Ich bin ja mit dem Tierpark groß geworden und habe auch meine schulische Laufbahn danach ausgerichtet.

 

Welche Ausbildung haben Sie absolviert?

Nach der Tourismusschule Bad Leonfelden studierte ich drei Jahre Verhaltensbiologie in Graz und drei Jahre Wildtier-Management in Wien.

 

Mittlerweile haben Sie als Tierpark-Chefin die Zügel fest in der Hand. Was lieben Sie an der Arbeit mit Tieren?

Es ist eine sehr schöne Arbeit, weil Tiere so ehrlich sind und sich nicht verstellen.

 

Welche Voraussetzungen sollte man für die Arbeit im Tierpark mitbringen?

Natürlich ein Herz für Tiere. Und Nerven wie Drahtseile. Denn leider kann mit Tieren auch immer etwas passieren, wenn sie krank werden oder sterben.

 

Was steht bei Ihrer Arbeit als Wildbiologin und Tierpark-Chefin an der Tagesordnung?

Viel Verschiedenes. Das fängt bei Futtermittelorganisation, Instandhaltung der Gehege, Baustellenplanung, Buffetbetreuung an und reicht bis zu Mitarbeiterkoordination und Buchhaltung. Vom Hausmeister bis zur Putzdame bin ich sozusagen Mädchen für alles. Auch wenn es oft chaotisch zugeht, liebe ich es. Natürlich kommt dazu, dass zurzeit mein Tagesablauf ganz entscheidend beeinflusst wird: von meiner kleinen Tochter Isabella.

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(© Tierpark Altenfelden)

Lassen sich Kind und Arbeit gut unter einen Hut bringen?

Es ist schon eine Herausforderung, außerdem war ich nie in Karenz. Dazu kommt, dass wir ja selber auf dem Bauernhof mitten im Tierpark wohnen und quasi rund um die Uhr im Einsatz sind, sei es, um Jungtiere aufzuziehen oder gedanklich Pläne zu wälzen. Die Arbeit lässt einen nie ganz aus.

 

Das klingt auch nach Nachteinsätzen.

Ja, wenn Tiere zur Welt kommen, die von der Mutter nicht angenommen werden oder zu wenig Milch da ist, dann müssen die Jungtiere alle drei Stunden gefüttert werden.

 

Wann bleibt Zeit, um den Tierpark zu genießen?

Besonders gerne mag ich die Geräuschkulisse von Enten, Zebras, Zwerg­ottern und den anderen Tieren in den Abendstunden – dann, wenn die Besucher weg sind und etwas mehr Ruhe eingekehrt ist.

 

Gibt es Tiere, die Ihnen besonders ans Herz gewachsen sind?

Zu eigenen Aufzuchten entwickelt man schon mehr Bindung. Einen Marder, den ich großgezogen und „Günther Marder“ getauft habe, besuche ich zum Beispiel jeden Tag. Auch die Zwergotter, die direkt vor unserer Haustüre wohnen, mag ich sehr gerne, weil sie einen schon von weit her begrüßen.

 

Wie sieht Ihre typische Arbeitskleidung aus?

Derzeit ist es eher etwas Bürotaugliches. Sonst aber grünes Tierpark-Gilet und Arbeitshose, je nach Witterung oft auch Gummistiefel.

 

Welche Neuigkeiten gibt es für die Besucher im Jahr 2018?

Wir veranstalten zum zweiten Mal ein großes Frühlingsfest und dazu ein Herbstfest. Außerdem gestalten wir die Griechische Landschildkrötenanlagen neu, die Zwergotter bekommen eine neue Innenanlage.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Tierparks?

Einen Lottosechser! (lacht) Spaß beiseite, ich wünsche mir, dass ich den Betrieb auf diesem Niveau weiterführen kann und hoffe auf viel schönes Wetter ohne Sturmschäden.

 

Welche Leidenschaft pflegen Sie über den Tierpark hinaus?

Ich bin Jägerin, aber nicht des Schießens wegen. Ich mag es, vom Hochstand zu schauen, zu sitzen, zu warten – Hasen oder eine Geiß mit ihrem Kitz zu beobachten. Ich genieße die Ruhe der Natur. Nirgendwo sonst kann ich besser die Seele baumeln lassen.