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People | 03.08.2015

Charmante Charakterköpfe

Hollywood-Schauspieler wie Bruce Willis, Vin Diesel und Jason Statham machen es vor: Sie tragen ihre Glatzen selbstverständlich und stilsicher. Für viele wird der kahle Kopf zum Markenzeichen. Wolfgang Zenz hat den Glatzen sogar ein Buch gewidmet.

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Gerold denkt durch den sichtbaren Haarverlust über die eigene Endlichkeit nach. (© Stefan Zenzmaier)

Wolfgang Zenz hat mit Mitte 20 begonnen, Haarwuchsmittel zu kaufen und im Lauf der Zeit sämtliche Wässerchen, Tinkturen und Dragees ausprobiert. Seine Erkenntnis nach mehr als zehn Jahren: Es gibt nichts, was wirklich hilft. „Die einzig wirksame Methode der Glatzenbekämpfung, die Eigenhaarverpflanzung, ist nicht nur sauteuer, sondern erscheint vielen auch ziemlich affig“, sagt der Salzburger. Und so ist die Idee entstanden, das „Glatzenbuch“ zu machen und damit ein Plädoyer für den kahlen Kopf. „Wichtig dabei war, Männer von der Straße als Models zu gewinnen – keine Profi-Modelle oder Promis“, erzählt Zenz. 

Gerold: Brennnessel-Tinktur gegen die eigene Vergänglichkeit

„Ich hab’ nichts ausgelassen und mit meinen Haaren früher alles gemacht, was ich wollte: Schulterlänge, Pagenkopf und sogar kupferrot gefärbt“, berichtet Gerold. Nur auf Dauerwellen hat er verzichtet. Für den Künstler ist es wichtig, „nichts zu kaschieren, sondern mit dem umzugehen, was da ist.“ Was zählt, ist Authentizität. „Ein Hauberl brauch’ ich inzwischen schon“, verrät Gerold und schildert, dass er durch den sichtbaren Haarverlust über die eigene Endlichkeit nachdenkt. Während sein Vater selbst Brennnessel-Tinkturen ansetzt, unternimmt der Keramiker nichts, um seine Haare zum Bleiben zu überreden: „Jetzt ist halt der Gestaltungsspielraum am Kopf kleiner, aber ich muss auch weniger überlegen.“

 

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Ludwig lässt seine Glatze regelmäßig von seiner Frau rasieren. (© Stefan Zenzmaier)

Ludwig: Nur dunkelhaarige Frauen stehen auf Glatze

„Mein Verhältnis zur Glatze ist ein perfektes“, erzählt Ludwig. Früher trug der Architekt einen Wuschelkopf. Als im Laufe der Jahre nur noch „eine Art Bodendecker übrig blieb, der mit Haarspray fixiert werden musste“, entschied sich Ludwig 1992 in der neutralen Schweiz zur radikalen Glatze. Anfangs erkennt ihn niemand, aber bald „taugt“ der kahle Schädel mitsamt markanter Brille jedem.

Ludwig steht um fünf Uhr auf, sitzt ab halb acht im Büro und lässt einmal pro Woche die Glatze von seiner Frau rasieren: „Ich brauche einen klaren Rhythmus und meine Rituale.“ Dass er im Buch erscheint, ist dem Zufall zu verdanken: Ludwig war ausnahmsweise beim Friseur und ist dort aufgefallen …

 


BUCHTIPP: „Das Glatzenbuch“, Verlag innozenz, 19 Euro.