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People | 12.10.2020

„Bin oft auch Seelendoktor“

Warum man beim Kauf oder Verkauf einer Immobilie auf das Know-how eines Notars setzen soll und warum es in einem Notariat neben Paragraphen und Verträgen auch ordentlich „menschelt“, hat uns der Linzer Notar Dr. Wolfgang Lenz erzählt.

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(v. l.) Notar Dr. Wolfgang Lenz, die Notarsubstitutinnen Dr. Gertraud Hittmann und Dr. Teresa Streicher sowie Notariatskandidat Mag. Alexander Lenz ( © Mario Gärtner)

Beim Kauf eines Grundstückes oder sonstigen Immobilie gilt es, vieles zu beachten. Ist der Verkäufer wirklich der Eigentümer? Wer überwacht die vollständige und pünktliche Bezahlung? Wer verständigt das Finanzamt? Fragen über Fragen treten in so einem Fall auf. Da es dabei meistens um sehr viel Geld und nicht selten auch um Emotionen geht, ist es wichtig, einen kompetenten Partner an der Seite zu haben. Der Linzer Notar Dr. Wolfgang Lenz hat uns erzählt, was es dabei zu beachten gilt und er hat uns einen Einblick in seine Kanzlei gewährt. 

OBERÖSTERREICHERIN: Herr Dr. Lenz, was gilt es beim Immobilienkauf zu beachten?

Dr. Wolfgang Lenz: Da es beim Immobilienkauf erfahrungsgemäß um sehr viel Geld geht, spielt Vertrauen eine große Rolle. Eine Immobilie kauft man ein oder zwei Mal im Leben und man soll für das Geld, das man ausgibt, die Immobilie auch tatsächlich bekommen. Der Notar nimmt Einblick in das Grundbuch und überprüft, wer Eigentümer ist und ob Lasten eingetragen sind. Er tritt als Treuhänder auf, das heißt der Käufer „parkt“ das zu bezahlende Geld beim Notar und erst nachdem der Kaufvertrag unterzeichnet und die Käufer im Grundbuch eingetragen wurden, zahlt er an den Verkäufer aus.

Warum sollte man den Käufer nicht direkt bezahlen? Würde man sich da nicht einiges an Kosten sparen?

Nein, da würde man am falschen Platz sparen. Man soll immer beachten, was im Grundbuch steht. Es kann sein, dass noch eine Hypothek auf der Immobilie eingetragen ist, oder dass jemand ein Wohnrecht hat. Es ist auf jeden Fall von Vorteil, dass man die Summe nicht direkt an den Verkäufer zahlt, sondern über einen unabhängigen Dritten.

Sie haben Ihre Kanzlei im Jahr 2000 am Linzer Hauptplatz  eröffnet. Können Sie Ihr Leistungsspektrum kurz zusammenfassen?

Es gibt drei klassische Bereiche. Unser Schwerpunkt liegt im Immobilienbereich. Das hängt auch mit unserem Standort im Stadtgebiet  zusammen. Der zweite Bereich umfasst alles, das mit Verlassenschaften/Familie zu tun hat. Das ist die Regelung des Erbe. Dabei geht es um Testament, Pflichtteils- und Erbverzicht. Auch Übergaben innerhalb der Familie und Verlassenschaftsabwicklungen fallen darunter. Von der Tätigkeit her sind wir entweder Gerichtsbeauftragter oder Beauftragter der Familien bzw. Erben. Diesbezüglich haben wir viel Erfahrung. Das dritte Betätigungsfeld ist der Firmenbereich. Hier stehen wir den Klienten bei Firmengründungen, bei  Firmenübertragungen – insbesondere auch bei Umgründungen, Anteilskauf  oder Bestellung eines neuen Geschäftsführers oder Prokuristen zur Seite. Unsere Tätigkeit liegt in erster Linie in der Erstellung von Verträgen samt deren Abwicklung, aber auch im beratenden Bereich.

 

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Freundliche und helle Räumlichkeiten ( © Mario Gärtner)

Wie groß ist Ihr Team?

In meiner Kanzlei gibt es drei Berufsanwärter neben mir als Notar und sieben Notariatsassistentinnen, von denen einige in Teilzeit arbeiten. 

Was ist Ihnen im Umgang mit Ihren Klienten wichtig? 

Dass wir im Team exakt, genau und sehr schnell arbeiten. Das klingt zwar einfach, ist aber eine große Herausforderung, da die Angelegenheiten oft sehr komplex sind und ein gutes Zeitmanagement erfordern. Neben vielen Telefonaten und Klientenkontakten gilt es Ruhe zu bewahren, exakt und prompt zu arbeiten, denn letztendlich möchte der Klient sein Anliegen rasch erledigt haben. Ganz wichtig ist mir auch eine menschliche und freundliche Betreuung unserer
Klienten. Das liegt mir besonders am Herzen, weil die Klienten oft eine gewisse Scheu haben, wenn sie zum Notar gehen. Unsere Klienten sollen sich bei uns wohl und gut aufgehoben fühlen. Das war mir auch bei der  Gestaltung unserer Räumlichkeiten sehr wichtig. Da es bei uns um sehr private Angelegenheiten geht, muss man Vertrauen aufbauen und diskret sein. Ich bin oft auch Seelendoktor, weil es vielfach um familiäre Probleme geht. 

War das auch der Grund, warum Sie eine Ausbildung zum Mediator gemacht haben?

Ja, denn vor allem bei den Verlassenschaften, wo es sehr stark um Emotionen geht, kommt mir diese Ausbildung zugute. 

Können Sie uns dazu ein Beispiel verraten?

Ein klassischer Fall ist, wenn ein Mann, der verstirbt, zwei Mal verheiratet war. Wenn er Kinder aus der ersten Ehe hat, kollidieren deren Interessen sehr oft mit denen der Frau aus der zweiten Ehe.Aber auch im Immobilienbereich sind sich Käufer und Verkäufer manchmal nicht einig und dies führt zu Konflikten anlässlich der Vertragserstellung. 

Was sind die Herausforderungen in einem Notariat?

Bei uns geschieht sehr viel Arbeit im Hintergrund, die der Klient nicht sieht. Es ist oft nicht einfach herauszufinden, was der Klient exakt will. Die meisten Menschen kommen aus einer nicht juristischen Ecke, da muss man vieles hinterfragen und auf den Klienten eingehen. Die erste Beratung bei uns ist übrigens unentgeltlich. 

Inwieweit merken Sie im Notariat die Corona-Krise?

Natürlich waren auch wir vom Shutdown betroffen, aber man merkt, dass die Menschen auch Zeit zum Nachdenken hatten und sich einiges vorgenommen haben. Diese Nachdenkphase ist jetzt abgeschlossen und die Klienten wollen ihre Vorhaben umsetzen. Manche kaufen eine Eigentumswohnung und fokussieren sich darauf, bei anderen rücken Übergaben innerhalb der Familie in den Vordergrund. 

Haben Sie in Ihrer Kanzlei in dieser Zeit auf Onlinebetrieb umgestellt?

Online kam eher im Firmenbereich vor, da ist man es schon gewohnt, so zu arbeiten, im Privatbereich ganz wenig. Das persönliche Gespräch unter vier Augen kann vor allem in unserem sensiblen Bereich nicht ersetzt werden.