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People | 10.08.2020

„Bildung ist alles!“

In ihrer Amtszeit als Präsidentin des Rotary Club Wels Nova vor zwei Jahren nahm Dr. Michaela Köllensperger mit der Sanierung einer Schule in Togo ein ehrgeiziges Projekt in Angriff. Was sie dazu motiviert hat, erzählt die Astrologin im Interview.

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Eva Fischer (l.) und Michaela Köllensperger überzeugten sich in Togo vom Fortschritt der Bauarbeiten. ( © Privat)

Seit der Gründung des Rotary Club Wels Nova ist Michaela Köllensperger als Mitglied dabei. Während ihrer Amtszeit als Präsidentin im Jahr 2017/18 nahm die zweifache Mutter die Sanierung einer Schule in Kpalimé, der viertgrößten Stadt in Togo, in Angriff. Die Schule wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von Deutschen errichtet und später von Franzosen übernommen. Mithilfe des Rotary Club Wels Nova wurden sämtliche, inzwischen verfallenen Gebäude, renoviert und ein eigener Brunnen gebaut, was nunmehr 700 Schülerinnen und Schülern Bildung unter menschwürdigen Bedingungen ermöglicht.

 

OBERÖSTERREICHERIN: Frau Köllensperger, wie sind Sie zum Schulprojekt in Togo gekommen?

Michaela Köllensperger: Durch meine Freundin Eva Fischer, die vor einigen Jahren in Togo Wahlbeobachterin war, habe ich von der desolaten Schule erfahren. Das war rund zwei Jahre nach der Flüchtlingskrise und hatte für mich absolute Priorität. 2017 sind wir das erste Mal nach Togo geflogen. Karoline und Jul Lekey, ein befreundetes Ehepaar, das dort lebt, hat die Bauleitung übernommen. 

 

Welche Eindrücke hatten Sie nach Ihrer ersten Reise nach Togo?

Wir sind damals eine Woche geblieben und ich war das erste Mal in diesem Teil von Afrika. Es war sehr faszinierend. In Kpalimé leben rund 78.000 Menschen, viele davon in Wellblechhütten. Obwohl unendliche Armut herrscht, spürt man eine unglaubliche Lebendigkeit. Das Land ist sehr grün und fruchtbar, dennoch kämpfen viele Menschen ums Überleben. 

 

Was konnte mit österreichischer Hilfe bei der Schulsanierung gemacht werden? 

Die Schule besteht aus mehreren Gebäuden. Im ersten Schritt wurde ein Brunnen gebaut. Anschließend haben wir die Sanitäranlagen und sämtliche schon einsturzgefährdeten Gebäude und Stiegen renoviert, das Dach erneuert, neue Schulbänke angefertigt. 

 

Die Schule vor und nach der Renovierung
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© Privat

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© Privat

Waren Sie bei der Eröffnung des ersten Schulgebäudes vor Ort?

Ja, wir waren inzwischen viermal in Togo und es fühlt sich schon sehr vertraut an. Ich habe viele gute Erfahrungen gemacht. Bei der Eröffnung der ersten Schule im Jahr 2018 gab es eine große Feier und sogar der Premierminister hat die Schule besichtigt. Die Menschen dort erleben es selten, dass ihnen jemand etwas gibt, ohne eine Gegenleistung zu verlangen, daher war die Freude natürlich riesengroß.  

 

Das Projekt der zweiten Schule im Jahr 2019/20 fiel nicht mehr unter ihre Präsidentschaft.

Ja genau, diese haben wir mit dem Rotary Club RC Wels Punkt unter Präsident Dr. Christian Simbrunner durchgeführt. Karoline und Jul Lekey haben wieder die Bauleitung in Togo übernommen. Diese Schule liegt an einem Bach, dadurch steht sie während der Regenzeit unter Wasser und so wurden die Fundamente unterspült. Sie war kurz davor einzustürzen. Auch bei diesem Projekt haben wir sämtliche Gebäude saniert, einen Brunnen und Sanitäranlagen neu gebaut. Das war ein Highlight und wir hoffen, nächstes Jahr hinfliegen zu können. Auch hier ist die Sanierung abgeschlossen und die Eröffnung hätte Anfang April dieses Jahres gefeiert werden sollen, wurde jedoch aufgrund von Corona abgesagt. Mittlerweile ist die Eröffnungsfeier mit Direktoren, Lehrern und den Kindern bereits über die Bühne gegangen.

 

Was hat Sie dazu motiviert, sich für die Renovierung dieser Schulen einzusetzen?

Wir tragen für das Flüchtlingsproblem eine Mitverantwortung, daher ist es mir wichtig, die Bildung und das Gesundheitssystem solcher Länder zu unterstützen. Es hat mich motiviert, aktiv etwas tun zu können und zwar so, dass die Menschen dort ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Wenn man einmal in Togo war, bekommt man eine Beziehung zu den Menschen. Als wir die strahlenden Kinderaugen bei der Eröffnung gesehen haben, waren wir unglaublich dankbar, dass wir helfen konnten.  

 

Wie läuft diese Hilfe durch die Rotary Clubs Wels ab?

Unser Geld kommt direkt dort an, wo es gebraucht wird. Es gibt keine zwischengeschaltete Organisation und die Projekte unterliegen unserer permanenten Kontrolle mit genauen Kostenvoranschlägen und Fotodokumentation. Jeder Stuhl, jeder Tisch und das gesamte Material, das zur Sanierung verwendet wurde, stammt von örtlichen Betrieben in Togo. Hilfe zur Selbsthilfe, das ist uns wichtig.

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Die Freude über die Sanierung der Schule ist bei Lehrerin und Schülern groß. ( © Privat)