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People | 14.12.2020

Back to the Roots

Eine große Portion Optimismus und Tatendrang sind in Zeiten wie diesen gefragt und genau diese Eigenschaften zeichnen Klaus Kumpfmüller aus. Der 51-jährige Leondinger leitet seit August als Generaldirektor die Geschicke der HYPO Oberösterreich. Wir haben den Bankenmanager besucht und mit ihm über die künftigen Ziele und die strategische Ausrichtung der Bank gesprochen.

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© HYPO OÖ

Mit Klaus Kumpfmüller hat die HYPO Oberösterreich einen der renommiertesten Bankenmanager Österreichs an Land gezogen. Bis Jänner 2020 war der gebürtige Schärdinger Vorstand der Österreichischen  Finanzmarktaufsicht und hat in den vergangenen sieben Jahren eng mit den jeweiligen Finanzministern zusammengearbeitet. Diese Nähe haben wir zum Anlass genommen und den Experten um seine Einschätzung der wirtschaftlichen Situation nach Corona gebeten.
„Österreich ist finanziell gut aufgestellt, die Unternehmerinnen und Unternehmer sind kreativ, wir werden gestärkt aus der Krise hervorgehen“, so die Einschätzung von Klaus Kumpfmüller. Seine Prognose gibt in jedem Fall Hoffnung und Zuversicht, was wir jetzt mehr denn je brauchen.

 

Herr Generaldirektor, seit 10. August sind Sie Vorstandsvorsitzender der HYPO Oberösterreich. Haben Sie sich schon eingelebt? 

Ja, das ist relativ schnell gegangen. Zum einen war es eine Rückkehr zu meinen Wurzeln, da ich ja bereits von 2002 bis 2011 als Leiter der Großkundenbetreuung in der HYPO Oberösterreich tätig war. Außerdem hatte ich sechs Monate Zeit, mich während der Cooling-off-Phase vorzubereiten. Nach meinem Eintritt im August habe ich viele ehemaligen Kollegen wieder getroffen und mich mit ihnen upgedatet. Von Anfang an haben wir damit begonnen, uns mit der Zukunft der Bank auseinanderzusetzen und strategische Ziele festzulegen. Ich bin mitten im Geschehen und es fühlt sich so an, als ob ich schon wieder ewig da wäre.  

 

Als Sie im Jänner 2020 zum Vorstandsvorsitzenden der HYPO Oberösterreich bestellt wurden, legten Sie Ihre Vorstandsfunktion bei der Finanzmarktaufsicht zurück. Was hat Sie zum Wechsel in die oberösterreichische Traditionsbank bewogen?

Zum einen sicher meine private Situation. Ich war die vergangenen neun Jahre immer von Montag bis Freitag in Wien und habe nur die Wochenenden bei meiner Frau und Tochter in Leonding verbracht. Zum anderen aber auch meine berufliche Situation in Wien. Die Tätigkeit in der Finanzaufsicht ist sehr stark von der Politik abhängig und da ändert sich permanent etwas. 

 

Was zum Beispiel?

Ich war sieben Jahre Chef der Finanzmarktaufsicht und habe während dieser Zeit sechs Finanzminister gehabt. Die Halbwertszeit eines Finanzministers ist also relativ kurz (lacht). Wenn man, wie in meiner Funktion, sehr eng mit dem Finanzministerium und mit dem Minister zusammenarbeitet und alle paar Monate eine neue Situation hat, ist das ziemlich herausfordernd.

 

Nach Ihrem Studium waren Sie Mitarbeiter im Kabinett der damaligen Staatssekretärin Maria Fekter. Was ist für Sie das Spannende an einer Zusammenarbeit mit der Politik?

Die Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft zu sein, hat mich schon immer fasziniert und interessiert. Das war vor allem in der Finanzmarktaufsicht besonders stark gegeben. In der HYPO Oberösterreich ist das natürlich viel weniger der Fall. Wir haben zwar als Mehrheitsaktionär das Land Oberösterreich und arbeiten eng mit dem Land zusammen, aber die unmittelbare Nähe zur Politik ist viel weniger intensiv als in der Finanzmarktaufsicht. 

 

Können Sie uns erklären, was es mit der vorhin angesprochenen Cooling-off-Phase auf sich hat?

Es ist im „Code of Conduct“ für die Aufsichtsmitarbeiter und Vorstände der Finanzmarktaufsicht vorgesehen, dass man nicht eins zu eins von der Aufsicht in ein Unternehmen wechselt, das man vorher beaufsichtigt hat. Da könnte es mögliche Interessenskonflikte oder Wettbewerbsvorteile geben. In meinem Fall wurde diese Phase mit sechs Monaten definiert.

 

Was haben Sie während dieser sechs Monate gemacht? Konnten Sie die Freizeit ein bisschen genießen?

Aufgrund von Corona ist fast alles, was ich geplant gehabt habe, ins Wasser gefallen. Anfangs war ich Skifahren und ab Mitte März war ich dann die meiste Zeit zu Hause, wo ich meine Familie jeden Tag bekocht habe (lacht). 

 

Vermissen Sie Wien?

Ja, schon ein bisschen. Wenn man neun Jahre die meiste Zeit in Wien verbringt, bildet sich ein Netzwerk und es entstehen viele Freundschaften, und die fehlen mir. 

 

Sie gelten als einer der renommiertesten Finanzexperten des Landes. War ein Beruf im Bankensektor schon immer in Ihrem Lebensplan vorprogrammiert?

Ich habe relativ früh gewusst, dass ich beruflich etwas im Finanzsektor machen möchte.  Am Bankensektor fasziniert mich vor allem, dass man für Kunden Problemlöser sein darf und gemeinsam mit ihnen Lösungen erarbeiten kann. Ich war bereits vor meiner Tätigkeit in der Finanzaufsicht 15 Jahre lang in der Kundenbetreuung von Banken tätig. Hier ist die HYPO Oberösterreich schon richtig gut unterwegs, allerdings werden wir noch einen stärkeren Schwerpunkt darauf setzen. Wir sind eine Beraterbank mit hoher Dienstleistungsorientierung. 

 

 

 

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© HYPO OÖ

Was waren die ersten Themen, die Sie in Ihrer neuen Funktion als Generaldirektor angegangen sind?

Die HYPO Oberösterreich ist sehr solide aufgestellt und hat wenig Kreditrisiken. Wir sind mit dem Rating von A+ der internationalen Ratingagentur Standard & Poor’s die bestbewertete Bank in Österreich. Wir haben eine gute Basis, auf der wir aufbauen können und natürlich wollen wir weiterhin kräftig wachsen. Wir wollen künftig neue Kundenbeziehungen kreieren und mehr Kunden betreuen, sowohl im Privatkundengeschäft als auch im Firmenkundenbereich. Unternehmen, Ärzte und Freiberufler sind für uns schon immer ein Schwerpunkt gewesen. Hier wollen wir uns noch stärker positionieren. Und natürlich auch im Retailgeschäft, vor allem was das Thema Wohnbau betrifft. In diesem Geschäftsfeld haben wir als HYPO Oberösterreich eine große Expertise und verfügen über sehr gute Fachleute in der Kundebetreuung. Das zweite große Thema ist der Bereich „Sustainable Finance“, also Nachhaltigkeit. Hier geht es uns nicht nur um Nachhaltigkeit im Sinne von „Grün“ und Klimaschutz, sondern wir wollen das gesamte Unternehmen nach Nachhaltigkeitsgrundsätzen ausrichten.

 

Was wird das beinhalten?

Auf der einen Seite gehört hier natürlich das grüne Thema Klimaschutz dazu, aber es geht auch darum, dass man als Unternehmen transparent ist, dass das Thema Diversity eine Rolle spielt und man nach außen zeigt, was drinnen passiert. Diese Nachhaltigkeitsgrundsätze, die sehr stark von der europäischen Ebene kommen, werden wir in der Bank implementieren. Und dazu haben wir aufgrund unserer Geschichte die besten Voraussetzungen – nicht umsonst gibt es die HYPO Oberösterreich seit 129 Jahren. Alleine das zeugt von Nachhaltigkeit. Einen weiteren Fokus legen wir auf die Regionalität, die besonders in Corona-Zeiten eine Renaissance erlebt. Wir unterstützen die regionale Wirtschaft und möchten auch in Sachen Regionalität einen eigenen USP entwickeln.

 

Wie ist die Situation im Immobilien- und Wohnbereich im Moment?

Diese Bereiche boomen derzeit. Die Menschen haben zum Teil viel Geld auf der Seite und bekommen am Sparbuch kaum Zinsen, daher ist die Frage der Streuung des Vermögens absolut ein Thema. Viele Leute investieren in Immobilien, kaufen eine Wohnung, renovieren das Haus oder lassen den Garten neugestalten. Auch die Vorsorgewohnung ist stark in den Mittelpunkt gerückt. Das sieht man auch ganz deutlich an unseren Zahlen. In der Wohnbaufinanzierung, bei der wir Oberösterreichs Marktführer sind, haben wir z.B. heuer um 50 Prozent mehr Neuvolumen zu verzeichnen als im vergangenen Jahr.

 

Sparen die Österreicher noch oder kaufen Sie Gold?

Die Sparquote steigt definitiv. Die Leute sparen mehr, weil es im Moment weniger Möglichkeiten gibt, Geld auszugeben. Der Trend geht dahin, das Geld nachhaltig zu veranlagen und diesbezüglich bieten wir ein breites Produktportfolio an. Nachhaltige Veranlagungsprodukte, Immobilienveranlagung und auch Gold spielen hier eine große Rolle. Wir verzeichnen derzeit gute Zuwächse im Goldabsatz. Dennoch ist das Sparbuch nach wie vor ein Evergreen. Auch wenn man kaum Zinsen bekommt, die eiserne Reserve wird aufs Sparbuch gelegt. Darauf kann man immer zugreifen. Das ist auch aus Sicht eines Bankers eine gute Strategie, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern in verschiedene Produkte zu streuen. 

 

Wenn Sie jetzt viel Geld zur Verfügung hätten, wie würden Sie das veranlagen? 

Auf mehreren Schienen. Die eiserne Reserve würde ich, täglich verfügbar, auf dem Online-Sparbuch der HYPO Oberösterreich einlegen, einen weiteren Teil würde ich in verschiedene Wertpapiere veranlagen. Dabei würde ich in Unternehmen investieren, die besonders verantwortungsvoll mit unserer Zukunft umgehen. Und wenn ich richtig viel Geld hätte, dann würde ich mich informieren, wo es junge Unternehmerinnen und Unternehmer gibt, die man in der Startup-Phase unterstützen kann. Das ist sicher auch ein schönes Thema.  Aber leider habe ich nicht so viel Geld (lacht).

 

Corona ist ein Treiber für die Digitalisierung. Die HYPO Oberösterreich hat zwölf Filialen, werden diese auch künftig beibehalten?

Zweifelsohne hat sich die Nutzung der digitalen Produkte seit Corona massiv verstärkt. Das merkt man vor allem beim Zahlungsverkehr. Die Abwicklung der Bankgeschäfte über das Internet und die App hat sich massiv verstärkt. Aber man merkt auch, dass die Menschen in schwierigen Situationen einen persönlichen Ansprechpartner haben möchten. Insofern wollen wir beide Schienen aufrechterhalten, die Beratung auf der einen Seite und eine komfortable Abwicklung des Tagesgeschäfts digital. Digital gesehen sind wir auch innerbetrieblich gut aufgestellt und bieten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit für das Homeoffice an. Das hat sich gut bewährt und wird in Zukunft in den Normalbetrieb übernommen.  

 

Momentan ist es schwierig, Prognosen abzugeben, aber als Bankenmanager muss man für alle Fälle gerüstet sein. Haben Sie eine Ahnung, wo wir hinsteuern? Wie steht Oberösterreich als Wirtschaftsland da? 

Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch und davon überzeugt, dass wir stärker zurückkommen werden als vor der Krise, auch wenn wir jetzt schwierige Zeiten durchlaufen. Die Oberösterreicher sind kreative und unternehmerisch denkende Menschen. Ich spreche mit sehr vielen Unternehmern, die diese Phase der Unsicherheit nutzen und sich überlegen, wie sie ihr Geschäfts