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People | 29.09.2021

Aus Liebe zum Buch

Als Melanie Hofinger vor drei Jahren von der Schließung der Linzer VERITAS Buchhandlung erfuhr, entschloss sie sich prompt zum Kauf. Heute ist die erfolgreiche Jungunternehmerin stolze Besitzerin von sieben Geschäften. Wir haben mit der 28-Jährigen über Erfolge, Übernahmen und Bauentscheidungen gesprochen.

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© Mathias Lauringer

Es ist der Mut für seine Träume einzustehen, die Leidenschaft für bedruckte Seiten und das gute Gespür für die Branche, mit der Melanie Hofinger seit knapp drei Jahren die oberösterreichische Geschäftsszene aufmischt. Mit großem Erfolg. Seit dem Kauf der Linzer VERITAS Buchhandlung 2018 übernahm die sympathische Jungunternehmerin zwei weitere Buchhandlungen, eröffnete drei neu und ist seit Kurzem stolze Besitzerin des Spieleparadies im Donaupark  Mauthausen. Ein Engagement für das die 28-Jährige zahlreiche renommierte Auszeichnungen erhielt. Auf welches Gefühl sie bei einer Übernahme vertraut und was für sie eine gute Buchhandlung ausmacht, hat uns Melanie Hofinger im exklusiven Interview verraten.

OBERÖSTERREICHERIN: Das Büchergeschäft wurde bereits oftmals für tot erklärt. Sie hingegen haben alleine in der Coronakrise drei Buchhandlungen eröffnet. Verraten Sie uns Ihr Erfolgsgeheimnis?

Melanie Hofinger: Was mich und mein Team ausmacht, ist, denke ich, das Authentische und Bodenständige. Ich glaube, dass Bücher der Schlüssel für die Bildung der Gesellschaft sind, und dass es uns nur mit Bildung weiter gut oder besser gehen wird. Dafür müssen Bücher jederzeit erwerbbar sein, und der Gesellschaft diesen Zugang zu bieten, ist mir sehr wichtig.

Im Jänner 2020 haben sie offiziell die Buchhandlung Neugebauer am Linzer Taubenmarkt übernommen. Ab welchem Zeitpunkt war Ihnen klar, dass Sie die Traditionsbuchhandlung fortführen möchten?

Ab dem Tag, wo Herr Neugebauer an mich herangetreten ist, war für mich klar, dass ich die Buchhandlung übernehmen werde. Sie ist seit Jahren in Familienhand und gilt als echte Traditionsbuchhandlung und obwohl ich kein Familienmitglied bin, erachte ich es als wichtig, die Tradition fortzuführen. Aus diesem Grund haben wir uns auch dazu entschieden, die Buchhandlung unter den Namen „Neugebauer“ fortzuführen und die Tradition sowohl im Sortiment, als auch in den Räumlichkeiten aufrechtzuerhalten.

Den nachfolgenden Lockdown haben Sie produktiv für Umbaumaßnahmen genutzt. Was war Ihnen bei den Renovierungsarbeiten besonders wichtig?

Bei der Renovierung war mir wichtig, dass Tradition und Innovation eine harmonische Symbiose ergeben und dieses Konzept im Geschäft perfekt widergespiegelt wird. Doch eigentlich war dieser Umbau zu Beginn gar nicht geplant (lacht). Wir wollten am Vortag nur die Auslage erneuern und sind dabei auf einen leichten Wasserschaden sowie auf defekte Stromkabel gestoßen. So haben wir uns kurzerhand für eine Renovierung entschieden. Bereits am nächsten Tag haben wir zahlreiche helfende Hände organisiert und haben es trotz Lockdown geschafft, die Buchhandlung innerhalb von zehn Tagen kernzusanieren. Kurze Zeit später haben wir rechtzeitig zu den Öffnungsmaßnahmen und dem Weihnachtsgeschäft unsere Pforten geöffnet.

In jeder Ihrer Buchhandlungen findet sich ein Themenschwerpunkt. Welches Sortiment erwartet die Kunden am Taubenmarkt?

Die Buchhandlung Neugebauer ist seit jeher für ihren Schwerpunkt in Politikgeschichte, Rechtswissenschaften und Reiseliteratur bekannt und dieser ist nach wie vor sehr stark ausgeprägt. Außerdem erwartet die Besucher eine riesige Roman- und Belletristik-Abteilung, die wir zum Teil der bestehenden Reiseliteratur angepasst haben. Wer also eine Reise plant, findet bei uns direkt neben dem Reiseführer den passenden Krimi zum jeweiligen Land.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, ob Sie eine Buchhandlung übernehmen?

Das erste und wichtigste Kriterium, wonach ich entscheide, ist mein Bauchgefühl. Wenn es sich richtig anfühlt, dann sehe ich mir das Angebot mit meinen Beratern im Detail an. Für gewöhnlich machen wir das gerne bei einem guten Abendessen.

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Buchhandlung aus?

An erster Stelle die Mitarbeiter. Denn erst wenn sich die Mitarbeiter wohlfühlen, können sie dieses Wohlfühlgefühl auch an den Kunden weitergeben. Aber natürlich spielt auch ein gutes Sortiment eine wesentliche Rolle. Jährlich kommen circa 10.000 Publikationen auf den deutschsprachigen Raum – um stets die höchste Qualität bieten zu können, werden bei uns daher alle Neuerscheinungen sorgfältig ausgewählt.

Welches Buch können Sie uns für den Herbst empfehlen?

„Just Like You“ von Nick Hornby. Ein toller, tiefgründiger Roman über Vorurteile, den Brexit und die Liebe.

Können Sie sich vorstellen, in Zukunft noch weitere Buchhandlungen zu übernehmen?

Ich freue mich, wenn sich die Gelegenheit ergibt, ich freue mich aber auch, wenn es so bleibt, wie es ist. Mir ging es nie um Expansion, sondern immer um die Summe des Erhalts von guten Buchhandlungen.

Was raten Sie jungen Frauen, die ebenfalls überlegen, selbstständig zu werden?

Ich denke, am wichtigsten ist es, sich zunächst klar zu werden, warum man selbstständig werden möchte. Danach ist es nur noch eine Frage des Mutes, für seine Überzeugung einzutreten. Dabei sollte man aber nie die Bodenhaftung verlieren.