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People | 14.09.2016

„Augen zu und durch!“

Helena Kirchmayr (33) ist seit einem knappen Jahr Klubobfrau der Oberösterreichischen Volkspartei. Im November erwartet sie ihr erstes Kind. Wir haben mit ihr über die Herausforderungen von Job und Familie gesprochen.

Bild "Augen zu und durch!"
Die Mischung macht es aus – Frauen und Männer, jung und alt. ( © Andreas Röbl)

Helena Kirchmayr strahlt über das ganze Gesicht, als wir sie zum Interview treffen. Die Klubobfrau der ÖVP Oberösterreich genießt ihre Schwangerschaft und präsentiert ihren Babybauch in einem farbenfrohen Sommerkleid. Seit Herbst bringt die 33-jährige Puckingerin frischen Wind in die schwarze Männerriege. Besonders ihre sympathische und offene Art kommt gut bei den Menschen an. Beim Interview in ihrem Büro im Arkadenhof des Linzer Landeshauses spricht sie über die Herausforderung von Familie und Beruf und wie man mehr Frauen für die Politik motivieren kann.

Herzlichen Glückwunsch, Sie erwarten im November Ihr erstes Kind. Wie geht es Ihnen?

Im Moment geht es mir sehr gut! Ich habe mehr Energie denn je und kann meine Schwangerschaft richtig genießen. Allerdings bin ich schon froh, dass die ersten drei Monate vorüber sind. In dieser Zeit habe ich ziemlich unter Übelkeit gelitten, aber das gehört halt dazu (schmunzelt).

Wie lange werden Sie bei Ihrem Kind zu Hause bleiben?

Je nachdem, wie es mir und dem Baby geht, werde ich entscheiden, wann ich in abgespeckter Form wieder einsteige. Das Schöne ist, dass wir in der Volkspartei eine große Mannschaft haben. Ich habe vier Stellvertreter und wir sind im Klub sehr gut aufgestellt, weil ich unter anderem ein neues System mit Bereichssprechern eingeführt habe. Das bedeutet: Jeder Abgeordnete ist inhaltlich für gewisse Bereiche verantwortlich. Auf diese Weise wird es auch gut funktionieren, wenn ich nicht immer da bin.

Wie werden Sie die Familie und Ihren Job als Klubobfrau vereinbaren? Was sehen Sie bereits jetzt als größte Herausforderung?

Grundsätzlich bin ich schon sehr gespannt, wie es sich mit Baby anfühlen wird. Es ist ja mein erstes Kind, und darum weiß ich noch gar nicht, was auf mich zukommt (lacht). Eine Herausforderung wird sein, wie sich Familie und Job tatsächlich vereinbaren lassen. Wobei ich sehr auf Partnerschaftlichkeit setze. Auch mein Lebensgefährte wird sich beruflich darauf einstellen. Außerdem kann ich unser Kind mal mit ins Büro nehmen. Ich denke, dass man in Zukunft ohnehin viel mehr auf Familienfreundlichkeit setzen muss. Und es gibt Frauen, wie Doris Hummer oder Elisabeth Manhal, die in ähnlichen Positionen Kinder bekommen haben und gezeigt haben, dass es funktionieren kann.

Sie waren Mitglied der Jungen ÖVP und Gemeinderätin in Pucking, wo Sie auch leben, seit 2010 sind Sie Landtagsabgeordnete. Wann hat Ihr politisches Interesse begonnen?

Ich bin seit meinem 15. Lebensjahr bei der JVP. Damals standen aber, ehrlich gesagt, immer der Spaß, die Gemeinschaft und der Zusammenhalt im Vordergrund. Ich wurde dann Ersatz-Gemeinderätin in Pucking und bin da erstmals mit der Politik auf Tuchfühlung gegangen. Es war schon immer meine Intention, für andere einzutreten und selbst mitzugestalten. 2009 wurde ich dann gefragt, ob ich für den Landtag kandidieren will. Für mich war das ein Sprung ins kalte Wasser, aber es hat mir wirklich gut gefallen.

Nach der Wahl im Herbst konnte man immer wieder lesen, Sie hätten den Job als Klubobfrau bekommen, weil zumindest ein Posten mit einer Frau besetzt werden musste – nachdem Doris Hummer aus der Landesregierung geflogen ist. Wie sind Sie mit solchen Aussagen umgegangen?

Es war auch für mich sehr überraschend (lächelt). Natürlich kämpft man am Anfang damit, was die Medien schreiben zum Thema Quotenfrau. Das tut der Seele nicht gut. Aber ich bin danach sehr bestärkt worden –wobei ich mich nie als Notnagel oder Quotenfrau gefühlt habe.

Was halten Sie von der so genannten Frauenquote? Es gibt nicht wenige Frauen, die sehr enttäuscht sind, dass im Jahr 2016 nicht mehr Frauen in der Landesregierung sitzen ...

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, dass wir Frauen im Moment noch unterrepräsentiert sind – das gilt für viele Positionen in der Politik. Dennoch bin ich kein Freund von Quoten, weil ich es in anderen Betrieben erlebt habe. Ich bin überzeugt davon, dass es die Mischung ausmacht – Frauen und Männer, jung und alt. In der Volkspartei haben wir unter anderem ein Zehn-Punkte-Programm gestartet, wie man Frauen besser für politische Funktionen gewinnen kann. Fix ist, dass eine Frau in die Regierung kommen wird, sobald es einen Wechsel gibt. Dass ich Klubobfrau geworden bin, ist für mich übrigens auch ein gutes Zeichen für die Jugend. Es zeigt, dass man Chancen und Möglichkeiten hat, wenn man sich bereits in der JVP engagiert.

Wie kann man Frauen motivieren, in die Politik zu gehen?

Meiner Erfahrung nach wollen Frauen immer alles zu 100 Prozent machen. Oft trauen sie es sich – im Gegensatz zu einem Mann – nicht zu. Sie versuchen es erst auch gar nicht. Dabei ist es wie in jedem anderen Job. Augen zu und durch. Besonders wir jungen Frauen in Führungspositionen tragen die Verantwortung, dass auch wieder Frauen nachkommen. Für viele hat die Politik auch etwas Endgültiges – einmal Politikerin, immer Politikerin. Doch in der Realität ist es anders. Die Zeiten haben sich verändert. 

Wie sieht eigentlich der Arbeitsalltag einer Klubobfrau aus? 

Ich glaube, dass sich viele Menschen nichts darunter vorstellen können. Die Aufgabengebiete sind vielfältig. Es ist sehr aufregend und spannend und kann einem schon mal schlaflose Nächte bereiten. Ein Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Koordination der politischen Schwerpunkte mit allen anderen Parteien. Man muss mit allen gut auskommen, dann bringt man auch was weiter. Das funktioniert bis jetzt sehr gut. Der zweite Schwerpunkt ist die innerparteiliche Diskussion, die nicht fehlen darf. Man muss auch innerhalb der Partei eine Meinung zusammenbringen. Das Wichtigste ist, dass man zwischenmenschlich gut und konstruktiv arbeiten kann.