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People | 04.08.2020

Am Teppich geblieben

Mag. Ali Rahimi ist nicht nur Österreichs bekanntester Teppichhändler, der gebürtige Perser ist auch UN-Sonderbotschafter und ein begnadeter Netzwerker. Bei seinen legendären Charity-Events konnte er bereits Persönlichkeiten wie Bill Clinton, Nicolas Cage, Niki Lauda, Vivienne Westwood oder Ban Ki-moon begrüßen. Wir haben den Shootingstar der Teppichszene in seinem Geschäft in der Wiener Innenstadt getroffen.

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© Rahmig & Rahimi

Wir treffen Ali Rahimi bei Rahimi & Rahimi in der Spiegelgasse 6, mitten im ersten Wiener Bezirk, im stilvollen Palais Széchényi, wo wir in die sagenhafte Welt der Orientteppiche eintauchen. Herzlich nimmt uns Österreichs wohl bekanntester Teppichhändler in Empfang und zeigt uns sein Geschäft. Wer glaubt, auf den vier Etagen nur auf klassische Perserteppiche zu stoßen, irrt gewaltig. Im Schauraum im Erdgeschoß tummeln sich modernste Designerteppiche sämtlicher namhafter Designer wie Vivienne Westwood, Eli Saab, Paul Smith oder Diane von Fürstenberg. 

„Als mein Bruder und ich im Jahr 1995 das Geschäft von unserem Vater übernommen haben, hatten wir fast ausschließlich klassische Perserteppiche im Sortiment. Es gab überlieferte Muster aus verschiedenen Ursprungsländern und man hat wenig mit Farben und Design gespielt. Aber seither hat sich viel getan. Vor etwa 15 Jahren hat der renommierte deutsche Teppichdesigner Jan Kath klassische Teppiche neu interpretiert und alles bisher Dagewesene ordentlich entstaubt“, erklärt Ali Rahimi während er uns die stylishen Designerstücke zeigt. Dennoch treffen wir bei unserem Rundgang durch das Palais auch auf viele Klassiker, was uns jedoch nicht wundert. Denn mit einem Sortiment von 6.000 Teppichen gehört Rahimi & Rahimi zu den größten Anbietern im Fachhandel und man findet vom Läufer und Kelim über Klassiker und moderne Designerteppiche einfach alles, was das Herz begehrt.

Gute Geschäfte trotz Corona. Auch den coronabedingten Lockdown hat Ali Rahimis Firma gut weggesteckt. Natürlich war es anfangs ein Schock, aber wir haben das Beste daraus gemacht und unsere Homepage (www.rahimi.at) auf neue Beine gestellt, die im August online gehen wird. Zudem habe ich meiner Frau Carina, die mit ihrer Food-Manufaktur Nussyy in der Lebensmittelbranche tätig ist, unter die Arme gegriffen“, schildert Ali Rahimi gelassen. Entgegen aller Erwartungen trudelten während des Stillstandes laufend Anfragen und Anrufe von Kunden ein, die Interesse an einem neuen Teppich zeigten, und auch als das Geschäft wieder geöffnet hatte, blieben die Kunden nicht aus. „Man merkt schon, dass sich in den letzten Wochen einiges verändert hat. Die Menschen verbringen wieder mehr Zeit in ihren eigenen vier Wänden und wollen es schön und gemütlich haben. Da spielt natürlich auch der Teppich, als wichtiges Wohnaccessoire, eine große Rolle“, so Ali Rahimi. Er stellt aber auch fest, dass die Menschen wieder viel mehr Wert auf Qualität sowie umfassendes Service und vor allem auch auf Nachhaltigkeit legen – und diesbezüglich ist sein Team unschlagbar. Da seine Kunden in ganz Österreich und auch im benachbarten Ausland zu finden sind, fahren seine Mitarbeiter und auch der Chef höchstpersönlich zu ihnen nach Hause, um sie dort eingehend zu beraten. Dass man in der firmeneigenen Werkstätte Teppiche reinigen, restaurieren und lagern lassen kann, ist eine Selbstverständlichkeit.

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© Rahmig & Rahimi

Leistbare Teppiche. Ein erkennbarer Trend ist auch in der Individualität oder besser gesagt im Customizing zu erkennen. „Immer wieder werden bei uns maßgefertigte Teppiche nachgefragt. Erst vor Kurzem haben wir den größten Teppich in unserer Firmengeschichte mit den Maßen 60 mal sieben Meter ins Park Hyatt Hotel in Wien geliefert. Die Kunden entscheiden, welches Design, welches Material und welche Größe sie haben möchten und schon legen wir los“, lacht Ali Rahimi. Aber kann man sich als „Normalsterblicher“ die Teppiche im Palais Széchényi auch leisten? „Ja, natürlich ist es uns ein großes Anliegen, auch leistbare Teppiche zu verkaufen. Unser Angebot reicht vom handgeknüpften Teppich in der Größe von zwei mal drei Metern um 1.000 Euro bis hin zum Perser oder Designerteppich um 100.000 Euro. Wichtig ist uns, dass wir eine gute Qualität zu einem guten Preis bieten. Unter eine bestimmte Qualität gehe ich aber nicht, das kann ich nicht verantworten“, so Ali Rahimi. Apropos verantworten: Größten Wert legt der Geschäftsmann auch auf faire Arbeitsbedingungen in seinem Business. „Mein Großvater hat vor 100 Jahren in Persien mit dem Teppichhandel begonnen. Mittlerweile arbeiten wir mit Partnern im Iran, in Nepal, in Pakistan, in Indien und in Afghanistan zusammen. Wir haben eine langjährige Vertrauensbasis zu hervorragenden Knüpfern und Knüpferinnen in diesen und weiteren Ländern, sind mehrmals jährlich vor Ort, um die Produktion unserer eigenen Kollektionen zu begleiten und besondere  Teppiche zu kaufen“, erklärt Ali Rahimi.

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© Rahmig & Rahimi

STeP-zertifiziert. Seit jeher ist es seiner Familie ein Anliegen, dass es den Menschen, die für Rahimi & Rahimi arbeiten, gutgeht. „Der handgeknüpfte Teppich ist ein reines Naturprodukt. Die Menschen vor Ort tragen dazu bei, dass die alte Handwerkskunst nicht verloren geht, da hat es für uns natürlich oberste Priorität, dass sie faire Arbeitsbedingungen vorfinden. Dass es sich dabei nicht um leere Worte handelt, beweist die Tatsache, dass alle Teppiche aus dem Hause Rahimi STeP-zertifiziert sind und Ali Rahimi übrigens auch eines der ersten Mitglieder von STeP-Österreich war. „Trägt ein Teppich dieses Zertifikat, dann kann sich der Kunde drauf verlassen, dass die Produzenten gute Arbeits- und Lebensbedingungen, gerechte Löhne, keine Kinderarbeit und eine umweltfreundliche Herstellung vorfinden. Denn nur von einem glücklichen Knüpfer bekommt man auch einen glücklichen Teppich“, schmunzelt Ali Rahimi.

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© Rahmig & Rahimi

Begnadeter Netzwerker. Und wer den sympathischen Wiener nicht aus der Teppichbranche kennt, der hat ihn sicher schon des Öfteren in den „Seitenblicken“ gesehen. Denn nicht nur auf dem Gebiet des Teppichknüpfens ist er zuhause, auch in Sachen Kontakteknüpfen beweist er ein goldenes Händchen. „Diese Gabe habe ich meinem heute 90-jährigen Vater zu verdanken“, verrät uns Ali. „In seiner aktiven Zeit war er mit dem damaligen Wiener Bürgermeister und Landeshauptmann Franz Jonas und dem Polizeipräsidenten Josef Holaubek befreundet. Vor allem Holaubek war ein großes Vorbild für mich und so habe ich schon während der Schul- und Studienzeit viele Leute kennengelernt und zusammengebracht“, erinnert sich Ali. Auch die soziale Ader hat er seinem Vater zu verdanken. „Mein Papa ist vor 60 Jahren nach Wien gekommen und hat unser Geschäft sehr erfolgreich aufgebaut. Seine Dankbarkeit der Stadt Wien und auch den Kunden gegenüber, hat er immer offen gezeigt. Als er sich in den Ruhestand verabschiedete, hat er 60 Seniorenheimen einen Teppich geschenkt, um etwas von seinem Glück zurückzugeben“, so Ali.

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Auf Du und Du mit Promis. Und auch Ali Rahimi nimmt seinen Erfolg nicht als selbstverständlich hin. Immer wieder öffnet er die Tore des Palais Széchényi, um ganz besondere Charity-Events zu veranstalten. Persönlichkeiten wie Bill Clinton, Nicolas Cage, Ban Ki-moon, um einige zu nennen, waren bereits bei ihm zu Gast. Er unterstützt Projekte für das Jane-Goodall-Institut oder Sissi Prölls „Hilfe im eigenen Land“. „Hermann Nitsch hat für uns zwei Teppiche entworfen, die 100.000 Euro für notleidende Menschen eingebracht haben. Heuer hätten wir ein großes Projekt mit Gottfried Helnwein am Radar gehabt. Das mussten wir leider wegen Corona auf nächstes Jahr verlegen. Aber aufgeschoben, ist nicht aufgehoben“, ist Ali Rahimi zuversichtlich. Wir sind jedenfalls beeindruckt von den vielen Teppichen, die in dieser einzigartigen Umgebung präsentiert werden, aber auch von Ali Rahimi, der das Herz zweifelsohne am rechten Platz hat und am Boden oder besser gesagt, am Teppich geblieben ist.